Mein Jakobsweg – Ankunft und erster Tag

Hostel Porto
Hostel Porto
Hostel Porto

Trotz fast einer Stunde Verspätung des Flugs, hatten die Betreiber des Hostels auf mich gewartet. Das war nicht selbstverständlich, da (laut vorherigem Emailkontakt) das späteste Checkin, um 23:30 Uhr statt zu finden hatte. Ich hatte also große Sorge, ob sie noch auf meine Ankunft warten würden, oder wie bereits angemahnt, eben nicht. Glücklicherweise hatte ich aber für 10 Euro extra den Abholservice des Hostels in Anspruch genommen und deshalb waren sie auch durch meine Flugnummer, über meine Verspätung informiert. Ich war daher unglaublich erleichtert, als nicht nur mein Fahrer dort am Flughafen stand, sondern auch im Anschluß noch jemand die Tür des Hostels öffnete. Geistig habe ich mich nämlich schon vor der Tür schlafen sehen. Fürs nächste Mal habe ich mir gemerkt, genau auf die Checkin Zeiten zu achten. Denn ganz besonders Hostels haben nicht rund um die Uhr geöffnet. Da das jedoch mein erster Hostelaufenthalt war, wußte ich das nicht. Ich war deshalb unglaublich erleichtert! Das Hostel selbst war ein großes Haus mit Garten, Küche und sogar so etwas wie einem Wohnzimmer. Im ersten Stock befanden sich die Schlafräume mit den Doppelbetten und ganz oben die Bäder. Ich unterhielt mich noch eine Weile mit einem freundlichen Angstellten, der mich auch sogleich davor warnte, im Meer baden zu gehen. Es sei viel zu kalt und die Strömung gefährlich. Nachdem ich am nächsten Morgen abwechselnd lauwarm und kalt geduscht hatte, sollte ich durch die gewaltigen Wellen des Meeres bei Mathosinhos etwas später auch sehen, daß er Recht hatte!

Cathédrale Porto

Nachdem ich mir die Kathedrale in Porto nicht nur angesehen, sondern auch noch meinen ersten Gottesdienst dort mitgemacht hatte, war ich sehr berührt. Ich habe kein Wort verstanden und trotzdem, war es irgendwie schön. Was mir auffiel war, daß hier in Porto, der Priester die Hostie in den Wein tunkt, bevor er sie verteilt. Und zwar bei jeder einzelnen. Das kannte ich ja überhaupt nicht. Im Anschluß holte ich mir noch meinen ersten Stempel und genoß den wunderbaren Ausblick auf Porto.

In Mathosinhos angekommen, führte mich mein erster Weg, allein schon wegen dem Stempel, zum Tourismuscenter. Die Damen dort waren sehr nett und natürlich durfte ich auch die Toilette benutzen. Allerdings, kam ich bei der anschließenden Suche nach dem Wasserhahn bei den Waschbecken, ein klein wenig ins Schwitzen. Irgendwann fragte ich doch nach wo er sei und man sagte mir, daß ich mit dem Fuß auf einen Schalter im Fußboden drücken muß. Da mußte ich erst mal lachen. Sowas war mir neu.

Camino Portugues (85 von 333)

Im Anschluß machte ich mich zurück auf den Weg zum Meer und genoß die salzige Briese, die leider nicht mit Videos oder Fotos wieder zu geben ist. Der Wind war extrem kräftig, so etwas war ich gar nicht gewohnt. Dann noch mit 9 kg Gepäck. Da dachte ich streckenweise, es weht mich um. Trotzdem war es unglaublich schön. Und bei der ersten Markierung im Holzboden, bekam ich unglaubliche Gäsehaut. Das war also der Weg nach Santiago und jetzt würde ich ihn, beginnend auf diesen Holzplanken, wie viele andere vor mir, auch gehen.

Camino Portugues (103 von 333)

Irgendwann kam ich dann auch endlich beim Camingplatz in Angeiras an. Ich hatte die ganze Zeit überlegt, ob ich jetzt die öffentliche Pilgerherberge in Labruge nehmen soll, oder den etwas teureren Campingplatz. Der Gedanke, ein eigenes kleines Caminghäuschen für eine Nacht zu mieten, überwog dann aber. Umso enttäuschter war ich jedoch, daß alle bereits vergeben waren und ich nur noch in einem Großraumzelt unterkommen konnte. Das dann auch noch zu mehr Geld, als in meiner wohl veralteten gelben Reiseführerversion von damals stand. (Das hat man davon, wenn man so etwas second hand kauft.) Also ganz wichtig: Bei Reiseführern immer die neuste Version kaufen!!! Letzten Endes, stellte es sich trotzdem als eine gute Entscheidung dar und ich habe diese Nacht, noch immer in guter Erinnerung.

Camino Portugues (111 von 333)
Camino Portugues (109 von 333)

Etwas später ging ich noch ans Meer und konnte so, diese unvergeßlich schönen Bilder in mir aufnehmen. Es war alles in allem, zwar ein anstrengender, aber trotzdem wunderbarer Tag, voller neuer Eindrücke.

24 Gedanken zu “Mein Jakobsweg – Ankunft und erster Tag

  1. Hat dies auf Werners Traumlounge rebloggt und kommentierte:
    Emily. Eine junge Frau. Alleine und größtenteils auf sich gestellt, wagte sie sich auf den Jakobsweg. Ehrlich und aufrichtig berichtet sie von ihren Ängsten, Freuden und fast täglich erlebten kleinen Wundern. Unterlegt mit sehr vielen, sehr schönen Fotos und Videoclips erzählt sie von erstaunlichen Begegnungen mit anderen Pilgern und freundlichen Einheimischen.
    Wer sich informieren möchte über die Anforderungen auf diesem Weg, ist hier allerbestens aufgehoben!

    Liken

  2. Liebe Emily, ich habe eine gute Freundin, die mich an ihren Reisen per Fotos und Beschreibungen teilnehmen lässt. Das freut mich immer sehr, denn ich reise kaum noch und wenn, dann in meiner Wahlheimat Portugal. Dieses erfreuliche Gefühl habe ich auch beim Besuch ihren neuen Jakobsweg-Posts, in ihrem schönen Blog. Es ist mir, als kennen wir uns schon lange…und sind uns dabei nur und eher flüchtig über die Wellen und Wogen des Internets begegnet. Weiterhin einen sehr persönlichen und Wunder-vollen Jakobsweg, wohin immer er sie auch führt! Danke für Ihr Interesse an meinem Blog ‚Auffangnetz‘. Lieben Gruß, Anna

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  3. Liebe Emily,

    der Wind am Meer war tatsächlich ganz schön stark, wie die Geräusche und Bilder erahnen lassen. Da würd ich mich wohl nicht ins Meer trauen. Klugerweise wurdest du gewarnt. Weil wenn man mit den regionalen Gegebenheiten nicht vertraut ist, könnte man sich durchaus auch mal verschätzen.

    Mir gefällt sehr gut deine „Kameraführung“ bei den kleinen Filmen. Du denkst mit, dass derjenige, der nicht dabei war, einen Eindruck von dem bekommt, wo du da warst.

    Mit der Abholung am Flughafen hast du eine gute Entscheidung getroffen und Gott sei Dank war auch deine Übernachtungsmöglichkeit noch zugänglich. Es ging mir nur einmal so, dass ich einen günstigen Flug zu solch später Zeit gebucht hatte. Wenn dann noch Verspätung dazu kommt, das kann mühsam werden. Daher achtete ich später darauf, dass die Zeiten – auch für mich selbst – verträglicher sind.

    Ich bin wie meine Vorredner einerseits überrascht, dass es bei der Unterkunft so zivilisiert aussieht, andererseits bin ich beeindruckt, mit welch positiver Energie du mit unerwarteten Hürden umgehst und es ist toll, dass du schon den nächsten Wunsch für einen ähnlichen Weg in dir trägst und vorhast dich gut vorzubereiten.

    Dass du zuletzt Probleme mit der Hüfte bekommen hast war bestimmt nicht so schön, aber du wusstest dir zu helfen und hast durch den Transport deines Gepäcks gut für dich gesorgt 👍🎈❣

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    1. Ja, ich bin wirklich dankbar, daß es diese Möglichkeit des Gepäckransports dort gibt!

      Besonders freut es mich eben auch für die alten und kranken Menschen, die dadurch diese Möglichkeit den Jakobsweg trotzdem zu gehen, bekommen können. Eine wirklich schöne Sache! Und im Grunde geht es darum, den Weg zu gehen. Das Gepäck ist da nicht ausschlaggebend!

      Herzliche Grüße 🙂

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      1. Wahrscheinlich hat man diese Möglichkeit des Gepäcktransports geschaffen, weil das Bedürfnis dazu immer wieder vorhanden war. Und eben, so können auch Menschen mit mehr Handicap die Strecke gehen, wenn es ihnen am Herzen liegt. Das Gepäck muss nicht dabei sein.

        Herzliche Grüße zurück 🙂

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  4. Hallo
    habe mich gestern mit meiner Frau unterhalten. Wir wollen auch einmal den Jakobsweg gehen. In zwei Jahren, wenn sie nicht mehr arbeiten muss.
    Ob und wie man dabei zu sich selbst findet, na ja, ich weiß nicht. Ist sicher bei jedem anders. Bei mir wird es wol die Belastungfahigkeit der Füßeund des Rückens sein. Aber ist sicher eine tolle Erfahrung. Man lernt viele Leute kennen, sammelt viele Eindrücke.
    Weiter so..

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    1. In zwei Jahren möchte ich auch noch mal gehen. Allerdings den 800 km Camino France. Dafür werde ich aber vorher trainieren. Gerade die Rückenmuskulatur. Denn auch, wenn man wenig packt, die Belastung des Rucksacks ist da und nicht zu unterschätzen. Täglich und das stundenlang.

      Es gibt zwar auch die Möglichkeit den Rucksack zu den jeweiligen Hostels bringen zu lassen, aber das kostet auch jedes Mal. Ich weiß es, da ich das im letzten Teil nutzen mußte. Ich hatte eine Entzündung in der Hüfte bekommen, weil ich diese aufgrund der mangelnden Rückenmuskulatur überbelastet hatte und mit dem Rucksack, hätte ich das Ganze abbrechen müssen. Ich bin froh, daß es die Möglichkeit (zumindest auf dem portugiesischem Jakobsweg) gibt. Nennt sich Tuitrans und kostet zwischen 5 und 7 Euro am Tag/ pro Etappe) Besonders alte und kranke Menschen nutzen das, um trotzdem gehen zu können. Aber auf Dauer ist das für mich natürlich keine Option. Der France ist ja auch wirklich lang. Bei ein paar Tagen kann man das mal machen, aber nicht bei 2 Monaten. (Die ich wahrscheinlich brauchen werde) Deshalb melde ich mich jetzt im Turnverein unseres Ortes an und trainiere jetzt schon mal für den France 🤗 Fast alle Caminogänger (jeden Alters) sind übrigens Wiederholungstäter.

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  5. Hallo, ich werde deine Berichte sehr aufmerksam lesen, denn der Traum von einer Freundin und mir wäre der Jakobsweg. Und schon der erste Tag klang interessant, zum Beispiel hatte ich noch nie etwas von dem Abholservice gehört. Hihihi, dafür kannte ich schon den Wasserhahnmechanismus. Lieben Gruß Ulrike

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    1. Das hat nicht jedes Hostel. Aber fragen kostet ja nichts. Ich habe es auch nur wegen der knappen Zeit gemacht. Sonst wäre die Metro mit nicht mal 3 Euro erheblich günstiger gewesen.

      Den Weg kann ich nur empfehlen. Aber, ich (persönlich) würde empfehlen ihn allein zu gehen. Ihr könnt Euch ja Abends wieder treffen. So habe ich es mit einer Frau gehandhabt, die ich später kennen gelernt habe. Wir sind meistens jeder für sich selbst gegangen und Abends waren wir oder auch andere Menschen dann wieder zusammen und haben reflektiert, oder auch einfach mal lustigen Blödsinn erzählt. 😉

      Aber natürlich, darf das jeder nach seinem eigenen Geschmack und Bedürfnissen frei entscheiden.

      Liebe Grüße

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  6. Danke liebe Emily für den ausführlichen Bericht, der uns mit hinein nimmt in dein Abenteuer Jakobsweg. Nun gehst du ihn ein zweites Mal mit uns. Mich freut besonders mit welcher Zuversicht und positiven Erwartungshaltung du unterwegs warst. Und wie du in unerwarteten Änderungen das positive gesehen hast. Mein Eindruck ist: da war eine starke Frau zum pilgern aufgebrochen.

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    1. Vielen Dank. Die Möwe war wirklich lustig ^^

      Das Schlafzelt bestand aus zwei Abteilen zu einmal 2 und einmal drei Betten. In dem einen Abteil waren 2 Freundinnen und ich hatte das Glück in dem anderen allein zu sein 😉 Von daher gibt es dort nichts zu berichten.

      Später in den Herbergen habe ich mir dann die kühle Luft und Ruhe aus dem Zelt zurück gewünscht!!! 😉

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      1. Trotzdem sieht das doch recht zivilisiert aus. Ich habe einige Male in Berghütten übernachtet, wo man wie die Sardinen auf Holzgerüsten liegt, manchmal sogar zweistöckig. Ich glaube, dass ich das in meinem Alter jetzt nicht mehr auf die Reihe bekäme. Damals war ich Anfang 30, das ist auch schon wieder 30 Jahre her, du meine Güte. 🙂

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      2. Ab einem gewissen Alter, ich glaube 50,bekommt man (zumindest in den öffentlichen Herbergen) immer das untere Bett. Aber, ich habe schon 70 Jährige an mir vorbei ziehen sehen. Die sind teils fitter, als manch 30 Jährige 😂

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      3. Das ist unterschiedlich und kommt auch auf die körperliche Verfassung an. Das weiteste war bei mir 32 km. Aber das war Quälerei. Meine Wohlfühlkm sind ca. 20 am Tag und das schön langsam. Ab 25 km war es für mich Streß. Mit den Übernachtungen ist das so eine Sache. Es gibt staatliche oder kirchliche Pilgerherbergen. Die sind nicht so teuer, haben aber auch nur eine begrenzte Bettenanzahl. Da gilt, wer zuerst kommt, kriegt das Bett. Weil mir das irgendwann zu stressig war, habe ich vorab Hostels oder private Herbergen gebucht. Das reservieren geht bei den Offiziellen natürlich nicht. Aber dafür sind diese auch günstiger. Ein Hostel kostet je nach Ort 10 bis 15 Euro die Nacht. Eine öffentliche Herberge hingegen zwischen 5 und 8 Euro pro Nacht.

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