Wege der Selbstheilung Teil 7

Nicht Dein Wissen macht Dich aus, egal wie viele Titel Du auch angesammelt hast. Auch nicht Dein teures Auto oder was Du sonst noch meinst zu besitzen. Ebenfalls nicht Deine guten Beziehungen, die Du nutzen kannst, wenn Du etwas brauchst. Oder Dein blendendes Aussehen, mit der extravaganten Kleidung... Nur das, was Du in Deinem Herzen trägst, macht Dich zu dem Menschen, der Du wirklich bist... © Emily-Star


Über die Arbeit in der Tiefe

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Ein paar Tage später nach der ersten Reise in die Tiefe und der damit verbundenen Erkenntnis, daß ich mich schon sehr früh gelernt hatte zu verstellen (um psychisch und emotional irgendwie zu überleben), wußte ich aber immer noch nicht, wer ich denn nun war. Ich hatte einen kleinen Einblick in einige der Erlebnisse bekommen, die es irgendwie aufzuarbeiten galt. Denn sie steuerten auch heute noch mein Verhalten, ohne das mir dies bisher wirklich bewußt gewesen war. Diesmal jedoch wollte ich mir ganz gezielt nur ein einziges Thema heraus picken, um nicht mehr so wahllos von meinen Erinnerungen überflutet zu werden.

Es ist wie mit dem Zimmer aufräumen. Man hat nur zwei Hände und nicht zehn. Also kann man auch nur nach und nach ein Ding nach dem nächsten wieder an seinen Platz räumen. Und nicht wie bei Bibi Blocksberg, alles auf einmal mit dem Zauberstab an den richtigen Platz befördern. Je chaotischer das Zimmer ist, umso mehr kann das einen das entmutigen. Deshalb ist es sehr wichtig, sich erst mal nur auf eine Sache zu konzentrieren. Mein inneres Zimmer war ein riesengroßes Chaos und ich ahnte bereits, daß es sehr viel Zeit in Anspruch nehmen würde, dieses wieder einigermaßen wohnlich zu gestalten. Aber ich wußte ebenso, daß wenn die ersten Ecken gemacht waren, ich mich in genau diese zurück ziehen konnte, wenn mir der Anblick vom Ganzen zu viel wurde. Das bedeutete im Klartext, mich zu erinnern, was ich schon geschafft hatte und lernen stolz darauf zu sein. Nun welche Ecken waren jetzt eigentlich schon aufgeräumt?

Ich hatte mich seit 3 Jahren nicht mehr selbst verletzt, den Entzug von den Antidepressiva geschafft, seit sehr vielen Jahren keinen Versuch mehr gestartet dem Leben körperlich zu entkommen, Zugriff auf meine Gefühle erhalten und in der letzten Reise in der Tiefe meine Ängste ausgehalten. Ich war diesmal nicht abgehauen, indem ich wieder versuchte mich durch irgendetwas davon abzulenken. Sondern hatte angefangen mir ehrlich anzusehen, was dahinter lag. Mich einem Teil meiner schmerzhaften Vergangenheit gestellt.

Im Außen hatte ich es endlich geschafft meinen Haushalt zu führen, mir bewiesen, daß ich sehr wohl in der Lage war allein zu leben und bei meinen Betreuten Dinge geschafft, die selbst die Pfleger nicht hin bekamen. Ich hatte eine meiner alten Damen, die Alzheimer hatte, immer wieder beruhigen können, wenn sie laut herum schrie. Aus diesem Grund wurde sie vor mir nämlich nicht mehr zu den öffentlichen Veranstaltungen gelassen, weil sie dort störte. Man stelle sich vor, alles ist ruhig, lauscht einem Redner und sie fängt mit einem Mal an ohrenbetäubend laut nach ihrer Mutter zu schreien. Den Fehler, den dann die meisten machen ist, zu sagen sie sollen sich beruhigen, die Mutter ist doch schon lange tot. Ich habe es anders gemacht. Ich sagte ihr einfach, daß ich gerade mit ihr gesprochen hätte und sie später käme. Wir sollten doch schon mal in Ruhe einen Kaffee trinken und auf sie warten. Und dann war es gut. Sie hörte auf zu schreien und das ohne meckern oder beruhigende Medikamente!

Ich wurde dann manchmal sogar von den Pflegern gefragt, wie ich das schaffte mit diesen schweren Fällen umzugehen und mir wurde auch mehr als nur einmal angeboten sie wieder abzugeben. Ich log, daß ich es selber gar nicht wußte. Wäre wahrscheinlich einfach ein Instinkt. Aber innerlich dachte ich mir nur: „Ich weiß, wie es ist, wenn alles über einen herein bricht. Wenn man einsam ist, wenn es einem schlecht geht. Ich kenne das. Und auch das innere Kind, was da in der alten Dame nach seiner Mutter ruft, das ist mir bekannt. Denn es ruft auch in mir, immer wieder. Ich wollte ihm nur nie zuhören. Es stattdessen zum schweigen bringen. Aber jetzt werde ich das ändern, ganz wie bei der alten Dame. Ich werde mir jetzt die Zeit nehmen und mir endlich anhören, was es zu sagen hat. Ich werde von nun an, die liebevolle Erwachsene sein, die sich dieses innere Kind immer gewünscht hat. Ich werde es trösten und nicht länger mit Missachtung bestrafen. Es reicht ja schon, daß so viele Andere das früher taten. Da muß ich selbst, das ja nicht auch noch fortsetzen!“

Als mir das klar wurde, war ich dankbar, daß ich noch einmal über das Erreichte nach gedacht hatte. Denn jetzt wußte ich ganz definitiv, daß tatsächlich etwas dran war, an der Sache mit dem inneren Kind. Denn wenn man Alzheimer hat, dann entwickelt man sich genau zu diesem zurück. Man vergißt das JETZT immer mehr und lebt geistig und emotional in der Vergangenheit. Gäbe es dieses innere Kind nicht und wäre das Verdrängte wirklich vergessen, dann würden diese Menschen, dieses ja auch nicht wieder hervor kehren. Dann könnten sie sich auch gar nicht mehr an diese Zeit erinnern. Oder?

Ich finde es sowieso sehr interessant, daß wenn man alles Wissen nach und nach verliert, am Ende nur noch die Gefühle übrig bleiben. Du kannst alles vergessen, alles verlieren- aber die Gefühle bleiben! Auch das hat mir wieder einmal bestätigt, was letzten Endes wirklich zählt und was nicht. Was von uns übrig bleibt, wenn all die Ablenkungen und Ausdrucksmöglichkeiten nach und nach weg fallen…

Es sind unsere Gefühle! Und genau diesen begann ich mich nun nach und nach zu widmen. Mehr dazu in Teil 8.

Bildertext:

nicht Dein Wissen macht Dich aus,
egal wie viele Titel Du auch angesammelt hast
auch nicht Dein teures Auto oder
was Du sonst noch meinst zu besitzen
ebenfalls nicht Deine guten Beziehungen,
die Du nutzen kannst, wenn Du etwas brauchst
oder Dein blendendes Aussehen,
mit der extravaganten Kleidung…

nur das, was Du in Deinem Herzen trägst,
macht Dich zu dem Menschen, der Du wirklich bist…

© Emily-Star

Befrei Dich! Mein Weg aus einer destruktiven Gewaltbeziehung

Wie versprochen, hier der erste Teil der „Befrei Dich!“ Reihe als Videopost. Das Thema nimmt mich noch immer sehr mit, wie Ihr sicherlich bemerken werdet. Aber ich sagte ja bereits, daß ich das noch nicht aufgearbeitet habe und das ist das allererste Mal, wo ich die Geschichte komplett erzählen will. Also etwas ganz anderes, als die Musikvideos zuvor. Aber das Thema ist mir einfach zu wichtig, um es nur zum Lesen oder reinen Hören zu haben. Ich gebe der ganzen Geschichte ein Gesicht. Mein Gesicht! Authentisch, offen und absolut schonungslos.