Wege der Selbstheilung Teil 5

Ganz gleich wie viel Geld Du hast. Was immer Du Dir auch kaufen magst und wie schick Du Dich kleidest... Inneren Frieden kannst Du Dir nicht kaufen, den mußt Du Dir erarbeiten! © Emily-Star

Echte Neuanfänge beginnen in Dir, nicht um Dich herum!

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Mein Vater bot mir an, für ungefähr zwei Jahre, in denen ich mein restliches Leben mit seiner Hilfe wieder in den Griff kriegen sollte, zu ihm in die Nähe zu ziehen. So suchte ich im Internet nach einer schönen Wohnung und gab ihm dann bescheid. Nachdem er sie für mich angeschaut hatte und für okay befand, flog ich zu ihm und wir machten Nägel mit Köpfen. Da mein Geld im Leben nicht für diese Wohnung gereicht hätte, bezahlte er sie mir. Einen Großteil der Möbel bekam ich von meiner Freundin mit den Worten geliehen, daß sie sie mir schenken würde, sobald ich zurück käme. Sie sagte, sie könne sie mir auch gleich schenken, aber sie möchte, daß ich wieder komme. Und das waren keine normalen Möbel, sondern wirklich wunderschöne antike Stücke, die sie mir aus ihrem Antiquitätengeschäft mitgab. Dieses Vertrauen und die Tatsache, daß sie mich wirklich gern hatte, ist bis heute etwas, was mich noch immer sprachlos macht. Denn das mich jemand wirklich gern haben könnte, wo ich mich doch selbst so überhaupt nicht liebenswert fand, war für mich schon immer schwer zu glauben gewesen. Aber es sprach ja klar und deutlich aus ihren Worten UND Taten! Den Rest, von dem was mir noch fehlte, kaufte mir dann mein Vater. Und so hatte ich plötzlich eine wunderschöne Wohnung mit meinem eigenem Garten. Zudem kaufte er mir sehr viele neue Kleidungsstücke und ich genoß das Gefühl, nach so langer Zeit etwas zu besitzen, was vor mir noch keiner getragen hatte.

Im ersten Jahr kam er dann auch wirklich mehrmals in der Woche vorbei, ging mit mir einkaufen oder etwas unternehmen. Parallel dazu half ich ehrenamtlich im Seniorenhaus und stellte dort zum ersten Mal fest, wie schön es ist gebraucht zu werden. Ich empfand dieses Jahr als absolut perfekt, wie im Traum sozusagen. Meine gesteckten Ziele erreichte ich nach und nach. Ich konnte meinen Haushalt führen, bekam Bestätigung von meinen Betreuten und sah zum ersten Mal wirklich so etwas wie Liebe bei meinem Vater. Und das nicht, weil er mir alles finanzierte, sondern weil er endlich in der Lage zu sein schien mir seine Gefühle zu zeigen. Meine Mom kam auch öfters zu Besuch und so verbrachten wir sogar manche Abende zu dritt. Ich hatte für ein Jahr meine Familie zurück und genoß dies auch in vollen Zügen.

Ich dachte, jetzt wo im Außen einfach alles stimmt, muß es automatisch im Inneren ja auch so sein. Zum ersten Mal seit so langer Zeit wußte niemand von meinen neuen Bekanntschaften, von meiner Vergangenheit und auch nichts über meine körperliche Erkrankung. Ich habe wirklich felsenfest geglaubt, daß wenn ich nicht mehr darüber rede und nachdenke, es auch nicht mehr wieder kommt. Doch leider war dem nicht so! Nach einem Jahr brach die Borreliose dann doch wieder aus. Sie lähmte meine Arme, Beine und Teile des Gesichts. Diese Symptome kamen und gingen und ich wußte nie wann. Da konnte ich eben noch laufen und ganz plötzlich wurde mein Bein taub. Oder ich hatte einen Teller in der Hand und konnte ihn auf einmal nicht mehr fest halten. Da ich kein Mitleid wollte und auch nicht als unfähig gelten die Senioren zu betreuen, meldete ich mich dort krank und sagte, daß ich eine besonders schwere Grippe hätte. Ich glaube meinen Vater überforderte das etwas. Das entnahm ich seinen Besuchen, die nun weniger wurden und emotional distanzierter verliefen.

Es ist das Eine, etwas zwar im Kopf zu wissen, aber das Andere es dann auf einmal wirklich hilflos mitansehen zu müssen. Denn auch wenn man weiß es kann passieren, hofft man trotzdem, daß es nie der Fall sein wird und verdrängt es. Wie früher als Kind, als wir die Augen zumachten und uns einbildeten; daß wenn wir nichts sehen, uns der Andere auch nicht sieht! Das alles machte mich nach und nach sehr depressiv und ich versank in Selbstmitleid. Sah mich geistig schon im Rollstuhl sitzen und ganz langsam sterben. Ich hatte materiell gesehen, alles was man sich nur wünschen konnte. Zumindest empfand ich das so. Und trotzdem war ich wieder krank und depressiv geworden. Ich hatte meine Weblogs gelöscht, mir eingeredet, daß positives denken und verdrängen einen neuen Menschen aus mir machen würde. Und doch hatte alles das nichts geholfen.

Der absolute Tiefpunkt war damit aber noch immer nicht erreicht. Der kam schließlich, als mein neuer Partner, die Beziehung abrupt beendete, weil ich ihm die perfekte Frau vorgespielt hatte, die ich aber nicht war. Denn ich hatte mich bemüht, ihn weder etwas von meinen Depressionen, noch von den Ausbrüchen der Borreliose spüren zu lassen. Da er sehr sensibel war, merkte er jedoch instinktiv, daß etwas nicht stimmt. Das ich nicht die Frau war, die ihr Leben so perfekt im Griff hatte, wie sie es gern gehabt hätte. Und als ich ihm dann letzten Endes doch von beidem erzählte, sagte er, daß er so etwas nicht braucht. Er hätte nicht seine letzte Beziehung hinter sich gelassen, um nun wieder eine mit Problemen zu führen. Er braucht seine Kraft für sich und hätte ich das von Anfang an gesagt, wäre es wohl auch gar nicht erst zu einer gekommen. Das war bitter, aber hatte auch etwas wirklich gutes. Denn dadurch wurde mir erst einmal klar, wie sehr ich versucht hatte ein Mensch zu sein, der ich gar nicht war. Ein Mensch, den man lieben und mögen konnte. Der ein Jahr lang versucht hatte, zuerst die perfekte Tochter und dann gleich im Anschluß die perfekte Partnerin zu sein. Der aber weder das Eine, noch das Andere jemals gewesen ist. Denn echte Neuanfänge beginnen nun mal nicht im Außen:

Bildertext:

ganz gleich wie viel Geld Du hast,
was immer Du Dir auch kaufen magst
und wie schick Du Dich kleidest…

inneren Frieden kannst Du Dir nicht kaufen,
den mußt Du Dir erarbeiten!

© Emily-Star

Und genau das war die Erkenntnis, die ich gebraucht hatte. Die, welche mir noch fehlte. Die letzte Illusion, die zerschlagen wurde. Die, so behaupte ich heute sogar- zerschlagen werden mußte! Damit ich endlich den Mut der Verzweiflung aufbrachte, um mich all den inneren Dämonen zu stellen, vor denen ich mein ganzes Leben weg gelaufen war.

14 Kommentare zu „Wege der Selbstheilung Teil 5

Gib deinen ab

  1. Wer ist denn schon perfekt? Und welche Partnerschaft ist ohne Probleme? Da wird dein Ex noch schwer enttäuscht werden …
    Krankheit macht dich nicht zu einem schlechteren oder unzureichendem Menschen. Das kann uns alle treffen. Ich habe zweimal Borreliose gehabt, aber beide Male im Anfangsstadium, und sie wurde gleich behandelt. Da habe ich Glück gehabt und dafür bin ich sehr dankbar. Borreliose ist ein heimtückischer Mist. Ich hoffe wirklich für dich, dass sie bei dir mit Medikamenten in Schach gehalten werden kann.

    Gefällt 2 Personen

    1. Mittlerweile ist sie schon ein paar Jahre nicht mehr wieder gekommen und ich sehe hoffnungsvoll in die Zukunft, daß es auch weiterhin so bleibt. Mich beunruhigt viel mehr, daß meine Speiseröhre mit, zur Zeit noch gutartigen Tumoren voll ist. Die können jederzeit bösartig werden, weshalb ich regelmäßig untersucht werden muß. Aber letztendlich liegt es nicht in meiner Hand und ich versuche einfach, Gott zu vertrauen und mein Schicksal (welches auch immer) anzunehmen.

      Liebe Grüße und einen guten Wochenstart 🤗

      Gefällt 2 Personen

    2. Ja, heimtükisch weil wenn ich mich verbrenne dann habe ich sofort den Schmerz und weiß wo er herkommt. Borelliose, da hast du irgendwann irgendwo sSchmerzen. Dann denkst du erst gar nicht mehr an einen Zeckenstich. Wie hat sich die Boreliose denn bei dir gezeigt?

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      1. Klassisch mit Erythema nach zwei Wochen, heiss und rot und Fieber und heller Fleck in der Mitte. Und ich wusste, dass da eine Zecke gesessen hat. Wir wohnten damals in Schweden und dort wird immer gewarnt, dass man Zeckenbisse ernst nehmen soll. Borreliose ist dort, zumindest in Südschweden schon fast eine Volkskrankheit. Aber jeder weiss darum und passt auf.

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