Mein Jakobsweg – vierzehnter Tag von A Picaraña bis zum Ziel in Santiago de Compostela

Diesmal hätte ich keinen Wecker gebraucht. Da ich so aufgeregt war und unbedingt bis um 12 Uhr in Santiago sein wollte, stand ich bereits vor der geplanten Zeit auf. Ich machte mir etwas Wasser in der Mikrowelle warm und kippte, etwas von dem Bröselkaffee in meine Plastiktasse. Anschließend packte ich sie zurück in meinen Rucksack und ging in den Flur. Dort war ein wunderschöner, alter Spiegel an der Wand. Ich stellte mich davor und betrachtete mich für einen Augenblick. Dies war nun der zweite Spiegel auf dem Jakobsweg, dem ich etwas mehr Aufmerksamkeit schenkte, als üblich. Heute würde ich zu Ende bringen, was ich vor zwei Wochen angefangen hatte und das hoffentlich bis um 12 Uhr Mittags. Denn dann begann die Pilgermesse. Heute war Pfingstsonntag, da würde sicher ganz schön was los sein. Viele Pilger, hatten sich dieses Datum, als Ankunftszeitpunkt gesetzt und diesen besonderen Pfingstgottesdienst, gab es nur am Sonntag. Denn Pfingstmontag wurde in Spanien nicht gefeiert. Es war halb acht und noch 16 km. Das würde ich doch wohl spielend bis um 12 Uhr hin bekommen, oder? Ich setzte einen entschlossenen Blick auf und machte davon ein Bild.

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Aber hallo, natürlich würde ich das hin bekommen! Dann würde heute eben nicht so rum geklüngelt werden, wie sonst. Entschlossen verließ ich die Unterkunft und genoß ein letztes mal, diese atemberaubend schöne Gegend, mit all den alten Steinhäusern.

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Und nur kurze Zeit später, ging es in ein Waldstück. Die großen Steine auf dem Weg, fand ich einfach nur toll.

Im Anschluß an dieses Waldstück, kam eine Möglichkeit zum Frühstücken. Aber da ich nicht sicher war, wie schnell ich sein würde, verzichtete ich lieber darauf. Dafür bewunderte ich für einen Augenblick, all diese weißen und blauen Bänder, die von dutzenden Pilgern beschriftet und am Zaun, hinterlassen worden waren.

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Wenn ich geglaubt hatte, der Weg sei schnell zu bewältigen, wurde ich eines besseren belehrt;, da ein Hügel, nach dem nächsten kam. Es ging rauf und runter. Immer abwechselnd. Das hatte ich mir leichter vorgestellt und japste vor mich hin. Aber auch hier entschädigte mich, die wunderbare Natur, mit den tollen Steinhäusern, für die Anstrengung.

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Ich bedauerte, nicht eher los gelaufen zu sein. Denn durch den Zeitdruck, spürte ich die Anstrengung, des auf und abs viel intensiver, als wenn ich mir mehr Zeit, eingeplant hätte. Ich war schweißüberströmt und gönnte mir trotzdem, keine Pause. Das das so anstrengend, auf die letzten km sein würde, hatte ich mir auch nicht träumen lassen. Als ich dann noch diese Jakobsfigur sah, wußte ich nicht, ob der mich an- oder auslacht.

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Ich hechelte wie ein kleines Hündchen und kämpfte innerlich mit mir. Es war das erste Mal auf dem Jakobsweg, daß ich richtig schnell lief. Das anhaltende Glücksgefühl und ein geheimer Wunsch waren es; die mich entgegen jeder Vernunft und Rücksichtnahme auf Herz- und Hüftprobleme, immer wieder antrieben. Den ganzen Jakobsweg über, hatte ich nämlich gehofft, daß mein Vater am Ziel auf mich warten würde. Das er meine Berichte gelesen hatte und stolz auf mich sein würde. Das er endlich mal über seinen Schatten springen, alles Negative vergessen und einfach nur her kommen würde.

Natürlich waren das naive Wünsche und ich war mir auch nicht sicher, ob er mich vielleicht dafür verachten würde, daß ich meinen Rucksack abgegeben hatte. Viele hatten meinen Ehrgeiz zwar bewundert. Aber, sah das mein Vater, auch so oder würde er denken: „Nicht mal das kann sie richtig machen!“ Ich würde die Antwort erhalten, wenn ich in Santiago war. Ich schwankte zwischen Hoffen und Bangen. Ich war emotional so aufgewühlt, daß ich innerlich und äußerlich zitterte.

Ich war richtig froh, als ich zu diesem Schild kam. Jetzt waren es nur noch 8 km und dies war die letzte Kapelle, vor Santiago. Hier gab es neben dem Stempel, noch eine Pilgerauskunft, was die Pilgermessen in Santiago anging:

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Als ich die Kapelle betrat, war ich etwas verwundert über die Musik und die Stimmung, die sie in mir auslöste.

Nachdem ich das Video gedreht hatte, konnte ich meine Tränen, nicht mehr zurück halten und verlies die Kapelle. Am Infostand, fiel ich einer Frau in die Arme, die mich herzlich drückte. Da mußte ich gleich noch mehr weinen. Ich versuchte mich innerlich zu sammeln, da ich ja weiter mußte.

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Für meinen Vater und die, welche meinen Weg mitverfolgten, machte ich dieses kurze Infovideo, was ich auf meinem Facebookaccount veröffentlichte. Zwei Fliegen, mit einer Klappe. Falls mein Vater kommen würde, sollte er wissen, wo ich war und daß ich auf jeden Fall bald in Santiago ankäme.

Nach einer kurzen Strecke, bekam ich dann den ersten Blick auf Santiago und eine Gänsehaut. Da war es, mein Ziel. Nur noch 8 km. Mein Gott, ich war so aufgeregt.

Und passend zu diesem Schild, kamen immer mehr Pilger. Es war fast unmöglich, noch allein zu laufen. Hatte mich das gestern noch genervt, machte es mich heute glücklich. Die Vorfreude war so deutlich von jedem einzelnen zu spüren, daß sich zusätzlich noch ein Gemeinschaftsgefühl bei mir einstellte. Ich war Teil einer großen Gemeinschaft von Pilgern, die alle das gleiche Ziel hatten und es rückte immer näher.

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Ab jetzt ging es nur noch bergab und ich genoß ein letztes Mal, den Anblick der Weinstöcke und wunderschönen Natur, bevor es in die Stadt hinein ging.

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Da mittlerweile so viele Menschen da waren, schloß ich mich ab Ortseingang einfach spontan, einer Pilgergruppe an.

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Ich war ein bißchen baff, daß der Weg noch so weit war und fühlte mich trotz der Anstrengung, wie getragen. Es war 11:14 Uhr und noch immer 2 km. Da alle in die Messe wollten, hetzten wir den Weg hoch. Ich hatte doch jetzt nicht so Gas gegeben, um es nicht rechtzeitig zu schaffen. Ich japste und keuchte. Bald, bald wäre es so weit… Und dann sah ich sie endlich. Die Kathedrale. Ich holte mein Handy heraus und filmte die letzten 3 Minuten, bis zum Eintreffen. Dann brach ich in Tränen aus:

Als ich mich einigermaßen beruhigt hatte, bat ich jemanden aus der Gruppe, ein Foto von mir zu machen:

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Ich war überwältigt, von all meinen Glücksgefühlen und suchte mit meinen Augen den Platz nach meinem Vater ab. War er gekommen und hatte mich nur noch nicht gesehen? Dabei fiel mir auf, wie riesig der Vorplatz war und wie viele Pilger dort waren. Es war unglaublich. Ich beschloß noch ein Video zu machen und lud beide bei Facebook hoch. Er sollte wissen, daß ich da war. Das ich es geschafft hatte.

Da ich keine Zeit mehr hatte, noch hier stehen zu bleiben, ging ich in die Kirche, in der ersatzweise die Pilgermesse statt fand. Ich war beeindruckt, wie viele Menschen dort waren und wo sie überall saßen. Zwischen den Figuren, auf dem Fußboden. Ich konnte das gar nicht glauben, wie locker das gehandhabt wurde. Ich glaube das wäre in Deutschland unvorstellbar. Ich fand es so toll. Genauso sollte es doch sein, finde ich. Die Kirche soll für den Menschen da sein und nicht umgekehrt. Einfach menschlich, warmherzig und offen. Genauso wie Jesus das ja auch war.

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Ich setzte mich ebenfalls auf den Boden. Die Kühle war sehr angenehm, besonders, da mir immer noch heiß, von der Rennerei war. Als dann der Gesang anfing, hatte ich eine unglaubliche Gänsehaut. Es waren mehrere Pfarrer, aus verschiedenen Ländern da. Als dann jeweils die Fürbitten, in unterschiedlichen Sprachen vorgetragen wurden, bekam ich die nächste Gänsehaut. Hier ist mal der Beginn der Messe, um etwas von der Stimmung wieder zu geben, die dort herrschte. Es hatte einfach etwas, was über eine normale Messe hinaus ging. Die Gemeinschaft all der Pilger, die Priester aus allen möglichen Ländern, dieser feierliche Gesang und überall ergriffene Gesichter. Menschen die weinten, beteten, sich umarmten und dann zu dieser Musik. Das war so unglaublich berührend und atemberaubend schön. Ob man jetzt bewußt an Gott glaubt oder nicht…

Als der Teil der Messe kam, wo man die umstehenden Menschen umarmt oder ihnen als Zeichen des Friedens die Hand gibt, wurde ich traurig. Mir begann zu dämmern, daß mein Vater wohl nicht kommen würde und ich brach in Tränen aus. Er war nicht da. Er wollte keinen Frieden. Die Frau, welche ich gerade umarmt hatte, spürte meine Tränen und hielt mich fest. Sie lies mich weinen und ich weinte bitterlich. Etwas später zwang ich mich aber, mich wieder aus der Umarmung zu lösen und setzte mich zurück auf den Boden. Als die Messe vorbei war, sprach die Frau mich an und es stellte sich heraus, daß sie zu einer Gruppe Musikern gehörte, die durch die ganze Welt reisten, um bei Kirchen zu singen. Alle aus der Gruppe, hatten wunderschöne und sehr große Metallkreuze, um den Hals. So etwas hatte ich noch nie gesehen. Ich habe Zuhause, zwar auch oft, ein großes Reliquienkreuz um. Allerdings unter der Kleidung. Ich sagte ihnen, wie beeindruckt ich, von diesen Kreuzen war und daß ich so etwas, noch nie zuvor gesehen hatte. Sie erzählten mir, daß dies besondere Kreuze seien und zwar Jakobuskreuze. Die gäbe es hier nicht im Souvenirladen. „Wow“, staunte ich. Dann nahm eine Frau ihr Kreuz ab und reichte es mir. „Waaaaas?“, fragte ich ungläubig. „Wieso???“ „Weil du ein gutes Herz hast!“, sagte sie und legte es mir um den Hals. Mir stand der Mund offen. Die kannten mich doch gar nicht. Die Gruppe fragte mich, ob ich Hunger hätte und luden mich zum Essen ein. Da ich aber immer noch hoffte, daß mein Vater vielleicht doch noch irgendwo sei, lehnte ich dankend ab. Sie gaben mir eine Visitenkarte und ich steckte sie dankbar ein. Dann verabschiedeten wir uns. Ich machte noch ein paar Fotos von der Kirche und bestaunte die riesengroßen Figuren. Das war schon beeindruckend!

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Danach verließ ich die Kirche und machte mich auf den Weg, um meine Compostela abzuholen:

Ich staunte nicht schlecht, wie lang die Schlange der Wartenden war. Die Wartezeit betrug fast eine Stunde. Aber da ich mit vielen netten Pilgern zusammen in der Schlange stand, verkürzten wir uns die Zeit mit tollen Gesprächen. Mit dabei war ein Vater, ebenfalls mit seiner Tochter. Sie waren gemeinsam den 800 km langen! Camino France gelaufen und zwar in Trekking SANDALEN!!! Übers Gebirge, mit Sandalen?!? Unglaublich! Beide hatten übrigens keine Blasen an den Füßen und sahen einfach nur glücklich aus.

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Als ich endlich an der Reihe war, entschied ich mich zusätzlich zur Compostela, mir für einen geringen Betrag noch eine persönliche Urkunde über die zurück gelegten km, ausstellen zu lassen. Wenn schon, denn schon. Der Name auf der Urkunde, ist im übrigen mein RICHTIGER Name auf LATEIN. Denn Emily ist mein „Spitzname“, den ich zwar seit vielen Jahren (auch außerhalb des Internets) führe, aber der nicht in meinem Personalausweis steht! Und alles, was da nicht drin steht, gilt bei der Compostela auch nicht.

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Kurz bevor ich zur Kasse wollte, sah ich dort noch einen Souvenirladen und Du wirst nicht glauben, was ich da endlich fand. Richtig, meinen Muschelanhänger und zwar in silber, damit er mir nicht irgendwann mal anlief. Hatte ich ihn also doch noch bekommen. Hier am Ziel! Ich bezahlte und machte mich auf den Weg zu meiner Unterkunft. Erst mal duschen, umziehen und Sachen waschen.

Als ich das alles erledigt hatte, ging ich zurück in die Stadt. Mittlerweile war meine Hoffnung, meinen Vater noch zu sehen, nur noch gering. Warum war er nicht gekommen? Es war der Rucksack, ganz sicher der Rucksack… Ich war ihm sicher wieder mal nicht gut genug. Meine Leistung war nix. Ich hörte innerlich seine Stimme und griff mir an mein Herz. Es tat weh, daß er nicht da war. Es tat weh, daß er nicht stolz auf mich war. Ich war so traurig und spürte, wie die Enttäuschung langsam die Euphorie vertrieb. Zurück blieb Leere und Trauer. Dann erfaßte meine Hand das Kreuz. Gott hatte das gewußt, daß er nicht kommen würde. Auch er bewegt keinen Menschen zu etwas, was der nicht will und dennoch, wollte er mich trösten. Mir war es, als hätte er mir durch das geschenkte Kreuz sagen wollen, daß es für ihn genügt hatte. Auch wenn es für meinen Vater wohl nicht so war. Das gab mir, zumindest wieder so viel Energie, daß ich mich auf die Suche, nach einem Lokal machte. Das fand ich auch, erfuhr aber auch hier, daß die Küche erst viel später öffnen würde. Na toll, dachte ich deprimiert und kaufte mir stattdessen ein Pizzastück zum minehmen, bei einem Imbiss. Dann setzte ich setzte mich auf einen Stein und besah meine Füße. Endlich konnten sie sich erholen.

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Dann hielten vor mir zwei andere Pilger, begutachteten ebenfalls meine Füße und so kamen wir anschließend ins Gespräch. Sie erzählten mir von einem Klassikkonzert, daß es gleich gratis geben würde. Erfreut machte ich mich auf den Weg dorthin und vergaß natürlich nicht, das eine oder andere Foto zu machen:

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Als ich den Platz endlich gefunden hatte, was ein ganzes Weilchen gebraucht hat, setzte ich mich zu den anderen Menschen auf die Treppe und hörte erfreut zu. Normalerweise höre ich nicht gerne klassische Musik. Nicht weil ich sie nicht mag, sondern, weil sie mich immer so traurig macht. An diesem Abend aber, freute ich mich trotzdem darüber.

Nach einiger Zeit, wurde es mir jedoch so richtig kalt und ich wollte nur noch eins und zwar einen Pullover. Ich fror wie Espenlaub und schluckte schwer, als ich dann 25 Euro für einen, wenigstens halbwegs, warmen Touripullover berappen mußte. Aber was sollte ich machen, einen Jackenshop gab es da ja nicht. Im Anschluß, ging ich dann, in das zwar teure, aber doch sehr gemütliche Lokal zurück, wo ich zuvor schon gewesen war. Ich war richtig froh, noch einen kleinen Tisch abbekommen zu haben.

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Schließlich machte ich noch ein Erinnerungsselfie und verlies etwas später das Lokal. In mir tobten so viele verschiedene Gefühle, die ich einfach nicht gebändigt bekam. Ich war deshalb richtig froh, als ich in der Unterkunft fröhliche und nette Pilger antraf, die mich ein wenig von all dem ablenkten. Da ich so platt und emotional überfordert war, schrieb ich erst am nächsten Tag in mein Tagebuch:

10. Juni 2019

Der Tag war sehr ergreifend, wie auch der komplette Jakobsweg überhaupt etwas besonderes war. Ich war so unglaublich glücklich, es wirklich geschafft zu haben. 260 km in 2 Wochen mit einem Tag Pause. Ich habe jeden einzelnen Tag genossen, selbst die Tage, in denen ich große Schmerzen hatte.

Diese Erfahrung war die beste meines Lebens und am liebsten würde ich gleich weiter laufen. Der Jakobsweg ist für jeden etwas anderes. Aber wer sich wirklich darauf einläßt, der kann jeden Tag kleine Wunder erleben.

Ich habe nichts mehr spüren können, kein Vertrauen mehr zu Menschen gehabt und aus Prinzip erst mal alles und jeden in einem ungesunden Maß hinterfragt.

Hier habe ich gelernt, daß nicht jeder Mensch schlecht ist, mich bestehlen oder nieder machen will. Natürlich gibt es auch hier Menschen, da harmoniert es einfach nicht. Aber die habe ich dann recht schnell gemieden. Zum Schluß, war für mich das große Wunder, daß ich von 2 verschiedenen Gruppen angesprochen wurde. Das ist unglaublich, aber bestätigt dabei auch, was ich mir schon gedacht habe.

Gott hat für jeden den passenden Schlüssel parat und damit bekommt jeder auch genau das auf seinem Jakosweg präsentiert, was er für sein Herz und spirituelles weiter kommen braucht und zwar in geballter Form! Bei mir waren es all die kleinen und zum Schluß großen Erlebnisse, mit all den unterschiedlichen Menschen, die mein Herz gebraucht hat. Bei jemand anderen, mit (ich sag mal) anderen Baustellen, werden es auch andere Erlebnisse sein. Man muß dafür auch nicht besonders gläubig sein. Es passiert jedem, sofern er bereit ist, sich auch auf etwas ganz neues, einzulassen.

Mein Glaube an Gott, war viele Jahre nicht da. Nun bin ich ihm gefühlsmäßig so nah, wie noch nie zuvor in meinem Leben. Deshalb hatte ich auch nie Angst auf meiner Reise. Ich wußte, ich bin beschützt. Es ist interessant, daß das fremde Menschen gesehen haben. Ich frage mich immer noch, woran sie das gesehen haben. Ich habe ja nicht nonstop davon erzählt.

Genauso wie die Gruppe gestern. Woher wissen sie, daß ich ein gutes Herz habe? Das wußte ich noch nicht mal von mir selbst. Ich habe mich selbst bisher eher nicht so wohlwollend betrachtet. Mich mehr für einen Looser usw. gehalten. Und dann kommen an zwei Tagen hintereinander, solche Menschen mit dieser Botschaft, auf mich zu.

Das geht mir noch immer nach…

Etwas später entdeckte ich im Internet dieses Bild:

Am Pfingstsonntag sind 1736 Pilger in Santiago angekommen und ich war einer davon…

42 Gedanken zu “Mein Jakobsweg – vierzehnter Tag von A Picaraña bis zum Ziel in Santiago de Compostela

  1. Seit einiger Zeit stolpere ich auf die ein oder andere Weise immer wieder über den Jakobsweg. Langsam überlege ich mir, ob ich ihn nicht irgendwann mal laufen möchte. Noch traue ich es mir nicht ganz zu, aber das Thema arbeitet bei mir. Umso mehr habe ich mich darüber gefreut, wie spannend und tiefgründig du über deinen Weg berichtet hast. Das macht richtig Mut! Vielen Dank!

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  2. Ganz toll gemacht! Herzlichen Glückwunsch! Ja, es ist die Hoffnung die uns solche Wege gehen lässt, ob in Spanien oder irgendwo auf der Welt, egal wie lang. Jeder sollte „seinen“ Jakobsweg gehen, der eine 400 km der andere 2 km in Dankbarkeit und Demut.
    Du zeigst mir hier ein Bild der Jugend, welches mich tief berührt. Ich darf das mit 82 sagen ;-)Danke!
    Denke immer daran ; „Ein Leben ohne Hoffnung, wäre wie ein Segelboot in der Flaute“
    © Karl Miziolek
    lg
    karl

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  3. Alle Achtung! So eine Tochter hätte ich mir auch gewünscht. Dein Vater wird bestimmt stolz auf Dich sein – auch wenn er es vielleicht nicht so zeigen kann. Auf jeden Fall hast Du etwas geschafft, wovon viele träumen und es nie erreichen werden. Glückwunsch!

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  4. Danke, dass Du mich /uns mitgenommen hast….Ein tolle Erfahrung, ein toller „Reise“-Bericht.Ich bin sehr beeindruckt. Meinen tiefen Respekt…alles Gute Dich…Lieben Gruß, Corinna

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  5. Du hast es geschafft! Meinen Glückwunsch und Respekt. Du kannst mit Recht stolz auf Dich sein. Danke, dass Du diese Reise mit uns geteilt hast. Es war, wie als würde man Dich ein Stück auf Deinem Weg begleiten. Und: ich habe von Anfang an daran geglaubt, dass Du dass schaffst. Und Du hast mich nicht enttäuscht! Alles Gute!

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    1. Vielen Dank 🤗

      Wenn ich irgendwann meinen Dispotkredit ausgeglichen habe und etwas Geld angespart, dann möchte ich unbedingt den 800 km Camino France gehen. Neue Schuhe habe ich bereits geschenkt bekommen. Die sind wirklich klasse und super bequem! Auch viel leichter. Im Prinzip ist jetzt alles an Zubehör da, um gleich los zu gehen. Ach nee, der gescheite Poncho fehlt ja noch. 🙈😉 Nun muß ich trotzdem noch meine Hüfte auskurieren und meinen Rücken trainieren. Ich würde so gerne 2021 gehen. Da ist das „heilige Jahr“ in Santiago und die Kathedrale wird wieder geöffnet. Aber das wird wohl finanziell nichts werden. Da ich Rente und Grundsicherung bekomme, ist ein schneller Kontoausgleich unmöglich. Aber verschoben, heißt ja nicht aufgehoben. Dann gehe ich eben später. Aber, so ich noch hier auf Erden wandle, werde ich irgendwann auf jeden Fall gehen! 😉

      Herzlichst Emily

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  6. Liebe Emily, ich danke dir, dass du uns an deinem Pilgerweg Anteil gegeben hast und uns in dein Herz hast schauen lassen. Du hast in schonungsloser Ehrlichkeit deinen Weg geschildert. Nicht nur mir ist deutlich geworden, wie unterschiedlich „fremde“ Menschen dich wahrnehmen gegenüber deiner eigenen Wahrnehmung und… gegenüber der Wahrnehmung deines Vaters. Das wurde in schmerzlicher Weise auf deiner letzten Etappe sehr deutlich. Du hast Tränen mitgebracht auf diesen Pilgerweg, die geweint werden wollten. Und dann waren sie da, die Momente, wo die Tränen flossen. Endlich. Auch dafür hat sich dein Weg gelohnt – damit die Tränen fließen konnten. Heilsame und erlösende Tränen. Du hast sie dort lassen können. Du hast sie eingetauscht gegen Dinge, die dich reicher gemacht haben – Begegnungen mit Menschen und Tieren, das Cappie, das Kreuz, Worte über dich und dein Herz. Vielleicht verdient dieser letzte Tag den Titel „Tränenetappe?“ Du hast Vertrauen gewagt, dich auf einen Weg gemacht, der voller Überraschungen war, voller Schmerzen, Fragen, Entscheidungen, vielen, vielen Schritten. Diese 14 Tage haben dein Leben für immer geprägt und verändert, weil du Vertrauen gewagt hast. Als ich gestern deinen Bericht las und die Fotos sah, war ich sehr traurig. Du hast dir aus gutem Grund so sehr gewünscht, dass es zu einer Versöhnung mit deinem Vater kommt, zu wertschätzenden Worten, zur Begegnung mit dem Mann, der als einziger auf der Welt dein Vater ist und sich doch nicht so verhält. Und er war nicht da. Das ist so unsagbar schmerzhaft und unfassbar hart. Mir stand der Vers aus Lukas 15 vor Augen: „Und er machte sich auf und kam zu seinem Vater. Als er aber noch weit entfernt war, sah ihn sein Vater und es jammerte ihn, und er lief und fiel ihm um den Hals und küsste ihn.“ Du hast deine Berichte auch für ihn geschrieben, oder? Das beeindruckt mich zutiefst an dir, dein Mut zu dir zu stehen auch mit den Sehnsüchten und offenen Wunden. Du hast ein gutes Herz, sagten die Frauen. Sie haben ja so Recht.
    Dein Ziel war an der Messe teilzunehmen. Und das hast du mit vielen anderen aus der ganzen Welt. Die Kathedrale ist darum das Haus Gottes, weil es für den unbändigen Wunsch des Vaters im Himmel steht, Gemeinschaft zu haben mit seinen Kindern. Diese imposante Kathedrale hat die gleiche Botschaft wie jede noch so kleine Kapelle: Gott will bei uns sein. „Ein Vater der Waisen … ist Gott in seiner heiligen Wohnung.“ Ps 68,6 In deiner Sehnsucht nach dem Vater sehe ich auch die Sehnsucht des himmlischen Vaters nach uns: „… Als er aber noch weit entfernt war, sah ihn sein Vater und es jammerte ihn, und er lief und fiel ihm um den Hals und küsste ihn.“ Gott kann Herzen verändern. Er hat es bei dir getan. Er hat es an so vielen Menschen getan. Ich hoffe mit dir, dass er es auch an deinem Vater tut. Das ist auch Gottes Herzenswunsch. Dein Weg ist noch nicht zu Ende, lieb Emily. Geh ihn in diesem mutigen Vertrauen weiter. Gott ist mit dir!

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    1. Danke, lieber Volkmar!

      Diese Kirche war so unglaublich beeindruckend, weil dort so viel Menschlichkeit herrschte. Wie die Menschen dort alle saßen. Auf dem Fußboden, auf den Säulen am Rand, bei den Figuren oder hinten am Opferstock usw. Das habe ich in der Art und Weise noch nie in einer Kirche gesehen. Das kommt auf den Bildern, leider nicht so rüber. Und dann die Prieser aus den unterschiedlichen Ländern. Da hatte ich wirklich das Gefühl, genau so, soll es sein. Das war einfach besonders. Jeder kam wie er war und war Willkommen. (Okay, die großen Rucksäcke mußte man aus Sicherheitsgründen abgeben.) Aber sonst, war wirklich jeder gern gesehen. Egal wie er aussah, ob er gestunken hat oder wo er her kam… Genauso wird Gott das sicher gefallen haben!

      Natürlich habe ich die Artikel, auch für meinen Vater geschrieben. Du weißt, daß ein liebendes Herz wartet. So wie Gott auch, auf jeden einzelnen wartet. Aber realistisch gesehen ist die Chance, gleich Null. Sonst wäre er in Santiago gewesen oder hätte sich später noch gemeldet. Aber das hat er nicht. Von daher, hat er es vielleicht auch nie gelesen (wäre gedanklich besser zu ertragen, als die Sache mit dem Rucksack).

      Um hier auf den Blog zu kommen, müßte er mir entweder bei Facebook folgen, (bei twitter war er damals nicht) oder aber Tante Google bemühen. Das würde allerdings, Interesse voraus setzen und ich befürchte, daß ist überhaupt nicht da. Das ist wahrscheinlich mehr mein Wunschdenken, als Realität. Trotzdem, will mein inneres Kind, das nicht wahr haben und wie sagt man ja auch so schön, die Hoffnung stirbt zuletzt!

      Liebe Grüße, Emily

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  7. Hallo Emily,
    ich habe Deine Reise still und heimlich mitverfolgt. Aber jetzt zum Schluss will ich Dir zumindest einen ganz herzlichen Glückwunsch wünschen. Toll gemacht und toll geschrieben!

    Vielen Dank für das Teilen Deiner Erlebnisse und Erfahrungen. Ich wünsche Dir, dass Du den Camino-Spirit ganz lange beibehalten kannst.

    Viele liebe Grüße
    Stefan

    Gefällt 1 Person

  8. Hallo Emily ,
    ich hab nicht von Anfang an das alles mitverfolgt …. Aber was ich mitbekommen habe und gelesen habe war sehr ergreifend . Man leidet mit Dir man freut ich mit Dir bei dem was du alles erzählt hast und erlebt hast !
    Gott ist in Dir und Du warst auf der Suche nach Dir selbst …. Am Ende bist du zu Dir zurückgekehrt und sobald du dich davon entfernst wird‘ das Innere Leid groß . Du hast dich selber wieder gefunden jetzt bleib da ! Mach dich nicht abhängig von der Anerkennung von anderen Menschen . Vertrau dir selbst und lass anderen Menschen ihren eigenen Weg zu sich finden .
    Das ist eine sehr ergreifende Reise und Geschichte auf dem „Zurück zu sich selbst“.Das ist auch das was du mir und anderen damit aufgezeigt hast und uns so wundervoll mit auf diese Reise, mit den schönen Berichten und Bilder und Videos mitgenommen hast .
    Man kann nur soviel von der „Erde“zurückbekommen wie im Austausch zur Verfügung stellt. ( Autor unbekannt ).
    ( das einzige was ich mich immer frage warum es diese grausamen harten steifen Wanderschuhe geben muss . Ich hätte diese Schmerzen mit den harten Schuhen und Blasen nicht ausgehalten und hätte mir längst ein paar leichte, weiche,normale,bequeme Schuhe gekauft auf der Strecke und hätte diesen üblen Fußquäler auf der Strecke zurückgelassen . So wie alles was einen so einengt und quält . )
    Ich wünsch dir weiterhin viele solche Ereignisse, Reisen und Erlebnisse im alltäglichen Leben einfach mit dir selbst und bei dir selbst und der Freude dies einfach der “ Erde“( uns )zu schenken, so das eben die auf das reagieren und es bemerken und mit dir sind eben das ist was zu dir gehört , weil du erst damit Du , Du bist . … Das was uns gefallen hat !!! 💛☀️🌻🙏
    Der Jakobsweg war der Weg zurück und deine Lebensreise geht hier einfach weiter aber du bei dir angekommen . 🕊
    Alle Gute Emily
    und ich freu mich auf neue Abenteuer von Dir 🌻☀️

    Gefällt 1 Person

    1. Vielen Dank für Deinen ausführlichen Kommentar und Deine Wünsche, liebe Conny. Mittlerweile habe ich übrigens neue Wanderschuhe geschenkt bekommen. Die sind mega bequem und beim nächsten Mal, sollte es meinen Füßen auf jeden Fall besser ergehen 😉

      Herzliche Grüße, Emily

      Gefällt 2 Personen

  9. Ich muss gestehen, dass ich zum Schluss auch heulen musste, so ist das. Ich wünsche für dich, dass diese Erfahrungen richtig lange in dir schwingen und dein zukünftiges Leben positiv beeinflussen werden. Aber das haben sie ja schon getan, nicht wahr?
    Lass dir von niemandem diese wunderbare Leistung, die du erbracht hast, verderben. Wenn Gott zufrieden war, kann es doch nicht besser sein.
    Sei herzlich umarmt, liebe Emily!

    Gefällt 3 Personen

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