Einschränkungen

Um diesen Artikel vorgelesen zu bekommen, klick bitte auf folgenden Player:

Da habe ich doch, letztens im Fernsehen, von einer Psychologin gehört, welche Schäden, all die derzeitigen Einschränkungen; auf längere Sicht in der Psyche, hervor rufen können. Du meine Güte, denke ich bei mir, wenn das schon psychische Schäden hervor ruft, was für ein Ding, habe ich dann eigentlich an der Waffel?

Ich habe Zeiten erlebt, wo ich Hunger und nichts zu Essen hatte, bis Nachbarn mir welches vorbei brachten. Wo ich fror, weil im Winter die Heizung kaputt war und mir verboten wurde, die Elektrische anzustellen. Wo ich das Wasser für die Toilettenspülung, aus dem Fluß holen mußte, an dem wir wohnten, weil es keine Spülung gab. Wo ich frierend, in einem Eimer warmen Wassers stand, der zuvor im Topf, auf einem Herd erwärmt wurde und mir den anderen Mangels Dusche, langsam über den Kopf kippte. Ich habe sogar Zeiten erlebt, wo ich nicht mal einen Herd hatte und auf einem Grill, kochen mußte. Weißt Du, wie verdammt lange es dauert, bis da die Bratkartoffeln oder Nudeln fertig sind?! Und last, but not least, habe ich über ein Jahr lang, meine Wäsche mit der Hand gewaschen. Weißt Du, wie das auf die Hände geht?! Irgendwann, schenkte mir eine Nachbarin dann, eine Schleuder. Ich war so dankbar dafür, weil mir immer die Hände, vom auswringen, weh taten. Gerade feste Stoffe, wie Jeanshosen, waren kaum vom Wasser zu befreien. Das fand zu Zeiten, meiner Ehe, statt. Aber das war nicht so schlimm, wie alles, was in den Jahren darauf, noch folgte.

Ich habe vieles aushalten müssen; psychisch, emotional und auch körperlich. Ich habe die Ohnmacht gefühlt, wie andere über mich bestimmt haben und auch jetzt, fühle ich mich ohnmächtig. Ausgeliefert. So geht es eben denen, die nicht auf der „Sunnyside of Life“ stehen. Nach intensiven Gesprächen, haben „Paul“ und ich uns darauf geeinigt, jeden Monat Geld zur Seite zu tun, damit wir hier in spätestens 2 Jahren, ausziehen können. Denn erstens , kostet umziehen Geld und zweitens, wollen wir uns ja nicht verschlechtern. Sprich, wir möchten schon gerne wieder, eine Wohnung mit Garten, haben. Das ist das Einzige, was mir wirklich Freude bringt und auch „Paul“, ist sehr gerne dort. Da er ja nur noch 2% sieht (das sind grobe Umrisse und mit ganz starker Lupe, etwas mehr), bleibt ihm auch nicht mehr so viel, was ihn noch erfreut. Die Gitarre ja… Aber auch da, sind es die Schmerzen in den Händen, welche ihm das Spielen, erschweren. Im Garten zu sitzen hingegen, bringt uns beiden Freude in eine Welt, in der es nur noch selten, wirklich etwas zu lachen gibt.

Der Schimmel hier, kommt mittlerweile schneller, als ich ihn weg wischen kann.

Es gibt immer noch kein Licht im Flur und die riesigen Äste des toten Nadelbaums, der das Haus weit überragt und schon längst keine Nadeln mehr hat, neigen sich nach und nach zum Boden. Immerhin, werden sie so wenigstens nicht waagerecht, herunter fallen. Das reduziert den Umkreis, des Schadens. Zumindest bis dann irgendwann, der restliche Hauptstamm, (der sich in zwei riesige Gabeln teilt) nachkommt. Diese sind sicher 15 Meter hoch.

Trotz allem, war es für uns eine schwere Entscheidung, da wir schon sehr an unserem Zuhause hängen. Aber wir müssen uns jetzt, innerlich davon frei machen, wenn wir das schaffen wollen. Bis dahin, gilt es eben aus- und durchzuhalten.

Es gibt überhaupt, so vieles auszuhalten, dem man hilflos gegenüber steht. Besonders aber, wenn man zur ärmeren Gesellschaftsschicht, gehört. Natürlich geht es uns, im Vergleich zu anderen Menschen, in anderen Ländern, die überhaupt keine Absicherung haben, noch richtig gut. Das weiß ich sehr wohl zu schätzen! Ich werde auch nie vergessen, was für ein Gefühl es war, nicht krankenversichert zu sein. Eine Lungenentzündung zu haben und beim Arzt anzurufen, um nach dem Preis einer Untersuchung zu fragen. Bis zum heutigen Tag, bin ich dieser Ärztin noch immer dankbar, daß sie mir nicht nur kein Geld abgenommen hat, sondern mir auch noch Medizin, aus ihrem eigenem Vorrat, geschenkt hat. Das ist nun so viele Jahre her. Trotzdem werde ich das, niemals vergessen! Deshalb bin ich extrem dankbar, für all die Hilfen und Sozialleistungen, die ich hier in Deutschland bekommen darf und natürlich, daß ich krankenversichert bin!

Trotzdem, fällt mir in Situationen wie dieser, mit der Schimmelbude, in der wir wohnen (und wo wir nicht mal eben, ausziehen können, ohne uns zu verschlechtern) wieder mal extrem auf, wie es sich anfühlt, eingeschränkt und ohnmächtig zu sein. Das ich dieses Gefühl auf andere Art und Weise schon oft kennen gelernt habe, macht es eher schlimmer, nicht besser. Ich erinnere mich an die Situation, wo mein gewalttätiger Ex, über mein Eigentum verfügte, wie es ihm beliebte. Wo jeder an meine Sachen konnte und sich bedienen, nur ich selbst nicht, weil er das Schloß ausgetauscht hatte.

Wie in einer anderen Situation, meine Privatsphäre zerstört wurde, indem mein Tagebuch, gegen meinen Willen, öffentlich vorgelesen wurde. Oder auch, wie eine „Pflegefamilie“, bei der ich mal war, einfach meine Wertgegenstände behalten, meinen Perserkater und Papagei, während eines Berlinurlaubs bei Freunden, verkauft haben.

Oder mein Vater, der sich einfach nicht meldet. Der sich nicht für mich interessiert, mich nicht liebt und mir das Gefühl gibt, ein unerwünschtes Kind zu sein. Ein Kind, das es nicht wert ist, daß man auch nur einen lästigen Gedanken, daran verschwendet! Diese Ohnmacht, das nicht ändern zu können. Es durch nichts zu schaffen, daß er sich meldet oder das er mich liebt. Wie oft habe ich ihn angeschrieben. Ich bin ihm nicht mal eine Stellungnahme wert!

Diese Hilflosigkeit darüber, dieser Schmerz, diese Wut… Daran gewöhnen, kann man sich nicht! Ich halte es eben einfach aus, hoffe auf ein besseres Morgen. Auch wenn ich manchmal, nur noch schreien möchte und mein Herz weint!

Ich erinnere mich an einen tollen Film, den ich vor kurzem, im Fernsehen gesehen habe. Der hat mich sehr nachdenklich gemacht. Er heißt „Die Hütte“. Dort war eine Szene zu sehen, indem der, nun erwachsene Mann, seinen Vater bestrafen wollte, weil dieser ihm als Kind, nicht die Beachtung geschenkt hatte, die er sich gewünscht hätte. Er war sehr wütend auf ihn und ersehnte sich Vergeltung. Die Frau an seiner Seite „als verkörperte Weisheit“, fragte ihn daraufhin, ob er ein Kind bestrafen wollte. „Natürlich nicht! Wer macht denn sowas?“ antwortete der Mann. Die Weisheit zeigte ihm daraufhin, daß auch sein Vater, der ihn gepeinigt und mit Liebesentzug gestraft hatte, als Kind, nur ein Opfer seines Vaters gewesen war. Und diesem Vater widerum, erging es als Kind ebenso. Wo soll man da anfangen zu bestrafen oder zu urteilen?! Und ist das, wirklich der richtige Weg?

Das hat mich sehr berührt, da ich selbiges bei meinem Vater und auch meinen beiden Müttern sehe. Es ist eine Kette, von der ich gar nicht weiß, wo sie ihren Anfang hat. Trotzdem, tut es mir weh und die Wunde ist tief. Ich fühle mich ohnmächtig und hilflos. Ich kann gar nichts tun, was ich nicht schon versucht hätte. Gott gab jedem Menschen, den freien Willen. Also nutzt mir auch beten nichts. Zumindest nicht darum, daß mein Vater sich bei mir meldet oder gar Liebe für mich empfindet. So bleibt mir nur, das in mir auszuhalten, durchzuhalten und zwar an jedem einzelnen Tag! Zu hoffen, daß die Wunde irgendwann heilt. Das ist das Einzige, worum ich beten kann!

Was ich für mich gelernt habe ist, daß Leid und Ohnmacht, von jedem Menschen anders empfunden werden. Viele sagten zu mir, daß es ihnen ja nicht so schlecht, wie mir in vielen Dingen, ergangen sei. Das ist aber gar nicht entscheidend und erst recht kein Wettbewerb! Wir sind alle unterschiedlich. Du und ich, empfinden Leid, mitunter auf andere Art. Was mich nicht berührt, kann Dich total fertig machen. Aber deshalb ist Dein Thema, nicht weniger wichtig und schlimm, wie meins.

Das Einzige, was wir gemeinsam haben sollten, ist der Wille, weiter zu machen. Zu kämpfen. Jeden Tag, aufs Neue!

Ich habe Dir, von meinen Erlebnissen geschrieben, damit Du siehst, daß Du nicht allein bist. In Deinem Schmerz, in Deiner Wut, in Deiner Ohmacht. Das auch, wenn die Ursache Deines Leids, nicht dieselbe wie meine ist, ich Deine negativen Reaktionen darauf, durchaus verstehen kann. (Auch wenn ich nicht jede davon, gutheißen würde.)

Diese Werbung, wo alle immer mit einem künstlichen Dauergrinsen, durch die Welt rennen, ist doch nicht echt. Es ist eine Scheinwelt! Das vermittelt einem schnell das Gefühl, nicht in Ordnung zu sein, wenn man nicht auch so grinsend durch die Gegend läuft. Aber, laß Dich davon bloß nicht verrückt machen! Nicht von suggeriertem Dauerglücklichsein, solchen Aussagen, wie von der Eingangs erwähnten oder von anderen. Von meinen natürlich auch nicht, denn selbstverständlich, habe ich ebenfalls, nicht die Weisheit mit Löffeln gefressen! 😉

Das Wichtigste ist und bleibt: Durchzuhalten und nie die Hoffnung zu verlieren! Ganz egal, wie beschisseneiden es auch aussieht!

Foto: Georg Lukas

NACHTRAG 30.4.2020:

Gerade kam, auf erneute Nachfrage, eine Nachricht der Hausverwaltung, daß der Baum, in den nächsten 8 Wochen gefällt und ein Elektriker beauftragt werden soll. Ich habe keine Ahnung, woher auf einmal der Sinneswandel kommt, bin aber erleichtert, ohne Ende. Wenigstens diese Sorge wären wir dann los!

Dafür haben wir jetzt aber einen Wasserschaden, ungeklärter Herkunft. Bis zur Klärung (wohl nicht vor Montag) wird das Hausflurklo benutzt (das sind die mit Strippe zum Ziehen, auf den Zwischenetagen) und alternativ in Wäschewannen „geduscht“ und abgewaschen. Das Abwasser kommt dann, auch wieder ins Hausflurklo. 🙈

22 Kommentare zu „Einschränkungen

Gib deinen ab

  1. Deine Art zu schreiben gefällt mir sehr. Dein Blogbeitrag ist wirklich super. Auch dein Foto mag ich extrem. Alles in allem bin ich begeistert. LG aus Österreich 🙂

    Gefällt 1 Person

  2. Auch mir kommt vieles, was Du erlebt hast, bekannt vor. Aber das war die Zeit während der letzten Kriegsjahre, nach dem Krieg, und noch viele Jahre danach, wo ich ebenfalls gehungert, gefroren,bin durch Bombenhagel verschüttet worden, hatte ständig Geldsorgen Aber irgendwann ging es besser.
    Wie hast Du alles so lange ausgehalten und schreibst jetzt doch so positiv. Schreiben hilft, das habe ich auch gemerkt. Deine Biografie interessiert mich sehr. Schreibst Du sie als Blogartikel oder auch in Buchform, evtl. E-book? Andere wird es auch sehr interessieren.
    LG Marie

    Gefällt 1 Person

    1. Vielen Dank für Deine Zeilen, liebe Marie!

      Den Krieg, bzw. überhaupt Krieg miterlebt haben zu müssen, stelle ich mir extrem furchtbar vor!!! Ich wünsche mir, daß ich so etwas, niemals erleben muß. Das psychisch auszuhalten… all diese Ängste und Zerstörung, muß schwierig sein. Unter einem Bombenhagel verschüttet zu werden… Wie viel Angst, mußt Du gehabt haben und wie viel Hoffnung, daß Dich jemand da raus holt, zugleich?!

      Meine Biografie, habe ich bereits begonnen, hier im Blog, zu veröffentlichen. Es ist die Reihe „Licht der Hoffnung“. Nach und nach, werde ich sie in meinen Beiträgen, online stellen. Sie ist, wie alles hier, gratis zu lesen oder wer das lieber mag, anzuhören. (Viele meiner Beiträge, lese ich zusätzlich noch vor.)

      Ich habe den größten Teil, zwar bereits in Buchform vorliegen, möchte das aber lieber, nach und nach veröffentlichen. So ist es für keinen zuviel und kann emotional, besser verarbeitet werden. Auch von mir selbst, wenn ich das noch mal lese.

      Herzliche Grüße,

      Emily

      Gefällt 1 Person

  3. Liebe Emily, ich folge dir erst seit ein paar Sekunden, aber auf irgendeine Weise hat mich dein Blog grad eben total gefesselt. Ich hab mir natürlich noch nicht alles von dir durchlesen können, und weiß demzufolge nicht, ob meine „Bitte“ bzw. mein Vorschlag angemessen ist, aber mich würde total interessieren, wenn Du mal etwas aus deinem Leben erzählst. Wie kam es dazu, dass Du deine Wäsche ein Jahr von Hand waschen musstest? Weshalb musstest Du so sehr hungern? Verstehe mich bitte nicht falsch, mich interessiert deine Geschichte wirklich. Wenn Dir das zu persönlich ist, kann ich das natürlich auch vollkommen verstehen. Ich wünsche Dir noch einen schönen Samstagabend.
    Leni x

    Liken

    1. Liebe Leni,

      ich habe jetzt begonnen, meine Biografie zu veröffentlichen. Der erste Teil unter „Licht der Hoffnung“ ist bereits online.

      Da es aber sehr lange dauert, bis ich zu diesen Punkten komme, beantworte ich Dir Deine Fragen gerne jetzt schon. Hungern mußte ich, weil mein Exmann das Geld verwaltet hat. Auch meins. Er hat bestimmt, was gekauft wurde. Wenn ich etwas wollte, mußte ich teilweise darum betteln. Meine Nachbarn haben mir dann oft Essen gebracht. Aus dem gleichen Grund, hatten wir auch lange, keine Waschmaschiene. Die Ehe war nicht allzu glücklich, um es mal gelinde auszudrücken und ich bin froh, daß sie vorbei ist.

      Herzliche Grüße und ein schönes Wochenende,

      Emily

      Gefällt 2 Personen

      1. Ach, wie gut zu wissen! Das werde ich mir die Tage auch mal durchlesen. Vielen Dank für deine ehrliche Antwort, unglaublich was du durchmachen musstest. Auch wenn ich Dich nicht kenne bin ich froh, dass Du da rausgekommen bist. Alles Gute Dir, Leni

        Gefällt 1 Person

  4. Jeder/e (empfindet und) sieht aus seiner eigenen Brille heraus …Jeder/e erlebt das Leben anders.
    Du hast jedenfalls eine großartige Begabung:
    Du kannst richtig gut schreiben, Dich ausdrücken.
    Du könntest ein Buch schreiben.
    Auch Schreiben kann helfen das eigene Leben zu reflektieren, zu ertragen, wertzuschätzen….
    Herzliche Grüße und Deinen
    Kopf gaaaaaanz weit nach oben!
    Wer so viel schon gemeistert hat, der kann sicher viel Schönes noch erleben. Ich drücke Dir die Daumen, dass Dein Wunsch nach einem Garten erfüllt wird.

    Gefällt 4 Personen

      1. Ich stimme Birgit völlig zu. Toll geschrieben und auch mit viel Weisheit! Keine Schuldzuweisungen und sehr respektvoll geschriebene Gedanken. Das mit der Buch-Idee finde ich auch toll!!
        Ich wünsche dir viel Liebe, Kraft und gaaaanz viel Glück. Ihr werdet bald ein schönes zu Hause in dem ihr glücklich sein werdet bekommen. Dafür drücke ich euch fest die Daumen 🍀🍀✊🏼✊🏼

        Gefällt 2 Personen

  5. Du sprichst mir voll aus der Seele, liebe Emily! Es gibt Dinge im Leben, die sind unangenehm. Ich würde auch gerne mal wieder gemütlich in einem Café meine Zeitung lesen oder bei dem schönen Wetter in den Biergarten gehen.
    Geht nun mal nicht. Ok, habe ich mehr Zeit für andere Sachen, die auch nicht unwichtig sind.
    Und irgendwann ist der Spuk vorbei und wir lachen drüber.
    Als Kölner kann ich immer wieder nur sagen:“Et hätt noch immer jot jejange!“

    Liebe Grüße und bleib gesund,
    Werner

    Gefällt 2 Personen

Schreibe eine Antwort zu Werner Philipps Antwort abbrechen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

Create a website or blog at WordPress.com

Nach oben ↑

%d Bloggern gefällt das: