Wege der Selbstheilung Teil 20

Über das loslassen von Menschen die wir lieben, weil sie entweder nicht bei uns sein wollen oder aber uns nicht gut tun. Teil 3

Dieser Beitrag, (wie auch alle anderen Beiträge der Selbsthilfereihe) ist ein reiner Repost, also NICHT aktuell! Den Kontakt zu meiner Mom, habe ich vor ein paar Jahren abgebrochen! Die gute Beziehung war reines Wunschdenken meinerseits. Als ich das endlich auch mal erkannt hatte, zog ich die Reißleine. Dazu mehr, zu einem anderen Zeitpunkt!

Wenn wir die Dinge mit unserem Herzen einfach akzeptieren könnten, ganz so wie ein Computer die logischen Rechenvorgänge begreift, wäre das Leben leicht! Doch wäre es dann noch lebenswert? © Emily-Star

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Es tut weh zu hören und akzeptieren zu müssen, daß man nicht (mehr) geliebt wird oder auch nie geliebt wurde. Ein Schlag ins Gesicht und ins Herz!
Genauso wie die Tatsache, daß wir manchmal Kontakte zu Menschen pflegen, die uns eigentlich weder gutes wollen, noch gutes tun. Das kann der Partner, ein Familienmitglied oder aber auch ein sogenannter Freund sein. Den Kontakt zu beenden, ist auch da nicht immer so leicht, manchmal aber einfach besser für uns.

In beiden Fällen wissen wir, daß es besser wäre- den Menschen los zu lassen. Aber das geht nicht von heute auf morgen. Es braucht Zeit und diese Zeit fangen wir jetzt ganz bewußt an, uns in diesen Teilen zu nehmen und zu nutzen.

Es hat schon einige Zeit gebraucht, um den Schmerz wieder auf ein erträgliches Maaß zu reduzieren. Die Spaziergänge und auch die Gespräche mit meinem Partner, haben mir da sehr geholfen, Schritt für Schritt aus meinem Gedankenkreislauf auszusteigen und in die Realität zurück zu kehren. Was bei lebensmüden Gedanken hilft, hat also auch hier, in dieser nicht ganz so dramatischen Situation, seinen Zweck erfüllt! Nun hat ein neuer Tag begonnen und es ist schon eine echte Herausforderung, wieder an dieses Gefühl heran zu kommen, nachdem es so schön im Unterbewußtsein verschwunden ist. Diesen Wechsel zwischen ganz bewußtem fühlen und anschließendem wieder ausblenden des Schmerzes zu bewerkstelligen, um die Aufgaben des Alltagslebens erfüllen zu können, erfordert schon recht viel Selbstdisziplin. Gerade jetzt, wo er nicht präsent ist, ist die Verführung groß, das Ganze einfach wieder zu den Akten zu legen. In einem Moment wie diesem, wo ich mich emotional wieder besser fühle, die Tür zum geistigen Wartezimmer zu öffnen und den ungebeten Patienten ganz bewußt willkommen zu heißen, ist schon eine ganz schöne Überwindung. Aber ich versuche mich daran zu erinnern, wie oft ich bereits dachte, nur weil ein Gedanke oder Gefühl gerade nicht präsent ist, daß es damit auch weg sei. Und das ich jedes Mal eines besseren belehrt wurde.

Nun habe ich die Möglichkeit selbst über meine Gefühle zu bestimmen, anstatt mich (vielleicht in ein paar Tagen) wieder davon überrumpeln zu lassen. Ich habe jetzt die Chance, aus der Ohnmacht, die ich so oft durch meine Gefühlsschwankungen empfinde, eine Art Selbstbestimmung zu machen. Und das wäre doch schon mal eine bessere Ausgangsbasis, als bisher.

Um nun wieder an dieses Gefühl heran zu kommen, mache ich mir jetzt ganz gezielt die Musik an, die mich an unseren letzten gemeinsamen Urlaub erinnert. Ich lasse ein paar Lieder laufen, schließe die Augen und warte, bis sich die ersten Bilder offenbaren. Die verblassten Erinnerungen bekommen immer mehr Farbe, werden klarer und deutlicher, je mehr ich mich auf die Musik einlasse. Und dann ist er endlich da- der Schmerz.

Dieser Urlaub war eigentlich ein sehr schöner Urlaub gewesen und doch tut es mir weh, die Situationen nochmal zu erleben. Denn ich weiß, daß es das letzte Mal war, wo wir einander nahe waren und diese Zeit nie wieder kommen wird. Am letzten Tag, habe ich es gespürt. Ich wußte instinktiv, daß unsere Beziehung ab jetzt vorbei war. Es war nichts schlimmes vorgefallen, was darauf gedeutet hätte. Aber meine dunkle Vorahnung hat mich leider nicht getrogen. Die Phase „Jetzt kümmere ich mich nur um mich“ hatte wieder bei ihm begonnen. Das merkte ich daran, daß er sich nach dem Urlaub kaum noch meldete. Die Abstände, wo er mal anrief oder schrieb, wurden länger und länger. Aus Tagen wurden Wochen und irgendwann sagte er mir dann, daß ich nun meine eigenen Wege gehen müßte. Und er auch keine Lust mehr habe, sich mit mir zu befassen. Genauso meine Emails zu lesen, da sie ihm zu lang wären.

Ich weiß bis heute nicht, was falsch daran war, ihm zu schreiben, wie sehr ich ihn vermißte und das ich für ihn da sein wollte, wenn er mich brauchte, so wie er ja in dem letzten Jahr auch für mich da gewesen war. Doch er wollte meine Liebe nicht mehr, eigentlich von niemanden und ich hatte das zu akzeptieren. Er vergaß nicht hinzu zu fügen, daß ich seine Erwartungen nicht erfüllt hatte, sowieso nur leere Phrasen drischte und er sich von mir jetzt auch überhaupt nichts mehr erwartete. Diesen plötzlichen Wechsel, ohne daß eigentlich konkret etwas schlimmes zwischen uns vorgefallen war, hatte ich trotz meiner unterschwelligen Befürchtungen, nicht erwartet. Ich hatte eine Zeit lang wirklich geglaubt, daß wir neu angefangen hätten. Und nun wiederholte er, was er schon so oft mit mir gemacht hatte.

Für einige Zeit: Ich tue alles für dich, weil ich dich liebe. Und dann nach einer Weile wieder das Gegenteil: Verschwinde aus meinem Leben, ich kann dich nicht lieben!

Ich glaube genau das ist es, woran ich jetzt noch knabbere. Das ich ihm naiv geglaubt habe und dann doch wieder fallen gelassen wurde. Die verabredeten zwei Jahre, waren nur eins. Er hatte mir ein Jahr Zeit gegeben, um gesund zu werden und wieder zu funktionieren. Und zwar genauso, daß er stolz auf mich sein konnte. Die kleinen Zwischenerfolge, die ich bis dahin erreicht hatte, waren nichtig, denn das Endziel ist ja in diesem einen Jahr auch nicht erreicht worden. Das es eigentlich zwei Jahre waren, die wir verabredet hatten, schien er vergessen zu haben. Genauso wie meine Aussage, daß ich es versuchen wollte. Aber ihm keine Garantie geben könne, ob ich das auch schaffe. Was damals noch in Ordnung war, war heute irrelevant.

In diesem Augenblick begann ich zu verstehen, daß wir Liebe unterschiedlich definierten. Er konnte mich nur lieben, wenn ich so war, wie er sich das vorstellte und ich liebte ihn, über all die Jahre bedingungslos, obwohl es wahrscheinlich klüger gewesen wäre, das nicht zu tun. Ich habe mich wie ein dummes Kind, immer wieder emotional an ihn geheftet. Wollte unbedingt, daß er mich liebt. Habe so viele Male diese Wechsel erlebt und nicht daraus gelernt. Die Phasen, wo wir Kontakt hatten und die Jahre dazwischen, wo es keinen gab, weil er das nicht wollte. Es war also kein Wunder, daß ich für ihn lächerlich war. Und irgendwie ist es auch lächerlich, einem Menschen hinterher zu laufen, der einen nicht wirklich liebt. Damit habe ich mich selbst immer wieder zum Opfer gemacht. Und eigentlich dürfte ich mich noch nicht einmal beklagen. Ich hätte mir doch denken können, daß er sich nicht ändert.

Aber irgendwie, habe ich mich da auch immer wieder an die Erfahrung mit meiner Mom geklammert. Denn die hat sich geändert. Und wir haben bis heute eine konstant innige und gute Beziehung zueinander. Nur der Unterschied war dabei, daß wir dies auch Beide wollten und viel an uns gearbeitet haben. Mein Vater hat sich das wahrscheinlich ebenfalls vorgenommen, das ist auch löblich. Aber sich etwas vorzunehmen, reicht eben nicht. Das weiß ich jetzt. Man muß auch etwas dafür tun. Und das, was meine Mom und ich (jahrelang wohlbemerkt) gemacht haben, war genau das, was mein Vater vermied. Nämlich über das Vergangene zu reden. Sich damit auseinander zu setzen. Nicht nur einmal kurz. Sondern so lange, bis wirklich beide Seiten zufrieden mit dem Ausgang des Gespräches sind. Durch ein schnödes „Tut mir leid!“ werden solche gewichtigen Themen nicht geklärt. Wobei selbst diese drei Worte, generell sehr schwer auszusprechen sind. Ich erinnere mich nicht daran, diese Worte jemals aus dem Munde meines Vaters gehört zu haben. Lediglich ein Bedauern über die falsche Partnerwahl, die er zu dieser Zeit getroffen hatte, kam als sein einziger „Fehler“ über seine Lippen.

Es soll aber nicht an mir sein zu urteilen und das bringt mich auch nicht wirklich weiter! Die großen W- Fragen (Warum, Weshalb, Wieso) sind sowieso alle sehr müßig. Ganz besonders die, warum der Andere einen einfach nicht liebt. Gefühlsfragen zufriedenstellend mit dem Verstand beantworten zu wollen, kann nur frustrieren und ändert meiner Meinung nach auch nichts an den Tatsachen, mit denen man sich ja trotzdem auseinander setzen muß, auch wenn man meint die Antwort gefunden zu haben!

Nachdem ich mir all das ins Bewußtsein gerufen habe, fühle ich mich müde und kraftlos. Da ich heute aber mehr Zeit für meinen Heilungsweg habe, nutze ich diese und mache für eine Stunde die Augen zu. Richtig schlafen kann ich nicht, es ist eher so ein dahin dämmern im geistigen Niemandsland. Als ich merke, daß ich mich etwas besser fühle, stehe ich auf und nutze den Rest des traurigen und auch wütenden Gefühls, um endlich ein Lied neu einzusingen, dessen Text und Gesangslinie ich vor ca. 1 Jahr in genauso einer Stimmung wie jetzt, schrieb. Denn ein jahrelanger sehr guter Freund von mir, hat sich nun entschlossen mir mit der Musik zu helfen. Ich lerne zwar trotzdem weiter Klavier spielen. Aber mittlerweile ist mir klar geworden, daß trotz allem Fleiß, das nicht so schnell gehen wird, wie ich mir das erhofft hatte. Bis ich die Musik zu meinen Texten selbst komponieren und korrekt einspielen kann, wird noch eine ganze Weile vergehen. Umso schöner ist es jetzt, Hilfe zu haben.

Die Konzentration, die ich aufbringen muß, um möglichst passend zum „tak, tak, tak“ des Metronoms einzusingen und die Vorstellung, für wen ich dieses Lied eigentlich singe, helfen mir dabei, wieder etwas von dem negativen Gefühl in mir loszuwerden.

Nachdem ich damit fertig bin, stelle ich fest, daß ich nun wieder etwas mehr geerdet bin und sogar ein bißchen froh darüber, diese düstere Stimmung sogar noch sinnvoll genutzt zu haben. Denn wenn ich glücklich bin, fällt es mir nicht so leicht einen so dramatischen und verzweifelten Text, auch so gut rüber zu bringen. Auch wenn ich weiß, daß das singen nicht immer helfen wird, will ich für heute doch zufrieden sein. Ich habe den Schmerz und die Wut gespürt und ich habe ihr Ausdruck verliehen. Für Morgen muß ich mir dann halt wieder etwas anderes einfallen lassen.

Bildertext:

Wenn wir die Dinge mit unserem Herzen
einfach akzeptieren könnten,

ganz so wie ein Computer
die logischen Rechenvorgänge begreift,
wäre das Leben leicht!

Doch wäre es dann noch lebenswert?

© Emily-Star

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