Wege der Selbstheilung Teil 3

Niemand kann Dein Leben für Dich leben! Dir Deine Wünsche und Träume erfüllen! Das kannst nur Du allein! © Emily-Star

Über das Helfersyndrom und warum ich es abstellte!

(Um diesen Artikel vorgelesen zu bekommen, klickt bitte auf folgenden Link oder Player: https://archive.org/details/WegeDerSelbstheilungTeil3)

Zusätzlich zu dem Tanz, versuchte ich meinen Tag mit Aktivitäten zu füllen. Denn so richtig bereit, mich all den inneren Dämonen zu stellen, war ich noch immer nicht. Auch wenn ich meine Biografie von über 400 Din A 4 Seiten bereits verfaßt und online veröffentlicht hatte. Doch als ich diese schrieb, tat ich es, ohne meine Emotionen in die Zeilen mit einfließen zu lassen. Meine Lebensgeschichte war also mehr eine nüchterne Zusammenfassung meiner traumatischen Erlebnisse. Sie las sich zwar spannend, aber lies jegliches Gefühl vermissen. Und nach noch kritischerem darüber nachdenken kam mir die Erkenntnis, daß sie lediglich Leid vermittelte, ohne einen Hoffnungsschimmer im Gepäck. Es war wieder nur eine Leidensgeschichte, wie viele andere auch. Es fehlte an Möglichkeiten, wie man aus diesem Leid wieder heraus kommen konnte. Und das tat es deshalb, weil ich diesen Weg ja selbst noch gar nicht gefunden hatte. Als ich das begriff, nahm ich sie wieder aus dem Netz. Ich wollte schließlich Hoffnung vermitteln und nicht noch mehr Leid in der Welt verteilen.

Stattdessen gründete ich ein Forum für psychisch kranke und behinderte Menschen, wo ich ihnen nicht nur das Gefühl eines „virtuellen Zuhauses“ geben wollte, sondern auch die Möglichkeit zu zeigen, was sie konnten. Denn ich hatte während meiner Psychiatrieaufenthalte viele Menschen kennen gelernt, die phantastische Bilder malten, Gedichte schrieben oder sogar tolle Musik machten. Nur wollte das keiner sehen. Ich bemühte mich zudem darum, daß auch „gesunde“ Maler, Musiker und Poeten das Projekt mit unterstützten. Ein paar fand ich dann auch, die ihre Musik im Forum gratis zum download bereit stellten und noch mehr, die an meiner Lichterkette auf myspace teil nahmen. Diese hatte ich mit meinem Forum verlinkt und sollte als kleines Hoffnungssymbol dienen. Da ich zudem noch Moderatorin bei einem Internetradio war, nutze ich diese Tatsache ebenfalls um Zuhörer und noch relativ unbekannte Künstler zum mitmachen bei meinem Projekt zu bewegen. So verwandte ich viel Zeit auf den Aufbau und das Fortführen meiner Projekte. Aber eines hatte ich dabei wieder mal vollkommen vergessen – MICH!

Und die Tatsache, daß ich mir erst einmal selbst helfen sollte, bevor ich das bei anderen versuchte. Denn natürlich wurde in meinem Forum auch von Schwierigkeiten geschrieben, die ich als Inhaberin und einzige präsente Moderatorin nicht lösen konnte. Ganz gleich wie sehr ich mich auch darum bemühte. Außerdem kostete mich das Projekt auch sehr viel Geld, was ich ebenfalls nicht wieder herein bekam. Denn ich wollte auf gar keinen Fall Geld von denen nehmen wollte, die Hilfe brauchten. Das ich selbst erst einmal Hilfe gebraucht hätte, kam mir zu der Zeit gar nicht in den Sinn. Dieses Helfersyndrom war nämlich auch wieder nichts anderes, als ein weglaufen. Eine Ablenkung. Getreu dem Motto: „Wenn ich mich mit den Problemen und Wünschen anderer beschäftige, dann muß ich das ja nicht mit meinen eigenen tun!“ Das was nach außen hin so löblich aussah, war im Grunde nichts anderes, als ein Versuch über andere Menschen meine Wünsche zu erfüllen (wie zum Beispiel endlich gesehen und anerkannt zu werden).“ Und so ist es ja auch leider oft bei Eltern der Fall. Die Kinder sollen zum Beispiel die Träume der Eltern leben. Die verpaßten Gelegenheiten wahr nehmen. Die sollen es mal besser haben…

Aber leider, leider kann niemand Dein Leben für Dich leben! Dir Deine Wünsche und Träume erfüllen! Das kannst nur Du allein! Und selbst, wenn Deine Kinder den Weg gehen, den Du eigentlich gehen wolltest, wird Dich das nicht befriedigen! Und ganz gleich wie sehr Du Dich auch um die Probleme der Anderen kümmerst, Deine eigenen löst Du damit nicht! Und wenn Du erwartest, daß irgendjemand auf dieser Welt dafür zuständig ist (wie zum Beispiel Dein Partner), Dich glücklich zu machen, dann wirst Du ebenfalls enttäuscht werden. Ob Du glücklich oder unglücklich bist ist (ab dem Erwachsenenalter) allein DEIN Verdienst! Ich schreibe deshalb Erwachsenenalter, weil Du als Kind ja schlecht sagen kannst- „Ich zieh dann mal aus!“

Doch trotzdem ich mich zunehmend überfordert fühlte und mir ganz langsam die Erkenntnis kam, daß mein Forumprojekt trotz allem nicht so anlief, wie ich mir das gewünscht hatte, (da irgendwann mehr „gesunde“ als „kranke“ Künstler da waren, die eigentlich nur Werbung für sich machen wollten) hielt ich stur und blind daran fest.

Bis ich eines Nachts in meinem Bett lag und kaum noch Luft bekam. Jeder Atemzug tat mir weh und ich wußte nicht wieso. Ich suchte nach Möglichkeiten, wie es leichter fallen könnte. Hoffte, das ginge schon irgendwie wieder weg. Tat es aber nicht. Es wurde immer heftiger- immer schlimmer. So das ich mich letzten Endes durchrang und endlich zum Arzt ging. Ich rechnete damit, daß es was mit meiner Lunge zu tun haben würde, ich vielleicht zuviel rauchte. Aber nein, das war es leider nicht! Es war (für mich) eine Botschaft vom Leben, endlich zu leben! Es war endlich der Wendepunkt, den ich gebraucht hatte. Der zugegebenermaßen etwas heftige, aber zu der Zeit notwendige Schubs in eine ganz andere Richtung. Doch dazu mehr in Teil 4!

Bildertext:

Niemand kann Dein Leben für Dich leben!
Dir Deine Wünsche und Träume erfüllen!
Das kannst nur Du allein!

© Emily-Star

13 Gedanken zu “Wege der Selbstheilung Teil 3

  1. Liebe Emily,
    ich habe jetzt erst mal damit angefangen, die ersten drei Teile Deiner „Wege zur Selbstheilung“ zu lesen. Da hast Du ja wirklich sehr sehr viel über Dich selber herausgefunden … und das kannst Du gut vermitteln. Es ist schön, Deinen Blog zu lesen. Und ich bin überzeugt, dass auf diese Art und mit Deinen Worten auch vielen anderen Menschen geholfen wird, die das hier lesen. Das, was Du erkannt hast, lässt sich sicher nicht zu 100 % auf jemand Anderen ummünzen, aber jeder kann seine eigenen Lehren und Hilfen aus Deinen Erlebnissen und Worten ziehen. Eben genau die, die er braucht. Das ist Helfen, ohne sich selber dafür aufgeben zu müssen.
    Und wer keine Hilfe braucht, der kann sich berühren lassen. Ist doch auch schön 🙂
    Lieben Gruß

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    1. Danke für Deine Worte. Ich freue mich, daß Dir die Einträge gefallen. Den Namen der Seite habe ich auch mit Absicht „Wege“ genannt, weil wie Du ja auch richtig erkannt hast, es so viele verschiedene Menschen mit unterschiedlichen Problemen gibt, daß es nie nur ein Weg sein kann. Es gibt immer mehrere Möglichkeiten und die versuche ich nach und nach zur Verfügung zu stellen. Ich kann es nicht leiden, wenn Menschen ihren Weg als den einzig wahren anpreisen. Deshalb habe ich diesen Titel gewählt. Jeder ist einzigartig, mit seiner Geschichte und seinen Problemen. Da gibt es kein Patentrezept für alle und doch wollen uns das viele Menschen weis machen.

      Zu einem späteren Zeitpunkt folgt dann noch eine allgemeine Kategorie mit Gedanken für Zwischendurch. Das ist dann wild gemischt. Dort habe ich mal entspannendes, mal nachdenkliches. Halt allgemeiner. Nicht auf dem Selbsthilfeschwerpunkt.

      Und dann wird es noch eine spezielle Kategorie geben, die mir persönlich am meisten am Herzen liegt und diese richtet sich an Menschen, die in einer destruktiven Beziehung leben. Damit meine ich Beziehungen, wo der Betroffene wirklich unterdrückt, nieder gemacht und geschlagen wird. Sei das nun körperlich oder psychisch. Denn mir selbst hat das damals extrem geholfen, die Muster zu erkennen, die dahinter stehen und mich dann daraus zu befreien. Denn mit einfach „gehen“ ist es eben nicht getan. Die Statistik sagt, daß die Betroffenen erst beim 7.Versuch endgültig gehen. Bei mir war es nicht der siebte, aber auch nicht der erste. Ich habe mehrere Anläufe gebraucht. Ja und auch da lege ich mich nicht speziell auf Frauen als Opfer fest, denn das Problem können durchaus auch Männer haben.

      Viele liebe Grüße 🌻

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      1. Whow … das klingt ja richtig richtig spannend! Hier gibt es ja jetzt schon so viel zu entdecken! Aber pass auf, dass Du Dich selbst nicht wieder vergisst! 🙂
        Ich bin jetzt jedenfalls öfter mal hier!
        Hab noch einen schönen Tag 🙂

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      2. Da brauchst Du keine Sorge zu haben, da sowohl viele Teile der Selbsthilfereihe, als auch der anderen Kategorien bereits fertig sind und nur noch auf die Veröffentlichung warten. Die Selbsthilfereihe wird immer Sonntags ab 19 Uhr veröffentlicht und der Rest zwischendurch.

        Ich wünsche Dir ebenfalls einen schönen Tag 🌄

        Liken

  2. Liebe Emily,

    lange Zeit hatten traumatischen Erlebnisse aus der Vergangenheit Macht über mich, daher kann ich vieles was Du schreibst, sehr gut nachvollziehen. Aber so komisch es klingt- ein einziges Zitat, welches ich mir wie ein Mantra vorbete, hat mir dauerhaft geholfen. Es lautet: Es sind nicht die Dinge selbst, die uns beunruhigen, sondern die Vorstellungen und Meinungen von den Dingen.😊 (Epiktet) Für mein Buch, habe ich ein Gedicht mit dem Titel „Wahrnehmung“ verfasst und ich glaube, das trifft das Themarecht gut. Zumindest hat es großen Anklang gefunden. Ich werde es noch heute in meinem Blog veröffentlichen.
    Sonnige Grüße aus Salzburg
    Lo

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  3. Liebe Emily,

    wir lernen dazu und manchmal neigen wir dazu, wenn wir einen großen Schritt machen, zurück zu schauen und das, was wir getan haben, als falsch zu betrachten.
    Natürlich zeigt eine intensive Körperreaktion, dass etwas nicht richtig für uns läuft.
    Trotzdem denke ich, dass anderen helfen zu wollen manchmal ein erster Schritt ist um uns auch selbst zu helfen. Weil der Austausch allein manchmal schon hilfreich ist und die Erfahrung: Ich bin nicht allein und ich bin nicht besonders dumm, dass mir das passiert (o.ä.). Es gibt andere…
    Wenn die Hilfe für andere natürlich in so großem Ausmaße geschieht, dass wir selbst dabei auf der Strecke bleiben, wird eine Kursänderung nötig. Ok, das wird immer wieder einmal nötig sein, den Kurs anzupassen.

    Dein Beitrag berührt mich in verschiedener Hinsicht; manches kenne ich von mir selbst so oder ähnlich. Und ich habe mir heute gerne den Beitrag neben dem Lesen der Buchstaben gerne von dir auch akustisch vorlesen lassen. Etwas mit unterschiedlichen Sinnen gleichzeitig zu erfassen, macht es vollständiger, das mag ich.

    Ich empfinde es manchmal als feinen Grat zwischen positiven, gegenseitig nährenden Beziehungen und solchen, die zu einseitig laufen, zu unterscheiden. Inzwischen bin ich wohl eher geneigt, mich nicht auf eine persönliche Beziehung einzulassen, als Gefahr zu laufen, dass ich mich mit einer überfordere. Manchmal empfinde ich mich selbst nicht als besonders guten Freund, aber ich gestehe mir zu, dass ich manchmal die meiste zur Verfügung stehende Energie für mich selbst benötige.

    Ich wünsch dir einen entspannten Abend 🌀🛋☯

    Gefällt 3 Personen

    1. Vielen Dank für Deine offenen Worte, liebe Marion. 👍

      Wir haben so viel gemeinsam. Das erstaunt mich ungemein, denn auch ich handhabe es mittlerweile so wie Du. Ich sage mir dann aber auch, daß ein Helfer ohne genügend Energie, auch gar nicht richtig helfen kann! Das ist so, wie wenn ich total heiser bin und meine Stimme krächzt. Ich kann zwar noch etwas vorlesen, aber erstens klingt es nicht schön und zweitens, erzielt es dadurch nicht die Wirkung, die es haben soll auf den Hörer. Da der Klang in den Inhalt übel mit hinein spielt und vom. eigentlichen immer etwas ablenkt. Ja und drittens, ist dann irgendwann einfach kein sprechen mehr möglich, wenn ich es übertrieben und nicht auf mich gehört habe!

      Ich wünsche Dir einen schönen Tag 🤗

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      1. Ja, ein Helfer, der nicht in seiner Kraft ist…, versucht sich manchmal von sich selbst abzulenken. Und tut damit derweil trotzdem etwas Gutes für sich und meist ja auch für den anderen. Es ist ein Lernweg für beide.
        Je mehr ich ich selbst werde, umso weniger möchte ich anderen helfen. Und das befreit.
        Ich bin zu dem Schuss gekommen, letztlich muss sich jeder selbst helfen / heilen, weswegen mich auch dein Blogname ansprach.

        Danke, ich habe heute bis Mittag gearbeitet, bin nun am Waschen und werde weiter packen. In knapp 4 Wochen ziehe ich ja um.

        Ich wünsch dir einen schönen Nachmittag und Abend.

        Liebe Grüße 🌈

        Gefällt 1 Person

  4. Liebe Emily, du hast wie andere dazu gelernt, dich selbst und andere besser kennengelernt, gewonnen und dafür einen Preis bezahlt. Ich glaube, dass wir manches nur durch Erfahrung lernen und gewinnen und dass das ok ist. Es war nicht vergeblich, was du durchgemacht hast. So gesehen beschreibt auch dieser Beitrag dein persönliches Reifen und Heilen. Danke für das ehrliche Erzählen! Liebe Grüße, Volkmar

    Gefällt 2 Personen

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