Wege der Selbstheilung Teil 6

Die ehrliche Betrachtung und Akzeptanz, von all dem was (in Dir) ist, stellt bereits den ersten Schritt in eine neue Richtung dar. © Emily-Star

Es jedem Recht machen wollen? Warum das Unsinn ist!

(Um diesen Artikel vorgelesen zu bekommen, klickt bitte auf folgenden Link oder Player: https://archive.org/details/WegeDerSelbstheilungTeil6 )

Da ich heftigen Liebeskummer hatte, wollte ich selbstverständlich das, was jeder in der Situation will, diesen Verlustschmerz los werden. Die erste Reaktion war natürlich, ihn zurück haben zu wollen und ich bettelte und flehte- aber es nutzte nichts. Seine Entscheidung war unumstößlich. Zum ersten Mal in meinem Leben war ich von einem Partner abserviert worden. Denn vorher war es fast immer umgekehrt gewesen, oder zumindest in beidseitigem Einverständnis; wie bei der Beziehung zuvor, wo wir beide nach 5 Jahren einsahen, daß wir uns auseinandergelebt hatten und auch nicht mehr zusammen finden wollten. Das ist natürlich ebenfalls ein bißchen schmerzhaft, mit dem Gefühl des verlassen werdens, jedoch nicht zu vergleichen. Und jeder, der schon einmal verlassen wurde, weiß auch wovon ich da rede.

Nun ich war verlassen worden, weil ich nicht von Anfang an ehrlich gewesen bin. Weil ich einfach krampfhaft versucht hatte, mir ein neues Ich anzulegen. Und zwar so, als ob man sich ein Kleidungsstück überzieht, was egal wie sehr man auch daran zupft, trotzdem nicht paßt! Und wenn ich genau dieses jetzt wieder auszog, was würde ich wohl darunter finden? Wer war ich wirklich und warum? Ich hatte gelesen, daß man diese Dinge nach und nach heraus finden kann, indem man frei von allen Ablenkungen, immer wieder mal in sich geht.

Also machte ich mir entspannende Musik an, schloß die Augen und legte die Hand auf mein Herz. Nach einer Weile sah ich vor meinem inneren Auge eine Höhle und ging hinein. Dort war links und rechts nur Lava. Hier und da kreuzten ein paar dunkle Wesen meinen Weg. Ich fühlte Angst in mir aufsteigen und wollte die Augen wieder öffnen. Doch eine innere Stimme sprach zu mir und forderte mich auf, trotzdem weiter zu gehen. Die Ängste zu zulassen. Sie sagte, daß sie mir jetzt zeigen würde, warum ich bin- wie ich bin und wo meine innere Einsamkeit und das verstellen eigentlich her kommt. Denn das war ja eine der Fragen, die mich beschäftigt hatten.

Sie sagte, „Erinnere Dich an das, was man Dir über Deine ersten zwei Lebensjahre erzählt hat!“ Und das tat ich dann auch. Mir kam in den Sinn, daß mich meine leibliche Mutter stundenlang in meinem Kinderzimmer eingeschlossen haben sollte und dann einfach weg gegangen war. Als ich zwei Jahre alt war, verließ sie mich dann auch endgültig, um ihr Leben zu leben, was mit mir nicht möglich war. Sie verzichtete komplett auf das Sorgerecht für mich und übergab es meinem Vater. Dieser lernte dann zwar eine neue Frau kennen, die dann meine neue Mutter wurde, aber ebenfalls mit einem verhaltensgestörten Kleinkind überfordert war. Verhaltensgestört deshalb, weil ich ständig die Zimmertüren öffnete und schloß. Ungläubig, daß sie nun nicht mehr abgeschlossen waren. Meine Eltern nahmen daraufhin viele Zimmertüren komplett heraus, bis ich begriffen hatte, daß mich niemand mehr einsperrt. Ich kann von Glück sagen, daß meine Großeltern väterlicherseits mir so etwas wie Liebe schenkten.

Nun das waren Erzählungen und bis auf ein paar kleine Bruchstücke, kann ich mich beim besten Willen nicht mehr daran erinnern. „Gut“, sagte die Stimme zu mir „und jetzt gehen wir gemeinsam in die Zeit zurück an die du dich erinnerst.“

Und so sah ich Situationen, wo ich unter Wasser fast erstickte- meinen Vater der eine große Spinne unter mein Bett krabbeln ließ, während ich vor lauter Panik drunter lag- meine Großeltern väterlicherseits, die mich in den Arm nahmen und die Situation wie ich samt Schulzeug in die Mülltonne verfrachtet wurde, weil ich so klein war. Alles Bruchstücke. Irgendwie zusammenhanglos strömten diese Bilder auf mich ein und erschlugen mich fast. Ich versuchte eine Ordnung hinein zu bringen, aber so wirklich gelang mir das nicht. Es kamen noch mehr innere Bilder von einem Mann auf dem Zeltplatz, der sich als ich 5 war an mir vergangen hatte- die einsamen Fernsehnachmittage bei meinen anderen Großeltern- dann meinen Vater wie er mein komplettes Kinderzimmer vor meinen Augen zerschlug und mich im Krankenhaus, weil ich mit 9 Jahren Spülmittel getrunken und Beeren gegessen hatte, um der Strafe einer schlecht geschriebenen Mathearbeit zu entgehen. Meine Mom, wie sie mich voller Panik im Rollstuhl ins Krankenhaus verfrachtete und das innere Wissen, daß ich mit niemanden teilte. Nämlich daß dies mein erster Versuch gewesen ist, dieses Leben zu verlassen. Und dann stoppten die Bilder und alles verlief endlich langsamer. Als ich begriffen hatte, daß ich dem Leben so nicht entkommen kann, suchte ich nach anderen Möglichkeiten irgendwie über die Runden zu kommen. Ich versuchte abzuschätzen, was von mir erwartet wurde und genau das dann auch zu tun. Denn so wie ich war, war ich ja weder liebenswert, noch in Ordnung. Das stetige Bemühen heraus zu finden, wie ich zu funktionieren hatte, um Zuhause nicht verprügelt und in der Schule nicht gehänselt zu werden, lies mich irgendwann vergessen, wer ich gewesen bin. Die Anstrengung mir meine Gefühle nicht anmerken zu lassen, lies mich geistig immer abwesender erscheinen. Irgendwann hatte ich das so gut heraus, daß ich tatsächlich kaum noch merkte, daß man mich schlug. Und auch mein heutiger Geist hat in all den Jahren nicht gemerkt, daß ihm JETZT diese Gefahren nicht mehr drohen und verhielt sich streckenweise noch immer so, wie damals.

Und nun hatte ich auch endlich meine Antwort bekommen. Ich hatte mich nicht erst jetzt begonnen zu verstellen, ich hatte begonnen es zu perfektionieren! Und damit sollte nun Schluß sein. Ich begann zu ahnen, daß dies ein sehr langer Weg werden würde. Doch der Anfang war getan. Der erste wichtige Schritt gegangen. Ich hatte endlich eine Antwort auf eine meiner wichtigsten Fragen gefunden und das motivierte mich weiter zu machen. Immer wieder in die Tiefe zu gehen, ganz gleich wie schmerzhaft das auch werden würde.

Ich erinnerte mich, irgendwann einmal gelesen zu haben, daß es Wege geben soll, in diesen gedanklichen Tiefgängen oder auch Rückreisen- Heilung zu erfahren. Wenn man es richtig anstellte! Und eine davon war die Arbeit mit dem inneren Kind. Ich hatte es damals jedoch als Schwachsinn eingestuft, ohne es jedoch überhaupt ausprobiert zu haben. Doch nun war ich endlich offen dafür, daß es Möglichkeiten geben könnte, an die ich noch nie ernsthaft gedacht hatte. Aber jetzt hatte ich ja nichts mehr zu verlieren! Das ist das Gute, wenn man unten angekommen ist. Man kann nicht mehr fallen! Im schlimmsten Fall bleibt halt alles wie es ist und im besten geht nur noch bergauf.

Ich bin heute sehr froh, dieses ausprobiert zu haben- denn damit wurde es zwar langsam, aber stetig besser.

Bildertext:

Die ehrliche Betrachtung
und Akzeptanz
von all dem was (in Dir) ist,

stellt bereits den ersten Schritt
in eine neue Richtung dar.

© Emily-Star

23 Gedanken zu “Wege der Selbstheilung Teil 6

  1. Puh … da braucht man erst mal eine Gedankenpause, wenn man Deinen Text gelesen hat. Ich selber finde es immer wieder faszinierend, was solche Reisen ins Innere Selbst bewirken können. Aber eine solche Reise zu unternehmen, fällt mir oftmals schwer. Ich schaffe es meist nicht so wirklich, ganz bei mir zu bleiben. Die Gedanken versuchen, sich in tausend andere Richtungen zu bewegen. So intensiv, wie Du es beschreibst, ist mir so ein Trip noch nie gelungen. Jedenfalls freue ich mich immer wieder, zu lesen, auf was für einem guten Weg Du bist. Mach weiter so, liebe Emily. Ich wünsche Dir alles Gute. Bis bald 👋

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  2. Liebe Emily,

    ich hatte diesen Beitrag schon einmal gelesen, hatte aber noch keinen Raum zu kommentieren und ihn mir darum zurück behalten. Jetzt habe ich ihn noch einmal gelesen.

    Ich bin und ich glaube jeder der das liest muss fast berührt sein von dem, was du beschreibst. Dass du aus der inneren Not der Situation heraus angefangen hast nach innen zu gehen ist das Beste, was du für dich tun konntest. Dass du auf Anhieb so erfolgreich warst an Infos zu kommen, wo es hakt, ist begeisternd. Ich vermute, dass du vorher schon Erfahrung mit Meditation oder ähnliches gemacht hast, damit das so funktionieren konnte?

    Am meisten hat mich aber diese Erkenntnis beeindruckt: „Als ich begriffen hatte, daß ich dem Leben so nicht entkommen kann, suchte ich nach anderen Möglichkeiten irgendwie über die Runden zu kommen. Ich versuchte abzuschätzen, was von mir erwartet wurde und genau das dann auch zu tun.“
    Wahrscheinlich hat es mich deswegen am meisten beeindruckt, weil etwas in mir in Resonanz dazu geht. Es fühlt sich an wie: Da liegt noch was (bei mir).
    Daher bin ich sehr dankbar für diesen Anstoß.

    Es gibt Zeiten, wo ich auch versuche herauszufinden, wie ich mich verhalten muss, um am besten durchzukommen. Mein Mann hat wie einen siebten Sinn dafür und reagiert (nicht gerade beglückt) darauf. Er möchte nichts als die Marion, die ich eigentlich bin. Und eine Innenweltreise hat mir gezeigt, dass ich das in diesem Leben vorhatte, zu lernen einfach ich zu sein. Und trotzdem fällt es mir – manchmal ohne dass ich es selbst merke – immer mal wieder, je nach Situation, schwer das zu sein. Ich erinnere mich daran, dass mein Mann vor längerem einmal verzweifelt zu mir sagte: „Mir scheint du möchtest lieber alles andere sein, nur nicht du selbst. Warum nur?“

    Mal sehen ob ich dem bei Gelegenheit noch einmal genauer auf den Grund gehen kann.

    Liebe Grüße
    Marion

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    1. Ja, es ist unglaublich wie sehr man bis in hohe Alter oft das Bedürfnis hat, so zu sein, wie andere einem haben möchten, nur um „GELIEBT ZU WERDEN“ – oder sagen wir mal, das Gefühl zu haben, dass dem so ist.
      Denn im Unterbewusstsein wissen wir doch bald einmal, dass wir nur ein einziges Mal nicht mehr parieren müssen, um dass uns sofort jegliche Akzeptanz und Annahme, geschweige denn Liebe entzogen wird. Und man uns schlimmstenfalls sogar mit Schimpf und Schande davon jagt.
      Doch nachdem wir als fühlende und soziale Wesen geboren werden, wird es uns wohl kaum jemals möglich sein, etwas anderes zu sein – nicht wirklich!
      Denn auch wenn ich einem Papagei beibringe zu bellen, so wird es trotzdem niemals ein Hund sein können.

      Noch ein schönes Osterfest wünsche ich und ganz liebe Grüsse aus einem 26°-Wien.

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      1. Da hast du recht, anyone100. Nur, darum zu wissen, dass man seine Natur nicht ändern und nicht wirklich überzeugend etwas anderes sein kann als einfach man selbst und auch alle Gründe, warum es einmal entstanden ist, es anderen recht machen zu wollen (die Gründe gilt es erst mal zu finden, es sind bei jedem wahrscheinlich andere auslösende Konstellationen) tragen nicht dazu bei, dass man auf einmal aufhören kann. Aber der Boing, wie Veränderung gelingen kann, den gilt es zu finden. Und ich denke er ist bei jedem ein bisschen anders.

        Ich hab viel zu tun, weil Umzug bevorsteht. Zwischendurch am PC ein bisschen entspannen und ablenken tut gut. In diesem Sinne ist es ein arbeitsreiches Ostern, aber auch das hört einmal auf.

        Liebe Grüße aus dem momentan 22.3 Grad warmen Mittelland der Schweiz.
        Ihr habt es da in Wien ja wahrlich sommerlich. Zum Putzen sind mir meine Temperaturen gerade ein bisschen lieber 🙂

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  4. Liebe Emily, mir fehlen die Worte, angemessen auf deine erschütternde Geschichte zu reagieren. Es schmerzt zu lesen was du erlebt und erlitten hast. Ich möchte zwei Gedanken hier lassen: du schreibst „Nun ich war verlassen worden, weil ich nicht von Anfang an ehrlich gewesen bin. Weil ich einfach krampfhaft versucht hatte, mir ein neues Ich anzulegen.“ Das ist nicht die ganze Wahrheit. Oder? Es war auch die Entscheidung deines Freundes. Er hätte anders reagieren können und sollen. Du bist nicht allein verantwortlich für den Zerbruch der Beziehung.
    Zweitens, du bist liebenswert so wie du bist. Das kann ich nicht oft genug sagen. Du bist wert, geliebt und geachtet zu werden.
    Gott segne dich! Liebe Grüße, Volkmar

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  5. Hallo Emely,
    so ähnlich ist auch meine Kindheit verlaufen. Erst viele Jahre später, als ich wie du schreibst, nicht mehr fallen konnte, weil ich ganz unten war, wurde mir klar, wie prägend doch die Kindheit ist und ich begann, allerdings mit Hilfe, diese, meine Kindheit aufzuarbeiten.
    Danke für diesen Artikel, in dem ich mich an so vielen Stellen wiederfand.

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    1. Danke Sasche, doch wenn ich auf Dein Bild klicke dann scheint dort nur Photo Gallerie auf d.h. Du hast Deinen Blog nicht eingetragen. Wenn Du das nachholen möchtest, dann klicke auf Profil und scrolle ganz hinunter. Dort hast Du die Option Deine Blogadresse einzutragen, damit dieser dann so wie die beiden Photos von Dir aufscheint, wenn jemand Dein Bild anklickt, das ja erscheint, wenn Du wo kommentierst.
      liebe Grüsse
      D.B.

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  6. Das war intensiv! Danke für dein Vertrauen, dass hier zu teilen!
    Ein paar Gedanken dazu:
    Über dem Orakel von Delphi steht geschrieben: „Mensch, erkenne dich selbst!“
    Solange wir uns noch etwas vormachen in Bezug auf uns selbst, kann eine Weiterentwicklung nicht stattfinden.

    Und auch „Freedom is just another word for nothing left to lose …“ Das ist wohl ziemlich richtig …

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