Das Fenster im dunklen Raum, welches einen Ausblick verschafft

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Ich war mein ganzes Leben auf der Suche nach einem Zuhause. Doch wo ich es fand, verschwand es wieder. So auch hier. Ich frage mich, warum das so ist. Natürlich, kann ich vom geschichtlichen Ablauf her, all die Gründe, für diese Stationen benennen. Die Ereignisse so detailreich wieder geben, so daß Du nach meiner Erzählung, wahrscheinlich verstehend nicken würdest. Dennoch wollte ich ursprünglich nur eins. Ein Zuhause, wo ich meine Ruhe haben kann. Vielleicht war gerade das, das Problem. Es ist unglaublich, aber egal wohin man geht oder zieht auf dieser Welt. Selbst wenn man sich total einigelt, es kommen immer irgendwelche Widrigkeiten, mit denen man es zu tun hat. Irgendetwas, was nervt. Soll uns das vom Stillstand abhalten?! Ich weiß es nicht. Aber so richtig in Frieden leben, ganz ohne Streß und Probleme?! Das scheint es nirgendwo zu geben. Wenn wir uns in einer stabilen Verfassung befinden, betrachten wir das vielleicht als Herausforderung oder Abenteuer. Aber wenn wir angeschlagen sind, wird das zunehmend zur Belastung. Ich wünsche mir wirklich schon so lange, inständig, meine Ruhe und kann sie einfach nicht bekommen. Da ziehe ich mich in mein Heim zurück, gehe kaum noch vor die Tür… Doch selbst da, finde ich keinen Frieden mehr. Es geht nun nicht mehr nur um das Schimmel-, Elektronik- oder Baumproblem. Es geht um Ohmacht, Hilflosigkeit und Zukunftsangst. Das Gefühl des Ausgeliefertseins. Aus einem Traumhaus, wurde nach und nach ein Alptraum.

Als Antwort auf unser aller Anliegen im Haus, den Baum fällen zu lassen, haben wir nicht nur die erfreuliche Aussicht auf Fällung, spätestens Ende Juni, von der Hausverwaltung bekommen; sondern auch weitere Post von selbiger, bei der ich noch nicht weiß, welches Ziel sie eigentlich genau verfolgt. Sollen wir für unsere Bitten, den Baum zu fällen und nach zwei Monaten, doch endlich mal das Licht im Hausflur richten zu lassen, nun bestraft werden? Vielleicht, um bloß nicht, auf noch mehr Ideen zu kommen? Die Hausverwaltung, war letzte Woche mit dem Vermieter hier gewesen. Sie haben überall Fotos gemacht. Das klingt nicht gut!

Auch waren sie ungefragt in unserem Garten, was ich nicht in Ordnung finde. Wir haben nichts zu verbergen, zeigen den Garten auch gern, aber möchten doch bitte vor betreten gefragt werden! Es kam nur frech zurück, daß wir das Gartentor ja nicht abgeschlossen hätten und der Garten so, für jedermann zugänglich ist… Mir fehlen die Worte…

Geht es nun darum, das Haus zu verkaufen, oder uns alle einzuschüchtern? Was auch immer es ist, es hat mir gründlich die Laune verhagelt und ich ahne nichts Gutes. Natürlich wissen „Paul“ und ich, daß wir irgendwann ausziehen müssen. Das hatten wir ja bereits beschlossen. Alleine deshalb, weil das Schimmelproblem, nicht in den Griff zu bekommen ist. Aber, wir hätten schon gerne, die nötige Zeit, um Geld dafür zurück legen zu können und das alles vorzubereiten. So fühle ich mich im Augenblick, ganz schön ohnmächtig. Weiß noch nicht, wie es in welchem Tempo, weiter geht!

Soll ich jetzt beginnen Sachen zu verkaufen? Wegzuschmeißen? Zu verschenken? Ich weiß es nicht und noch während ich darüber nachsinne, frage ich mich, warum mein Herz, an so vielen materiellen Dingen hängt. Hat es damit zu tun, daß sie meine innere Leere füllen sollen? Oder mit Erinnerungen, an bestimmte Momente in meinem Leben, die ich mit diesen Gegenständen verbinde? Oder an ein Sicherheitsbedürftnis? Fakt ist, ich kann schwer etwas weg schmeißen. Ich bin kein Messi, habe aber doch sehr viele Dinge. Das hat auch nichts mit dem Alter zu tun. Auch wenn einige Menschen in einem gewissen Alter, schon sehr oft, viel angesammelt haben. Das ist völlig normal denke ich. Was mich aber angeht, glaube ich manchmal, daß ich auf das falsche Pferd gesetzt habe.

Als ich jung war, waren materielle Dinge, für mich extrem wichtig. Ich dachte immer, ich gebe mein Geld lieber für etwas aus, wovon ich länger etwas habe. Disko, Reisen, Partys, Kino… All das sind ja nur ein paar Augenblicke, die ganz schnell wieder vorbei sind. Aber eine Wohnungseinrichtung und schöne Gegenstände, da habe ich länger etwas von. Und so gab ich stets mein Geld, für materielle Werte aus. Doch ich verlor sie. Immer und immer wieder. Egal was ich hatte, es wurde mir entweder gestohlen, zerstört oder ging verloren. Es ist unglaublich, wie oft ich schon, mit meinem Hausstand, von vorne anfangen mußte. Hätte ich mein Geld, stattdessen lieber in Reisen und Erlebnisse gesteckt, dann hätte ich, wirklich etwas bleibendes gehabt. Etwas, daß mir niemand mehr weg nehmen kann. Ich wünschte, das wäre mir damals bewußt gewesen.

Trotzdem, oder vielleicht gerade wegen all der Verluste, möchte ich nicht loslassen, was ich mir zusammen mit Paul, aufgebaut habe. Nicht schon wieder von vorne anfangen. Nicht schon wieder einen Großteil verlieren. Und doch werde ich es müssen, denn so viel Platz, wie wir hier haben, werden wir woanders, wahrscheinlich nicht mehr bekommen. Auch Paul sehnt sich danach, endlich nicht mehr umziehen zu müssen. Einen Ort zu haben, wo wir bleiben können. Doch es ist uns nicht vergönnt.

Ich versuche mich an meinen Jakobsweg zu erinnern. Da, wo ich fast nichts hatte und doch so glücklich war. Wo ich darüber nachdachte, alles Materielle mal hinter mir zu lassen und eine Weile im Kloster zu leben. Auch fällt mir ein, wie ein Priester nach der Führung durch Santiago sagte: „Wenn ihr nichts an eurem Leben ändert, wenn ihr wieder Zuhause seid, wird sich auch nichts ändern!“ Er hatte Recht, aber auch gut reden. Diejenigen, welche von einem bestimmten Problem nicht betroffen sind, haben eh immer die „klügsten“ Sprüche auf Lager.

Ich habe ausnahmsweise mal keinen. Stehe zwischen den Stühlen, bin ratlos. Gedanken wie „Das Leben ist kein Ponyhof!“, wechseln sich ab mit „Ich will weiterhin auf Gott vertrauen!

Im Moment bin ich einfach nur niedergeschlagen. Aber das ist okay. Keiner ist immer gut drauf!

Ich hoffe inständig, daß ich das Fenster im dunklen Raum finde, welches mir einen hellen Ausblick verschaffen wird.

13 Kommentare zu „Das Fenster im dunklen Raum, welches einen Ausblick verschafft

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    1. Die Suche ist nicht das Problem. Durch „Pauls“ Behinderung, steht uns eine größere Wohnung zu. Das macht es eher leichter. Es sind viel mehr die ganzen Kosten, die damit verbunden sind. Dafür müssen wir erst mal Geld beiseite sparen.

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    1. Ja das stimmt, aber was sollen wir machen, außer das, was wir eh schon tun. Nämlich Geld für den Auszug sparen.

      Der Punkt ist, daß der Vermieter letztendlich, immer am längeren Hebel sitzt. Solange man nicht weiß, wohin man umziehen kann und dafür auch Geld im Rücken hat, kann man eh nichts machen, außer die Situation zu verschlimmern. Wir haben uns schon mit einem Fachmann darüber unterhalten. Natürlich sind wir im Recht, aber es führt letzten Endes zu nichts, als nur noch mehr Ärger für uns.

      Und so wie uns, geht es sicher vielen Menschen, mit wenig Einkommen. Das wissen diese Vermieter auch und nutzen es für sich. Als wir die Wohnung bezogen haben, wußten wir nichts vom Schimmel. Es war ja noch relativ frisch gestrichen. Tja…

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      1. Was auch immer dir dazu einfällt, unabhängig davon, ob es realisierbar ist oder ein Wunschtraum. Die Antwort ist natürlich nur für dich selbst wichtig und nicht für mich oder die Öffentlichkeit bestimmt. Es geht darum, deine Aufmerksamkeit weg vom Problem hin zur Idee, zur Kreativität, zu lenken und deinen Kopf frei zu bekommen. Ganz freies Denken, Träumen, Wünschen ausdrücklich erwünscht: Was würdest du dir in diesem Moment von einer Fee wünschen, wenn sie bei dir vor der Tür steht und dich danach fragt 🙂

        Gefällt 2 Personen

        1. Eine schöne Idee, liebe Annette. 😊

          Wenn es diese Fee gäbe, würde ich mir ein kleines Haus mit großem Garten im Spreewaldkreis wünschen. (Das sollte aber, wegen der großen Waldbrandgefahr, die meines Erachtens in den nächsten Jahren, durch Dürre und Hitze, immer weiter zunehmen wird, diesmal nicht direkt im Wald sein.) Es soll intakt, finanziell gut zu unterhalten und vor allem aber, mein Eigentum sein!

          Herzliche Grüße und danke für diese schöne Idee der Ablenkung 🤗

          Gefällt 2 Personen

  1. Mein Mantra für solche Zeiten und Gefühle:
    Ebbe und Flut und Ebbe
    Vollmond und Neumond und Vollmond
    Frühling und Sommer und Herbst und Winter und Frühling
    Samen und Keim und Pflanze und Blüte und Frucht und Samen
    Tag und Nacht und Tag
    Sonne und Regen und Nebel und Schnee und Sonne
    Auf und Ab und Auf

    Gefällt 2 Personen

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