Jemanden beim sterben nicht allein lassen, sondern ihn dabei begleiten

Hier wieder ein sehr besonderes Lied von James Blunt. Es handelt von einer Frau, die im sterben liegt. Laut meiner Internetrecherche, soll es eine Soldatin gewesen sein, mit der er im Kosovokrieg gedient hatte. Ob das korrekt ist, weiß ich nicht. Aber das würde die Zeile „Ich trage Dich nach Hause“ erklären.

Man kann sie aber auch anderweitig interpretieren und dann ist es der Weg nach Hause, also in den Tod, der hier gemeint ist. So zumindest habe ich das Lied für mich interpretiert. Einfach bis zum Ende bei jemanden sein, der sterben muß. Eine sehr schwierige Aufgabe, besonders, wenn man selbst, den Menschen nicht gehen lassen will! Dadurch wird es aber nur noch schlimmer und zwar besonders für den, der sterben muß.

Sabine Ludwig hier auf wordpress, hat in ihrem Blog, einen tollen Artikel https://sl4lifestyle.wordpress.com/2019/02/28/ich-lass-dich-nicht-allein-im-sterben/ zu einem entsprechenden Buch über Trauerbegleitung geschrieben und mir dieses sogar geschenkt. Es ist ein wundervolles Buch und ich kann es nur jedem empfehlen, der sich für dieses Thema interessiert.

Ich selbst habe bei einer alten Dame, die ich im Seniorenheim betreut hatte, Sterbebegleitung gemacht und war ebenfalls beim langsamen Sterbeprozeß meiner geliebten Oma mit dabei. Als ich dieses Lied sang, erfuhr ich, daß meine Freundin an einer besonders schweren Art des Krebs erkrankt war und wahrscheinlich keine Chance auf Heilung bestand. Trotzdem sie bis zuletzt gekämpft hatte, war der Krebs stärker. Mit diesem Schmerz und in dem Gedenken an die alte Dame, die ich dort begleitet hatte, habe ich dann dieses Lied gesungen.

Gedreht wurde das Video von meinem Expartner und zwar in Bad Bellingen, im Stadtpark. Zusammengeschnippelt habe ich das Ganze dann im Anschluß.

Ich begleite Dich, auf Deinem Weg nach „Hause“

Schwierigkeiten sind ihr einziger Freund, und er ist wieder da
Macht ihren Körper älter als er eigentlich ist
Sie sagt, es sei höchste Zeit, dass sie weggehe
Keiner hat viel zu sagen in dieser Welt
Schwierigkeiten sind der einzige Weg der nach unten geht
Nach unten, nach unten

So stark wie du warst, so sanft gehst du fort
Ich habe dir zum letzten Mal beim Atmen zugesehen
Ein Lied für dein Herz, aber wenn es stumm ist
Weiß ich, was das bedeutet und ich trage dich nach Hause
Ich trage dich nach Hause

Wenn sie Flügel hätte, würde sie wegfliegen
Und eines Tages wird Gott ihr welche geben
Schwierigkeiten sind der einzige Weg, der nach unten geht
Nach unten, nach unten

So stark wie du warst, so sanft gehst du fort
Ich habe dir zum letzten Mal beim Atmen zugesehen
Ein Lied für dein Herz, aber wenn es stumm ist
Weiß ich, was das bedeutet und ich trage dich nach Hause
Ich trage dich nach Hause

Und sie alle wurden schön in New York City geboren
Und jemandes kleines Mädchen wurde heute Nacht von der Welt genommen
Unter dem Sternenbanner

19 Gedanken zu “Jemanden beim sterben nicht allein lassen, sondern ihn dabei begleiten

  1. Ein toller Blog, der auch vor diesem wichtigsten Thema nicht halt macht! Ich bin lange als Notärztin unterwegs gewesen und habe den Tod doch ein paarmal erleben müssen. Der Tod ist traurig und hat mich oft hilflos sein lassen, auch wenn der Betroffene nach dem Prozess des Sterbens nicht mehr empf
    indet /nicht mehr leidet, denn alle elektrischen und etwas später auch die chemischen Prozesse im Körper hören auf. Die Exsistenz wird irgendwann vergessen, die Energie wird in andere Energieformen transferiert ….Seine Botschaft an mich ist es deshalb, jeden Tag des Lebens zu schätzen! Alles Liebe , Nessy

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  2. Das ist ein trauriges Thema, aber der Tod gehört zum Leben und umso älter man wird, umso häufiger hat man jemand gehen lassen müssen. Ich bin mit meiner Mutter, die immer sehr unsicher und auf die Hilfe anderer angewiesen war, weil sie viele Vorkriegs- und Kriegserlebnisse nie verkraftet hat und weil die Beziehung mit meinem Vater nur sehr kurz gehalten hat, bei meinen Großeltern mütterlicherseits aufgewachsen. Die zwei habe ich natürlich sehr jung verloren und beide waren für mich eher Elternfiguren als meine Mutter selbst, die ich immer mehr als umgekehrt, eine Art Kind, das ich beschützen muss, betrachtet habe.

    Der erste, der starb, war mein Großvater, aber nicht in einem langen Leiden, sondern sehr plötzlich an einer inneren Blutung im Krankenhaus. Dennoch habe ich schon vor seinem Tod .. denn man fühlt irgendwie, wenn man nicht mehr allzuviele Jahre nach hat, weil man im Alter ja auch abbaut, auch ohne eine dramatisch schlimme Krankheit, sehr konkret mit ihm darüber geredet, dass er mir unser Haus vererbt und ich ihm in die Hand versprechen soll, nie seine Tochter alleine zu lassen, denn die wäre nunmal alleine nicht lebensfähig. Ich habe ihm das versprochen und gehalten. Als ich dann damals den Anruf bekam, Opa wäre in Krankenhaus nachts gestorben, empfand ich das als Schock .. ihn habe ich also ohne direkte Sterbebegleitung verloren.

    Meine Oma war bei seinem Tod hochgradig dement .. schon einige Jahre vorher. Sie begriff nicht, dass Opa tot war, sie suchte ihn immer, ärgerte sich daran, dass er nicht pünktlich zum Essen kam. Beim nächsten Schlaganfall war klar, sie würde das nicht mehr überleben. Damals gab es noch Nonnen, die einem halfen. Mama hatte sich bei der Pflege einen Bruch gehoben und lag im Krankenhaus, ich war hochschwanger, also bekam ich über unseren Hausarzt die Nonne zur Seite, die mir auch klar sagte, ich soll sie in Frieden zu Hause sterben lassen, ohne Maschinen und diese Dinge, nicht noch ins Krankenhaus bringen, es hätte keinen Sinn. Zuzusehen, wie sie immer weniger wurde, ja das ist schlimmer oder noch schlimmer als der Schock, jemand wie meinen Opa dann urplötzlich zu verlieren, womit man vorher gar nicht gerechnet hat.

    Bei meiner Mutter dann war das so ein Mittelding. Sie war ja schon lange hochgradig dement und nach ihrem Beinbruch und der Tatsache, dass sie dann bei der Behandlung in der Klinik oder Rehe-Klinik einer muss fallen lassen haben, weil so aus dem glatten Bruch ein Trümmerbruch geworden war (hab nie rausfinden können, wie genau das passiert ist), nur unter Androhung, ich hole die Polizei und mache so ein Theater, dass die ganze Reha-Klinik zusammenläuft, sie dann nach einer neuerlichen OP des Trümmerbruchs sofort nach Hause geholt und auch noch geschafft, mit der Krankengymnastik dann hier zu Hause, dass sie sogar wieder am Gehwagen in der Wohnung laufen lernte und wir einen Sommer lang noch mit dem Rollstuhl raus konnten .. aber dann musste sie sich plötzlich ständig übergeben und ich dachte, ist eine Magengrippe, aber es war keine, sondern Nierenversagen. Ich war so unsicher, ob ich das glauben sollte oder nicht, aber meine Große, die in einer Tierklinik als Sprechstundenhilfe und klar auch im Op da und so arbeitet, hat gesagt, sie kann das riechen, dass es Nierenversagen ist, hat das oft genug bei Tieren miterlebt. Ich kann es also glauben. Also musste ich mit Mama darüber reden, ob sie an Maschinen will, aber trotzdem sterben wird .. nur langsamer oder aber schnell unter Morphium.

    Sie war erstaunlich klar, als wir vor der vollen Dröhnung Morphium nochmal geredet haben, haben auch noch solange damit gewartet, bis alle Enkel nochmal mit ihr haben reden können. Ich erinnere mich genau an dieses letzte Gespräch, als sie mir sagte, sie hätte immer nur einen einzigen Herzenswunsch, ein Kind zu haben. Es wäre ihr klar, dass sie immer sehr anklammernd und auch entsetzlich eifersüchtig auf jeden meiner Partner gewesen wäre. Aber jetzt, wo sie nun gehen müsste, wäre sie froh, dass ich in meinem 2. Mann jemand hätte, der bestimmt für mich da sein würde, wenn sie es eben nicht mehr könnte. Und dann haben wir noch über die geredet, die sie alle grüßen wollte wie meine Großeltern, ihren Bruder, viele der Geschwister meiner Großeltern und die vielen Tiere, die schon über die Regenbogenbrücke gegangen sind und ich habe ihr noch versprochen, ganz bestimmt gut auf ihre Katze aufzupassen, die ja nun bei mir bleiben würde und immer ihr Liebling gewesen war zuletzt.

    Als sie gestorben war dann .. nachts … wir waren abends bei ihr gewesen, aber nicht direkt mitten in der Nacht, als es dann wirklich zu Ende ging, denn ein paar Tage hat es schon gedauert … und wir wieder zu Hause waren, lief Blanka immer in der Wohnung rum und miaute so viel und mein Mann, der eigentlich gar nicht fromm ist, sagte Oma ist da, Blanka Tschüß sagen, er würde das fühlen.

    Mama war sehr anstrengend, aber ich bin froh, egal wie sie war, dass ich bis zuletzt immer bei ihr war. Ich glaube, das war die Voraussetzung dafür, dass ich sie wirklich hab in Frieden über die Regenbogenbrücke hab gehen lassen können. Hätte ich aufgegeben und sie vorher in ein Pflegeheim gebracht, ich wäre nicht damit fertig geworden.

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    1. Du bist eine sehr starke Frau, die viel Leid auf ihren Schultern getragen hat und tief in ihrem Herzen noch immer fühlt. Vor allem das Leid von anderen. Doch wo bist in all dem Du geblieben? Wo durftest Du mal schwach sein? Wenn ich Deine Zeilen lese, so lese ich dort unglaublich viel Schmerz und ich bewundere Dich für die Kraft, mit der Du all das ausgehalten hast. Ich wünsche Dir aber auch, daß Du Dir mal Raum für Dich nimmst, denn Du bist auch wichtig! Das hat auch nichts damit zu tun, daß Du den anderen nicht liebst. Du kannst den anderen von Herzen lieben und für ihn da sein. Aber genauso, bist auch Du selbst so liebenswert. Du bist es wert geliebt zu werden und Dir Freiräume für Dich zu nehmen!

      Herzlichst Emily

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      1. Danke schön, liebe Emily. Es war damals ein komisches Gefühl, nach Mamas Tod nach Jahren auf das erste Rock-Konzert zu fahren, weil das wieder möglich war. Inzwischen haben wir uns dran gewöhnt. Ich schnack mit Mama immer über unseren (den alten) Blog .. bei WordPress verlinke ich aktuell ja nur lauter sozusagen Lebensgeschichten. Drüben blogge ich auch anders und erzähle oft Sachen, die einfach nur nett sind oder waren. Neben den Friedhof gibt mir dieses virtuelle Geklöne mit ihr ein Gefühl, immer noch mit ihr verbunden zu sein, auch wenn mir klar ist, sie kann es ja sicher nicht lesen .. wobei wer weiß???

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  3. Auf irgendeinem Blog habe ich es schon einmal im Kommentar erwähnt, aber ich glaube nicht hier: Ich habe in München mal ein Jahr ehrenamtlich im Hospiz mitgearbeitet, ich habe aber noch nie einen mir nahe stehenden Menschen beim Tod begleitet. Auf jeden Fall brachte mir das nahe Befassen mit dem Tod mehr Tiefe und ich konnte verschiedene Erfahrungen sammeln, die ich nicht missen möchte.

    Sich mit dem Tod zu befassen hilft einem selbst im eigenen Leben.

    Wenn man aber eine Beziehung zu dem Sterbenden hat und ihn eigentlich nicht gehen lassen möchte, wird es bestimmt schwierig. Dann kann man die verbleibende Zeit eigentlich nur nutzen, um mit dem Sterben umzugehen lernen. Zusammen schweigen, zusammen reden wenn es passt, zusammen weinen… Was immer auftaucht, da sein lassen, ehrlich sein, nichts überspielen.

    Wie ich gehört / gelesen habe sterben manche Menschen gerade dann, wenn die begleitenden Angehörigen für einen Moment das Zimmer verlassen. Ich kann mir vorstellen, dass dies besonders dann der Fall ist, wenn die Zurückbleibenden Mühe haben den Sterbenden gehen zu lassen. Manchmal sagen sie nachher: Wäre ich doch nur nicht raus gegangen. Aber ich denke, dass sie dem Sterbenden u.U. einen Dienst erweisen, wenn er es vorzog, sich still zu verabschieden.

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  4. Aus schierer Begeisterung für deinen Gesang habe ich die Sterbehilfe total unbeachtet gelassen …
    Leider war es mir nicht vergönnt, bei meinen Eltern dabei zu sein. Dadurch fiel es mir auch richtig schwer zu verstehen, dass sie nicht mehr da waren. Bei beiden ging es dann auf einmal sehr schnell, was für sie vielleicht gut war, ich weiss es nicht. Eine friedliche Sterbebegleitung hilft beiden Teilen Abschied zu nehmen, finde ich. Und vielleicht kann man dem Sterbenden die Angst nehmen.

    Manchmal ist es menschlicher, Leute gehen zu lassen, wenn sie es wollen, wenn sie z. B. sehr alt und gebrechlich sind und einfach nicht mehr wollen. Dann soll man sie nicht mehr zwangsfüttern. Aber in Dänemark müssen sie das. Das bedeutet für uns, dass wir auf jeden Fall vermeiden müssen, im Alter hier ins Institutionsgetriebe zu kommen.

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    1. Das ist ja furchtbar! Gibt es dort keine Patientenverfügung? Damit kann man das hier ja verhindern, insofern man eine hat. Ich finde das nämlich auch nicht gut und kenne KEINEN der zwangsernährt werden will. Die alte Dame, die ich betreut habe, hatte eine Betreuerin, die kurz vor ihrem Tod noch veranlaßt hat, daß Ihr die Beine amputiert werden. So etwas unnötiges, da sie das auch nicht wollte. Keine 2!!! Wochen später, war sie dann tod. Muß sowas kurz vorm Sterben noch sein? Ich heiße das überhaupt nicht gut!

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      1. Das ist ja noch verrückter, das mit den Beinen! Es gibt in Dänemark eine Patientenverfügung dahingehend, dass man z. B. nicht an lebensverlängernde Maschinen angeschlossen werden möchte, wenn man im Totalkoma liegt oder dass man bei unheilbarer Krankheit ausreichend Schmerzmittel haben möchte, auch wenn die letztendlich den Tod beschleunigen. Aber, wenn man Essen und Trinken verweigert, dann wird man zwangsgefüttert. Das Krankenhauspersonal darf einen nicht verhungern oder verdursten lassen. Das wirkt widersinnig.

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    2. Ach ja und noch etwas. Bei Haustieren ist man gnädig, läßt sie einschläfern, damit sie nicht leiden. Aber bei den Menschen gilt das nicht. Ich will damit nicht sagen, daß man Menschen einschläfern soll, aber man soll das Leid auch nicht unnötig verlängern!

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  5. Man sollte wissen wann es Zeit ist loszulassen. Jeder von uns hat seine Zeit hier auf dem Planeten und die sollte er so gut wie möglich nutzen. Lebt so dass wenn es soweit ist ihr nicht sagen müsst ihr hättet was verpasst oder würdet etwas bereuen.

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