Wege der Selbstheilung Teil 24

Schließe einmal die Augen und beschreibe spontan das Muster und die Farben von: Deiner Tasse, aus der Du täglich trinkst Deiner Kleidung, die Du jetzt gerade trägst Deiner Bettwäsche, die Du aufgezogen hast? Das sind alles Dinge, die Du oft siehst und doch siehst Du sie nicht wirklich, oder?© Emily-Star

Über das Leben im Hier und Jetzt – Teil 2

Dieser Beitrag, (wie auch alle anderen Beiträge der Selbsthilfereihe) ist ein reiner Repost, also NICHT aktuell!

Um diesen Artikel vorgelesen zu bekommen, klick bitte auf folgenden Player:

Am Ende des zweiten Tages, kam es dann. Ein Müdigkeitsgefühl, als ob ich jahrelang nicht geschlafen hätte. Ich war erstaunt, als ich am Abend auf die Uhr sah und fest stellte, daß es erst halb neun war. Und dann schließlich träumte ich zum ersten Mal, nach Monaten wieder. Bzw. konnte mich am nächsten Tag an meine Träume erinnern, denn träumen tut man ja immer. So viel wirres Zeug, daß zwar keinen Sinn ergab- mir aber dafür die ganze Tragweite meines derzeitigen psychischen Zustandes bewußt machte. Monatelanger Streß, den ich mir selbst auferlegt hatte, denn was auch immer ich mir für ein Ziel setzte. Ich verfolgte es nicht nur konsequent, sondern richtig exzessiv. Das ist dann überspitzt gesagt so, daß ich, während ich zu Bett ging bereits schlief, bevor mein Kopf das Kissen überhaupt berührt hat. Einfach weil ich immer kaputt war. Eine Grenze zu ziehen und zu sagen, das und das mache ich und dann ist Freizeit, fiel mir, wie im letzten Teil bereits beschrieben, sehr schwer. Ganz besonders, wenn ich mir etwas in den Kopf gesetzt hatte, was ich erreichen will. Da gab es dann nur noch das Ziel und alle anderen Bereiche des Lebens wurden nicht nur auf Platz 2, sondern auf Platz 22 geschoben. Und meine Gesundheit stand dann sogar noch auf Platz 50.

Wie oft hatte ich von meinem Partner schon gehört, daß ich ja fast nur noch an meinen Projekten sitze. Ich verteidigte mich dann mit den Worten: „Ja von nichts, kommt auch nichts! Ich muß das jetzt tun, weil…“ Doch bei genauerem hinsehen wurde mir nun klar, daß das so nicht wirklich stimmte. Müssen tat ich es nicht. Zumindest nicht in dem Umfang. Ich hatte mir das selbst auferlegt. Getreu dem Motto: Viel machen, um schneller ans Ziel zu kommen. Nur was nutzt das alles, wenn ich dann beim erreichen des selbigen gar keine Kraft mehr habe?

Es gibt da so einen schönen Spruch mit einem Bild dazu, den ich mal gelesen habe. Da ist ein Grabstein abgebildet und auf ihm steht: „Herr Meier hat immer viele Überstunden gemacht. Ab jetzt wird abgefeiert.“ Oder wie man Vater oft sagte: „Es gibt auch noch ein Leben VOR dem Tod!“ Und damit war ich ja auch schon wieder beim Thema. Wie war das denn nun mit dem Leben im hier und jetzt? Mit dem Leben VOR dem Tod? Mit meinem Leben? Warum lies mich das Thema einfach nicht los und was bedeutete die Aufforderung: „Lebe im hier und jetzt!“ für mich? Schließlich lebte ich doch hier und jetzt, also was sollte das?

War es eine Frage der Bewußtheit? Also wie intensiv ich etwas wahr nehme? Oder eher eine Frage der Zeit? Doch irgendwer hat ja mal gesagt, Zeit ist relativ! Ich glaube Einstein war das. Aber da ich keine Physikern bin und auch in der Schule in diesem Fach immer nur so gut war, wie mein Sitznachbar, von dem ich die Arbeiten abschrieb, kann ich heute gar nicht viel dazu sagen. Schade eigentlich…

Was mir aber schon oft aufgefallen ist und ich denke Dir auch, ist daß die Zeit bei schönen Aktivitäten scheinbar viel schneller vergeht, als bei Dingen, die uns langweilen oder unangenehm sind. Wenn etwas richtig toll ist, dann rennt die Zeit irgendwie. Während ich hingegen beim Zahnarzt im Wartezimmer sitze, sie sich zieht wie ein Kaugummi. Genauso wie früher bei ungeliebten Schulstunden. Ich sah auf die Uhr und die Zeit verging so langsam. Später ist es dann die Arbeit, wenn man sie nicht gerne macht. Der Feierabend scheint einfach viel zu langsam zu kommen. Haben wir hingegen ein tolles Erlebnis oder Wochenende. Verbringen unsere Zeit mit Menschen, die wir gern haben, dann scheint sie zu verfliegen. Ich frage mich dann wirklich, wo die Zeit nur hin ist?

Aber was sagt mir diese Erkenntnis denn nun über das Leben im jetzt? Außer vielleicht, daß das Leben für jeden von uns ein anderes jetzt ist und unterschiedlich lang und intensiv erscheint… Gehirnforscher haben zum Beispiel heraus gefunden, daß Erlebnisse, die mit sehr intensiven Gefühlen einher gehen (also Dinge, die uns wirklich berühren) uns viel länger im Gedächtnis bleiben, als jene, die wir nur so nebenbei tun.

Kleines Beispiel gefällig? Schließe einmal die Augen und beschreibe ganz genau, was Dich umgibt! Oder noch einfacher. Was hast Du gerade an? Welche Farbe und welches Muster hat Deine Kleidung? Das Geschirr, was Du täglich!!! benutzt, wie genau sieht es aus? Versuche einmal, Dir die Details ins Gedächtnis zu rufen. Also nicht nur, es ist zum Beispiel weiß! Sondern welches Muster in welchen Farben ist auf Deiner Tasse, Deinem Teller, Deiner Kleidung, Deiner Bettwäsche? Das sind alles Dinge, die Du oft siehst und doch siehst Du sie nicht wirklich, oder?

Aber so ist es in vielen Dingen. So richtig aufmerksam sind wir nicht, auch wenn wir das meinen. Ich selbst bin auch schon oft irgendwo vor gelaufen, weil ich mit meinen Gedanken nicht bei der Sache war. Weil ich etwas automatisch tue und in Gedanken bereits bei der nächsten Sache bin! Oder auch ganz woanders…

Andererseits frage ich mich, was ich da ändern könnte? Ich kann mir ja nun nicht alles merken und wahr nehmen! Mein Gehirn, filtert doch nicht grundlos, die wichtigsten Dinge, aus der ganzen Informationsflut für mich heraus…

Und es dauerte gar nicht lange, da kam mir auch schon eine Idee!

Bildertext:

Schließe einmal die Augen und beschreibe
spontan das Muster und die Farben von:

Deiner Tasse, aus der Du täglich trinkst
Deiner Kleidung, die Du jetzt gerade trägst
Deiner Bettwäsche, die Du aufgezogen hast?

Das sind alles Dinge, die Du oft siehst
und doch siehst Du sie nicht wirklich, oder?

© Emily-Star

8 Kommentare zu „Wege der Selbstheilung Teil 24

Gib deinen ab

  1. Hi Emily,
    natürlich darfst Du Fragen und ich antworte auch gerne. Dir zumindest :-). Ich habe nicht den Eindruck, daß Du nicht verstehen könntest. Deswegen – diese Fenster haben meistens nichts mit Deiner Geschichte zu tun, die Du mir grade erzählst, sondern mit dem Gefühl, das mir in diesem Moment beim Lesen vermittelt wird. Die Fenster, die ich meine, sind Flashbacks, die mich plötzlich, unvermutet ereilen. Deswegen habe ich es lange Zeit vermieden, mir Deine Texte genau anzusehen. Zuviel Befürchtungen was mit mir dann geschehen könnte. Als Kind und Jugendlicher bin ich mehrfach „traumatisiert“ worden. Mehrfach gelöscht, gebrochen und weggeworfen trifft es eher. So habe ich mit einer komplexen PTBS zu tun, mit einer Angststörung und tiefen Depressionen. Außerdem trete ich manchmal weg, also ich depersonalisiere oder derealisiere. Himmel, ich rackere mich damit seit Jahrzehnten ab. Jede Diagnose habe ich für mich angenommen, weil ich mir meinen Zustand sonst nicht anders erklären konnte. Geradezu unzählige Klinikaufenthalte, auch in geschlossenen oder fakultativ geöffneten Psychiartrien, sowie Rehakliniken haben ihre Arztbriefe hinterlassen. Und so bin ich ziemlich alles gewesen. Borderliner war sehr beliebt, Alkoholiker ebenso (ehrlicherweise habe ich den Ärzten dafür immer eine Steilvorlage geliefert), Schizophrenie, bin Bipolar mit Psychosen gewesen, Narzisst …Ich hatte Glück, 2016 bin ich auf zwei Ärzte gestoßen, die sich meiner mit einer Eselsgeduld angenommen habe. 2016! Ich bin 56. Meinen erster Suizidversuch unternahm ich mit acht Jahren.. Na ja.
    Ich muss jetzt stoppen, sonst komme ich vom hundertsten zum tausendsten. Ich würde mich freuen, wenn wir uns öfters austauschen.

    Gefällt 1 Person

    1. Vielen lieben Dank für Deine ausführliche Antwort.

      Es ist gut, daß Du auf Dich aufpaßt. Gerade wegen den möglicherweise triggernden Erlebnissen in meiner Biografie, schreibe ich stets die Triggerwarnung davor, in der Hoffnung, daß sie beachtet wird, wenn man sich nicht stabil fühlt.

      Ich kenne das übrigens ebenfalls sehr gut, mit all den Diagnosen. Ich „war“ auch schon alles mögliche. Borderlinerin war eine Weile besonders beliebt. Das dachte man deshalb, weil ich mich eine zeitlang selbst verletzt habe. Doch das tue ich seit über 10 Jahren nicht mehr. Ich habe mir das damals mal, bei einem Mädchen in einer Jugendeinrichtung „abgeguckt“. Von selbst, wäre ich nie auf die Idee gekommen. Ich stellte fest, daß mich das kurzzeitig, vom seelischen Schmerz ablenkt. Ist ja auch logisch. Wenn körperlicher Schmerz da ist, steht der erst mal im Vordergrund. Doch noch wichtiger war für mich damals, daß ich auf diese Weise, Aufmerksamkeit bekam. Die war zwar negativ, aber da ich extrem ausgehungert danach war, für mich eben besser als nichts. Als ich das irgendwann erkannte, lies ich es bleiben.

      Schließlich erfuhr ich meine wirkliche Diagnose und diese lautet weder Borderlinesyndrom, noch Psychose oder eine Bipolare Störung. Trotzdem mußte ich jahrelang erfahren, wie es ist, von den Menschen in diese Schublade gesteckt zu werden. Dieses Gefühl der Ablehnung und Verachtung von anderen Menschen, das nicht ernst genommen zu werden, hat jahrelang an meinem Selbstwertgefühl gefressen! Diagnosen sind eine heikle Sache. Sie können eine sehr zerstörerische Wirkung haben, wenn sie falsch sind! Das ist auch der Grund, weshalb ich mich damit immer schön zurück halte. Ich weiß wie es ist, wenn man durch eine falsche Diagnose gebrandmarkt wird. Es ist widerlich!!!!

      Ich wünsche Dir viel Kraft und würde mich sehr freuen, wieder von Dir zu lesen. Schön, daß Du da bist und es Dich noch immer gibt 🤗

      Herzlichst Emily

      Gefällt 3 Personen

  2. Das ist der Grund, weshalb ich im Urlaub nicht jede Minute für Anrufe, Mails oder Facebook erreichbar sein muss! Wenn ich an einem anderen Ort bin, dann möchte ich ganz da sein und nicht in Gedanken wieder im Alltag daheim.

    Gefällt 1 Person

  3. Deine Texte berühren mich immer tief. Wir haben grundverschiedene Lebensgeschichten aber einiges was Du schreibst wirkt wie ein Fenster zu meiner Vergangenheit. Das schreckt mich einerseits ab, andererseits bin ich fasziniert. Nee, das ist zu kalt. Es tröstet mich, wenn ich Deine Worte lese. Wollte Dir das schon lange schreiben. Alles Gute für Dich. Heile weiter. Viele Grüße

    Gefällt 3 Personen

    1. Vielen Dank, daß Du mir das geschrieben hast. Das bedeutet mir sehr viel. Es ist schön zu sehen, daß einige meiner Worte, in Dir etwas auslösen und nicht vorbei rauschen. Natürlich frage ich mich, welche Dinge es sind, die Dir wie ein Fenster, zu Deiner eigenen Vergangenheit erscheinen.

      Aber selbstverständlich mußt Du darauf nicht antworten. Das ist ja auch sehr privat. 🤗

      Herzliche Grüße und danke nochmals für Dein Feedback! 😊

      Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

Create a website or blog at WordPress.com

Nach oben ↑

%d Bloggern gefällt das: