Wege der Selbstheilung Teil 12

Immer wieder finde ich auf meinem Weg, einzelne Scherben meiner Vergangenheit. Ich gehe ein Stück und dann sind sie einfach da. Immer wieder stehe ich vor der Wahl, sie aufzuheben und anzuschauen. Oder einfach an ihnen vorbei zu gehen. Immer wieder versuche ich nach ihnen zu greifen. Doch oftmals bin ich zu unvorsichtig dabei und in meiner Hast,  schneide mich an ihnen. Immer wieder packe ich sie dann in den Rucksack meines Lebens, wo schon so viele andere Scherben sind, die darauf warten, neu zusammen gesetzt zu werden. Immer wieder gehe ich dann weiter, ein kleines Stück, bis ich die nächsten Scherben finde. Und frage mich, warum ich überhaupt noch welche aufsammeln sollte? Doch interessanterweise treffe ich, immer wieder auch, auf andere Menschen, die ebenfalls am sammeln sind und nicht damit aufhören. Sich einfach nicht klein kriegen lassen! Und das zu wissen, gibt auch mir immer wieder neuen Mut! © Emily-Star

(Dieser Beitrag, sowie alle Folgen der Selbsthilfereihe und „Gedanken für Zwischendurch“, sind Reposts und damit NICHT aktuell! Mir geht es im Augenblick sogar recht gut.)

Erste Hilfe Maßnahmen bei lebensmüden Gedanken

(Um diesen Artikel vorgelesen zu bekommen, klickt bitte auf folgenden Link oder Player: https://archive.org/details/wegederselbstheilungteil12 )

Es gibt Momente im Leben, wo auch ich, trotz all meiner Fortschritte immer wieder mal von düsteren Gedanken und Stimmungen erfaßt werde. So wie vor ein paar Tagen, wo ich ganz entsetzt fest stellte, daß meine Gedanken zum ersten Mal nach Jahren wieder ums aufgeben kreisten. Der Auslöser dafür war glaube ich der letzte Beitrag, wo ich über den Tod meiner Großeltern schrieb. Insbesondere aber über den meines Opas. Diese Selbsthilfereihe zu schreiben, ist trotz allem nicht so einfach, da es bedeutet mich wieder und wieder mit den Themen auseinander setzen zu müssen. Ich sehe zwar, was ich alles schon geschafft habe. Aber genauso registriere ich auch, woran ich noch arbeiten sollte. Und dann frage ich mich, ob das in diesem Leben überhaupt alles zu schaffen ist.

Und so fängt die Spirale mit den düsteren Gedanken, sich ganz langsam an zu drehen. Ich habe dann einen richtigen inneren Kampf in mir. Zwei Stimmen, die sich streiten. Man kann sich das so vorstellen wie Engelchen und Teufelchen, die einem auf der Schulter hocken. Der Teufel sagt dann zum Beispiel: „Es hat doch alles sowieso keinen Sinn, das schaffst du nie!“ Und der Engel sagt dann: „Du hast schon so viel geschafft, von dem du dachtest, du kriegst es nicht hin.“ Und der Schlagabtausch geht dann in einem fort. Je düsterer die Stimmung wird, desto düsterer werden die Gedanken und die Stimme des „Engels“ wird immer leiser. Und bevor sie völlig verstummt, ist es wichtig das Ganze unbedingt zu stoppen. Und dafür habe ich für mich mehrere Möglichkeiten heraus gefunden.

Punkt 1: Bewegung!

Depressiv zu sein, bedeutet eine gewisse Starre, die nach und nach eintritt. Man möchte am liebsten nur noch da liegen und nichts mehr tun müssen. Selbst der Gang zum Klo wird irgendwann zur Qual. Depressionen lähmen je nach Schweregrad von innen. Das schlimme daran ist, wenn man nur da liegt, kann man keine positiven Eindrücke mehr gewinnen und die düsteren Gedanken bekommen immer mehr Raum. Je mehr Raum sie bekommen, desto mehr lähmen sie. Ein Teufelskreislauf, den man nur mit dem Gegenteil unterbrechen kann. Das ist schwer, ich weiß. Aber wenn noch ein bißchen Kampfgeist irgendwo vorhanden ist (und das muß er ja sein, sonst wären wir ja schon „weg“), dann sollten wir diesen mobilisieren.

Eine innere Starre kann man nur durch das Gegenteil aufheben. Eine Bekannte sagte mal zu mir: „Es ist egal was du machst, du mußt dich bewegen. Und wenn es erst mal nur der Gang zur Kaffeemaschine ist. Indem du dir einen Kaffee machst, mußt du kurzzeitig an etwas anderes denken und hast so für einen winzigen Augenblick den Kreislauf unterbrochen. Und danach machst du das Nächste. Hangel dich von einer Beschäftigung zur Nächsten. Vor allem aber sei stolz auf jedes kleine Mal, wo du es geschafft hast der Starre zu entkommen und wenn es noch so kurz ist!“ Durch die körperliche Bewegung und das kurzzeitige konzentrieren auf etwas anderes, unterbricht man nämlich genau diesen Gedankengang.

Ich selbst bin dann mit meinem Partner spazieren gegangen. Und danach ging es mir tatsächlich für eine ganz kurze Zeit besser. Die frische Luft, die anderen Eindrücke und die Gespräche haben mir da sehr geholfen und das ist auch schon

Punkt 2: sprechen!

Wenn da irgendjemand ist, wie zum Beispiel dein Partner, dann sprich mit ihm. Wenn ich diese Phasen habe, werde ich nach einiger Zeit immer stiller. Und auch bei meinen Klinikaufenthalten habe ich fest gestellt, daß die, welche sich innerlich wirklich so am Abgrund befanden, daß sie ihrem Leben tatsächlich ein Ende machten, vorher ebenfalls immer stiller geworden sind. Sie sprachen kaum noch mit irgendjemanden.

Bei mir ist das ebenso. Je mehr ich von düsteren Gedanken und Stimmungen erfaßt werde, desto stiller werde ich auch. Und das ist gefährlich. Also gilt auch hier. Reden! Dadurch, daß man sich mit jemandem unterhält, unterbricht man sowohl die innere Erstarrung, als auch das gedankliche weg driften. Zumindest für die Dauer des Gespräches. Fragen auf die man antworten muß, zwingen einen immer wieder in die Realität zurück. Das, so finde ich, ist ebenfalls sehr wichtig für Angehörige zu wissen. Denn oftmals wollen sie ja auch gern helfen, aber sie wissen halt nicht wie. Fühlen sich einfach hilflos und ohnmächtig. Und damit kommen wir zu

Punkt 3: sich Hilfe holen!

„Wir meinen zwar oft, wir wären ganz allein auf der Welt. Aber das stimmt ja so nicht!“

Wenn man das Glück hat (wie ich) und einen Partner an seiner Seite hat, dem man wirklich wichtig ist, dann sollte man ihn auch um Hilfe bitten. Ich sagte also: „Ich weiß, daß es nicht dein Problem ist und du auch nicht für mein Glück zuständig bist. Aber ich befinde mich gerade am absoluten Tiefpunkt. Und der so tief, daß ich ans aufgeben denke. Ich will das eigentlich gar nicht, aber dieser Gedanke wird immer stärker. Es würde mir helfen, wenn…“ Und dann ist es auch wichtig zu kommunizieren, was einem hilft.

Denn wie schon gesagt, viele wollen uns wirklich gern helfen, aber sie wissen einfach nicht wie! Und Gedankenlesen kann ja nun mal auch keiner. Also überlege dir, was dir helfen könnte! Bei mir war es zum Beispiel einfach drauf los reden zu können und in den Arm genommen zu werden. Ohne dabei kluge Lebensratschläge oder noch schlimmer eine Bewertung meiner Gedankengänge zu bekommen. Einfach nur zuhören und in den Arm nehmen. Das ist es, was mir hilft.

Dir hilft vielleicht etwas anderes. Was es auch sei, bitte darum! Ich sage ganz bewußt bitte. Denn Dein Partner kann für gewöhnlich nichts für Dein Leid. Es ist nicht seine Aufgabe dich zu heilen oder glücklich zu machen. Deshalb fordere nichts ein, sondern bitte darum! Wenn du keinen Partner hast, dann bitte einen Freund. Wenn das auch nicht der Fall ist, dann suche dir Hilfe von außen. Es gibt Telefonnummern, die man gratis anrufen kann! Vielleicht gibt es auch eine Selbsthilfegruppe in Deiner Nähe? Beides kannst Du im Internet erfahren. Manchmal steht sowas sogar bei den Kleinanzeigen von Deinem Käseblatt, das gratis in Deinem Wohnort verteilt wird. Und wenn alle Stricke reißen, dann gibt es immer noch Kriseninterventionszentren. Der Unterschied zu einem solchen Zentrum und der Psychiatrie liegt darin, daß man dort nur für eine begrenzte Zeit (im Schnitt 10 Tage) bleiben kann und keine lange Therapie machen muß. Ich weiß, freiwillig in „sowas“ rein zu gehen, ist nicht so leicht. Ich habe mich schon oft überwinden müssen, für einige Zeit in die Klinik oder in ein solches Kriseninterventionszentrum zu gehen.

Mich hat da zwar keiner „geheilt“. Aber ich hatte wenigstens die Zeit mich wieder zu stabilisieren, fernab von der „Erwartungshaltung“ meiner Außenwelt.

Diese drei Punkte sind natürlich kein Heilungsweg, sie sind lediglich „erste Hilfemaßnahmen“, um das Schlimmste (nämlich den Wunsch oder inneren Zwang diese Welt zu verlassen) zu verhindern. Denn wenn man erst einmal weg ist, nutzen einem auch keine Heilungswege mehr etwas. Logisch! In solchen Stimmungen, sollte man sich auf gar keinen Fall mit traumatischen Erlebnissen befassen. Im übrigen wird selbst in der Psychiatrie keine richtige Therapie begonnen, solange der Betreffende nicht stabilisiert ist. Drastisch ausgedrückt heißt das: Wenn es ums „überleben“ geht, ist alles andere erst einmal zweitrangig!

Bildertext:

Immer wieder finde ich auf meinem Weg
einzelne Scherben meiner Vergangenheit.
Ich gehe ein Stück und dann sind sie einfach da.

Immer wieder stehe ich vor der Wahl,
sie aufzuheben und anzuschauen,
oder einfach an ihnen vorbei zu gehen.

Immer wieder versuche ich nach ihnen zu greifen,
doch oftmals bin ich zu unvorsichtig dabei
und in meiner Hast, schneide mich an ihnen.

Immer wieder packe ich sie dann in den Rucksack
meines Lebens, wo schon so viele andere Scherben sind
die darauf warten, neu zusammen gesetzt zu werden.

Immer wieder gehe ich dann weiter, ein kleines Stück,
bis ich die nächsten Scherben finde. und frage mich,
warum ich überhaupt noch welche aufsammeln sollte?

Doch interessanterweise treffe ich immer wieder auch,
auf andere Menschen, die ebenfalls am sammeln sind
und nicht damit aufhören- sich einfach nicht klein kriegen lassen!

Und das zu wissen, gibt auch mir immer wieder neuen Mut!

© Emily-Star

5 Gedanken zu “Wege der Selbstheilung Teil 12

    1. Dankeschön, Ihr Beiden!

      Wie könnte es mir im Augenblick, mit meiner kleinen Sheela (britisch Kurzhaar Katzenkind, 12 Wochen alt) schlecht gehen?! Ich bin so von ihr verzaubert und könnte sie den ganzen Tag nur knuddeln und wuddeln 😉

      Liebe Grüße, Emily

      Gefällt 2 Personen

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