Gedanken für Zwischendurch Teil 3

Oh Du Leben mein, so kostbar kleine Spanne der Zeit wachse in mir, umarme mich liebevoll. Ich will immer wieder an Dich glauben, mit Dir nehmen, Dich erleben. Oh Ihr Berge still, ich Euch erklimmen will. © Emily-Star

Info vorab: Dieser, wie alle anderen Teile der Reihen „Gedanken für Zwischendurch“ und „Wege der Selbstheilung“ ist ein Repost und somit ein paar Jahre alt.

Geboren um zu leben oder das zweite Talent

(Um diesen Artikel vorgelesen zu bekommen, klickt bitte auf folgenden Link oder Player: https://archive.org/details/GedankenFrZwischendurchTeil3 )

Ich war schon als Kind ein Mensch mit sehr starken Gefühlsschwankungen und einer intensiven Gefühlswahrnehmung. Ich fühlte mich dem oft wie ausgeliefert. Im Laufe der Zeit lernte ich einen Teil davon, durch Ballett und Jazztanz zu kompensieren. Später besuchte ich dann noch Standarttanzkurse und kam auch dort recht schnell voran. Das singen können, mußte ich mir über viele Jahre sehr hart erarbeiten. Aber zu tanzen war mein Talent und für mich die absolute Erfüllung. Was für ein Gefühl war es, schweißgebadet zu Boden zu sinken. Jede Faser meines Körpers spüren zu können und das Gefühl der Lebendigkeit zu genießen. Ich wollte das zu meinem Beruf machen und bekam sogar eine Empfehlung für eine professionelle Tanzschule von meiner Ballettlehrerin, worin sie mein außergewöhnliches Talent bestätigte. Doch mein Vater war der Meinung, daß ich lieber etwas anständiges lernen sollte und so besuchte ich die Schule nicht. Das hat mich damals sehr frustriert, auch wenn ich es heute schon verstehen kann. Er hat es halt nur gut gemeint.

Trotzdem tanzte ich weiter, bis ich eines Tages Schmerzen in den Knien bemerkte. Ein Besuch beim Arzt brachte die ernüchternde Erkenntnis, daß meine beiden Knie kaputt waren und es besser für mich wäre, nun nicht mehr zu tanzen. Knie könnte man zwar austauschen, aber angeblich nur einmal und das sollte ich mir doch lieber fürs Alter aufheben. Parallel dazu kam von einem anderen Arzt die Diagnose Borreliose; die mir klar machte, daß da irgendetwas in mir ist, was mich jederzeit schachmatt setzen kann. Eine kleine tickende Zeitbombe in mir, ausgelöst durch einen Zeckenbiss vor Jahren, den ich nicht ernst genommen hatte. Warum auch? Wenn man kein Arzt oder Hypochonder ist, woher soll man dann wissen, was der rote Ring um den Zeckenbiss zu bedeuten hat? Ich erinnere mich wage daran, dachte damals aber, es wäre nur eine Entzündung.

Mein Arzt sagte dann noch als Krönung vom Ganzen: „Wären sie gleich gekommen; dann hätte man noch etwas machen können!“ Ich dachte mir nur: Ja ganz prima, das „hätte-würde-wenn“ hilft mir jetzt auch ungemein!

Fazit: Es blieb mir nur noch eine regelmäßige Kontrolle meiner Blutwerte, ob die Borrelien wieder aktiv waren oder nicht. Sollte dies der Fall sein, würde nur eine sofortige Behandlung mit einem ganz speziellen Antibiotika und die Hoffnung, daß ich davon nicht zu viele bräuchte, helfen. Denn von mal zu mal, könnten sie weniger wirken. Wie das halt bei allen Antibiotika so ist. Nach der ersten Verleugnungsphase „Nein habe ich nicht“ kam die Frustrationsphase. Bei dem Gedanken, gegen den kleinen, nur unter dem Mikroskop sichtbaren Feind in mir, nichts machen zu können, wurde ich innerlich fast wahnsinnig. Und wie es so ist, wenn man sich nur gut genug in etwas hinein steigert, dann bricht es auch aus. So hatte ich Phasen mit kurzzeitigen Lähmungserscheinungen und noch schlimmere mit ganz viel Selbstmitleid. Die Selbstmitleidsphase „Warum gerade ich?“ dauerte zwei Jahre. Zwei Jahre wo ich mich geistig schon im Rollstuhl sitzen sah, kaum noch unter die Menschen ging und die Welt verfluchte. Mir sagte dazu mal jemand: „Du fragst warum gerade ich, wünscht du es etwa jemand anderem?“ Da habe ich viel drüber nachgedacht. Nein, natürlich nicht und irgendwann erwachte ich dann endlich aus meinem Selbstmitleid.

Ich bekam mit einem Mal so eine Wut, daß es mir egal wurde, was die Ärzte gesagt hatten und trainierte Tag für Tag das normale laufen. Denn dadurch, daß ich mich kaum noch bewegt hatte, ging das normale laufen, nur noch humpelnd mit einer speziellen Schiene für das Knie. Die gesamte Muskulatur in meinem Körper, hatte sich schon sehr stark abgebaut. Doch innerhalb von zwei Monaten schaffte ich es durch eisernen Willen, wieder normal und ohne Schiene zu laufen! Alle Energie, die ich zuvor in mein Selbstmitleid gesteckt hatte, investierte ich nun in meine Selbstheilung oder zumindest die Verbesserung meiner Lage. Und sie hat sich verbessert! Sie hat sich so sehr verbessert, daß seit einem Jahr keine Lähmungserscheinungen mehr aufgetreten sind- nirgendwo!

Und nicht nur das, vor einiger Zeit habe ich angefangen, mir selbst das Klavierspielen beizubringen. Obwohl ich noch bis vor einem Jahr oftmals Lähmungserscheinungen in den Händen hatte, sind diese nicht wieder gekommen. Mir wurde endlich bewußt, daß ich geboren wurde um zu leben und das auch ganz bewußt wahr zu nehmen!

Mein zweites Talent kann ich zwar trotzdem so nicht mehr ausüben, aber auch das wegfallen dessen hat mir etwas geschenkt. Verrückt? Ja klingt fast so. Aber es hat mir die Erkenntnis geschenkt, daß nichts selbstverständlich ist und daß ich mit der Macht meiner eigenen Gedanken und meiner Einstellung zum Leben vieles zum Positiven verändern kann! Ich bin kein Opfer, ich erschaffe mir mein Leben selbst und wenn es irgendwann vorbei ist, dann kann ich wenigstens sagen: „Ich habe wirklich gelebt und immer mein bestes gegeben!“ Das ist doch wohl tausendmal besser als: „Ich war schon vorher 10 Jahre innerlich tot, habe nur noch dahin vegetiert und bin im Selbstmitleid versoffen.“

Und nicht nur das. Ich glaube, da geht noch viel mehr, als ich mir bis jetzt vorstellen kann und ich freue mich darauf!

Bildertext:

Oh Du Leben mein,
so kostbar kleine Spanne der Zeit
wachse in mir,
umarme mich liebevoll.
Ich will immer wieder
an Dich glauben,
mit Dir nehmen,
Dich erleben.

Oh Ihr Berge still,
ich Euch erklimmen will.

© Emily-Star

14 Gedanken zu “Gedanken für Zwischendurch Teil 3

    1. Danke für das Kompliment 🤗 Ich freue mich immer, wenn jemand etwas von meinen Beiträgen gebrauchen kann. Ich selbst habe ja auch schon viel Hilfe von anderen Menschen erhalten. Da ist es schön, wenn ich ebenfalls eine Hilfestellung oder guten Gedanken weiter geben kann!

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  1. Borreliose – tückisch und unberechenbar, ja. Hatte ich auch einst, bin Gott sei Dank (mit Gelenkproblemen) an einem Mediziner geraten, der mir sofort das passende Antibiotikum verschrieb. Bis heute ist Ruhe … Du hast recht, dagegen halten im positiven Sinne hilft immer.

    Lieben Gruß dir.

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  2. Liebe Emily,
    zwar sehr müde nach einem intensiven Tag möchte ich dir aber JETZT schreiben, das ich deinen Jakobsgang mitverfolgt habe ,,,auch dadurch vieles nachvollziehen konnte, was meine Freundin für Erlebnisse innerlich und äusserlich erlebt hatte.
    DANKE dir sehr für dieses teilen 🙂

    Ja, jammern und aufgeben bringt wirklich „nichts“… Ich glaube fast jeder Mensch hatte schon körperliche Einschränkungen ( ich auch) die uns aber immer zwei Wege aufzeigten… Einen gewissen Stillstand oder „weitergehen“… real oder mental…
    Nichts… gibt es meiner Meinung nach nicht…Denn alles ist für mich Energie…
    Es stimmt tatsächlich „was mache ich mit der vorhandenen Energie?“

    Ich wünsche dir jetzt eine sanfte Energie , die dir Ruhe und Wohlbehagen gibt.
    Jag önskar dig en fredfull natt.
    deine Claudia Amitola ,

    Gefällt 1 Person

    1. Der Eintrag ist schon ein paar Jahre her und die Lähmungserscheinungen sind bis zum heutigen Tag, nicht mehr wieder gekommen 👍 Die Knieprobleme sind zwar trotzdem da, aber ich versuche mich damit zu arrangieren. Ich habe sehr viel durch meinen eisernen Willen schaffen können. Es ist enorm, wie stark die Psyche den Körper beeinflussen kann. Im Guten, wie auch im Schlechten.

      Herzlichst Emily

      Gefällt 5 Personen

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