Wege der Selbstheilung Teil 4

Regen fällt hernieder, es ist mir als ob der Himmel weint. Tropfen perlen von meiner Fensterscheibe hinunter zum Sims. Zerplatzen dann auf dem Asphalt und fließen in Rinnsalen. Hin zu der kleinen Blume, die am Straßenrand steht und schon so lange nach Wasser gedürstet hat. © Emily-Star

Unheilbar krank und was jetzt?

(Um diesen Artikel vorgelesen zu bekommen, klickt bitte auf folgenden Link oder Player: https://archive.org/details/WegeDerSelbstheilungTeil4)

Mein Arzt erklärte mir stattdessen, daß meine Nerven sich aufgrund einer nun mittlerweile chronischen Borreliose entzündet hatten. Ich stand da erst einmal, wie der Ochs vorm Berg. Hatte absolut keine Ahnung, was eine Borreliose sein sollte und auch noch nie etwas davon gehört oder gelesen. Er erklärte mir, daß das von einer Zecke kam, die mich irgendwann einmal gebissen haben mußte und fragte mich, ob ich mich erinnern könnte, jemals einen roten Ring um den Einstich gesehen zu haben. Und da fiel es mir ein. Ja das konnte ich, weil ich es damals zwar als eigenartig, aber nicht bedrohlich empfand. Außerdem war das ja auch schon über 8 Jahre her gewesen. Nun, daß das älter ist, hätte er anhand der Werte im Blut auch schon gesehen. Und das bedeutet, daß da derzeit nichts mehr zu machen ist. Vielleicht gibt es ja irgendwann mal ein Heilmittel, aber im Moment bedauerlicherweise nicht. Wäre ich hingegen damals direkt zum Arzt gegangen, dann hätte man mit einer sofortigen Antibiotikakur, noch alles in den Griff kriegen können. Doch so haben sich die Borrelien im Laufe der Jahre vermehrt und in meinen Körper verteilt. Wo das kann er derzeit nicht sagen, aber ich solle doch bitte in Zukunft mehr auf meine Gesundheit achten. Denn wenn das Immunsystem geschwächt ist, bricht es schneller wieder aus, als wenn ich topfit bin. Dann fragte er mich noch, wieso ich damals eigentlich nicht beim Arzt war.

Ich bin ein Mensch, der nicht gern zum Arzt geht, da ich zum einen die langen Wartezeiten dort hasse und zum anderen immer in eine Art Verhör komme, sobald dieser meine Arme sieht. Die Tatsache, daß aufgrund des Heilungsprozesses ja zu sehen ist, daß ich mich seit so vielen Jahren überhaupt nicht mehr verletzt habe, wird da absolut außer acht gelassen. Ich spüre förmlich den unausgesprochenen Gedanken, „Ob die jetzt wirklich was hat oder ob es wohl nur psychosomatisch ist?“ Dieses komplett andere Verhalten, als noch vor ein paar Sekunden, als er noch keinen Blick auf meine Arme geworfen hatte. Und ich mag es nicht! Immer in der Beweispflicht zu sein, daß ich wirklich wegen körperlichen Beschwerden gekommen bin und nicht weil ich Aufmerksamkeit brauche. Diese Fragen, bevor überhaupt weiter untersucht wird, ob ich vielleicht psychisch unter Streß stehe. Nun ja, in diesem Fall hatte ich wohl bewiesen, daß das nicht der Fall und ich anhand der Blutergebnisse tatsächlich körperlich erkrankt war.

All das dachte ich mir allerdings nur und blieb ihm die Antwort schuldig. Doch da er, wie fast jeder Arzt, unter Zeitdruck stand, schien ihm das auch gar nicht aufzufallen, denn er redete sogleich weiter.

Jetzt gäbe er mir erst einmal ein Antibiotika mit und die soll ich dann regelmäßig nehmen. Das tötet die Borrelien zwar nicht ab, aber bringt sie wieder in einen inaktiven Zustand. Ansonsten solle ich doch bitte regelmäßig meine Blutwerte kontrollieren lassen, denn daran kann man sehen, ob sie aktiv sind oder nicht. Na ganz toll, dachte ich mir nur, jetzt muß da auch noch regelmäßig hin rennen. Als hätte er meinen Gedankengang erraten, führte er weiter aus: „Sie sollten das ernst nehmen, denn auch wenn sie sich gut fühlen, können die Borrelien schon aktiv sein. Und den Schaden den sie anrichten, der ist irreversibel.“ „Irrewas?“ fragte ich mit größter Mühe ihm überhaupt noch zu folgen. „Irreversibel. Das bedeutet nicht rückgängig zu machen. Das heißt, wenn sie die Nervenbahnen oder ein anderes Organ schädigen, kann man das nicht wieder rückgängig machen. Man kann es nur stoppen, indem sie diese Antibiotika nehmen. Und deshalb ist es wichtig, daß sie regelmäßig kommen. Aber natürlich sollten sie auch dann kommen, wenn sie sich unwohl fühlen.“ „Inwiefern?“ fragte ich ihn. „Nun ja, wenn sie zum Beispiel merken, daß irgendetwas taub wird. Na sie werden das dann schon mitkriegen!“ Oh ganz tolle Vorraussichten dachte ich mir nur und mittlerweile stand ich wirklich unter psychischem Streß. Mein Kopf fühlte sich wie benebelt an und ich wollte nur noch nach Hause. „Gut Frau … wir sehen uns dann in vier Wochen wieder!“ schloß er seinen Vortrag und reichte mir die Hand. „Achso und nicht soviel in die Sonne gehen, während sie das Medikament nehmen, das verträgt die Haut nicht so gut!“ fügte er dann doch noch hinzu. Ich war schon froh, daß er damals nicht auch noch erwähnt hat, daß die Antibiotika irgendwann auch nicht mehr helfen werden.

Da stand ich nun also, mit einer nicht gerade sehr einfühlsamen, um die Ohren geknallte Diagnose und versuchte geistig zu verabeiten, was mein Arzt mir da eben alles gesagt hatte. Aber es gelang mir einfach nicht. Ich durchlief dann die typische „Verleugnungsphase“ – ala „Nein, habe ich nicht! Der Arzt muß sich geirrt haben! Vielleicht hast du dir ja zum ersten mal in deinem Leben wirklich was eingebildet? Vielleicht wurden ja auch die Blutproben vertauscht, soll ja vorkommen sowas.“ Und so ging ich zu einem anderen Arzt, der mir aber auch nur die Diagnose bestätigen konnte. Und dann nach dem dritten Arzt, fing es mir langsam an zu dämmern. Es lies sich nicht mehr verleugnen. Ich hatte es tatsächlich. Ich, die so viele Jahre das Leben als Last empfunden hatte, die mehrfach versucht hatte ihm zu entkommen und es dabei auch zwei Mal fast geschafft hätte. Ich begriff mit einem Mal: „Das Leben ist endlich! Es ist kurz! Es ist nichts selbstverständlich!“ Und ich fragte mich, was ich eigentlich bisher daraus gemacht hatte? Die Antwort war ernüchternd- niederschmetternd. „Nichts! Bis auf jammern und weglaufen einfach nichts! Ich hatte einfach nur so vor mich hin gelebt, nein vegetiert traf es da wohl besser. Die kostbare Zeit mit dem Computer verbracht. Mir Horrorfilme und Bücher angeschaut. Alles als selbstverständlich hin genommen. Meine Gesundheit nicht geschätzt, sondern im Gegenteil fahrlässig damit umgegangen.“ Und als mir das alles klar wurde, zog ich abrupt die Konsequenzen. Ich schloß meinen Weblog, den ich so viele Jahre geführt hatte. Löschte so gut ich konnte alles von mir aus dem Netz und schmiß endlich auch alle Bücher weg, die vor Brutalität nur so strotzten. Bei meinem Facebookaccount, den einzigen, den ich noch behielt änderte ich meinen Namen. Emily-Star sollte es nie mehr geben. Und auch mein Wunsch eine berühmte Sängerin zu sein verschwand. All das, war nun nicht mehr wichtig. Ich zog mich völlig zurück, verbrachte sehr viel Zeit in der Natur. Fern von all der Technik, die bisher mein Leben beherrscht hatte. Den Illusionen, dem Helfersyndrom, dem weg laufen! Ich kaufte mir stattdessen andere Bücher. Bücher in denen es um das Leben ging und versuchte nun ganz bewußt, mein Bewußtsein mit positiven Dingen zu füttern. Immer in der Hoffnung, „Geht es meinem Geist besser, geht es auch meinem Körper besser!“ Zum ersten Mal in meinem Leben, wollte ich endlich leben. Ich hatte zwar noch keine Ahnung, wie ich das genau anstellen sollte. Aber als ich meinem Vater davon erzählte, hatte er eine Idee und bot mir trotz unserer bis dahin zerrütteten Beziehung zueinander seine Hilfe an. Ich wußte, wenn ich diese nun wahr nahm, dann würde ich noch mehr ändern müssen als jemals zuvor in meinem gesamten Dasein. Einen ganz neuen Weg einschlagen. War ich wirklich dazu bereit? Ich spürte leise Zweifel in mir, aber der Hunger nach Leben war endlich in mir erwacht. Und er wurde immer größer. Und so nahm ich sein Angebot an, die riesengroße Chance die er mir anbot.

Und wie diese aussah, erzähle ich dann in Teil 5.

Bildertext:

Regen fällt hernieder,
es ist mir als ob der Himmel weint.

Tropfen perlen von meiner
Fensterscheibe hinunter zum Sims,

zerplatzen dann auf dem Asphalt
und fließen in Rinnsalen

hin zu der kleinen Blume,
die am Straßenrand steht

und schon so lange
nach Wasser gedürstet hat.

© Emily-Star

15 Gedanken zu “Wege der Selbstheilung Teil 4

  1. Borreliose ist wirklich eine ausgesprochen „fiese“ Erkrankung. Mich hat es vor etlichen Jahren erwischt, habe die Wanderröte allerdings schon ca. 10 Tage nach dem Biss in die Kniekehle entdeckt und bin rechtzeitig mit AB behandelt worden. Herzrythmusstörungen hatte ich dennoch fast 2 Jahre lang.

    Im Laufe des Lebens und der Jahre sammelt sich schon eine Menge an „Unpässlichkeiten“ an, die von Ärzten (und auch von mir selber) beobachtet werden, immer – wie du so schön sagst – wie ein Damoklesschwert über einem hängen. Ich versuche, alle meine Kontrolltermine geballt abzuarbeiten, um dann den Rest des Jahres den Kopf frei zu haben. Gelingt mir nicht immer, aber immer besser. 😉

    Ich drücke dir die Daumen für eine gute Besserung deiner Gesundheit!
    Liebe Grüße
    Gila

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    1. Danke für Deine Zeilen, liebe Gila. Ich wünsche Dir ebenfalls gute Besserung und daß Du weiterhin Deinen Kopf (bis auf die Termine natürlich) gut frei behalten kannst. Bei mir hat die Sorge darum auch nachgelassen. Ich hatte jetzt ein paar Jahre, wo zumindestens borreliosemäßig gar nichts passiert ist und bin auch sehr froh darum.

      Herzlichst, Emily

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  2. Liebe Emily,
    das ist eine böse Überraschung solch eine Diagnose zu bekommen. Doch keineswegs unheilbar. Gerne kannst du mich per E-Mail kontaktieren, um mehr zu erfahren.
    Herzliche Grüße, Gabriele

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    1. Liebe Gabriele,

      vielen Dank für Dein Angebot.

      Diese Selbsthilfereihe ist schon ein paar Jahre alt. Ich habe sie nur noch einmal neu veröffentlicht, da sie vorher auf Googleplus war und die, den Service nun abschalten.

      Mittlerweile mache ich mich da auch nicht mehr verrückt, bzw. habe ich zwei für mich wesentlich beängstigendere Damokleschwerter über meinem Kopf. Das eine sind die (noch gutartigen) Tumore in meiner Speiseröhre und das andere die 80% Rückfallgefahr eines erneuten Darmverschlusses. Ich hatte vor drei Jahren eine sehr schwere Operation deswegen. Und von da ab, die Borreliose als kleinstes Übel betrachtet.

      Aber im Grunde ist der Krankheitsname auch egal. Ich weiß, daß meine schlechte psychische Verfassung da einen großen Anteil an der Entstehung dieser Krankheiten hatte. Deshalb ist es auch heute extrem wichtig für mich, meine psychische Verfassung im Auge zu behalten.

      Und zum damaligen Zeitpunkt, als ich von der Borreliose erfuhr, hat das tatsächlich unglaublich viel positives in mir ausgelöst. Darüber bin ich heute noch sehr erstaunt.

      Herzliche Grüße,

      Emily

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  3. Deine Erfahrungen mit der Hektik der Ärzte kann ich nur bestätigen.
    Ich fühle mich dabei oft sehr unwohl.
    Wir reden immer über „Gesundheitswesen“. Das Gegenteil ist die Realität.

    Jedoch … vor ein paar Wochen bekam ich warme Hilfe von einer Ärztin. Nicht immer kann man so hart urteilen, wie ich es getan habe.

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  4. Liebe Emily,

    wie erfrischend das zu Lesen bzw. von deiner schönen Stimme vorgelesen zu bekommen 👍🏼🤗💫
    Danke dir ganz herzlich dafür! Ich bin wieder einmal berührt.
    Es ist wunderbar, wenn jemand – aufgrund welcher Ereignisse auch immer – das Ruder herum reißt und sein Leben in die eigenen Hände nimmt. Ich liebe es… ❣

    Ganz liebe Grüße
    Marion

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      1. Danke, liebe Emily. Heute hatte ich einen ganz normalen Arbeitstag und nichts mit Umzug zu tun, außer Gedanken dazu. Im Moment entspanne ich mich noch mit Bloggen, bevor ich vielleicht nochmal durch den TV knipse, ob es irgendwas außer Krimis, Lügen, Mord und Totschlag gibt 😉
        Hab eine friedliche Nacht 💞

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    1. Liebe Babsi,

      ich freue mich, daß Du Dich schon auf die nächste Folge freust. 🤗Alle Selbsthilfefolgen werden übrigens immer Sonntags um 19 Uhr veröffentlicht. Ich habe die Folgen bis in den Mai bereits fertig und im Adminbereich geplant. Nur gestern gab es wegen der Uhrumstellung ein Problem damit. Ich wußte nicht, daß man die Uhr von Hand umstellen muß. 🙈

      Dazwischen gibt es dann und wann, aber ergänzend trotzdem noch andere Beiträge. 😉

      Liebe Grüße und eine schöne Woche

      Emily

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