Wege der Selbstheilung Teil 18

Irgendwann in unserem Leben kommt der Punkt, wo wir nicht mehr weg laufen können. Wo der Schmerz uns eingeholt hat und wir mit dem Rücken zur Wand stehen. Dann gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder die Augen zu schließen und sobald wir wieder die Kraft gefunden haben, weiter weg zu laufen. Oder aber ihm ins Gesicht zu sehen und ihm dadurch, seine Macht über uns nach und nach zu entziehen. © Emily-Star

Über das loslassen von Menschen die wir lieben, weil sie entweder nicht bei uns sein wollen oder aber uns nicht gut tun. Teil 1

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Es tut weh zu hören und akzeptieren zu müssen, daß man nicht (mehr) geliebt wird oder auch nie geliebt wurde. Ein Schlag ins Gesicht und ins Herz!
Genauso wie die Tatsache, daß wir manchmal Kontakte zu Menschen pflegen, die uns eigentlich weder gutes wollen, noch gutes tun. Das kann der Partner, ein Familienmitglied oder aber auch ein sogenannter Freund sein. Den Kontakt zu beenden, ist auch da nicht immer so leicht, manchmal aber einfach besser für uns.
In beiden Fällen wissen wir, daß es besser wäre- den Menschen los zu lassen. Aber das geht nicht von heute auf morgen. Es braucht Zeit und diese Zeit fangen wir jetzt ganz bewußt an, uns in diesen Teilen zu nehmen und zu nutzen.

Ich habe bisher in der Vergangenheitsform von den Methoden berichtet, die ich ausprobiert habe und die mir in irgendeiner Form halfen. Nun berichte ich zum allerersten Mal aus dem hier und jetzt. Nehme Dich gedanklich mal ganz gezielt in diese Phase der Arbeit an mir selbst mit, wenn Du das möchtest…

Ich habe gelernt wieder zu lieben. Ich habe erfahren, daß es eine innere Mitte gibt. Ich bin in meine Vergangenheit gereist und habe durch die Kraft der Liebe und Hoffnung ein paar Mauerstücke, oder auch Zwiebelscheiben in mir abbauen können. Ich habe den Weg zu meinem Herzen gefunden und die Kraft zur Selbstheilung aktiviert.

Und ich fühle mich stärker, die Menschen zu mir sind netter und ich zu ihnen. Ich habe endlich Kontakt zu meinen Nachbarn her gestellt, obwohl wir hier schon einige Zeit wohnen. Ich habe Werkzeuge gefunden, wie ich mit negativen Gefühlen besser umgehen kann, als in all den Jahren zuvor. Und ich habe sie auch ausprobiert. War in vielen sehr heiklen Situationen, wo ich vor der Wahl stand: Mein altes destruktives Verhalten, das schnelle- aber leider keine dauerhafte Besserung verspricht? Oder aber das Neue auszuprobieren. Von dem ich da ja noch gar nicht wußte, ob es mir überhaupt hilft. Wie viele Stunden lag ich da, inmitten meiner Ängste und meines Schmerzes und zum Schluß meiner Wut? Und ich bin hindurch gegangen, habe heilen können und dadurch kurzzeitig tiefen Frieden empfunden. Ich habe all dies erreicht, doch eines bleibt mir noch immer verschlossen.

Einen Menschen erreiche ich einfach nicht. Ganz gleich was ich auch tue und womit ich mich ablenke. Ich kann ihn weder erreichen, noch ihn loslassen. Ich kann das Gefühl der Sehnsucht kurzzeitig in den Hintergrund stellen, aber es kommt immer und immer wieder. Wie viele Tränen habe ich schon vergossen und doch scheinen es immer noch nicht genug zu sein.

Was habe ich übersehen?
Was habe ich falsch gemacht?
Was könnte ich noch versuchen, um diesen Menschen endlich los zu lassen?

Ich bin ratlos. Es gibt so viele Dinge, die man bewerkstelligen kann. Nur das eine scheint einfach nicht zu funktionieren. Ich versuche es also mit einer Art innerem Mantra. In der Hoffnung, daß durch die Wiederholung des immer gleichen Satzes „Das ist vorbei!“, mein Geist und vor allem aber meine Gefühle, dies endlich verstehen.

In Gedanken gehe ich die Orte durch wo ich mit diesem Menschen war. Die Situationen, die wir erlebten und sage mir immer wieder:

Das ist vorbei und es kommt nie wieder!

Ich versuche diese wie Bilder zu sehen, die an der Wand hängen und sie mit einer Fackel zu verbrennen. Schließlich hat das im Haus der Erinnerungen ja auch funktioniert. Aber ganz gleich wie viele ich anzünde, es kommen immer wieder neue hinzu. Ich greife nach einem Bild, nehme es von der Wand und schmeiße es auf den Boden. Trampel noch mal darauf herum und sage mir erneut:

Das ist vorbei und es kommt nie wieder!

Doch es hilft nicht. Ich stelle immer wieder fest, daß ich einfach alles, was ich von diesem Menschen besitze, horte und nicht her geben kann. Und wenn ich nur ein Feurzeug erblicke, was er mir mal schenkte, so ist es mir heilig. Halte ich es fest, wie einen Schatz- ganz so, als ob ich diesen Menschen damit zur Rückkehr bewegen könnte. Das sind alles nur Gegenstände und doch sind sie mir wichtiger, als sie es sein sollten.

Ich versuche also etwas anderes. Stelle mir in Gedanken vor, wie ich diesen Menschen gehen lasse. Ihm die Hand zum Abschied reiche und laut sage: „Ich lasse dich jetzt gehen und akzeptiere deine Entscheidung, daß du dein Leben von nun an, ohne mich als Teil darin leben möchtest. Auch wenn ich es nicht verstehe, wünsche ich trotzdem nur Gutes auf Deinem Weg!“

Aber auch das hilft mir nicht. Das Gefühl des Loslassens, des innren Friedens- es will sich einfach nicht einstellen. Alle bisherigen Methoden scheinen bei diesem Thema wirkungslos zu sein. Also versuche ich nun wieder etwas anderes und entscheide ich mich erst einmal für einen „Brief“ an genau diesen Menschen. Ihn direkt zu adressieren, wäre wohl sinnlos, da schon meine letzte Email unbeantwortet blieb.

Ich habe die Hoffnung das mich das niederschreiben, endlich von all dem Schmerz, der mich schon so lange nieder drückt und einfach nicht los läßt, befreien wird. Der Schmerz, welcher mich in der letzten Zeit, so sehr in meinen Leben beeinträchtigt, daß die Dunkelheit und Trauer in mir immer mehr Raum einnehmen. Lange habe ich mich um diesen Punkt gedrückt, darum den Schmerz zu fühlen. Als ich es einmal versuchte, konnte ich nicht aufhören zu weinen. Stundenlang, tagelang- immer wenn ich mich gerade knapp erholt hatte, ging es wieder los. Dann schloß ich das Thema erst einmal weg. Es weiter zu bearbeiten kostete mich einfach zu viel Kraft. Doch jetzt scheint es unausweichlich zu sein. Es ist zurück gekommen, aus dem Unterbewußtsein- Drückt mich mit dem Rücken an die Wand und zwingt mich nun, ihm endlich ins Gesicht zu sehen. Denn ich habe keine Kraft mehr zu verdrängen und ich will endlich davon frei sein. Nicht nur für ein paar Stunden oder Tage. Sondern nachhaltig! Und deshalb werde ich diesen Weg jetzt gehen. Ich versuche es noch einmal.

Nur weil es beim ersten Anlauf nicht klappte, heißt das ja nicht, daß es auch jetzt nicht helfen wird. Manchmal braucht man eben mehrere Versuche. Es ist mir mittlerweile klar, daß ich mich wahrscheinlich nie ganz von dem Thema befreien kann. Aber es soll mein Ziel sein, wieder besser mit all dem umgehen zu können. Wieder ein bißchen was von dem Schmerz los zu lassen und dadurch mehr Platz für Freude zu schaffen. Denn im Augenblick ist der innere Raum so voll von negativem, daß ich erst einmal etwas davon raus schmeißen muß, damit ich wieder positives dazustellen kann. Die Reise mag nun beginnen.

Bildertext:

Irgendwann in unserem Leben kommt der Punkt,
wo wir nicht mehr weg laufen können.
Wo der Schmerz uns eingeholt hat
und wir mit dem Rücken zur Wand stehen.
Dann gibt es zwei Möglichkeiten.
Entweder die Augen zu schließen
und sobald wir wieder die Kraft gefunden haben,
weiter weg zu laufen.
Oder aber ihm ins Gesicht zu sehen
und ihm dadurch, seine Macht über uns
nach und nach zu entziehen.

© Emily-Star

12 Gedanken zu “Wege der Selbstheilung Teil 18

  1. Liebe Emily, es tut mir leid, dass diese Wunde nicht heilen will und dich begleitet. Er will nicht erreicht werden und die Gründe dafür sind menschlich niemals zu verstehen. Du kannst ihn nicht gehen lassen, weil er immer zu dir gehört. Und hoffen kostet so unendlich viel Kraft und bereitet Schmerzen. Ich bete für ein Wunder!

    Gefällt 3 Personen

    1. Danke, lieber Volkmar. 🤗

      Da hast Du Recht. Die Einträge sind auch allesamt älter. Damals habe ich das wirklich gehofft. Aber mehr als eine kurzzeitige Linderung, habe ich nicht erreicht. Heute habe ich das aufgegeben, ihn loslassen zu wollen. Ich bete wie Du dennoch jeden Tag, um ein Wunder. Doch vermutlich, vergeblich.

      Herzlichst Emily

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  2. Ich wünsche dir von ganzem Herzen, dass die Konfrontation dir den erhofften Seelenfrieden bringt, auch wenn das mit dem Loslassen nicht klappt.

    Neulich habe ich bei einer Bloggerin etwas über Akzeptanz gelesen. Um etwas wissen, dass es ist wie es ist, vielleicht nicht unbedingt heilsam, aber es so akzeptieren, wie es nun einmal ist. Das hilft ihr.

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    1. Liebe Birgit,

      danke für Deine Zeilen. Der Eintrag ist, wie alle Einträge der Selbsthilfereihe, nur ein Repost. Aber trotzdem aktuell. Mit dem einzigen Unterschied, daß ich nicht mehr dagegen ankämpfe.

      Meinen Seelenfrieden werde ich, zumindest in diesem Bereich, wohl nie erreichen. Das ist so und ich hoffe, daß ich irgendwann, trotzdem damit leben kann.

      Nun geht es in diesem Artikel bei mir, um meinen Vater. Da hat es nicht funktioniert. Aber dafür bei anderen Personen. Deshalb habe ich ihn trotzdem veröffentlicht.

      Herzlichst Emily

      Gefällt 1 Person

      1. Auch wenn ich nicht selber betroffen bin, fand ich deine Videos und Beiträge – auch wenn re-geposted/gerepostet (?) für mich nützlich. Du weisst, dass ich fünf Fälle von abusive relationships in nächster Umgebung habe. Ich habe jetzt sehr viel mehr Verständnis für die Frauen.

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  3. Liebe Emily, damit du aus Erfahrungen schöpfen kannst, möchte ich auch meinen Senf dazu geben. Ich schließe mich den obigen Kommentaren an. Hoffnung ist etwas, was unsere Kraft raubt und auf die Zukunft gerichtet ist. Hoffnung verhindert, dass wir loslassen. Hoffnung verhindert, dass wir verstehen, dass nur zählt, was wirklich hier und jetzt ist. Wenn ich mich auf die Hoffnung verlassen hätte, würde ich heute noch im Käfig sitzen oder wäre schon zugrunde gegangen. Erkennen, akzeptieren, loslassen. Dann ist man endlich frei von dem, wie andere handeln, denken oder fühlen. Das alles hat nichts mit uns zu tun. Es gibt keine Schuld. Und wir können niemanden ändern. Die Autobahnen im Gehirn sind schon gelegt worden mit zwei bzw. drei Jahren. Da kann man nichts mehr machen.
    Deshalb liebe Emily:
    Alles, wirklich alles liebe Emily, was wir wirklich brauchen, ist IMMER schon DA. Du denkst nur, du brauchst das auch noch, was du nicht bekommen kannst. Ist aber nicht so. Sind nur Gedanken. Ich sende dir ganz viel Liebe, Monika

    Gefällt 1 Person

    1. Dem kann ich nur bedingt beipflichten und in meinem speziellen Fall, bei diesem Thema, (auch wenn der Eintrag nur ein Repost ist) überhaupt nicht. Ich erwarte dafür keinerlei Verständnis. Aber es ist nun einmal Fakt, daß es Menschen, insbesondere Kinder gibt, deren Eltern sie nicht lieben und die das bis heute vermissen. Die es täglich spüren. Wer das nicht am eigenen Leib erfahren hat, kann das nicht verstehen.

      Hoffnung haben, heißt nicht, untätig zu sein. Ich lebe mein Leben und gehe meinen Weg. Die Hoffnung, daß mein Vater sich irgendwann mal mit einer Erklärung für sein Fortbleiben bei mir meldet, ist und bleibt hingegen, in meinem Herzen.

      Herzlichst Emily

      Gefällt 2 Personen

      1. Das kann ich gut nachvollziehen liebe Emily aber ich bin sehr froh, dass meine eigenen Kinder sich nun auch von dieser Hoffnung befreit haben. Sie können nun ganz frei, ohne Erwartungen dem Vater Liebe entgegenbringen. Sie sind von der Liebe und Aufmerksamkeit ihres Erzeugers nicht mehr abhängig. Wenn was kommt ist gut. Wenn nichts kommt, ist auch gut. Sie wissen, es hat nichts mit ihnen zu tun. Sie müssen ihm nichts mehr beweisen, um Aufmerksamkeit/Liebe zu bekommen. Hat sowieso nie geklappt. Jeder ist so, wie er ist. Gibt, was er kann. Was er selbst erfahren hat und weitergeben kann. Liebe Grüße, Monika

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        1. Vielleicht wäre mir das auch gelungen, wenn ich wenigstens eine liebevolle Mutter gehabt hätte. Scheinbar hast Du als Mutter da viel aufgefangen und das ist gut so. Trotzdem glaube ich, daß die Sehnsucht nach dem Vater in ihnen bleiben wird. Das ist denke ich, auch ganz normal. Es freut mich, daß sie da eine so gute Entwicklung, machen konnten. Das ist ganz sicher, zum Großteil, Dein Verdienst.

          Ich aber, hatte keine Mutter, die mich geliebt oder gar gefördert hat. Meine leibliche Mutter hat mich als Baby schwer misshandelt und meine Stiefmutter hat das fortgesetzt.

          Das ist ein Gefühl der inneren Leere, daß ich Dir mit keinem Wort wieder geben kann.

          Herzlichst Emily

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          1. Liebe süße Emily ich drücke dich ganz fest und sende dir meinen größten Respekt vor deiner Arbeit an dir und hier im Blog. Viele junge Menschen werden sicher davon profitieren. Fühle dich geliebt aus der Ferne, herzlich Monika

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  4. hallo emily, wie heißt es noch gleich: resistance makes stronger. also nicht versuchen, sondern damit aufhören.
    mein gedanke ist: akzeptiere was ist. und das heißt: du liebst ihn noch. also schreibe einen liebesbrief an ihn. (schicke ihn nicht ab, schreibe ihn nur für dich). stehe dazu, zu diesen gefühlen für ihn. sie sind da. das ist in ordnung so. versuche nicht irgendwas zu versuchen. nimm deine gefühle an. wenn die zeit gekommen ist, wirst du loslassen können. und gefühle zu haben, heißt ja nicht, dass du wieder mit ihm zusammen sein musst, sollst oder willst.
    liebe grüße, poetin

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