Wertschätzung in unsicheren Zeiten

Vor knapp einer Woche bin ich 40 Jahre alt geworden. Ein Alter, von dem ich zeitweise dachte, daß ich es gewiß nie erreichen würde. War es erst der jugendliche Hochmut, welcher sich mit lebensmüder Verzweiflung abwechselte. Ging dann weiter, über die Borreliosediagnose, bis hin zum Bangen um mein Herz, mit wochenlanger Atemnot. Stunden, die sich zogen wie Kaugummi in denen ich zwar atmete, aber trotzdem das Gefühl hatte, nicht richtig Luft zu bekommen. Wo mein Herz urplötzlich, so deutlich aus dem Takt kam, daß ich Todesängste ausstand. Wer hätte gedacht, daß beides zusammen hängt und durch die entsprechende Medikation behoben werden kann. Ich zu dem Zeitpunkt nicht, weil es eine halbe Ewigkeit brauchte, bis ich mal einen Termin beim Kardiologen bekam, der fest stellte, daß tatsächlich Probleme da waren. Bis zu diesem Zeitpunkt kam ich mir streckenweise vor, wie ein Hypochonder. Kaum davon erholt, wurde mir klar gemacht, daß ich die regelmäßigen Magenspiegelungen ernst nehmen soll. (Ich hatte eine ausgelassen, getreu dem Motto, ist schon nicht so schlimm.) Man machte mir daraufhin klar, daß bereits Krebszellen in meiner Speiseröhre gefunden worden waren und nur eine regelmäßige Kontrolle, zeigen könnte, wie sie sich verhalten. Als mir das richtig bewußt wurde, saß ich da und sinnierte darüber, ob mein 40. Geburtstag wohl ein „erst 40“, oder ein „schon 40“ wird. Wie erleichtert war ich zu hören, daß sich noch nichts vermehrt hat und mir noch Zeit geschenkt wurde. Zeit, um mich meiner Aufklärungsarbeit zu widmen und darüber hinaus, vielleicht doch noch ein paar meiner Träume leben zu können…

In meinem letzten Eintrag, habe ich geschrieben, wie wichtig es ist; all das zu schätzen, was man hat. Die Menschen, die um einen herum sind und einem zur Seite stehen. Sowie, stolz auf sich selbst zu sein. Alles Dinge, die schnell im täglichen „Allerlei“ untergehen und deshalb zur Selbstverständlichkeit werden. Selbst bei mir, die es doch eigentlich besser wissen müßte. Meine Herzmedikamente helfen, super. Borreliose war seit Jahren nicht da, super und die Krebszellen schlummern auch brav vor sich hin, ebenfalls super. Also genug Zeit für das tägliche Allerlei…

Nun aber ist der Coronavirus hier. Das heißt für mich, die Menschen zu beschützen, die ich liebe und das, so gut ich kann. Noch mal über mich hinaus zu wachsen und das, obwohl ich selbst Risikopatientin bin. In meinem Kopf die Verlustangst, die schwerer wiegt, als die Angst um mich selbst. So leben „Paul“ und ich seit fast 5 Wochen schon in völliger Zurückgezogenheit und ich gehe nur noch zum Einkaufen hinaus. Auch einen anderen Mensch, der mir unglaublich am Herzen liegt, treffe ich nun nicht mehr. Er ist ebenfalls, ein Risikopatient. Die stundenlangen Gespräche fehlen mir, genauso wie andere lieb gewonnene Menschen. Auch, wenn ich generell die Zurückgezogenheit bevorzuge, wirkt im Augenblick alles, ganz schön surreal auf mich. Du kennst das sicher! Ich denke, Dir ergeht es im Augenblick, nicht viel anders.

Vielleicht sorgst auch Du Dich auch, nicht nur um Menschen, die Du liebst, sondern noch dazu, um Deine Existenz.

Das Gefühl kenne ich nur zu gut! Auch wenn die Ursachen, andere waren. Aber das Gefühl, ist doch dasselbe. Wie oft schon, habe ich in meinem Leben, Hab und Gut verloren. Meinen Wohnsitz gewechselt. Immer wenn ich versuchte, zur Ruhe zu kommen, passierte doch wieder irgend etwas im Außen. Als wollte das Leben dafür sorgen, daß ich nicht einschlafe. So auch jetzt. Wir wohnen seit 4 Jahren, in einem über 100 Jahre alten Haus; in welchem ich in zwei Räumen, regelmäßig den Schimmel von den Wänden wische, wie andere Menschen Staub putzen. Da es kein schwarzer Asbestschimmel ist, habe ich dem bisher, auch nicht so viel Bedeutung beigemessen. Zudem hat es die Mieter unter uns, noch viel schlimmer getroffen. Die haben den Schimmel in jedem Raum und zwar die ganzen Wände voll. Ich mache mir nichts vor, irgendwann, wird es bei uns wohl auch so aussehen. Eine Frage der Zeit. Sind es noch 3 oder 4 Jahre?! Vielleicht… Sofern, der riesengroße tote Tannenbaum, der erheblich größer ist, als das ganze Haus, nicht vorher schon, irgendwo rein kracht. Der Vermieter hat kein Geld, ihn fällen zu lassen und wir stellen uns im Augenblick wieder mal die Frage, wie lange das hier alles, wohl noch gut geht. Wohnungen im Niedrigpreissegment gibt es nicht viele und fast alle haben in dieser Gegend, Schimmel. Hier hat die Schimmelbude, ja wenigstens noch einen Garten. Einen Garten, wo wir viel Geld und Arbeit rein gesteckt haben. Den wir lieben und der für uns wie, unser zweites Wohnzimmer ist. Das Gartenhaus, was dort steht, hatte ich ganz allein isoliert und dort mal ein halbes Jahr gelebt. Das diente der Selbstfindung und war eine unglaublich, wertvolle Erfahrung. Heute würde ich das nicht mehr tun. Die Gefahr des toten Baums, der irgendwann mal umfallen könnte, ist mir dann doch viel zu hoch. Dennoch lieben wir unseren Garten und nutzen ihn auch. Noch… Wie lange wohl noch?

So steht mir im Augenblick, nur eines ganz klar vor Augen und zwar, bewußt zu genießen, was man hat, solange, man es (noch) hat!

Wenn ich Sprüchebilder, wie das in meinem letzten Eintrag verfasse, dann nicht ohne Grund. Ich weiß nicht, was Morgen kommt. Oder Übermorgen. Es gibt keine Garantien. Umso wichtiger, ist das Jetzt! Es gibt keine ewige Jugend, kein unendliches, körperliches Leben oder kontinuierliche Sicherheit. Du siehst es in Zeiten, wie diesen. Viele Menschen bangen um ihr Leben, ihre Lieben, ihren Arbeitsplatz, ihre Existenz! Nichts ist sicher und genau deshalb, ist die Wertschätzung all dessen, umso wichtiger!

Foto: Georg Lukas

Innere Zufriedenheit schaffen

Innere Zufriedenheit können wir uns selbst verschaffen, indem wir aufhören immer nur das zu sehen, was wir noch nicht können, nicht erreicht haben und nicht besitzen! Sondern stattdessen einmal inne zu halten und dankbar zu sein für die Menschen, die an unserer Seite sind. Wahrzunehmen, was wir alles schon gelernt haben. Und die Dinge wertzuschätzen, die wir im Augenblick besitzen! © Emily-Star

Bildertext:

Innere Zufriedenheit können wir uns selbst verschaffen,
indem wir aufhören immer nur das zu sehen

was wir noch nicht können,
nicht erreicht haben und nicht besitzen!

Sondern stattdessen einmal inne zu halten und

dankbar zu sein für die Menschen, die an unserer Seite sind
wahrzunehmen, was wir alles schon gelernt haben
und die Dinge wertzuschätzen, die wir im Augenblick besitzen!

© Emily-Star

Gedanken für Zwischendurch Teil 12

Wenn man die Worte „Ich habe erst...“ einfach mal mit „Ich habe schon...“ ersetzt, ergibt sich eine viel größere Zufriedenheit! © Emily-Star

Über die Macht der Worte und Gedanken

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Wer ausschließlich, das große Ziel vor Augen hat und die kleinen Zwischenerfolge nicht schätzt, wird beim erreichen des selbigen, auch keine wirkliche Zufriedenheit erfahren!

Größer, schneller, weiter, besser, schöner als… Das sind so die Schlüsselworte, die uns antreiben. Wohin eigentlich? Zu einem vermeintlich besseren Leben und mehr Zufriedenheit? Es ist gut, Ziele zu haben. Aber es ist noch viel besser, sich außerdem über all die „kleinen“ Erfolge auf dem Weg dorthin zu freuen! Der Mensch neigt dazu, seinen Fokus eher auf die Dinge zu legen, die er noch nicht hat oder kann, als darauf, was er schon erreicht hat.

Kenne ich von mir auch. Wie oft, habe ich in den letzten Monaten gejammert und mich damit unbewußt selbst nieder gemacht, in dem ich klagte: „Ich kann erst zwei Lieder auf dem Klavier spielen, warum geht’s nicht schneller?“ Das löst Unzufriedenheit aus. Unzufriedenheit, die ich mir selber beschere wohlgemerkt! Besser wäre es zu sagen: „Hey, ich kann schon zwei Lieder spielen und das ohne die Hilfe eines Klavierlehrers!“

Immer wieder erwische ich mich dabei, daß ich dieses und jenes noch besser oder schneller machen könnte. Das ich das große Ziel, noch nicht erreicht habe und wundere mich dann, warum ich manchmal so unzufrieden und niedergeschlagen bin. Mit einem Blick auf meine youtubevideos, ging die Unzufriedenheit dann auch weiter. „Ich habe nur so wenig Zuschauer. Andere haben Millionenklicks. Irgendwie komme ich nicht weiter!“ Das sind negative Gedanken, die ich mir immer wieder, selber antue. Sie sind demotivierend und lassen auch keine wirkliche Freude zu. Mittlerweile sehe ich das anders. Ich sage mir stattdessen, „Hey ich habe schon so viele Zuschauer, das ist doch großartig!!!“ Und schon geht es mir besser. Es ist wirklich interessant, was im Inneren passiert, wenn man die Worte „erst“ oder „nur“, einfach mal mit „schon“ ersetzt! Probier es mal aus 😉

Bildertext:

Wenn man die Worte „Ich habe erst…“
einfach mal mit „Ich habe schon…“ ersetzt,
ergibt sich eine viel größere Zufriedenheit!

© Emily-Star

Wege der Selbstheilung Teil 20

Über das loslassen von Menschen die wir lieben, weil sie entweder nicht bei uns sein wollen oder aber uns nicht gut tun. Teil 3

Dieser Beitrag, (wie auch alle anderen Beiträge der Selbsthilfereihe) ist ein reiner Repost, also NICHT aktuell! Den Kontakt zu meiner Mom, habe ich vor ein paar Jahren abgebrochen! Die gute Beziehung war reines Wunschdenken meinerseits. Als ich das endlich auch mal erkannt hatte, zog ich die Reißleine. Dazu mehr, zu einem anderen Zeitpunkt!

Wenn wir die Dinge mit unserem Herzen einfach akzeptieren könnten, ganz so wie ein Computer die logischen Rechenvorgänge begreift, wäre das Leben leicht! Doch wäre es dann noch lebenswert? © Emily-Star

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Es tut weh zu hören und akzeptieren zu müssen, daß man nicht (mehr) geliebt wird oder auch nie geliebt wurde. Ein Schlag ins Gesicht und ins Herz!
Genauso wie die Tatsache, daß wir manchmal Kontakte zu Menschen pflegen, die uns eigentlich weder gutes wollen, noch gutes tun. Das kann der Partner, ein Familienmitglied oder aber auch ein sogenannter Freund sein. Den Kontakt zu beenden, ist auch da nicht immer so leicht, manchmal aber einfach besser für uns.

In beiden Fällen wissen wir, daß es besser wäre- den Menschen los zu lassen. Aber das geht nicht von heute auf morgen. Es braucht Zeit und diese Zeit fangen wir jetzt ganz bewußt an, uns in diesen Teilen zu nehmen und zu nutzen.

Es hat schon einige Zeit gebraucht, um den Schmerz wieder auf ein erträgliches Maaß zu reduzieren. Die Spaziergänge und auch die Gespräche mit meinem Partner, haben mir da sehr geholfen, Schritt für Schritt aus meinem Gedankenkreislauf auszusteigen und in die Realität zurück zu kehren. Was bei lebensmüden Gedanken hilft, hat also auch hier, in dieser nicht ganz so dramatischen Situation, seinen Zweck erfüllt! Nun hat ein neuer Tag begonnen und es ist schon eine echte Herausforderung, wieder an dieses Gefühl heran zu kommen, nachdem es so schön im Unterbewußtsein verschwunden ist. Diesen Wechsel zwischen ganz bewußtem fühlen und anschließendem wieder ausblenden des Schmerzes zu bewerkstelligen, um die Aufgaben des Alltagslebens erfüllen zu können, erfordert schon recht viel Selbstdisziplin. Gerade jetzt, wo er nicht präsent ist, ist die Verführung groß, das Ganze einfach wieder zu den Akten zu legen. In einem Moment wie diesem, wo ich mich emotional wieder besser fühle, die Tür zum geistigen Wartezimmer zu öffnen und den ungebeten Patienten ganz bewußt willkommen zu heißen, ist schon eine ganz schöne Überwindung. Aber ich versuche mich daran zu erinnern, wie oft ich bereits dachte, nur weil ein Gedanke oder Gefühl gerade nicht präsent ist, daß es damit auch weg sei. Und das ich jedes Mal eines besseren belehrt wurde.

Nun habe ich die Möglichkeit selbst über meine Gefühle zu bestimmen, anstatt mich (vielleicht in ein paar Tagen) wieder davon überrumpeln zu lassen. Ich habe jetzt die Chance, aus der Ohnmacht, die ich so oft durch meine Gefühlsschwankungen empfinde, eine Art Selbstbestimmung zu machen. Und das wäre doch schon mal eine bessere Ausgangsbasis, als bisher.

Um nun wieder an dieses Gefühl heran zu kommen, mache ich mir jetzt ganz gezielt die Musik an, die mich an unseren letzten gemeinsamen Urlaub erinnert. Ich lasse ein paar Lieder laufen, schließe die Augen und warte, bis sich die ersten Bilder offenbaren. Die verblassten Erinnerungen bekommen immer mehr Farbe, werden klarer und deutlicher, je mehr ich mich auf die Musik einlasse. Und dann ist er endlich da- der Schmerz.

Dieser Urlaub war eigentlich ein sehr schöner Urlaub gewesen und doch tut es mir weh, die Situationen nochmal zu erleben. Denn ich weiß, daß es das letzte Mal war, wo wir einander nahe waren und diese Zeit nie wieder kommen wird. Am letzten Tag, habe ich es gespürt. Ich wußte instinktiv, daß unsere Beziehung ab jetzt vorbei war. Es war nichts schlimmes vorgefallen, was darauf gedeutet hätte. Aber meine dunkle Vorahnung hat mich leider nicht getrogen. Die Phase „Jetzt kümmere ich mich nur um mich“ hatte wieder bei ihm begonnen. Das merkte ich daran, daß er sich nach dem Urlaub kaum noch meldete. Die Abstände, wo er mal anrief oder schrieb, wurden länger und länger. Aus Tagen wurden Wochen und irgendwann sagte er mir dann, daß ich nun meine eigenen Wege gehen müßte. Und er auch keine Lust mehr habe, sich mit mir zu befassen. Genauso meine Emails zu lesen, da sie ihm zu lang wären.

Ich weiß bis heute nicht, was falsch daran war, ihm zu schreiben, wie sehr ich ihn vermißte und das ich für ihn da sein wollte, wenn er mich brauchte, so wie er ja in dem letzten Jahr auch für mich da gewesen war. Doch er wollte meine Liebe nicht mehr, eigentlich von niemanden und ich hatte das zu akzeptieren. Er vergaß nicht hinzu zu fügen, daß ich seine Erwartungen nicht erfüllt hatte, sowieso nur leere Phrasen drischte und er sich von mir jetzt auch überhaupt nichts mehr erwartete. Diesen plötzlichen Wechsel, ohne daß eigentlich konkret etwas schlimmes zwischen uns vorgefallen war, hatte ich trotz meiner unterschwelligen Befürchtungen, nicht erwartet. Ich hatte eine Zeit lang wirklich geglaubt, daß wir neu angefangen hätten. Und nun wiederholte er, was er schon so oft mit mir gemacht hatte.

Für einige Zeit: Ich tue alles für dich, weil ich dich liebe. Und dann nach einer Weile wieder das Gegenteil: Verschwinde aus meinem Leben, ich kann dich nicht lieben!

Ich glaube genau das ist es, woran ich jetzt noch knabbere. Das ich ihm naiv geglaubt habe und dann doch wieder fallen gelassen wurde. Die verabredeten zwei Jahre, waren nur eins. Er hatte mir ein Jahr Zeit gegeben, um gesund zu werden und wieder zu funktionieren. Und zwar genauso, daß er stolz auf mich sein konnte. Die kleinen Zwischenerfolge, die ich bis dahin erreicht hatte, waren nichtig, denn das Endziel ist ja in diesem einen Jahr auch nicht erreicht worden. Das es eigentlich zwei Jahre waren, die wir verabredet hatten, schien er vergessen zu haben. Genauso wie meine Aussage, daß ich es versuchen wollte. Aber ihm keine Garantie geben könne, ob ich das auch schaffe. Was damals noch in Ordnung war, war heute irrelevant.

In diesem Augenblick begann ich zu verstehen, daß wir Liebe unterschiedlich definierten. Er konnte mich nur lieben, wenn ich so war, wie er sich das vorstellte und ich liebte ihn, über all die Jahre bedingungslos, obwohl es wahrscheinlich klüger gewesen wäre, das nicht zu tun. Ich habe mich wie ein dummes Kind, immer wieder emotional an ihn geheftet. Wollte unbedingt, daß er mich liebt. Habe so viele Male diese Wechsel erlebt und nicht daraus gelernt. Die Phasen, wo wir Kontakt hatten und die Jahre dazwischen, wo es keinen gab, weil er das nicht wollte. Es war also kein Wunder, daß ich für ihn lächerlich war. Und irgendwie ist es auch lächerlich, einem Menschen hinterher zu laufen, der einen nicht wirklich liebt. Damit habe ich mich selbst immer wieder zum Opfer gemacht. Und eigentlich dürfte ich mich noch nicht einmal beklagen. Ich hätte mir doch denken können, daß er sich nicht ändert.

Aber irgendwie, habe ich mich da auch immer wieder an die Erfahrung mit meiner Mom geklammert. Denn die hat sich geändert. Und wir haben bis heute eine konstant innige und gute Beziehung zueinander. Nur der Unterschied war dabei, daß wir dies auch Beide wollten und viel an uns gearbeitet haben. Mein Vater hat sich das wahrscheinlich ebenfalls vorgenommen, das ist auch löblich. Aber sich etwas vorzunehmen, reicht eben nicht. Das weiß ich jetzt. Man muß auch etwas dafür tun. Und das, was meine Mom und ich (jahrelang wohlbemerkt) gemacht haben, war genau das, was mein Vater vermied. Nämlich über das Vergangene zu reden. Sich damit auseinander zu setzen. Nicht nur einmal kurz. Sondern so lange, bis wirklich beide Seiten zufrieden mit dem Ausgang des Gespräches sind. Durch ein schnödes „Tut mir leid!“ werden solche gewichtigen Themen nicht geklärt. Wobei selbst diese drei Worte, generell sehr schwer auszusprechen sind. Ich erinnere mich nicht daran, diese Worte jemals aus dem Munde meines Vaters gehört zu haben. Lediglich ein Bedauern über die falsche Partnerwahl, die er zu dieser Zeit getroffen hatte, kam als sein einziger „Fehler“ über seine Lippen.

Es soll aber nicht an mir sein zu urteilen und das bringt mich auch nicht wirklich weiter! Die großen W- Fragen (Warum, Weshalb, Wieso) sind sowieso alle sehr müßig. Ganz besonders die, warum der Andere einen einfach nicht liebt. Gefühlsfragen zufriedenstellend mit dem Verstand beantworten zu wollen, kann nur frustrieren und ändert meiner Meinung nach auch nichts an den Tatsachen, mit denen man sich ja trotzdem auseinander setzen muß, auch wenn man meint die Antwort gefunden zu haben!

Nachdem ich mir all das ins Bewußtsein gerufen habe, fühle ich mich müde und kraftlos. Da ich heute aber mehr Zeit für meinen Heilungsweg habe, nutze ich diese und mache für eine Stunde die Augen zu. Richtig schlafen kann ich nicht, es ist eher so ein dahin dämmern im geistigen Niemandsland. Als ich merke, daß ich mich etwas besser fühle, stehe ich auf und nutze den Rest des traurigen und auch wütenden Gefühls, um endlich ein Lied neu einzusingen, dessen Text und Gesangslinie ich vor ca. 1 Jahr in genauso einer Stimmung wie jetzt, schrieb. Denn ein jahrelanger sehr guter Freund von mir, hat sich nun entschlossen mir mit der Musik zu helfen. Ich lerne zwar trotzdem weiter Klavier spielen. Aber mittlerweile ist mir klar geworden, daß trotz allem Fleiß, das nicht so schnell gehen wird, wie ich mir das erhofft hatte. Bis ich die Musik zu meinen Texten selbst komponieren und korrekt einspielen kann, wird noch eine ganze Weile vergehen. Umso schöner ist es jetzt, Hilfe zu haben.

Die Konzentration, die ich aufbringen muß, um möglichst passend zum „tak, tak, tak“ des Metronoms einzusingen und die Vorstellung, für wen ich dieses Lied eigentlich singe, helfen mir dabei, wieder etwas von dem negativen Gefühl in mir loszuwerden.

Nachdem ich damit fertig bin, stelle ich fest, daß ich nun wieder etwas mehr geerdet bin und sogar ein bißchen froh darüber, diese düstere Stimmung sogar noch sinnvoll genutzt zu haben. Denn wenn ich glücklich bin, fällt es mir nicht so leicht einen so dramatischen und verzweifelten Text, auch so gut rüber zu bringen. Auch wenn ich weiß, daß das singen nicht immer helfen wird, will ich für heute doch zufrieden sein. Ich habe den Schmerz und die Wut gespürt und ich habe ihr Ausdruck verliehen. Für Morgen muß ich mir dann halt wieder etwas anderes einfallen lassen.

Bildertext:

Wenn wir die Dinge mit unserem Herzen
einfach akzeptieren könnten,

ganz so wie ein Computer
die logischen Rechenvorgänge begreift,
wäre das Leben leicht!

Doch wäre es dann noch lebenswert?

© Emily-Star

Am Fenster

Stillschweigend sitzt sie auf dem Fensterbrett. Gedankenverloren läßt sie eine Rose durch ihre Finger gleiten. Ihr Blick schweift suchend umher. Doch sie kann im Außen nicht finden, was im Inneren verborgen ist. Ihre Hände scheinen nicht zur Ruhe kommen zu wollen, krallen sich mit aller Macht am Fenstersims fest. Trotzdem schließt sie die Augen, lockert ihren Griff und stellt erstaunt fest, das ihr Körper bleibt wo er ist. Sie schwebt in Gedanken über Felder und Wiesen, hin zu Bergen und Seen. Hoch in die Wolken und Wasserfälle hinab. Durch all die Facetten ihres Seins. Aufmerksam ,liebevoll nimmt sie noch einmal die Einsamkeit wahr, obwohl sie nie einsam gewesen ist. Fühlt die Leere, obwohl sie von Fülle umgeben war. Begreift, wie sehr sie sich vom Leben abgeschnitten hat. Mit diesem Wissen, taucht sie auf- aus all ihren Gedanken und öffnet die Augen. Endlich ist sie bereit von ihrem Fensterbrett hinab zu steigen. Die Einladung des Lebens anzunehmen und durch die weit geöffnete Tür zu schreiten. Anstatt nur ein stummer Beobachter zu sein, wie sie es jahrelang auf ihrem Fensterbrett gewesen ist. © Emily-Star

Bildertext:

Stillschweigend sitzt sie auf dem Fensterbrett. Gedankenverloren läßt sie eine Rose durch ihre Finger gleiten. Ihr Blick schweift suchend umher. Doch sie kann im Außen nicht finden, was im Inneren verborgen ist. Ihre Hände scheinen nicht zur Ruhe kommen zu wollen, krallen sich mit aller Macht am Fenstersims fest. Trotzdem schließt sie die Augen, lockert ihren Griff und stellt erstaunt fest, das ihr Körper bleibt wo er ist. Sie schwebt in Gedanken über Felder und Wiesen, hin zu Bergen und Seen. Hoch in die Wolken und Wasserfälle hinab. Durch all die Facetten ihres Seins. Aufmerksam ,liebevoll nimmt sie noch einmal die Einsamkeit wahr, obwohl sie nie einsam gewesen ist. Fühlt die Leere, obwohl sie von Fülle umgeben war. Begreift, wie sehr sie sich vom Leben abgeschnitten hat. Mit diesem Wissen, taucht sie auf- aus all ihren Gedanken und öffnet die Augen. Endlich ist sie bereit von ihrem Fensterbrett hinab zu steigen. Die Einladung des Lebens anzunehmen und durch die weit geöffnete Tür zu schreiten. Anstatt nur ein stummer Beobachter zu sein, wie sie es jahrelang auf ihrem Fensterbrett gewesen ist.

© Emily-Star