Licht der Hoffnung Teil 4

Meine Biografie Teil 4

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Frühjahr ’93. Meine Oma lag im Koma. Sie hatte ihren dritten Herzinfarkt erlitten. Bedrückt, fuhren meine Eltern mit mir nach Westdeutschland. Es war lange her, daß ich meine geliebten Großeltern gesehen hatte. Tausendmal, fragte ich mich nach dem „warum“. Warum es denn erst so weit kommen mußte, daß wir wieder zusammen fanden. Und ich bekam keine Antwort. Jetzt lag meine Oma im Sterben und es war bereits zu spät, um noch irgend etwas zu klären. Zu Spät… Diese Worte, dröhnten in meinem Kopf und machten sich, in meinem Körper breit. Ich weinte. Außer Moms strengem Blick, blieb mir allerdings, jeder Kommentar erspart. Was sich aber genau, ein Jahr später, noch ändern sollte. Im Krankenhaus angekommen, fragten wir uns nach der Station durch. Dort trafen wir auch meine Tante. Am Krankenbett, sah ich dann nach Jahren, meinen geliebten Opa wieder. Als er uns erblickte, sah ich Tränen, in seinen Augen. Er sah schrecklich aus. Wie ein Häufchen Elend, kauerte er, auf seinem Stuhl. Auch ich, konnte mich nun nicht mehr, zurück halten. In mir breitete sich, ein unbeschreibliches Schuldgefühl aus, vermischt mit tiefer Trauer. Und auch mein Vater, konnte seine Tränen, nicht mehr zurück halten. Schüchtern stand meine Mom, in der Tür. Und in ihren Augen, war purer Haß. Doch schließlich, weinte auch sie. Warum weiß ich nicht, denn sie konnte meine Großeltern, nicht leiden. Unsere goldene Regel jedoch, die nicht zu weinen, war für kurze Zeit, aufgehoben. Ohne auch nur ein Wort zu sagen, fielen wir uns, in die Arme. Und wieder, suchte ich in meinem Kopf, nach dem WARUM?! Warum das alles? Warum mußte meine Oma erst im Sterben liegen, um das wir wieder, zueinander fanden? Ich sah sie an. Sie war ganz bleich. Tausend Schläuche, waren um sie, herum. Ich streichelte sie und dann horchte ich auf. Neben ihr, war ein Monitor, der den Herzschlag, anzeigte. Ganz so wie meiner, auf der linken Seite. Sie atmete gleichmäßig und ihre Augen, waren leicht, geöffnet. Sie schwitzte. Ich bat um ein kaltes Tuch. Doch man gab es mir nicht. Es hätte sowieso keinen Sinn mehr, die Hitze käme von innen. Sie hatten sie, also schon, aufgegeben. Ihr Fieber, stieg mehr und mehr an und ich wurde nervös.

Alles in mir, bäumte sich auf, gegen diese Ärzte! Warum um Himmels Willen, taten sie denn nichts? Und wieder streichelte ich behutsam, ihre Hände, ihr Gesicht und ihre Haare. Dann verließ ich mit meiner Tante, den Raum. Völlig fertig, redete diese, auf mich ein. Und das Schlimmste war, sie redete über vergangene Zeiten, die längst vorbei waren. In meinem Herzen, wurden sie, wieder erweckt. Sie versuchte, mir Mut zu machen und meinte, wir müßten alle, vergeben und vergessen können. Doch ich wußte nicht, wie ich das, anstellen soll.

Am nächsten Morgen, fuhren wir wieder, ins Krankenhaus. Der Zustand meiner Oma, hatte sich verschlechtert. Und wieder, hielt ich ihre Hand. Ich hielt sie ihr deshalb, damit sie wußte, daß sie nicht allein war. Denn als ich im Krankenhaus war, hatte ich mir das, so oft gewünscht. Die warme, mutmachende Hand. Aber ich hatte sie nie bekommen. Meiner Oma aber, wollte ich diesen kleinen, schwachen Trost geben. Ihr Zustand, verschlechterte sich, rapide. Die Ärzte meinten, daß sie es nicht schaffen würde. Ein wahnsinniger Schmerz, durchfuhr meinen Körper. Und selbst, wenn sie es überleben würde, würde sie nie wieder so werden, wie sie einmal war. Geschockt ging ich in die kleine Kapelle, oberhalb des Krankenhauses. Ich zündete eine kleine Kerze für sie an und betete. Ich betete, daß Gott sie erst zu sich nehmen sollte, wenn dieses kleine Lichtlein abgebrannt war. Ihr Lichtlein… Ihr Leben… Langsam, fast wie in Trance, ging ich wieder, in ihr Krankenzimmer. Sie begann, unregelmäßiger zu atmen. Jedes Mal, wenn sie meiner Meinung nach, zu schwer atmete, schrie ich sie an, sie solle doch endlich weiter atmen. Durch ihre halb geöffneten Augen, sah ich, wie sie jeden von uns, noch ein letztes Mal, ansah. Dann schloß sie ihre Augen und atmete kaum noch. Ich sah abwechselnd vom Monitor und zu ihr. Ihre Kurven, wurden kleiner und kleiner. Mein Opa, gab ihr noch einen letzten Kuß und flüsterte: „Tschüß Mutti!“ Dann kam ein unerwartet schriller Piepton. Alle Geräte, schalteten sich mit einem Mal, aus. Sie war tot.

Diese Tatsache, ging einfach nicht in meinen Kopf und erst recht nicht, in mein Herz. Ich schrie auf und weinte. Erinnerungen jagten mir durch meinen Kopf. Ich fühlte mich schwach und dennoch stark genug, irgend etwas zu tun. Ich wollte, daß die Ärzte, sie zurück holten. Meine geliebte Oma. Doch es war zu spät. Und nur ein halbes Jahr später, kurz vor Weihnachten, ebenfalls im Jahre 1993. Da lag mein Opa, sterbenskrank in einer Klinik, für Tuberkulosekranke. Tuberkulose ist eine Krankheit, die ähnlich wie Krebs, die jeweiligen betroffenen Organe zerstört und dies kann, wenn es nicht rechtzeitig erkannt wird, unweigerlich zum Tode führen.

Oder drücke ich es so aus. Die Viren befallen den Körper des Menschen. Hat dieser ein gutes Abwehrsystem, können die Viren eingekreist und vernichtet werden. Ist dem nicht so, befallen sie die Lunge oder irgendein anderes, lebenswichtiges Organ des Körpers. Als wir ihn besuchten, erschrak ich, halb zu Tode. Er sah aus, wie die Magersucht, persönlich. Ganz bleich und nur noch Haut und Knochen. Ich gab meinem Opa einen Kuß, wofür ich dann, eine Ohrfeige kassierte. Denn ich vergaß, daß diese Krankheit ansteckend war. Mom natürlich nicht. Sie vergaß nie etwas, was mit Regeln, zu tun hatte. Außerdem, konnte sie meinen Opa, sowieso nicht leiden. Aber mir, war die Krankheit egal und wenn mein Opa sterben sollte, so wollte ich es auch. Doch das wiederum, wußte Mom, Gott sei Dank nicht. Noch nicht! Zwei Mal, hatten wir meinen Opa, schon besucht. Und dann, schließlich eine Woche vor Weihnachten, kam die Todesnachricht.

Ich weiß nicht, woran mein Opa jetzt letzten Endes gestorben war. An Lungenkrebs oder Tuberkulose. Ich wußte nur, daß er sterben wollte. Für mich war klar, warum. Er fühlte sich einsam und verlassen. Irgendetwas, tief in meinem Herzen, hatte es mir gesagt. Ich weiß noch, wie er zu uns auf der Beerdigung sagte, daß er sich wünschte, als Erster gegangen zu sein. Tod, ich haßte dieses Wort. Doch schon bald, begann ich, das Wort zu lieben. Den Wunsch, der mir so sehr auf den Lippen brannte. Ich wünschte, ich wäre tot!

KAPITEL 3:

Die Beerdigung, war schier, unerträglich gewesen. Aber das Leben geht weiter, so meine Eltern. Doch nicht für mich. Schon sehr bald, suchte ich nach dem Sinn des Lebens und einer Möglichkeit, meinen geliebten Großeltern, ins Grab zu folgen. Erst viel später fand ich heraus, daß jeder Einzelne, sich selbst, seinen Lebenssinn suchen muß. Aber zu dieser Zeit, fand ich nun mal keinen und der Wunsch zu sterben, wurde immer stärker.

So kam es, daß ich eines Tages zu Frau Engblum ging. Meiner Biologielehrerin, die von allen geliebt und geachtet wurde. Und die ihr Leben, doch so sehr liebte. Ich mochte und bewunderte sie. Fragte sie nach dem Sinn, ihres Lebens. Mit aufgerissenen Augen, starrte sie mich an. Dann sah sie zu Boden. „Warum?“ Ich antwortete ihr: „Nur so.“ Aber an ihrem traurigen Blick erkannte ich, daß es in ihr arbeitete. Dann zählte sie mir eine Menge, unverständlicher Sachen auf und platzte mit ihrer Frage heraus: „Du willst dich doch nicht etwa umbringen?“ Sie nahm mich tröstend in die Arme und flüsterte, mit kaum hörbarer Stimme: “Emily, ich muß sterben. Aber ich will nicht!“ Ungläubig sah ich sie an. „Ich will auch nicht mehr leben. Ich will tot sein! Ich will zu meinen Großeltern.“ Zärtlich nahm sie meine Hände und sah mir direkt in die Augen. „Bitte tue es nicht!“ Ich aber wußte, daß ich ihr diesen Wunsch nicht erfüllen konnte. „Darf ich mit deiner Klassenlehrerin, darüber reden?“

Wenig später hatte sie es auch schon getan. In der nächsten Pause, holte mich Frau Engblum, zu einem gemeinsamen Gespräch, mit meiner Klassenlehrerin ab. In ihren Augen, sah ich pures Entsetzen. Beide schlugen mir vor, zu einer Psychologin, zu gehen. Allerdings, müßten meine Eltern, darüber Bescheid wissen. Sonst könnte ich angeblich, nicht hingehen. Trotz riesengroßer Bedenken, willigte ich ein, daß meine Klassenlehrerin mit meinen Eltern, darüber sprechen durfte.

Eine ganze Woche, wartete ich voller Angst und Entsetzen, auf den Anruf. Als es so weit war, führte meine Klassenlehrerin, ein ausgiebiges Gespräch, mit meinen Eltern. Ich sah auf die Uhr. Zusammen gekrümmt, saß ich auf meinem Bett. Mit einem Mal, ging die Tür, von meinem Zimmer auf und Mom stürmte herein. Sie schrie: „Du undankbare Göre, was haben wir nicht alles für dich getan und jetzt willst du dich umbringen?“ Dann griff sie über auf sich. „Ich habe mich,für dich aufgeopfert. Für dich und Papa. Und was habe ich dafür bekommen? Nichts, rein gar nichts! Kein einziges Dankeschön.“ Ich unterbrach sie: „Aber natürlich, ich habe dir schon oft etwas geschenkt und bedankt, habe ich mich auch schon oft, bei dir.“ „Nie hast du mich je, in den Arm genommen.“ Ihre Augen blitzten und ihr Ton, verriet keinen Widerstand, oder es würde eine Tote geben… mich! Trotzdem sah ich es nicht ein, diese Behauptungen, einfach so, auf mir sitzen zu lassen. „Natürlich habe ich dich umarmt, zum Beispiel als Papa und du Streit hattet.“ „Aber auch nur dann!“ „Ja, wann hast du mich denn je in den Arm genommen? Nie!“ So langsam kroch auch in mir, der pure Haß, hoch. „Doch, als du ein Baby warst!“ Was für ein Argument. Ich war vollkommen erbittert und empört. „Wenn ich gewußt hätte, was damals alles auf zu kommt, hätte ich Papa, nie geheiratet. Und der, der setzt sich doch eh nur vor die Glotze und macht nichts. Und wenn, dann kümmert er sich ja eh nur, um dich!“ Auch das, stimmte natürlich nicht. Schön wäre es gewesen, wenn er sich mal positiv, um mich, gekümmert hätte. Aber das, war seit vielen Jahren, nicht mehr der Fall. „Es ist dir ja wohl klar, daß ich ohne dich, ein viel besseres Leben, haben könnte und auch eigene Kinder. Du weißt ja, wie viele Probleme wir, wegen dir, hatten. Du weißt das alles, gar nicht richtig zu schätzen, du undankbares Blag. Genau wie für deinen Vater, für den ist auch immer alles, so selbstverständlich.“ Nachdem ich, noch ein paar Ohrfeigen, von ihr kassiert hatte, ließ sie mich endlich in Ruhe. Mein Vater, sprach an diesem Abend, kein Wort mehr mit mir und daran, sollte sich auch in den nächsten Wochen, nichts ändern. Einige Tage später, ging ich dann, zu dieser besagten Psychologin. Aber ich hatte, kein Vertrauen, zu ihr. Fragen auf mein Familienleben, was eigentlich keines mehr war, beantwortete ich ihr entweder gar nicht oder erzählte ihr, es wäre alles okay.

Nach außen hin, hatte es stets den Anschein, daß alles in Ordnung war und ich ein ganz, normales Kind, in einer normalen Familie war. Aber der Schein trog!

Mein Verhältnis zu Frau Engblum, wurde stattdessen, immer intensiver. Ich begann Gefühle für sie, zu entwickeln. Aus einem mögen und bewundern, wurde ganz allmählich, ein lieb haben. Sie war das, was ich brauchte. Jemand, der mir aufmerksam zuhörte, mit mir gemeinsam nach Lösungen suchte und mich tröstete. Außerdem versuchte sie, mir weiterhin, den Sinn des Lebens, klar zu machen.

Eines Tages, schenkte sie mir, ein Buch. Dieses Buch, war mit zahlreichen Bildern und mutmachenden Sprüchen, versehen. Für mich jedoch, trafen die Sprüche, nicht zu. Das mußte sie geahnt haben, denn nach wie vor, nahm sie mir Versprechen ab, daß ich mich heute nicht umbringen solle. Es ging auch wirklich nur, immer um diesen einen Tag und es war unheimlich wichtig, nicht daraus ein niemals zu machen. Für mich, wäre das unrealistisch gewesen und absolut belastend. Und dennoch, diese Versprechen, welche sie mir abnahm, hielten mich auf Dauer, nicht mehr. Sie wurden im Gegenteil, von Zeit zu Zeit, für mich immer beängstigender und so suchte ich nach einem Mittel, ihnen aus dem Weg zu gehen. Das hieß, ihr aus dem Weg zu gehen. Aber irgendwie schaffte sie es, mich doch in der Schule, immer wieder abzupassen und das Versprechen zu erneuern. Und so blieb mir irgendwann, nichts anderes mehr übrig, als dieses Versprechen zu brechen.

Ich atme tief ein und öffne meine Augen. Ich bin wieder allein. Der Fernseher plärrt noch immer und ich sehe, wie sich in dem gezeigten Film ein paar Comicfiguren hin und her jagen. Gejagt ja, so fühlte ich mich auch immer. Stets zum Absprung bereit. Nur wohin? Natürlich wollte ich damals, nicht wirklich sterben. Ich wußte nur, keinen anderen Ausweg, all dem zu entkommen. Dazu noch, der unglaubliche Schmerz, meine Großeltern an den Tod verloren zu haben. Die einzigen Menschen, die mich jemals wirklich geliebt haben und bei denen ich mich zu Hause, gefühlt hatte. Klar, daß ich wieder bei ihnen, sein wollte. Es war ein großes Glück für mich, in genau dieser Zeit, auf diese Lehrerin getroffen zu sein. Sie war nach meinen Großeltern, nun endlich wieder ein Mensch, der mir Liebe und Geborgenheit vermittelte. Und dieses Gefühl, wurde umso stärker, je mehr wir miteinander zu tun hatten. Es rettete mich, über die wohl schlimmste Zeit in meinem Leben, die genau dann begann. Es war eine Zeit, voll von psychischer und physischer Gewalt. Von ständiger Angst, die mich nicht mehr klar denken ließ und viele Jahre Psychotherapie gekostet hat. Aber sie ist auch die einzige Zeit in meinem Leben, die ich komplett aufgearbeitet habe. Vielleicht gerade, weil sie so schrecklich war und es dort in meiner Seele, immer am meisten gebrannt hat. So habe ich zum ersten Mal gelernt, was es heißt, tief im Herzen zu verzeihen. Es gehörte für mich zum Heilungsprozeß dazu, auch wenn es Jahre gebraucht hat. Meine Mom war die Einzige, die bereit war, sich all dem zu stellen. Nichts zu verdrängen, nichts zu beschönigen, nichts auszulassen. Die Fehler zuzugeben, die sie gemacht hat und sich dafür, auch zu entschuldigen. Es gehört schon sehr viel innere Kraft dazu, sich seinen Dämonen zu stellen und dabei nichts, unter den Tisch kehren zu wollen. Ich habe ihr vergeben und nur das zählt!

Nein, jetzt nicht daran denken! Ich atme noch einmal tief durch und blicke zur Uhr, an der Wand. Mittlerweile, ist es, halb vier. Die Sonnenstrahlen, kommen nur zaghaft, an den Wänden des Paravent vorbei. Wie schade, denke ich nicht zum ersten Mal. Ich würde so gern, die Sonne sehen. Komisch, wie einem solche Dinge auf einmal kostbar und wichtig, erscheinen können. Na ja… Was nicht ist, das ist eben nicht… So schließe ich, erneut meine Augen und erinnere mich, noch ein letztes Mal, an einen wunderbaren Menschen. Der mir in der schlimmsten Zeit, in meinem Leben, zur Seite stand!

Mom war die wachsende Beziehung, zu Frau Engblum, natürlich nicht unbekannt geblieben. Das ich nun schon wieder, eine Vertrauensperson gefunden hatte, die nicht sie war, brachte sie erst recht, auf die Palme. Und somit folgte ein Streit, nach dem anderen. Mittlerweile, zog sie sich an den kleinsten Kleinigkeiten, hoch. Sie regte sich auf, wenn irgendwo ein Fussel lag, nicht Staub geputzt war, meine Schuhe nicht gesäubert waren, mein Bett mal nicht gemacht war, in meiner Schublade etwas nicht am rechten Fleck lag oder auch nur sonst, irgend etwas nicht stimmte.

Und das waren, so undenkbar viele Dinge gewesen, daß es mir schwer fällt, davon zu berichten. Wenn ich von meiner Psychologin, nach Hause kam, wollte sie immer wissen, worüber wir, gesprochen hatten. Am Anfang, erzählte ich es ihr noch. Doch dann begriff ich, daß es klüger war, zu schweigen. Da sie aber meistens keine Ruhe ließ, ehe ich ihr nicht irgendetwas erzählte, ging ich dazu über, sie anzulügen. Ich berichtete ihr, daß ich lediglich von meinen Großeltern, erzählt hatte. Ich weiß nicht, ob sie mir jemals alles glaubte, aber meistens, ließ sie mich dann in Ruhe. Zumindest was dieses Thema anbetraf. Was die Beziehung zu Engblum anging, so machte sie einen Heidenaufstand. Sie meinte, ich solle doch gleich in die Schule ziehen und ich hätte meine Eltern ja total verarscht. Außerdem hätte ich ihr, ja noch nie was groß, erzählt. Alles müsse man mir, aus der Nase herausziehen! „Wieso besprichst du deine Probleme, nicht mit uns? Sondern immer nur, mit deinen scheiß Lehrern? Das geht die doch, einen Scheißdreck an! Jetzt kann ich mich gar nicht mehr, in die Schule trauen, weil alle mit dem Finger auf mich zeigen und sagen: „Guck mal, das ist die Mutter von dem Problemkind Emily.“ Dafür bekam ich mehrere Ohrfeigen, bis sie schließlich wutentbrannt auf mich einschlug. Zum guten Schluß, fügte sie hinzu: „Wenn du nicht langsam mal lernst, Vertrauen zu deinen Eltern, zu kriegen und wenn sich das, nicht ganz schnell ändert, daß du immer zu den Lehrern rennst, kannst du deine Koffer packen und gehen!“ Immer öfter, sprach sie dieses Thema an; wenn sie von meiner wachsenden Beziehung zu Frau Engblum erfuhr. Ein anderes Mal, schrie sie mich an: „Wenn du weiterhin zu den Lehrern rennst, kümmere ich mich gar nicht mehr um dich und Papa auch nicht. Dann kannst du sehen, wie du fertig wirst. Dann machst du dir, dein Essen selber und ich kümmere mich dann, um gar nichts mehr. Dann lernst du nämlich mal, wo und wie es lang geht! Umso schneller du dann alles kannst, desto eher kommst du dann aus dem Haus. Dann werden Papa und ich reisen.“ Endlich hatte sie mal einen Punkt gemacht. Verletzt sah ich zu Boden. Ich bemühte mich, keine Träne zu zeigen. Doch wie immer, gelang es mir nicht. Trotzdem ich versuchte das zu verbergen, sah sie es. „Sieh mich gefälligst an, wenn ich mit dir rede!“ Schnell faßte ich mir in die Augen, als ob irgendetwas, nicht stimmte. Da riß sie mir, die Hände vorm Gesicht weg und schlug mich. Nun vollkommen in Tränen aufgelöst, die Hände schützend, vor meinem Gesicht, kniete ich auf dem Boden. Ihre drohende Stimme, bedeutete ganz und gar nichts gutes. Türen knallend, verließ sie mein Zimmer. Dann kam sie zurück. Ängstlich setzte ich mich an meinen Schreibtisch und wischte die Tränen fort. Doch kurz danach, stand sie wieder vor mir. Ich sah zum Fenster hinaus. Sie forderte mich erneut auf, sie anzusehen. Ich schluchzte auf, denn ich wußte, es würde von neuem, los gehen! „Hör bloß auf zu heulen, sonst kriegst du gleich noch ein paar, von mir, gescheuert. Na los, verzieh nicht so, dein Gesicht! Ich will auf der Stelle, daß du lächelst. Sofort!“ Natürlich konnte ich es nicht. So erwarteten mich, wieder Prügel. „Hör auf, bitte. Ich weine auch nicht mehr!“ Ich zwang mir mühsam, ein Lächeln ab. “Immer hatten wir, Probleme mit dir gehabt und jetzt wollen wir endlich mal, unsere Ruhe haben. Immer warst du, das Problemkind gewesen und als wir nach Berlin gezogen sind, dachte ich, daß es endlich aufhören würde. Es schien ja auch Anfangs so. Aber jetzt, haben wir schon wieder Probleme, mit dir! Probleme, Probleme, Probleme! Irgendwann, wollen wir auch mal, unsere Ruhe haben.“ Sie holte kurz Luft, dann führte sie ihre Predigt weiter. „Du hast mich nie, in den Arm genommen, in all den Jahren. Und da kannst du nicht erwarten, daß ich dich jetzt in den Arm nehme und sage: „Schön Emily, hast du toll gemacht, daß wir jetzt wieder Probleme dir haben und du jetzt wieder zum Psychologen mußt!“ „Dann holte sie erneut aus, um mir zwei weitere Ohrfeigen zu geben. Schließlich forderte sie mich auf, einen Einkauf zu machen. Danach reichte sie mir, die Einkaufsliste. Schließlich mußte ich ihr noch mal alles vorlesen, damit sie sah, ob ich auch alles lesen könnte. Ich verlas mich. Ob ich denn vollkommen verblödet wäre, fragte sie mich und schon wieder, hatte ich eine Ohrfeige kassiert. Dann ging ich.

Als Mom außer Sicht war, fing ich hemmungslos an, zu weinen. Aber es schien niemanden, zu interessieren. Niemand fragte warum, oder ob er mir helfen könnte. Aber ich glaube, selbst wenn mich jemand gefragt hätte, ich hätte geschwiegen. Ich hatte immer noch im Kopf, daß wenn ich mein Versprechen brach und erzählte, was zu Hause vor sich ging, mich meine Eltern raus schmeißen würden. In ein Irrenhaus, so wie Mom mir erzählte. Ich hatte damals sehr viele Vorurteile, was die Psychiatrie anging. Meine Eltern meinten, da kämen nur Verrückte hin und die würden mich dann quälen oder vielleicht sogar umbringen! Aber umbringen, wollte ich mich dann doch lieber selber, denn das tat bestimmt weniger weh. Doch bei diesem Irrglauben, was die Psychiatrie anging, blieb ich nicht lange, denn alles konnte nur besser sein, als meine Hölle voll von häuslicher Gewalt.

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