Licht der Hoffnung Teil 2

Meine Biografie Teil 2

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Meine Eltern hatten viele Probleme in dieser Zeit. Nachdem Mom sich schweren Herzens von ihrem Elternhaus getrennt hatte, wohnte sie nun bei uns! Das war in sofern schwierig für sie, weil sie einerseits, immer einen guten Draht zu ihren Eltern hatte und den „Nestschutz“ vermißte und andererseits, aber so verliebt in meinen Vater war, daß sie mit ihm zusammen bleiben wollte. Ein innerer Zwiespalt also, mit dem sie noch jahrelang, zu kämpfen hatte. Klar, wenn man bedenkt, daß die Realität und der Wunschtraum, mit einem Mal, so weit auseinander driften. Da beginnt man natürlich schon, die Wärme und Sicherheit, von den Menschen zu vermissen, die einen wirklich lieben. Und so wie ihr, ging es auch mir.
Ich akzeptierte Mom zwar, als meine neue Mutter, aber trotzdem, liebte ich meine Großeltern, über die Maßen. Und das, zeigte ich auch. Leider warf das dann, ein neues Problem auf. Nämlich die Entfremdung, von mir und meinen Eltern. Das war, unter anderem daran zu merken, daß ich nicht mehr, auf sie hörte. Sondern nur noch auf das, was Oma und Opa gesagt haben. Einerseits stelle ich mir das sehr frustrierend für die beiden vor; andererseits ist es doch aber auch ganz logisch, daß ein Kind sich den Personen zuwendet, die sich am meisten, um es kümmern. Die ihm Liebe entgegen bringen!

Ich kann mich nicht erinnern, diese Art der innigen Umarmung und Zuneigung, in meiner gesamten Kindheit, jemals von meinen Eltern bekommen zu haben. Das Blöde ist nur, daß man als Kind, aber nicht bestimmen kann, wo man leben möchte. Und so kam es, daß ich von nun an, mehr zu anderen Verwandten, gebracht wurde. Meine Eltern glaubten damit, den Entfremdungsprozeß, stoppen zu können. Was für ein Witz! Sie erreichten, nur noch mehr vom Gegenteil und nicht nur das. Ich hatte das Gefühl, daß mir schon wieder meine Eltern, weg genommen werden. Meine Wurzeln, mein innerer Halt! Mit den anderen Verwandten, konnte ich nämlich leider, gar nichts anfangen. Die haben mich einfach in eine Ecke gesetzt, getreu dem Motto: „Jetzt mach mal, beschäftige dich und geh‘ mir bloß nicht auf die Nerven!“ Ja… ich habe genau gespürt, wie unerwünscht und lästig ich ihnen war.

Aber ich kann es ihnen, auch nicht vorwerfen. Ich war nicht ihr Kind. Sie alle hatten ihre eigenen Sorgen und Probleme. Trotzdem gibt es unter Verwandten, ja eine Art, unausgesprochene Verpflichtung. Nämlich sich umeinander zu kümmern, ob man nun wollte oder nicht. Und für gewöhnlich wollte man nicht, mußte aber. Schließlich gab man nach außen ja, ein bestimmtes Bild von sich ab und das mußte um jeden Preis bewahrt werden. Für mich als Kind hieß das damals dann leider:

„Ach was bin ich toll, daß ich mich um dein Blag kümmere! Sei mal dankbar dafür und du Blag sowieso!!!“

So direkt wurde das natürlich, (zumindest in meiner Gegenwart) nicht gesagt. Aber wie bereits erwähnt, Kinder spüren sehr wohl, ob sie willkommen sind oder nicht! Ich kann mich jetzt noch, an die Einsamkeit erinnern, die ich empfunden habe, wenn ich bei den anderen Verwandten war. Ich kam mir so überflüssig vor und habe schon als Kind oft da gelegen und geweint. Umso größer war natürlich die Freude, wenn ich wieder bei Oma und Opa war. Egal was also, meine Eltern versuchten, um die enge Bindung zu meinen Großeltern zu unterbinden, sie schafften es nicht!

Deshalb zog mein Vater die Konsequenzen. Auch unter dem Druck von Mom, in etwas eigenes zu ziehen. Gesagt getan. Wir zogen in ein gemietetes Haus um. Aber nicht einfach so, sondern mein Vater tat alles heimlich. Er suchte mit Mom das Haus aus, plante bis ins kleinste Detail den Umzug und das alles hinter dem Rücken von Oma und Opa, in deren Haus wir ja noch immer wohnten. Ich kann mich noch an eine Szene erinnern, die sich eingebrannt hat. Ich saß wie fast jeden Morgen, bei meinen Großeltern im Wohn- und Eßzimmer und wir alberten herum. Mein Opa stopfte sich gerade die Zigaretten und ich sah ihm fasziniert zu. Da ging mit einem Knall, die Tür auf und mein Vater stand da und sagte: „Komm Emily, wir gehen!“ Weder ich, noch meine Großeltern, schienen zu verstehen, was er wollte. Also wurde er deutlicher. Es folgte ein tierisches Geschrei und ich klammerte mich, an meiner Oma fest. Ich habe nicht viel von dem verstanden, was da so geschrien wurde. Ich weiß nur, daß ich mit aller Gewalt, von meiner Oma, weggezerrt wurde.

Eine Träne, läuft mir über die Wange. Als ich es bemerke, hebe ich mühsam meine Hand, um sie weg zu wischen. Auch wenn es nur Bruchstücke sind, an die ich mich nach all den Jahren noch erinnern kann, so tut irgend etwas in meinem Herzen, noch immer weh. Ich öffne die Augen und suche mit meinem Blick, die Wand ab. An der Uhr bleibt er hängen. Es ist halb 12. Gleich Mittag. Die Zeit, scheint gar nicht zu vergehen. Ich stöhne leise auf, drücke erneut den Knopf und lasse meine Augen, einfach wieder zufallen. Ich kann ja doch nichts anderes machen, als die Zeit abzuwarten. Die Zeit, die sich zieht, wie ein Kaugummi. Die einfach nicht, vorbei gehen will. Die Zeit, wo alles heilen muß. So wie in meinem Herzen. Es dauert und manchmal habe ich den Eindruck, der Schmerz wird nie vergehen. Bestimmte Dinge, halten sich so hartnäckig, in meiner Seele fest, daß sie mich bis heute unfrei machen. Doch zurück in meine Kindheit…

Nun wohnten wir, in einem eigenen Haus, in Nordrheinwestfalen. Ich erinnere mich nur noch, an den schönen Garten, der zu diesem Haus gehörte. Der Kontakt zu meinen geliebten Großeltern, war beendet. Zwei Jahre, habe ich sie, nicht mehr gesehen. Und dennoch haben diese zwei Jahre, nichts an meiner Liebe, für die Beiden geändert. Mit drei Jahren kam ich, in den Kindergarten. Doch aufgrund meiner Verhaltensstörungen, die immer schlimmer wurden, durfte ich nur noch zwei Mal die Woche hin und zeitgleich mußten meine Eltern, mich zu einer Kinderpsychologin bringen. Ich war – so meine Mom – ein absoluter Einzelgänger, konnte mich nicht anpassen, war aggressiv und das aus heiterem Himmel. Während der gesamten Kindergartenzeit, brachten mich meine Eltern, regelmäßig zu dieser Frau. Doch geholfen hat es nicht.

Nach zwei qualvollen Jahren, war ich überglücklich, endlich wieder meine Großeltern, besuchen zu dürfen. Am liebsten hätte ich, bei ihnen gelebt! Denn bei ihnen, fühlte ich mich geliebt und Zuhause. Natürlich zog ich sie, sehr zum Mißfallen meiner Eltern, ihnen weiterhin vor. Ich verbrachte die Wochenenden, fast immer, bei ihnen. Und wir verreisten sogar, gemeinsam, an die Nordsee. Das war mit Abstand und für lange Zeit, die einzige Zeit, wo mein Leben wirklich schön und für mich lebenswert war!

Mein Opa ist im Hintergrund und ich bin rechts. Das meine Kindheit, schon bald vorbei sein sollte und jedes noch so kleine Lächeln, aus meinen Augen verschwinden würde, ahnte ich zu diesem Zeitpunkt, glücklicherweise noch nicht!

Mein Opa v,erfolgte weiterhin sein Ziel, mir die Liebe zur Musik, noch näher zu bringen. In seinem Haus, hatte er einen Partykeller, wo auch einige Instrumente standen. Eine Orgel, sein Akkordeon, irgend so ein Karnevalsinstrument und an der Wand hing sogar, eine schöne Harfe. An so ziemlich jedem Tag, gingen wir in diesen Keller und er spielte mir etwas vor. Ich lernte sogar, den Ententanz. Das war immer, meine größte Freude. Mit meinen Großeltern, unten im Keller, diesen Ententanz zu tanzen und ich kann ihn noch heute. Auch wenn keine Party statt fand, tanzten wir diesen Tanz. Auch lehrten sie mich, viele Volkslieder. Ich werde nie vergessen, wie mein Opa meinen Gesang, auf Kassette, aufnehmen wollte. Es war das Lied: Meine Blümchen haben Durst. Und er sagte: „Sing nicht immer so leise!“ Da habe ich auf einmal, so laut und schief gebrüllt, daß er anfangen mußte zu lachen. „Nein, so laut auch wieder nicht“, sagte er dann noch. Er war ein geduldiger und strenger Lehrer zugleich. Oft saß ich, auf meiner Schaukel im Garten und er mit seinem Akkordeon vor mir. Und wir haben sogar dabei, noch gesungen. Auch wenn wir mit ihrem Wohnwagen, auf den Zeltplatz zur Nordsee gefahren sind, saßen wir oft abends bei Kerzenschein da. Ich bei meiner Oma auf dem Schoß und er mit dem Akkordeon, vor uns beiden. Das ist die Art von schönen Erinnerungen, die weh tun, weil es das nie mehr geben wird. Beide sind tot und sie kommen nie wieder zurück…

Wenn ich im Anschluß, wieder nach Hause zu meinen Eltern zurück mußte, weinte ich immer. Aber ich habe recht schnell lernen müssen, das heimlich zu tun. Denn mein Vater haßt es, wenn jemand weint. Da steigen Aggressionen in ihm hoch, die ich im Moment noch nicht weiter ausführen möchte. Nur so viel dazu: Ich weiß, daß mein Opa, sich einmal, mit mir im Bad eingeschlossen hatte, um mich vor dem Wutausbruch meines Vaters, zu beschützen… Das klingt unglaublich? Es ist aber so!!! Ich weiß nicht warum, mein Vater so jähzornig ist. Ich weiß nur, daß ich, bis ich lernte ihm endlich zu vergeben, jahrelang mehr Furcht als Liebe und Vertrauen, für ihn empfand!

Knapp vor meinem 6. Lebensjahr, zogen wir dann noch einmal um; in ein anderes Haus und ein anderes Dorf. Dies sollte für die kommenden Jahre, mein Zuhause sein. Doch leider, fand ich dort, nur wenige Freunde. Ich wußte nicht, warum das so war. Aber es bedrückte mich sehr. Es muß wohl daran gelegen haben, daß ich noch immer, verhaltensgestört war. Ich verstehe bis heute nicht, warum meine Eltern zwar wußten, daß meine Seele und mein Herz nach Liebe, Zuwendung und Vertrauen schrie. Sie mir das, aber nie gaben. Vor allem meine Mom, gab mir wenig, bis gar keine Liebe.

Ich war ja wohl auch erstens, nicht ihr richtiges Kind. Zweitens war sie immer alleine, denn mein Vater war wochenlang auf Geschäftsreisen und drittens ständig wegen mir in der Schule oder im Kindergarten. Sie sagte mir im nachhinein mal: „Ich weiß, daß das, weiß Gott keine Entschuldigung ist, aber es gab wirklich nur Probleme. Ständig hat sich irgendeiner, über dich beschwert. Immer war etwas. Immer gab es Probleme. Ich konnte einfach irgendwann nicht mehr und deshalb habe ich dich, leider immer wieder, geschlagen. Und es tut mir so leid! Auch wenn du mir verziehen hast, ich werde mir niemals verzeihen können, was ich dir alles angetan habe. Ich würde alles anders machen, aber ich kann es nicht mehr. Ich kann die Zeit, leider nicht mehr, zurück drehen!“

Wie auch immer. Meine Mom arbeitete zwar, nunmehr halbtags, hatte aber angeblich, viel zu viel zu tun, um sich mit mir zu beschäftigen. Ich bat meine Mom oft darum, aber das Einzige, was sie tat, war mich auf Ordnung und Schule zu drillen. Allerdings, war ich unter diesem enormen Leistungsdruck, nicht dazu in der Lage, gute Noten zu schreiben. Und das zog sich, über mehrere Jahre hin.

Am Anfang der vierten Klasse, schrieb ich eine fünf in Mathe. Der absolute Weltuntergang! Da ich schreckliche Angst hatte, schon wieder Prügel zu bekommen (die von Mom gingen ja noch, aber die von meinem Vater wollte ich nicht erleben), unterschlug ich viele Arbeiten, was aber meistens ans Tageslicht kam. Und dann gab es natürlich das Doppelte an Prügel. Bevor ich diese, ganz spezielle Arbeit schrieb, legten mir meine Eltern nochmals, mehr als deutlich ans Herz, sie auch gut zu schreiben. Von daher hatte ich, panische Angst. Denn falls ich jemals, nochmals eine Arbeit unterschlagen sollte, würde ich das größte Donnerwetter, meines Lebens, erleben.

Zu diesem Zeitpunkt, wuchs meine Panik, bis ins Unermeßliche. So das ich zu allem griff, wovon ich dachte, daß diese Dinge giftig waren. Sei es Scheuermittel, Spülmittel und die giftigen Beeren, die vor unserem Haus wuchsen. All das sammelte ich und nahm es dann ein. Als ich etwas später, mit meiner Mom am Mittagstisch saß, bekam ich mit einem Mal, so fürchterliche Magenkrämpfe, daß Mom mich ins Krankenhaus, bringen mußte. Sie wurden so stark, daß ich kaum noch, zu laufen vermochte. Somit, mußte sie mich sogar, tragen. Ich hatte ihr, natürlich nicht erzählt, was ich gemacht hatte und erst recht nicht, warum. In ihren Augen spiegelte sich, zum ersten Mal, Angst und Entsetzen. In der Notaufnahme angekommen, röntge man mir sofort, meinen Magen und untersuchte mich gründlich, bis man die Ursache herausfand. Man schloß mich an einen Tropf an und bald ging es mir auch schon besser. Drei Tage, mußte ich da bleiben. Ich weiß nicht, was meine Mom und mein Vater wohl besprochen hatten. Auf jeden Fall, gingen sie nicht weiter auf die schlechte Schularbeit ein. Das war also mein erster Selbstmordversuch mit 9 Jahren!

KAPITEL 2:

Inzwischen wurde mein geliebter Opa, sehr krank. Er hatte Lungenkrebs und sah aus, wie jemand aus der dritten Welt. Wahnsinnig dürr, aber das Unfaßbare war, daß er eben unheilbar krank war. Es war bereits zu spät, um noch irgendeine Therapie, zu machen. Mein Leben, kam erneut ins Wanken. Aber ich hoffte dennoch, daß er noch so lang, wie nur irgend möglich leben würde, denn ich liebte ihn sehr. Nach wie vor, besuchte ich meine beiden Großeltern oft und es war jedes Mal, wunderschön. Wenigstens ein kleiner Teil, meines einsamen Lebens, so wie es meine Großeltern ja waren, der mich glücklich machte. Wenn ich da war, dann half ich ihnen, im Haushalt, so gut ich konnte und ich tat es gern.

Doch dann kam der Tag, der alles verändern sollte und schließlich mit einer Katastrophe, endete. Ich rief wieder einmal meine Großeltern an, um sie zu fragen, ob ich bei ihnen übernachten dürfte. Mein Opa meinte, daß er nichts dagegen habe und ich ihnen immer, willkommen sei. Das würde ich doch wissen. Natürlich wußte ich das und so vereinbarten wir einen Termin. Anschließend fügte er noch hinzu:“ Du hast doch einen Kassettenrekorder mit Doppeldeck und Mikrofon? Kannst du mir den mal leihen?“ Natürlich konnte ich das. Ich würde sowieso alles, für meinen Opa, tun. Aber was er dann von mir verlangte, war wirklich merkwürdig. Er wollte, daß ich es, keinem sagen soll. Auch nicht Oma, die davon, nichts zu wissen braucht. Dann sagte er noch, daß er das Gerät abholen werde, wenn niemand bei uns zu Hause wäre und erkundigte sich, wann das denn, der Fall war. Abschließend nahm er mir, das Versprechen ab, daß ich auch wirklich niemanden, etwas davon sagte. Und ich gab es ihm. Schließlich verabschiedete er sich.

Obwohl Tränen bei uns verboten waren, konnte ich sie doch nicht aufhalten. Ich ahnte, was das alles zu bedeuten hatte und es brachte mich fast, um den Verstand! Mein Opa war sehr schwer krank und die Ärzte hatten ihm gesagt, daß er wahrscheinlich, bald sterben würde! Nun wollte er seinem Schicksal zuvor kommen und sich selbst umbringen. Er wollte mich allein lassen und gab sich auf. Dann hätte ich niemanden mehr, in dieser Welt… in diesem Leben, der mich liebt. Denn meine Eltern taten es nicht. Ich nahm an, daß er Abschiedsbriefe auf Kassetten sprechen wollte und diese dann, anschließend, kopieren. Trotz allem, konnte ich aber nicht verstehen, wie ein Mensch sich einfach aus dem Leben nehmen konnte. Obwohl ich, das ja schon, selbst versucht hatte. Aber das erschien mir, in diesem Augenblick, vollkommen unwichtig. Damals ahnte ich noch nicht, welche Bedeutung das Wort Selbstmord, für mich, einmal haben würde. Ich versuchte weiterhin, meine Tränen zurück zu halten. Doch es wollte mir, einfach nicht, gelingen. Als ich mich, in mein Zimmer, schleichen wollte um den Fragen meiner Eltern aus dem Weg zu gehen, erblickte mich Mom. Genervt sah sie mich an. „Was ist denn jetzt schon wieder los?“ Als ich nichts erwiderte, wurde ihr Blick zornig. „Schon gut, nichts!“ „Du sollst mich nicht anlügen!“ Mit großen Schritten, kam sie auf mich zu. Gerade als sie ausholen wollte, um mich wie üblich zu ohrfeigen, und ihrem Blick nach zu urteilen, sogar zu schlagen, schritt mein Vater dazwischen. „Also was ist los?“ Zärtlich nahm er mich, in seine Arme, was bei ihm, zu der Zeit, schon eine Seltenheit, wie Weihnachten war. Moms Blicke, trafen mich so sehr, daß ich alles erzählte. Aus Angst, daß sie mich doch noch, schlagen würde. Wutentbrannt, riß mein Vater sich anschließend von mir los und rannte dann, zum Telefon. Es ging alles, ganz schnell. Den Wortfetzen meines Vaters entnahm ich, daß er meinem Opa, bittere Vorwürfe, machte. Wie er denn nur so etwas sagen könne, vor allem einem Kind! Ob er denn überhaupt keinen Schritt weiter denken könnte, daß ich ja nicht dumm wäre und ja wohl eins und eins, zusammen zählen kann. Die Vorwürfe, prasselten nur so über meinen Opa hinweg, bis mein Vater endlich auflegte. Und von diesem Tag an, war die Beziehung zwischen meinen Eltern, meinen geliebten Großeltern und mir, zerbrochen. Und ich war an allem schuld. Ich durfte von nun an, nicht mehr zu ihnen und mußte mit schweren Alpträumen, Weinkrämpfen und Schuldgefühlen leben. Innerlich, starb meine Seele, schon zu diesem Zeitpunkt. Oder doch schon eher?

Lange stellte ich mir die Frage, was gewesen wäre, wenn ich nichts gesagt hätte. Ganz so wie ich es versprochen habe! Doch eine Antwort darauf, werde ich, wohl nie erhalten. Egal wie viel ich bettelte, weinte und schrie. Der Kontakt war endgültig vorüber. Ich durfte nicht einmal mehr, anrufen. Man drohte mir und schüchterte mich ein. „Wenn du das dennoch tust, dann…“ Ich durfte meinen Opa, erst an seinem Sterbebett, wieder sehen. Wir konnten nichts mehr klären. Ich konnte mich nie entschuldigen und damit, konnte ich lange nicht leben. Allein dieser Gedanke, stürzte mich jahrelang, immer wieder, in tiefe, schwarze Abgründe, voller Schmerz und Schuld! Es ist das Furchtbarste, wenn ein Mensch tot ist und du ihm nichts mehr, sagen kannst. Auch nicht, wie sehr du ihn liebst…

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