Mein Jakobsweg – dreizehnter Tag von Caldas de Reis bis A Picaraña

Da Su im Kloster Herbón übernachten und dort aber kein Rucksack hingeliefert werden konnte, würden sich ab jetzt unsere Wege trennen. Ich hatte mir für den kommenden Abend, ein Einzelzimmer gebucht, da es die letzte Etappe vor Santiago sein würde. Da wollte ich in Ruhe, noch einmal alles Revue passieren lassen, bevor es dann an den letzten Abschnitt ging. Ein bißchen wehmütig sah ich auf mein Armband. Su hatte dasselbe um. Wir hatten die Armbänder, als Erinnerung an den Weg und einander in Tui, gekauft. Ab jetzt würde jede von uns, die letzten km, allein gehen. Denn der Weg nach Herbón war ein anderer, als der reguläre. Ich tröstete mich damit, daß es jetzt eh nur noch zwei Tage waren, bis ich in Santiago sein würde und somit am Ziel. Su schenkte mir zum Abschied, den letzten, der von ihr in Portugal gekauften Müsliriegel; weil sie wußte, wie sehr ich diese Sorte liebte. Das rührte mich. Ich steckte ihn ein und machte mich auf den Weg. Denn 30 km, waren kein Pappenstiel. Ich ärgerte mich noch immer, daß ich das Kleingedruckte „A Picaraña“ bei der Unterkunft nicht gelesen hatte. Das gehörte zwar zu Padrón, war aber eben nicht Padrón. Man, man… Als ich auf die Straße trat, war ich sehr froh, daß es nicht regnete und beschloß, kurz vor dem Ortsausgang, nochmal ein paar Bilder zu machen :

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Die Trauerweide, paßte wirklich schön zum Wasser. Es sah, wenn man die Häuserfront gedanklich mal weg nahm, ein bißchen aus, wie auf einem alten Ölgemälde. Außerdem erinnerte mich die Trauerweide, an meine Kindheit. Damals, hatten sowohl meine geliebten Großeltern, als auch meine Eltern, eine im Garten. Ich habe mich dann oft darunter gesetzt. Als ich noch kleiner war, habe ich sogar, gegen die herab hängenden Äste ausgedachte „Schwertkämpfe“ geführt. (Das Schwert existierte natürlich nur in Gedanken.):

Kurz nach dem Ortsausgang, bemerkte ich immer mehr Pilger. Wie üblich setzte ich mich hin und lies sie vor gehen, da ich es nicht mag, wenn jemand direkt hinter mir läuft. Ich nutzte die Zeit, für ein weiteres Foto:

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Zu meiner großen Frustration, stellte ich jedoch fest, daß immer neue Pilger, nach kamen. So viele, konnte ich gar nicht vorgehen lassen, sonst würde ich am Abend noch da sitzen. Ich erinnerte mich kurz an den Film von Hape Kerkeling. So eine ähnliche Szene, gab es da nämlich auch. Nur war der ja, eine ganz andere Strecke gelaufen, als ich. Aber ich glaube, daß es egal ist, welche Strecke man nimmt. Kurz vor Santiago, kommen die ganzen Pilgermassen. Wo waren die eigentlich vorher alle gewesen?

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Zugegebenermaßen, verhagelte mir das erst mal gehörig, die Laune. Ich hatte 30 km an diesem Tag vor mir und wenn ich Pech hatte, war es das wohl mit der Ruhe, gewesen. Ich versuchte, mich trotzdem auf die Gegend zu konzentrieren und machte weiterhin, meine Bilder und Videos:

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Etwas später, kam ich dann an einem Cafe an. Dort war es zwar gerammelt voll, aber ich dachte mir nur, was solls. Ein heißer Kaffee, würde vielleicht meine Laune wieder heben. Ich quetschte mich zur Theke, weil es dort keine Bedienung am Tisch gab und wartete, bis ich mit meiner Bestellung an der Reihe war. Zu meinem Leidwesen, saß der überhebliche Katzenfotograf, genau gegenüber und wollte auch sogleich ein Gespräch anfangen. Der hatte mir jetzt noch gefehlt und ich war richtig erleichtert, als eine ältere Frau aus der Gruppe der Amerikanerinnen, mit denen ich vor zwei Tagen durch den Regen gelaufen war, zu mir kam und mich von diesem Typ erlöste! Sie sagte, sie wolle mir gerne ein Cappie schenken, das sei auch ganz neu. Das hätte noch keiner vor mir getragen. Ich war etwas verwirrt und fragte sie nach dem Grund. Da sagte sie: „Dieses Cappie ist eins von vieren, das die Eltern eines, an einem seltenen Gehirntumor verstorbenen Mädchens, uns vor unserer Reise, als letzten Willen mitgegeben haben. Wir sollten vier Menschen finden, die den Jakobsweg wirklich mit Gott gehen und Du bist einer davon. Das Mädchen hieß Lindsay und begann während ihrer Therapie Cappies für eben jene Patienten herzustellen, die durch die Therapie ihre Haare verloren hatten. Sie schrieb darauf eine Botschaft und die lautete: „b strong“ für: „Bleib stark!“ Heute sollen diese Cappies alle Menschen bekommen, die vor großen Herausforderungen stehen und kämpfen müssen. Wir haben dich beobachtet und fest gestellt, daß Du einen sehr starken Glauben hast und eine Kämpferin bist. Du gehst wirklich Deinen Weg mit Gott und deshalb wollen wir Dir dieses Cappie schenken. Damit Du nie aufgibst und immer stark bleibst!“

Als mir klar wurde, was sie da eigentlich gesagt hatte, brach ich in Tränen aus. Ich nahm das Cappie und sie bat mich um ein Foto. Da diese Fotos sowieso alle öffentlich zu sehen sind, werde ich sie auch hier, in meinem Eintrag, veröffentlichen:

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Dann führte sie mich, zu den anderen aus der Vierergruppe und ich sah zu meiner Freude und Überraschung, Barbara wieder. Sie war ebenfalls eine, der vier Personen, die ein Cappie bekam. Jetzt wußte ich auch, warum wir uns gleich so gut verstanden hatten und wer ihre Mädels waren, denen sie von mir erzählt hatte.

Hier nochmal ein Bild von uns vieren, zusammen mit Sharon, die mir mein Cappie überreicht hatte.

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Clara (links) hat von Laura (rechts) ihr Cappie bekommen

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Barbara (links) hat von Myra (rechts) ihr Cappie bekommen

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Mia (links) hat von Marcia (rechts) ihr Cappie bekommen

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Und ich von Sharon

Ich brauchte eine Stunde, um mich zu beruhigen und habe während des Laufens weiter geweint. Aber diesmal nicht vor Trauer, sondern, weil es so schön war. Ich habe mich nie, für einen wertvollen Menschen gehalten. Im Gegenteil. Ich wußte von klein auf, daß ich anders war. Und zwar im unangenehmen Sinne. Ich hatte als Kind keine wirklichen Freunde, war meistens allein und ausgegrenzt. Ich wußte nicht, was ich falsch machte. Aber irgendetwas hatte ich wohl an mir, was die Menschen abstieß. Immer schon. Es war wie ein unsichtbarer Fluch. Ich war alles mögliche, nur nicht normal. Nicht so wie andere und deshalb meistens allein. Oder aber von Menschen umgeben, die meinen Hunger nach Liebe ausnutzten, indem sie mich zu ihrem Vorteil manipulierten. Ich spürte dieses anders sein, täglich. Jahrelang, wie ein Dorn in meinem Herzen, der sich einfach nicht entfernen ließ. Das war, mit einer der Gründe, weshalb ich mich in den letzten Jahren, komplett zurück gezogen hatte. Bevor ich noch mal solche Menschen anzog, wollte ich lieber allein sein und merkte gar nicht, wie sehr ich vereinsamte… Und auf einmal, zum überhaupt allerersten Mal, waren da Menschen, die sahen etwas in mir, was ich nicht sehen konnte. Und sie waren real. Versteh mich nicht falsch, ich freue mich darüber, daß Du bei mir liest und vielleicht auch schreibst. Aber doch ist das Internet anonym. Nicht so recht greifbar. Du und ich, wir haben eine Distanz. Die war bei diesen Menschen einfach nicht da, weil sie real vor mir standen. Ich konnte sie „anfassen“ und sie mochten mich. Trotzdem sie mich in echt sahen. Wie konnte das sein? Und woher wußten sie so genau, daß ich mit Gott meinen Weg ging? Ja, ich hatte natürlich meine Bindung zu Gott verstärkt, aber damit ging ich ja nicht hausieren. Es sei denn, ich wurde gefragt.

Ich hatte, nichts mehr von diesem Leben erwartet und wurde deshalb umso mehr überrascht. Es hat mich wirklich von den Socken gehauen. Ich, die immer anders war, bekam so ein Geschenk. Das bedeutete mir so unglaublich viel, das kann ich auch heute, nicht mal im Ansatz wieder geben. Wenn man immer denkt, man sei lästig, überflüssig und paßt hier nicht in diese Welt- zu den anderen, zu den normalen… Dann ist so etwas, überwältigend! Und trotzdem ich während des Laufens weinte, versuchte ich noch, ein paar Videos und Bilder zu machen. Denn schon morgen würde der Weg zu Ende sein. Je kürzer die Strecke wurde, umso wertvoller, erschien mir jeder einzelne Augenblick:

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Als ich etwas später an einer Statue vom Jakobus vorbei kam und die Fotos von den Menschen dort sah, die sicher auch noch lebten; holte ich das Paßbild hervor, was ich jüngst für meinen Ausweis hatte machen lassen und legte es dazu. Damit es sich nicht gleich, beim ersten Regenguß in Wohlgefallen auflöste, packte ich es in die Folie, zu einem anderen Paßbild. Es war das erste Mal, daß ich etwas von mir persönlich, auf dem Jakobsweg hinterlassen hatte…

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Etwas später kam ein weiteres Cafe, mit angeschlossenem Supermarkt. Ich traf Sharon und auch Su wieder. Das freute mich. Sharon zeigte mir auf ihrem Handy nochmal die Interseite, der b-strong Organisation und Lindsays Geschichte. Ich notierte sie mir, um sie mir später in Ruhe ansehen zu können. Für jeden, der das auch tun möchte, ist hier die Adresse: www.bstrong.ca Danach setzte ich mich zu Su an den Tisch.

Etwas später, raffte ich mich wieder auf und ging weiter. Mein Weg war noch immer sehr lang und mir taten jetzt schon die Füße weh. Appropo Füße, das fand ich ja auch wieder ganz lustig. Am liebsten, hätte ich meine Schuhe mit dazu gehangen. Aber barfuß laufen, war dann doch keine Option. Die Blasen waren zwar am verheilen. Dennoch schmerzten meine Füße und das kam durch die falschen Schuhe. Ich lies also meine Schuhe an, begnügte mich mit einem Foto und ging weiter.

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Dieses Haus fand ich auch richtig toll und der alte Trecker im Garten, hatte ebenfalls etwas. Als ob die Zeit stehen geblieben wäre:

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Kurze Zeit später, mußte ich wieder anhalten, weil ich die Ziegen so niedlich fand:

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Und dann endlich war es so weit und ich kam in Padrón an:

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Es war wirklich schade, daß ich mir die Stadt nicht richtig angucken konnte, weil mein eigentliches Ziel, noch 8 km entfernt war. Das deprimierte mich schon sehr. Besonders, als ich Musik hörte, die immer lauter wurde. Ich folgte den Klängen

und war total überrascht, auf einem Fest gelandet zu sein. Trotz meiner Schmerzen, versuchte ich ein bißchen, mit zu tanzen und freute mich, über diese schöne Abwechslung. Auch das war Spanien und zum ersten Mal, fühlte ich mich, wie im Urlaub.:

Im Anschluß, suchte ich wie üblich die Kirche auf, um sie mir anzusehen und den Stempel zu holen:

Dort kaufte ich mir, einen schönen Rosenkranz aus Olivenholz, zündete eine Kerze an und machte mich schweren Herzens, wieder auf den Weg. Meine Füße taten wirklich weh und deshalb versuchte ich, mehr mit den Stöcken zu arbeiten. Die Landschaft, durch die ich jetzt ging, war ein Traum und entschädigte mich für die Schmerzen, die ich beim Laufen hatte:

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Als ich irgendwann endlich an meiner Unterkunft ankam, wäre ich am liebsten ins Bett gefallen. Aber natürlich ging das nicht und ich hatte vor allem eins: Hunger! Als ich die Pilger, die dort waren fragte, wo man hier etwas essen gehen könnte, drückten sie mir, mit der Aufforderung „Iß!“ eine Tüte in die Hand. Ich nahm mir nur ein bißchen davon und gab ihnen den Rest dankbar zurück, da ich trotzdem noch etwas warmes, essen wollte. Und diesmal konnte es auch ruhig teurer sein, denn dieser Abend, war für mich, etwas ganz besonderes. Nicht nur wegen dem, was ich mit den Amerikanerinnen erlebt hatte, oder daß ich laut meinem Tracker an die 30 km gelaufen war; sondern hauptsächlich, weil es die letzte Etappe vor meinem Ziel war.

Das Essen selbst, war trotz des höheren Preises, nicht der Burner. Aber heute, störte mich das ausnahmsweise mal, nicht so sehr. Ich war innerlich viel zu aufgewühlt. Als ich zurück in meiner Unterkunft war und allein in meinem Einzelzimmer lag; da vermißte ich mit einem Mal, das Geschnarche der anderen und fühlte mich einsam. Wahnsinn, das hätte ich nie gedacht! Zwei Wochen nur und ich war so verändert. Noch nie sind mir so viele Wunder geschehen, wie auf diesem Weg und wie sich später heraus stellte, sollten das auch nicht die letzten gewesen sein. Nachdenklich schrieb ich in mein Tagebuch:

8. Juni 2019

Die heutige Strecke war extrem lang und trotzdem, für mich, die bisher schönste. Deshalb habe ich auch sehr viele Bilder und Videos gemacht. Ich liege hier, zum ersten Mal seit Reisebeginn, in einem Einzelzimmer und bin ein bißchen wehmütig, da morgen, zumindest dieser Jakobsweg, vorbei ist.

Aber ich habe Blut geleckt und möchte irgendwann noch, den großen 800 km Camino France gehen. Allerdings, körperlich besser vorbereitet und mit den passenden Wanderschuhen. Denn meine sehen zwar gut aus, haben sich aber, als für meine Füße, falsch entpuppt. Ach ja, nicht zu vergessen auch das vernünftige Regencape (wird vorher unter der Dusche getestet!) und Regen Verhüterlis für die Schuhe. (Die habe ich bei Su gesehen und wiegen auch nicht viel). Denn meine Wanderschuhe waren trotz Imprägnierung und Goretex, innen sowas von naß, daß sie auch mit Fön, nicht richtig trocken wurden. 😂😂😂 Der Kissenbezug hingegen, kann Zuhause bleiben und das Hirschtalgcremezeug kann mich mal kreuzweise!

Aber zurück zum Eigentlichen. Dieser Tag war sehr emotional. Von anfänglichem Genervtsein über die Pilgerhorden, hin zu einer absoluten Tränenflut wegen dem Cappie (ich habe mich bestimmt eine Stunde nicht eingekriegt und während des Laufens weiter geweint), bis zu totaler Euphorie bei dem Fest in Padrón, wo ich versucht habe, ein bißchen mitzutanzen. Dann ging es weiter, in einer absolut malerischen Traumkulisse, bis zu meiner Unterkunft.

Ja und morgen, bin ich in Santiago de Compostela. Ich bin überwältigt von dem Gedanken, dann den portugiesischen Jakobsweg, trotz aller Schmerzen, geschafft zu haben. Teilweise mußte ich wirklich kämpfen und ich bin nicht die einzige, die sich viele Ibus rein geworfen hat, weil einfach alles weh tat. Bei mir ja sogar hüftmäßig besonders heftig.

Nun versuche ich zu schlafen und freue mich morgen auf die letzten km.

Mein Jakobsweg – zwölfter Tag von Pontevedra nach Caldas de Reis

Da unsere nächste Unterkunft bereits gebucht war, teilten Su und ich, das gekaufte Essen vom Vortag, unter uns auf und verließen anschließend in aller Ruhe die Wohnung. Mein Schuhe, waren immer noch nicht ganz trocken. Aber es half ja nichts, da mußte ich jetzt eben durch. Dafür waren die restlichen Sachen, wieder einigermaßen getrocknet. Ich zog vorsichtshalber, meine Regensachen wieder über und hoffte, daß es heute nicht so stark regnen würde, wie am Vortag. Da ich wieder meinen Bröselkaffee, mit lauwarmen Leitungswasser getrunken hatte, verzichtete ich darauf in ein Cafe zu gehen und verließ gemütlichen Schrittes, Pontevedra.

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Nachdem ich die Stadt verlassen hatte, erinnerte mich das Jakobsbild und etwas später, die Schrift auf der Mauer wieder daran, daß ich meinem Ziel immer näher kam und ich bekam eine Gänsehaut. Lange würde es nicht mehr dauern und ich war in Santiago. Allein der Gedanke, löste eine solche Vorfreude in mir aus, die ich mit keinem Wort, beschreiben kann!

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Das Wetter hingegen, nervte mich total. Mal fing es an zu regnen und dann, wenn ich endlich wieder die volle Montur an hatte, hörte es plötzlich auf und wurde sehr warm. Es war ein ständiges an- und ausziehen, was meinem 8 Euro Regencape, gar nicht gefiel. Am Anfang, hatte ich nur Belüftungsschlitze, unter den Armen. Danach, kamen immer mehr Löcher hinzu. Wenn Du das Foto mal vergrößerst, siehst Du unter meinem Arm auf der rechten Seite im Achselbereich, bereits das erste große Loch. Ich versuchte es mit Humor zu sehen. Ich lachte sowohl über mein, sich auflösendes Regencape, als auch über meinen neuen Flirt, den das überhaupt nicht interessierte:

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Etwas später, sah ich dann diesen schönen Engel:

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Nach einer Weile, kam ich an einen der vielen Rastplätze für Pilger, wo Getränkeautomaten standen und man nicht nur gratis ein Klo benutzen durfte, sondern auch noch hätte duschen, können. Wer wollte, konnte etwas spenden, mußte es aber nicht. So etwas, habe ich bisher, ja noch nirgendwo gesehen. Bei uns zahlt man ja schon 50 cent für dreckige WCs und hier, konnte man sogar umsonst duschen! Das fand ich so toll, daß ich sogar ein Bild davon, gemacht habe:

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Da ich nicht duschen mußte, trank ich zur Unterstützung der Sache, stattdessen eine kalte Limo, aus dem Automaten und versuchte ein Foto von einer schneeweißen Katze, mit zwei verschiedenen Aufgenfarben zu machen. Das stellte sich, als gar nicht so einfach, heraus. Einem anderen Pilger, gelang dann ein schönes Bild. Ich fragte ihn, ob er mir das per bluetooth auf mein Handy schicken könnte. Aber er verneinte das, mit den Worten, das er das Foto verkaufen will. Okay…….

Also versuchte ich es weiter und er beobachtete mich dabei. Ich glaube, ich brauche nicht weiter zu erklären, wie unsympathisch, dieser Mensch mir wurde. Ich war froh, als ich es dann endlich geschafft hatte und präsentierte ihm aus Trotz das Ergebnis. Davon abgesehen, hatte er mir eh schon die ganze Zeit, auf mein Handy geschielt. „Hast es ja doch geschafft.“ meinte er überheblich. Ja, hatte ich! Als er mir dann noch oberlehrerhaft erklären wollte, daß ich die Augenpartie, ja noch ausschneiden könnte, habe ich ihm in dann Gedanken, ein paar nicht so freundliche Ausdrücke, an den Kopf geworfen… Für wen hielt der sich eigentlich? Ich war froh, als er weiter ging und ich lies ihm auch noch einen großzügigen Vorsprung. War besser, als irgendwann, doch noch mal ausversehen, „laut“ zu denken.

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Im gleichen Ort, sah ich eine Werkstatt mit einem Vorhang aus Blechdosen. Das fand ich ja originell und war mir auf jeden Fall ein Foto wert. Was das hier an Pfand wäre- lool

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Und dann endlich, ging es wieder hinein, in die wunderschöne Natur. Vorbei an Bachläufen und kleinen Miniaturwasserfällen. Ein absoluter Traum zum Filmen, Fotografieren und Verweilen:

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Da ich aber, noch eine lange Strecke vor mir hatte, konnte ich leider nicht allzu lange an den schönen Plätzen bleiben. Schließlich, war ich aufgrund meiner Hüftprobleme, eh schon extrem langsam. Nicht, daß mich das sonderlich gestört hätte, aber so hatte ich insgesamt nicht so viel Zeit, wie ich gerne an manchen Orten, verbracht hätte. Dafür beschloß ich dann aber, an diesem schönen Cafe anzuhalten und zur Abwechslung mal, einen heißen Kaffee, zu trinken.

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Am Tisch gegenüber, saß eine junge Frau, mit einem älteren Mann. Es stellte sich heraus, daß es Vater und Tochter waren, die den Jakobsweg gemeinsam gingen. Sie lachten, waren glücklich und sprachen über die noch bevor stehenden Etappen. Wieder wurde ich traurig. Ich freute mich für die Beiden. Aber jedes Mal, wenn ich Eltern mit ihren erwachsenen Kindern den Jakobsweg gehen sah, versetzte es mir einen Stich und diese sah ich öfter. Ich versuchte, mich von dem Bild der Beiden loszumachen und auf etwas anderes zu konzentrieren.

Mein Regencape zum Beispiel. Bzw. das, was davon, noch übrig geblieben war. Ich riß mir ein ausreichend großes Stück davon ab, um mein Baguette als Regenschutz darin einzuwickeln und schmiß den Rest davon, in den Mülleimer. Dann stand ich auf und hoffte, daß sich für den Rest des Tages, der Sonnenschein durchsetzen würde. Glücklicherweise hielt sich das Wetter, bis auf ein paar ganz leichte Regenschauer, auch tatsächlich.

Weiter ging es, durch ein paar wirklich kleine Orte, mit nur vereinzelten Häusern; die aber dennoch, ihren ganz eigenen Charme, hatten. Besonders dieser tolle Bauerngarten, hatte es mir angetan:

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Und passend dazu, kam nur etwas später, dieses tolle Straßenschild:

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„Höre nie auf zu träumen!“ Wahre Worte und ich fragte mich auch sogleich, was meine Träume waren? Ich hatte Träume, bevor ich los ging. Waren es eigentlich noch immer dieselben? Ich stellte fest, daß ich keine Antwort mehr auf diese Frage hatte.

Ich hatte genau gewußt, was ich will. Nur wie ich es umsetzen könnte, war mir nicht klar. Aber mittlerweile, war so viel in mir passiert. Wollte ich jetzt immer noch dasselbe, was ich vor dem Jakobsweg gewollt hatte? Mein Traum war es stets, wieder im Spreewald zu wohnen. Das erste Gebiet, wo ich mich in meinem Leben, wirklich Zuhause gefühlt hatte. Auch wenn ich nicht gebürtig, von dort kam.

Bei meinem letzten Berlinurlaub, war ich wieder dort gewesen. Nach so vielen Jahren. Das Haus im Wald, was ich mit meinem Exmann bewohnt hatte, war nicht mehr dasselbe. Es war umgebaut und anschließend verlassen worden, weil die Baugenehmigung dafür gefehlt hat. Die Menschen, die früher in der Waldsiedlung gewohnt hatten, waren fast alle weg gezogen oder gestorben. Nur zwei alte Nachbarinnen, lebten noch dort. Sie erzählten mir, was in der Zwischenzeit alles geschehen war. Der ganze Ort, inklusive der Waldsiedlung, die etwas außerhalb lag, waren bis auf wenige Menschen verlassen. Es hat mir fast das Herz zerrissen. Aber komischerweise TROTZDEM nichts, an meinem Zuhausegefühl, geändert. Als ich aus dem Bus stieg, fühlte ich, ich war Zuhause und ich wußte, daß dieser Ort in meinem Herzen, immer mein Zuhause bleiben würde. Genauso spürte ich intensiv, daß ich irgendwann einmal, dorthin zurück kehren wollen würde.

Irgendwann… Irgendwie… Wenn es dort wieder so etwas, wie eine Infrastruktur gäbe. Das war mein Traum. Zurückgezogen leben, mitten im Wald. Wie früher. Mit nur wenigen Nachbarn, Ruhe und Frieden. Nicht im selben Haus, wie damals. Aber irgendwo dort, in der Nähe.

Doch wollte ich das NOCH IMMER? Hier auf dem Jakobsweg, hatte ich gemerkt, wie schön es sein kann, auch mal unter Menschen zu sein. Zumindest ab und zu. Ich würde nie ein Stadtmensch werden, das war klar. Aber ein totales Eremitendasein wie bisher? Bis an mein Lebensende? Hatte ich wirklich, immer noch denselben Traum? Ich war mir nicht mehr sicher und ging gedankenversunken weiter.

Schließlich kam ich zu diesem Straßenschild und dachte nur ganz erstaunt: „WOW!“ Über die Autobahn wären es nur noch 40km bis zum Ziel! 40!!!

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Ich bekam wieder eine Gänsehaut. Nur noch wenige Tage, dann war ich da. Mein Gott! Etwas später, zeigte dann der Wegweiser des Jakobswegs 50 km an und auch das, war einfach nur, ein Wahnsinnsgefühl! Ich konnte es nicht fassen. So weit gelaufen, trotz allem und schon bald war ich am Ziel…

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Und weiter ging es, durch wunderschönen Weinstöcke:

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Bis zu diesen süßen Eseln, denen ich ebenfalls eine Weile zusah:

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Dann kam wieder, ein liebevoll gestalteter Rastplatz, für Pilger. An diesem habe ich jedoch nichts getrunken, weil ich weiter wollte. Trotzdem fand ihn so schön gestaltet, daß ich davon mal zwei Fotos gemacht habe:

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Camino Portugues - Tag 12-160545

Nur etwas später, kam ein weiteres Stopschild, mit einem anderen Text:

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„Hör auf zu jammern und fang an glücklich zu sein!“ Prinzipiell nicht so einfach, aber in diesem Augenblick, konnte ich es. Schließlich war das Wetter besser, die Landschaft schön und es waren weniger als 50 km bis zum Ziel. Wenn das nicht glücklich machte, dann wußte ich es ja auch nicht! Und wie zur Belohnung, kam ich schließlich auch, in Caldas de Reis an. Als erstes, steuerte ich natürlich, die Unterkunft an. Su hatte mir von unterwegs, bereits eine whatsapp geschickt, daß das Hostel super wäre und ich mich schon mal freuen könnte. Tatsächlich. Hier gab es eine Küche, ein gemütliches Zimmer, zwei Bäder und auch genug Platz, um Wäsche aufzuhängen.

Allerdings, wollte der erst mal gefunden werden. Su sagte nur, beim Badfenster. Aber ich stand davor und sah einfach nichts. Irgendwann war ich so verzweifelt, daß ich es öffnete. „Ach nö…“, dachte ich mir nur. Da waren also, die Wäscheleinen. Ich schaute nach unten. Wir waren recht weit oben und es wäre echt blöd, wenn mir da was runter fiel. Also zog ich die Leine, immer schön langsam zu mir heran und kontrollierte jede Wäscheklammer, doppelt. Ich hatte nämlich keine Ahnung, wie ich in den Innenhof kommen könnte, falls mir doch ein Wäschestück nach unten flog. Ich war richtig erleichtert, als endlich alles hing.

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Camino Portugues - Tag 12-182405

Anschließend ging ich wieder in die Stadt, um nach etwas eßbarem Ausschau zu halten. Am Ortseingang hatte ich etwas, von einem günstigen Pilgermenü gelesen und machte mich, auf den nicht ganz unweiten, Weg. Immerhin, konnte ich mir so, noch mal die Naturlandschaft innerhalb des Ortes ansehen und war begeistert:

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Camino Portugues - Tag 12-204824
Camino Portugues - Tag 12-165611

Natürlich, wollte ich auch die Kirche, in Caldas de Reis besuchen und hatte wie am Tag zuvor Glück, daß der Gottesdienst kurz bevor stand. Das Beste daran war allerdings, daß es diesmal keine Orgelmusik, sondern Gitarrenmusik gab. Neben dem offiziellen Sänger, sang auch die ganze Gemeinde, Lied für Lied mit. Als dann zum Abschluß noch das Lied „blowing in the wind“ auf spanisch erklang, hatte ich nicht nur Gänsehaut, sondern auch Tränen in den Augen. So wunderschön war das! Ich war viel zu ergriffen, um das zu filmen. Außerdem wollte ich es erleben und spüren. Mit einer Kamera in der Hand, geht das nicht so gut! Aber ich machte dafür im Anschluß ein Foto. Rechts sind also der Gitarrenspieler, mit dem Hauptsänger zu sehen:

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Für diejenigen, welche das Lied nicht kennen, habe ich es, als ich wieder Zuhause war, mal nachgesungen. Egon hat mich dann dazu, auf seiner Gitarre begleitet. Zur Erinnerung, an diesen wundervollen Gottesdienst. Nein, natürlich nicht professionell oder gar auf spanisch. Die Sprache, beherrsche ich leider nicht. Aber dafür spontan und auf englisch:

Nachdem der Gottesdienst vorbei war, freute ich mich, endlich etwas essen zu können. Als ich mich bis zum Ortseingang, der auf einem Hügel lag, hoch gekämpft hatte; bestellte ich mir, das angepriesene Pilgermenü. Aber irgendwie war der Geschmack, doch extrem bescheiden und ich aß deshalb nur, das Allernötigste. Auf dem Rückweg freute mich innerlich bereits, auf die Reste meines Baguettes, das ich noch übrig hatte. Ich machte noch ein paar Fotos und genoß dabei, den schönen Abendspaziergang:

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Camino Portugues - Tag 12-221028
Camino Portugues - Tag 12-220942
Camino Portugues - Tag 12-222928

In der Unterkunft angekommen, begutachtete ich stolz, meinen Pilgerausweis:

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Dann las ich noch einmal meinen Tagebucheintrag durch, den ich in der Bar geschrieben hatte, während ich versuchte, mir das Pilgermenü herunter zu würgen:

7. Juni 2019

Der heutige Tag war echt anstrengend. Besonders am Anfang gab es einen ständigen Wechsel zwischen Regen und Sonne. Kaum hatte ich mein Regencape aus, weil es nicht mehr regnete und schnell heiß wurde, kam der Regen zurück und umgekehrt. Irgendwann hatte mein schwarzes 8 Euro Regencape, dann eine Achselbelüftung, dicht gefolgt von einzelnen Lüftungsschlitzen. Ja… Ich habe mir dann einen Teil abgerissen, was absolut keiner Anstrengung bedurfte und es so als Baguettetrockenhalter umfunktioniert. 😂😂😂

Jetzt sitze ich in einer Bar, mit recht beschiss… ähm bescheidenem Essen, aber schnellem wlan. Man muß ja immer das Gute im Schlechten suchen 😜

Es war wunderbar, durch die ganze Weinreben zu laufen. Landschaftlich, mit eines meiner absoluten Highlights, auf dem Jakobsweg.

Ich hatte das Glück, wieder ein Gottesdienst abpassen zu können und diesmal gab es dazu Gitarrenmusik. Das Lied „blowing in the wind“ auf spanisch, von der Gemeinde gesungen. Was soll ich sagen? Gänsehaut pur und mir liefen wieder die Tränen. Einfach schön!

Morgen habe ich einen Gewaltmarsch von 30 km vor mir, sofern mir nicht vorher die Füße abfallen. Das ist aber meine eigene Schuld, da ich bei der Buchung meiner Unterkunft nicht bemerkt habe, wie weit sie von meinem ursprünglichen Ziel „Padrón“ entfernt ist. Das war der kleine Zusatz „bei Padrón…“ 🙈🤣🙈 Aber als kleiner Trost, check in ist bis 21 Uhr und es liegt eh auf dem Weg. Dafür sind die letzten 2 Etappen dann auch extrem chillig!

Jetzt werde ich mich gleich ins Bett schleppen und wahrscheinlich Komaschlaf halten.

Ps: Und so verboten rum rennen, kann man auch nur hier als Pilger. Stört absolut keinen! Ich war sogar so in der Kirche.

Alle meine Sachen sind auf der Wäscheleine und die Schuhe zieht jeder aus, damit die Füße Luft kriegen. 😂😂😂

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