Mein Jakobsweg – zwölfter Tag von Pontevedra nach Caldas de Reis

Da unsere nächste Unterkunft bereits gebucht war, teilten Su und ich, das gekaufte Essen vom Vortag, unter uns auf und verließen anschließend in aller Ruhe die Wohnung. Mein Schuhe, waren immer noch nicht ganz trocken. Aber es half ja nichts, da mußte ich jetzt eben durch. Dafür waren die restlichen Sachen, wieder einigermaßen getrocknet. Ich zog vorsichtshalber, meine Regensachen wieder über und hoffte, daß es heute nicht so stark regnen würde, wie am Vortag. Da ich wieder meinen Bröselkaffee, mit lauwarmen Leitungswasser getrunken hatte, verzichtete ich darauf in ein Cafe zu gehen und verließ gemütlichen Schrittes, Pontevedra.

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Nachdem ich die Stadt verlassen hatte, erinnerte mich das Jakobsbild und etwas später, die Schrift auf der Mauer wieder daran, daß ich meinem Ziel immer näher kam und ich bekam eine Gänsehaut. Lange würde es nicht mehr dauern und ich war in Santiago. Allein der Gedanke, löste eine solche Vorfreude in mir aus, die ich mit keinem Wort, beschreiben kann!

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Das Wetter hingegen, nervte mich total. Mal fing es an zu regnen und dann, wenn ich endlich wieder die volle Montur an hatte, hörte es plötzlich auf und wurde sehr warm. Es war ein ständiges an- und ausziehen, was meinem 8 Euro Regencape, gar nicht gefiel. Am Anfang, hatte ich nur Belüftungsschlitze, unter den Armen. Danach, kamen immer mehr Löcher hinzu. Wenn Du das Foto mal vergrößerst, siehst Du unter meinem Arm auf der rechten Seite im Achselbereich, bereits das erste große Loch. Ich versuchte es mit Humor zu sehen. Ich lachte sowohl über mein, sich auflösendes Regencape, als auch über meinen neuen Flirt, den das überhaupt nicht interessierte:

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Etwas später, sah ich dann diesen schönen Engel:

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Nach einer Weile, kam ich an einen der vielen Rastplätze für Pilger, wo Getränkeautomaten standen und man nicht nur gratis ein Klo benutzen durfte, sondern auch noch hätte duschen, können. Wer wollte, konnte etwas spenden, mußte es aber nicht. So etwas, habe ich bisher, ja noch nirgendwo gesehen. Bei uns zahlt man ja schon 50 cent für dreckige WCs und hier, konnte man sogar umsonst duschen! Das fand ich so toll, daß ich sogar ein Bild davon, gemacht habe:

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Da ich nicht duschen mußte, trank ich zur Unterstützung der Sache, stattdessen eine kalte Limo, aus dem Automaten und versuchte ein Foto von einer schneeweißen Katze, mit zwei verschiedenen Aufgenfarben zu machen. Das stellte sich, als gar nicht so einfach, heraus. Einem anderen Pilger, gelang dann ein schönes Bild. Ich fragte ihn, ob er mir das per bluetooth auf mein Handy schicken könnte. Aber er verneinte das, mit den Worten, das er das Foto verkaufen will. Okay…….

Also versuchte ich es weiter und er beobachtete mich dabei. Ich glaube, ich brauche nicht weiter zu erklären, wie unsympathisch, dieser Mensch mir wurde. Ich war froh, als ich es dann endlich geschafft hatte und präsentierte ihm aus Trotz das Ergebnis. Davon abgesehen, hatte er mir eh schon die ganze Zeit, auf mein Handy geschielt. „Hast es ja doch geschafft.“ meinte er überheblich. Ja, hatte ich! Als er mir dann noch oberlehrerhaft erklären wollte, daß ich die Augenpartie, ja noch ausschneiden könnte, habe ich ihm in dann Gedanken, ein paar nicht so freundliche Ausdrücke, an den Kopf geworfen… Für wen hielt der sich eigentlich? Ich war froh, als er weiter ging und ich lies ihm auch noch einen großzügigen Vorsprung. War besser, als irgendwann, doch noch mal ausversehen, „laut“ zu denken.

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Im gleichen Ort, sah ich eine Werkstatt mit einem Vorhang aus Blechdosen. Das fand ich ja originell und war mir auf jeden Fall ein Foto wert. Was das hier an Pfand wäre- lool

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Und dann endlich, ging es wieder hinein, in die wunderschöne Natur. Vorbei an Bachläufen und kleinen Miniaturwasserfällen. Ein absoluter Traum zum Filmen, Fotografieren und Verweilen:

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Da ich aber, noch eine lange Strecke vor mir hatte, konnte ich leider nicht allzu lange an den schönen Plätzen bleiben. Schließlich, war ich aufgrund meiner Hüftprobleme, eh schon extrem langsam. Nicht, daß mich das sonderlich gestört hätte, aber so hatte ich insgesamt nicht so viel Zeit, wie ich gerne an manchen Orten, verbracht hätte. Dafür beschloß ich dann aber, an diesem schönen Cafe anzuhalten und zur Abwechslung mal, einen heißen Kaffee, zu trinken.

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Am Tisch gegenüber, saß eine junge Frau, mit einem älteren Mann. Es stellte sich heraus, daß es Vater und Tochter waren, die den Jakobsweg gemeinsam gingen. Sie lachten, waren glücklich und sprachen über die noch bevor stehenden Etappen. Wieder wurde ich traurig. Ich freute mich für die Beiden. Aber jedes Mal, wenn ich Eltern mit ihren erwachsenen Kindern den Jakobsweg gehen sah, versetzte es mir einen Stich und diese sah ich öfter. Ich versuchte, mich von dem Bild der Beiden loszumachen und auf etwas anderes zu konzentrieren.

Mein Regencape zum Beispiel. Bzw. das, was davon, noch übrig geblieben war. Ich riß mir ein ausreichend großes Stück davon ab, um mein Baguette als Regenschutz darin einzuwickeln und schmiß den Rest davon, in den Mülleimer. Dann stand ich auf und hoffte, daß sich für den Rest des Tages, der Sonnenschein durchsetzen würde. Glücklicherweise hielt sich das Wetter, bis auf ein paar ganz leichte Regenschauer, auch tatsächlich.

Weiter ging es, durch ein paar wirklich kleine Orte, mit nur vereinzelten Häusern; die aber dennoch, ihren ganz eigenen Charme, hatten. Besonders dieser tolle Bauerngarten, hatte es mir angetan:

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Und passend dazu, kam nur etwas später, dieses tolle Straßenschild:

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„Höre nie auf zu träumen!“ Wahre Worte und ich fragte mich auch sogleich, was meine Träume waren? Ich hatte Träume, bevor ich los ging. Waren es eigentlich noch immer dieselben? Ich stellte fest, daß ich keine Antwort mehr auf diese Frage hatte.

Ich hatte genau gewußt, was ich will. Nur wie ich es umsetzen könnte, war mir nicht klar. Aber mittlerweile, war so viel in mir passiert. Wollte ich jetzt immer noch dasselbe, was ich vor dem Jakobsweg gewollt hatte? Mein Traum war es stets, wieder im Spreewald zu wohnen. Das erste Gebiet, wo ich mich in meinem Leben, wirklich Zuhause gefühlt hatte. Auch wenn ich nicht gebürtig, von dort kam.

Bei meinem letzten Berlinurlaub, war ich wieder dort gewesen. Nach so vielen Jahren. Das Haus im Wald, was ich mit meinem Exmann bewohnt hatte, war nicht mehr dasselbe. Es war umgebaut und anschließend verlassen worden, weil die Baugenehmigung dafür gefehlt hat. Die Menschen, die früher in der Waldsiedlung gewohnt hatten, waren fast alle weg gezogen oder gestorben. Nur zwei alte Nachbarinnen, lebten noch dort. Sie erzählten mir, was in der Zwischenzeit alles geschehen war. Der ganze Ort, inklusive der Waldsiedlung, die etwas außerhalb lag, waren bis auf wenige Menschen verlassen. Es hat mir fast das Herz zerrissen. Aber komischerweise TROTZDEM nichts, an meinem Zuhausegefühl, geändert. Als ich aus dem Bus stieg, fühlte ich, ich war Zuhause und ich wußte, daß dieser Ort in meinem Herzen, immer mein Zuhause bleiben würde. Genauso spürte ich intensiv, daß ich irgendwann einmal, dorthin zurück kehren wollen würde.

Irgendwann… Irgendwie… Wenn es dort wieder so etwas, wie eine Infrastruktur gäbe. Das war mein Traum. Zurückgezogen leben, mitten im Wald. Wie früher. Mit nur wenigen Nachbarn, Ruhe und Frieden. Nicht im selben Haus, wie damals. Aber irgendwo dort, in der Nähe.

Doch wollte ich das NOCH IMMER? Hier auf dem Jakobsweg, hatte ich gemerkt, wie schön es sein kann, auch mal unter Menschen zu sein. Zumindest ab und zu. Ich würde nie ein Stadtmensch werden, das war klar. Aber ein totales Eremitendasein wie bisher? Bis an mein Lebensende? Hatte ich wirklich, immer noch denselben Traum? Ich war mir nicht mehr sicher und ging gedankenversunken weiter.

Schließlich kam ich zu diesem Straßenschild und dachte nur ganz erstaunt: „WOW!“ Über die Autobahn wären es nur noch 40km bis zum Ziel! 40!!!

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Ich bekam wieder eine Gänsehaut. Nur noch wenige Tage, dann war ich da. Mein Gott! Etwas später, zeigte dann der Wegweiser des Jakobswegs 50 km an und auch das, war einfach nur, ein Wahnsinnsgefühl! Ich konnte es nicht fassen. So weit gelaufen, trotz allem und schon bald war ich am Ziel…

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Und weiter ging es, durch wunderschönen Weinstöcke:

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Bis zu diesen süßen Eseln, denen ich ebenfalls eine Weile zusah:

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Dann kam wieder, ein liebevoll gestalteter Rastplatz, für Pilger. An diesem habe ich jedoch nichts getrunken, weil ich weiter wollte. Trotzdem fand ihn so schön gestaltet, daß ich davon mal zwei Fotos gemacht habe:

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Nur etwas später, kam ein weiteres Stopschild, mit einem anderen Text:

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„Hör auf zu jammern und fang an glücklich zu sein!“ Prinzipiell nicht so einfach, aber in diesem Augenblick, konnte ich es. Schließlich war das Wetter besser, die Landschaft schön und es waren weniger als 50 km bis zum Ziel. Wenn das nicht glücklich machte, dann wußte ich es ja auch nicht! Und wie zur Belohnung, kam ich schließlich auch, in Caldas de Reis an. Als erstes, steuerte ich natürlich, die Unterkunft an. Su hatte mir von unterwegs, bereits eine whatsapp geschickt, daß das Hostel super wäre und ich mich schon mal freuen könnte. Tatsächlich. Hier gab es eine Küche, ein gemütliches Zimmer, zwei Bäder und auch genug Platz, um Wäsche aufzuhängen.

Allerdings, wollte der erst mal gefunden werden. Su sagte nur, beim Badfenster. Aber ich stand davor und sah einfach nichts. Irgendwann war ich so verzweifelt, daß ich es öffnete. „Ach nö…“, dachte ich mir nur. Da waren also, die Wäscheleinen. Ich schaute nach unten. Wir waren recht weit oben und es wäre echt blöd, wenn mir da was runter fiel. Also zog ich die Leine, immer schön langsam zu mir heran und kontrollierte jede Wäscheklammer, doppelt. Ich hatte nämlich keine Ahnung, wie ich in den Innenhof kommen könnte, falls mir doch ein Wäschestück nach unten flog. Ich war richtig erleichtert, als endlich alles hing.

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Anschließend ging ich wieder in die Stadt, um nach etwas eßbarem Ausschau zu halten. Am Ortseingang hatte ich etwas, von einem günstigen Pilgermenü gelesen und machte mich, auf den nicht ganz unweiten, Weg. Immerhin, konnte ich mir so, noch mal die Naturlandschaft innerhalb des Ortes ansehen und war begeistert:

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Natürlich, wollte ich auch die Kirche, in Caldas de Reis besuchen und hatte wie am Tag zuvor Glück, daß der Gottesdienst kurz bevor stand. Das Beste daran war allerdings, daß es diesmal keine Orgelmusik, sondern Gitarrenmusik gab. Neben dem offiziellen Sänger, sang auch die ganze Gemeinde, Lied für Lied mit. Als dann zum Abschluß noch das Lied „blowing in the wind“ auf spanisch erklang, hatte ich nicht nur Gänsehaut, sondern auch Tränen in den Augen. So wunderschön war das! Ich war viel zu ergriffen, um das zu filmen. Außerdem wollte ich es erleben und spüren. Mit einer Kamera in der Hand, geht das nicht so gut! Aber ich machte dafür im Anschluß ein Foto. Rechts sind also der Gitarrenspieler, mit dem Hauptsänger zu sehen:

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Für diejenigen, welche das Lied nicht kennen, habe ich es, als ich wieder Zuhause war, mal nachgesungen. Egon hat mich dann dazu, auf seiner Gitarre begleitet. Zur Erinnerung, an diesen wundervollen Gottesdienst. Nein, natürlich nicht professionell oder gar auf spanisch. Die Sprache, beherrsche ich leider nicht. Aber dafür spontan und auf englisch:

Nachdem der Gottesdienst vorbei war, freute ich mich, endlich etwas essen zu können. Als ich mich bis zum Ortseingang, der auf einem Hügel lag, hoch gekämpft hatte; bestellte ich mir, das angepriesene Pilgermenü. Aber irgendwie war der Geschmack, doch extrem bescheiden und ich aß deshalb nur, das Allernötigste. Auf dem Rückweg freute mich innerlich bereits, auf die Reste meines Baguettes, das ich noch übrig hatte. Ich machte noch ein paar Fotos und genoß dabei, den schönen Abendspaziergang:

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In der Unterkunft angekommen, begutachtete ich stolz, meinen Pilgerausweis:

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Dann las ich noch einmal meinen Tagebucheintrag durch, den ich in der Bar geschrieben hatte, während ich versuchte, mir das Pilgermenü herunter zu würgen:

7. Juni 2019

Der heutige Tag war echt anstrengend. Besonders am Anfang gab es einen ständigen Wechsel zwischen Regen und Sonne. Kaum hatte ich mein Regencape aus, weil es nicht mehr regnete und schnell heiß wurde, kam der Regen zurück und umgekehrt. Irgendwann hatte mein schwarzes 8 Euro Regencape, dann eine Achselbelüftung, dicht gefolgt von einzelnen Lüftungsschlitzen. Ja… Ich habe mir dann einen Teil abgerissen, was absolut keiner Anstrengung bedurfte und es so als Baguettetrockenhalter umfunktioniert. 😂😂😂

Jetzt sitze ich in einer Bar, mit recht beschiss… ähm bescheidenem Essen, aber schnellem wlan. Man muß ja immer das Gute im Schlechten suchen 😜

Es war wunderbar, durch die ganze Weinreben zu laufen. Landschaftlich, mit eines meiner absoluten Highlights, auf dem Jakobsweg.

Ich hatte das Glück, wieder ein Gottesdienst abpassen zu können und diesmal gab es dazu Gitarrenmusik. Das Lied „blowing in the wind“ auf spanisch, von der Gemeinde gesungen. Was soll ich sagen? Gänsehaut pur und mir liefen wieder die Tränen. Einfach schön!

Morgen habe ich einen Gewaltmarsch von 30 km vor mir, sofern mir nicht vorher die Füße abfallen. Das ist aber meine eigene Schuld, da ich bei der Buchung meiner Unterkunft nicht bemerkt habe, wie weit sie von meinem ursprünglichen Ziel „Padrón“ entfernt ist. Das war der kleine Zusatz „bei Padrón…“ 🙈🤣🙈 Aber als kleiner Trost, check in ist bis 21 Uhr und es liegt eh auf dem Weg. Dafür sind die letzten 2 Etappen dann auch extrem chillig!

Jetzt werde ich mich gleich ins Bett schleppen und wahrscheinlich Komaschlaf halten.

Ps: Und so verboten rum rennen, kann man auch nur hier als Pilger. Stört absolut keinen! Ich war sogar so in der Kirche.

Alle meine Sachen sind auf der Wäscheleine und die Schuhe zieht jeder aus, damit die Füße Luft kriegen. 😂😂😂

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Mein Jakobsweg – elfter Tag von Cesantes nach Pontevedra

Kurz bevor ich mich auf den Weg machte, unterhielt ich mich noch einmal mit Ralf und fragte ihn, ob er den Kontakt aufrechterhalten möchte. Zu meiner Freude bejahte er das und wir tauschten die Nummern aus. Dann machten wir noch ein Foto von einander und ich lachte innerlich, als ich sah, daß er genau wie ich auch, seine Brille, vor dem fotografieren abnahm. Eine lustige Gemeinsamkeit. Danach nahm ich mir, einer inneren Eingebung folgend, aus der Grabbelkiste, noch einen roten Regenponcho mit, da ich meinem jüngst gekauften, irgendwie immer noch nicht über den Weg traute. Das war die zweite Herberge, wo ich so eine Kiste, mit zurück gelassenen Dingen der Pilger sah. Aber gut, ich war ja auch, seit Ponte de Lima nicht mehr in offiziellen Herbergen gewesen. Dies war zwar auch keine offizielle Herberge, aber trotzdem stellten sie so eine Kiste zur Verfügung, was mich freute. Zum Schluß, schrieb ich noch einen Gästebucheintrag, verabschiedete mich bei Ralf und machte mich auf den Weg (Dieser schrieb mir übrigens gestern, daß es in Cesantes, doch einen Supermarkt gibt. Ich hatte ihn nur nicht gefunden. Ich kann von daher auch keinen Tip geben, wo der ist. Aber es gibt ihn.):

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Nach ein paar Minuten, ging es erst mal anständig bergauf. Vor mir sah ich ein Pilgerpaar, die von ihrem Fahrrad gestiegen waren und schoben. Ich wäre das auch nicht hoch gefahren! So quälten wir uns gemeinsam die Anhöhe hoch und das bei mir, mit nur einer Tasse Kaffee, im Blut. Danach war ich auf jeden Fall sowas von wach und japste, wie die anderen beiden, vor mich hin. Oben angekommen, sah ich dann eine ganze Muschelwand, beschrieben mit unterschiedlichsten Gedanken und Wünschen. Sogar seine Schuhe, hatte jemand zurück gelassen!

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Zwei der Muscheln, hatten mich extrem berührt. Ein Mann hatte jeweils eine Muschel für seine Frau und eine für seinen Sohn geschrieben. Nachdem ich gestern die Kerze für meinen Vater angezündet hatte, berührte mich das natürlich besonders stark und ich wurde wieder traurig. Wie gesegnet Frau und Sohn doch waren, so sehr geliebt zu werden:

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Anschließend ging es weiter durch den Wald:

bis zu einer tollen Aussicht, über einen See:

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Als ich im nächsten Ort ankam, beschloß ich, nach meinen Blasen zu sehen und eventuell die Fäden heraus zu ziehen. In dem Augenblick kamen zwei Frauen vorbei, die Krankenschwestern waren und schüttelten den Kopf, als ich ein neues Pflaster, auf meinen noch immer vor sich hin suppenden Zeh, kleben wollte . Dann holten sie aus ihrem Rucksack eine Kompresse und Klebeband und befestigten es damit, auf der Wunde. Auch das war, wie sich hinterher heraus stellte, die richtige Entscheidung. Schließlich drückten sie mir noch ein Blasenpflaster in die Hand und zeigten auf eine Stelle am Fuß, die noch gar keine Blase hatte. Sie sagten, da würde die Nächste kommen, wenn ich das nicht sofort abklebte und gingen weiter. Ich bedankte mich bei Ihnen und Gott, daß er mir die beiden im rechten Augenblick vorbei geschickt hatte. Von all den Pilgern, in dem Augenblick, auf zwei Krankenschwestern zu treffen, war schon extrem unwahrscheinlich und doch waren sie auf einmal da. Da ich mir aber nicht vorstellen konnte, daß an der angedeuteten Stelle wirklich eine Blase kommen würde, steckte ich das Pflaster erst einmal ein, um es mir für den Notfall aufzusparen. Ich hatte mich zwar mit Pflastern eingedeckt. Aber nur mit den billigsten und die beiden hatten mir ein richtig teures Blasenpflaster geschenkt. Das wollte ich in dem Augenblick nicht verschwenden. Wie sich später jedoch heraus stellte, behielten sie Recht und ich bekam genau an der prophezeiten Stelle, tatsächlich eine Blase. Ich war sprachlos. Ich schwor mir dann, zukünftig auf einen solchen Rat zu hören, wenn ich noch einmal einen bekommen sollte. Bevor ich den Ort verließ, an dem ich meine Füße versorgt hatte, freute ich mich auch hier wieder, die kleinen Pilgerandenken zu sehen:

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Nach einer Weile kam ich immer näher, an den See heran. Es war wirklich schade, daß es so düster war, sonst hätten die Videos und Fotos ganz sicher noch viel schöner gewirkt. Aber so ist es auf dem Jakobsweg, wie auch im Leben generell. Man muß es nehmen, wie es kommt und dann eben das Beste draus machen:

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Anschließend ging es durch kleine Gassen wieder nach oben und etwas später, auch aus dem Dorf. Als dann große Steine kamen, auf denen es abwärts in den Wald ging, habe ich erneut versucht, während des Laufens zu filmen; um einen intensiveren Eindruck, vom Weg zu vermitteln. Da es ja anfangs bergab und später über unebenen Boden ging, war die ruhige Kameraführung allerdings, nicht ganz so einfach.:

Etwas später, kam ich zu einem langen Drahtzaun, an dem überall von Hand gefertigte Kreuze aus den herumliegenden Ästen, befestigt waren. So etwas hatte ich ja noch nie gesehen. Ich nahm an, daß die Pilger, im Gedenken an ihre Verstorbenen diese hinterlassen hatten:

Nachdem ich fertig war mit filmen, kam noch einmal ein anderer Zaun mit neuen Kreuzen und so befestigte ich dann auch ich im Gedenken, an meine verstorbenen Großeltern und zwei andere liebe Frauen, die ich an den Krebs verloren hatte, ein Kreuz am Zaun:

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Doch zuvor traf ich Barbara auf diesem schönen Wegstück links wieder:

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Sie erkundigte sich nach meinem Empfinden und sprach erneut ihre Bewunderung aus. Sie sagte, daß sie ihren Mädels, bereits von mir erzählt hatte. Ich wußte zwar nicht, wer das war, freute mich aber darüber. Sie sagte, sie könne gar nicht glauben, wie (emotional) stark ich sei und wie viel Gottvertrauen ich hätte. Auch sie hatte mich gefragt, ob ich keine Angst hätte, den Weg allein zu laufen. Das verneinte ich und sagte ihr, daß ich ja schließlich den Jakobsweg gehe und Gott immer bei mir ist. Was soll mir denn da passieren? Wenn ich irgendwo sicher bin, dann doch hier. Und das empfand und meinte ich auch so. Sie staunte, holte ihr Handy heraus und machte ein Foto von uns. Sie sagte, da sie mich jetzt schon zum zweiten Mal gesehen hatte, mußte sie unbedingt ein Foto von uns Beiden machen. Ich machte im Anschluß, dasselbe mit meinem Handy. Da ich aber nicht weiß, ob ihr eine Veröffentlichung dieses Bildes hier recht wäre, werde ich es auch nicht abbilden. Anschließend trennten wir uns wieder.

Wieder im Wald, sah ich dann diese interessanten Figuren und stellte mich für ein Foto hinter sie:

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Nach dieser Pilgerfigur, mit den angemalten Schuhen (gelb für Santiago de Compostela und blau für Fatima als Ziel), ging es weiter durch den Wald:

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Aber schon nach kurzer Zeit, wurde es sehr windig und fing an zu regnen:

Also kramte ich nach dem Video, mein 8 Euro Regencape aus dem Rucksack und fragte lachend eine vorbei kommende Pilgerin, ob sie mal ein Bild, von mir in diesem schicken Teil machen könnte. Ich sah aus wie ein schwarzer Luftballon. Noch ein bißchen mehr Wind und ich würde wahrscheinlich abheben:

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Vorsichtshalber, verpackte ich meine Technik, doch noch mal in Zippbeuteln. Sicher ist sicher! Und dann fing es auch tatsächlich, richtig an, zu schütten. Ich war so erleichtert, als ich eine offene Kapelle fand, in die sich auch schon eine andere Pilgerin geflüchtet hatte. Das Regencape schien zwar dicht zu sein. Allerdings, hatte es vorne nur ein paar Druckknöpfe und durch den Wind, kam der Regen durch die Lücken. Gut, daß ich mein Handy in dem Zipbeutel hatte. Ich stellte meine Stöcke ab und stempelte meinen Pilgerausweis. (In vielen Geschäften, Kapellen oder auch Herbergen, kann man sich den Stempel selber geben. Ist ja auch eigentlich wurscht, wer den gibt. Denn da ist da!) Leider tropfte aber etwas Wasser von meiner Kleidung, auf meine vorherigen Stempel, was ich sehr schade fand, da sie deshalb leicht verliefen. Ich versuchte die Wasserflecken weg zu tupfen und steckte anschließend, den Ausweis wieder in meine Tasche. Jetzt erst fiel mir auf, wie mystisch diese Kapelle, so ganz ohne elektrisches Licht, nur von Kerzenschein erleuchtet, eigentlich wirkte. Das Unwetter draußen, verstärkte den Eindruck natürlich noch. Auch das versuchte ich in einem Video einzufangen:

Die Pilgerin und ich beschlossen, den Regenguß abzuwarten, der sich ja gleich, bestimmt wieder geben würde.

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Aber irgendwie verbesserte sich nichts. Dann kam mit einem Mal die Gruppe, der Amerikanerinnen vorbei gelaufen, die mir in Rubiães, das Desinfektionsmittel geschenkt hatten. Ich rief ihnen zu, daß sie in die Kapelle kommen sollten, wenn sie einen Stempel haben wollten. Natürlich wollten sie und ich zeigte ihnen, wo er war. Während dessen nahm das Unwetter draußen, immer mehr zu und nach einem Blick auf meine Wetterapp, zeigte sich, daß abwarten nichts bringen würde. Als ich mit Entsetzen fest stellte, wie das Regenwasser auf der Sraße, sich zu immer größeren Fützen ansammelte, wußte ich, daß wir alle weiter gehen sollten. Die Pilgerin, die ich bei meiner Ankunft getroffen hatte, machte sich sofort auf den Weg. Kurz bevor auch die Amerikanerinnen und ich gehen wollten, schaute ich, einer inneren Eingebung folgend, noch mal auf mein Handy. Gott sei Dank! Denn da ich whatsapp Nachrichten, grundsätzlich auf lautlos stelle, hätte ich die wichtige Nachricht von Su sonst verpaßt. Sie warnte mich eindringlich vor dem Complementario. Da ich bisher keinen Reiseführer gelesen hatte, wußte ich natürlich erst mal nicht, was das sein sollte. Ich fragte die Amerikanerinnen und diese hatten, den Reiseführer, gelesen. Sie erzählten mir, daß dies eine Abzweigung nach Pontevedra sei, die noch kommen würde. Das ist im Prinzip, ein wunderschöner Naturweg, aber nur bei gutem Wetter. Su erzählte mir später, daß sie mit einer Gruppe unterwegs war, die alle bis zu den Knien im Schlamm und Wasser steckten. Die Flüsse waren über die Ufer getreten und sie versuchten sich da durch zu kämpfen, um da raus zu kommen. Ich besprach mich mit den Amerikanerinnen und fragte sie, ob sie wüßten, wo der Complementario genau sei. Sie meinten, das sei eine Abzweigung, die wohl kurz bevor stand. Und noch heute, bekomme ich eine totale Gänsehaut, wenn ich daran zurück denke. Da der Regen nun schon waagerecht zu kommen schien und überall hin peitsche, zog ich meinen roten Poncho, zusätzlich über. Gemeinsam gingen wir hinaus und versuchten uns zu beeilen. Die kleinen Rinnsaale an der Seite der Sraße, waren bereits über die Ufer getreten und es war das erste Mal, daß ich Angst bekam. Sowas kannte ich nur aus dem Fernsehen. Von überall kam das Wasser und ich versuchte mich innerlich zu beruhigen. Dann sah ich, was Su meinte. Wieder zwei verschiedene Wegweiser, wo einer sichtbar in die Natur führte und der andere, nur langweilig an der Straße lang. Ohne Sus Warnung, hätten wir alle, den Naturweg genommen. Nur durch ihre Warnung und eine innere Stimme, die mir sagte, noch mal auf mein Handy zu sehen, wurden wir vor diesem Desaster bewahrt. Dieses Mal, beschloß ich bei den anderen zu bleiben, da wir als Gruppe, die besseren Chancen hatten, hier durch zu kommen. Wir hielten unsere Ponchos fest, die flatterten, wie kleine Fähnchen im Wind und versuchten uns gemeinsam durch hohe Pfützen, Sturm und vorbei an herunter kommenden Wassermassen, zu kämpfen. Wenn dieser Weg an der Straße, schon so schlimm aussah, dann wollten wir gar nicht erst wissen, was uns auf dem Naturweg, gedroht hätte. Und immer, wenn die Angst durchkommen wollte, betete ich innerlich zu Gott und versuchte mir immer wieder zu sagen, daß er uns doch nicht die Warnung geschickt hätte, um uns hier verunglücken zu lassen. Irgendwann sahen wir ein Polizeiauto, durch die Wassermassen auf uns zu fahren und waren erleichtert, als wir sahen, daß der Polizist kurz nach uns Ausschau hielt. Als er sah, daß alles in Ordnung war, fuhr er weiter. Wahrscheinlich auf der Suche nach einzelnen Pilgern, die nicht mehr weiter kamen. Wir hatten großes Glück, denn kurz danach, kam Pontevedra in Sicht. Ich war so unglaublich dankbar und erleichtert, daß ich laut schrie und im Regen tanzte. Wir waren hier durch gekommen. Alle. Heile. Danke Gott! Ein Mann, der sich bei einem Gebäude untergestellt hatte, guckte mich befremdlich an und ich lachte noch lauter. Was der jetzt dachte, war mir wirklich, zum ersten Mal in meinem Leben, scheißegal! Ich war nur noch glücklich und dankbar. Genauso wie die Amerikanerinnen. Der Mann muß echt gedacht haben, daß wir alle einen an der Waffel haben. Getreu dem Motto. „Die spinnen, die Pilger!“ Ich lachte nur, am meisten über mich selbst. Ich hielt mein Gesicht in den strömenden Regen und war so glücklich!

In der Stadt trennten wir uns dann, da sie woanders als ich, übernachteten.

Als ich die Pension betrat, die nichts anderes, als eine große Wohnung war; wo nicht nur die Besitzerin, als auch, deren riesige Familie wohnten, staunte ich über die Einrichtung. Ich hatten den Eindruck, als würde ich in eine andere Zeit eintreten.

Als erstes jedoch, zog ich alle nassen Sachen aus und hängte sie, an die Gaderobe. Die Schuhe stellte ich, auf das überall bereit gestellte Zeitungspapier und war froh, daß die Besitzerin, eine Standheizung, angemacht hatte. Als ich die Zimmertür öffnete, mußte ich kurz lachen. Ich hatte noch nie in meinem Leben, ein rautenförmiges Zimmer gesehen. Auf dem Foto, kommt das leider nicht so gut rüber.

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Ich bedankte mich nochmal bei Su und sah ihr beim Schuhe Fönen zu. Nachdem ich geduscht und mir trockene Kleidung angezogen hatte, machte ich noch ein paar Bilder von der Wohnung und konnte mir das Grinsen, immer noch nicht verkneifen:

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Da der Regen komplett aufgehört und ich Hunger hatte, machte ich mich auf den Weg in die Stadt. Damit meine Regensachen wenigstens eine Chance zu trocknen hatten, lies ich sie da. Aber natürlich kam, was kommen mußte. Es fing, ganz plözlich an, erneut zu regnen. Eigentlich hätte ich mir das ja denken können und ich seuftze. Doch bevor es richtig los ging , sah ich plötzlich am Boden und zwar direkt vor meinen Füßen, einen Regenschirm. Das ist jetzt wirklich kein Witz! Da hatte jemand, wahrscheinlich aus der großen Touristengruppe, die vor mir her gegangen war, einen Schirm hin geschmissen. Gut, er war ein bißchen verbogen und verbeult. Aber, funktionierte wenigstens noch. Ich war unglaublich berührt und dachte mir nur, das glaubt Dir kein Mensch! Drei Wunder, an einem Tag. Für die meisten Menschen wahrscheinlich, ein Zufall. Nein, drei Zufälle. Aber für mich, sind und bleiben es drei WUNDER.

1: Die zwei Krankenschwestern zur rechten Zeit

2: Sus Warnung und die innere Eingebung, nochmal auf mein Handy zu sehen, damit ich sie rechtzeitig bekommen konnte

3: Der Schirm. Es fängt an zu regnen und vor meinen Füßen, liegt ein zwar zerdellter, aber funktionierender Regenschirm.

Das war so wundervoll für mich! Daraufhin machte ich ein paar Bilder und Videos von der Innenstadt und freut mich nach dem Regenguß, wieder über die ab und zu durchkommende Sonne:

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Das Kloster und die Kirche fand ich sehr schön und weil ich so eine Dankbarkeit empfand, hätte ich gerne eine Messe miterlebt. Aber leider gab es zu dieser Zeit, wohl keine. Also ging ich noch ein bißchen durch die Straßen und schaute, wo ich günstig etwas zu Essen bekommen könnte. Ich ging eine ganze Weile und kam irgendwann, wieder kurz vor der Kirche an. Mit einem Mal, winkte mir das deutsche Pärchen zu, welches ich schon in Rubiães getroffen und ihnen den Weg zum „Supermarkt“ gezeigt hatte; sowie in O Porriño, wo sie mich nach meinen Beweggründen für den Jakobsweg gefragt hatten. Ich ging erfreut zu ihnen und sie erzählten mir, daß sie gerade in der Kirche waren, um diese zu besichtigen. Aber dann, hatte wohl, sowas wie ein Gottesdienst angefangen, da sind sie wieder gegangen. Da sie sich aber, noch daran erinnerten, daß ich gläubig sei, wäre das doch sicher was für mich. Ich fragte sie, wann das war und sie sagten, gerade eben. Ich bedankte mich und rannte aufgeregt zur Kirche, von der ich nur wenige Meter entfernt war. Ich hatte sogar noch mehr Glück, denn es war nur das Ave Maria und die eigentliche Messe, hatte noch gar nicht angefangen.

Im Anschluß, ging ich in einen Supermarkt und deckte mich mit Lebensmitteln ein. Da Su mir, am Abend zuvor so viel von ihrem Essen geschenkt hatte, kaufte ich für uns Beide, genügend Vorrat für den nächsten Tag und staunte nicht schlecht, als Su mir dann sagte, daß sie ebenfalls wieder etwas für uns gekauft hatte. Jetzt hatten wir wirklich viel zu Essen! Als ich merkte, daß meine Schuhe einfach nicht trocknen wollten, schnappte ich mir ebenfalls den Fön und versuchte meine Schuhe trocken zu kriegen. Denn mit nassen Wanderschuhen zu laufen, war absolut nicht schön! Ich guckte ganz schön blöd aus der Wäsche, als der dann einfach ausging. „Überhitzt“, sagte Su. „Du darfst den nicht in den Schuh rein halten. Der Fön ist alt! Der geht dann aus.“ Ooops dachte ich. Nach einer Weile, ging er glücklicherweise, trotzdem wieder an und ich versuchte erneut mein Bestes. Bevor wir schlafen gingen, konnten wir nicht umhin, uns noch über das rautenförmige Zimmer, schlapp zu lachen.

Danach schrieb ich in mein Tagebuch:

6. Juni 2019

Dieser Tag war extrem verregnet, um das mal ganz gelinde auszudrücken. Jetzt wußte ich zum ersten Mal, weshalb ich das ganze Regenzeug eigentlich mitgeschleppt hatte und nicht nur das. Da ja, meine Regenjacke nicht dicht war, hatte ich mir ein Regencape gekauft, von dem ich erst mal nicht wußte, ob das auch wirklich dicht ist. Deshalb hatte ich mir noch (einer inneren Eingebung folgend) einen knallroten Poncho aus der Grabbelkiste mitgenommen. In manchen Herbergen oder Hostels, lassen Pilger ihre Sachen für andere zurück.

Und dann fing es auch an zu regnen, erst nur ganz langsam und dann immer mehr. Das schwarze Regencape erwies sich auch als dicht, nur konnte man es vorne nicht so gut schließen. Also habe ich mir den Poncho drüber gezogen, denn der Regen peitsche von allen Seiten. Kurz bevor ich vor der Wahl zwischen 2 verschiedenen Wegen stand, bekam ich eine whatsapp von Su, daß ich eine der beiden Wegvarianten auf gar keinen Fall gehen soll, weil sie bei dem Wetter gefährlich ist. Sie war gerade mit einer Gruppe dort und standest knietief im Wasser und Schlamm. Es gab kein Durchkommen. Dieser Weg wäre übrigens genau der gewesen, den ich genommen hätte; da der Naturweg bekanntlich schöner, als der an der Hauptverkehrsstraße ist.

Also entschied ich mich natürlich, für den ungefährlicheren Weg. Das Wasser sammelte sich aber auch hier schon in riesigen Fützen und die kleinen Wasserläufe an der Seite, begannen über zu treten. Die Sicht war schlecht und jetzt wußte ich auch, wofür der rote Poncho da war. Nämlich damit ich von den Autofahrern gut gesehen werde.

Als ich später in unserer Unterkunft ankam, hörte es dann auf zu regnen und ich ging in die Stadt. Aber ohne das ganze Regengedöns. Dann plötzlich fing es wieder an und es ist unglaublich, was direkt vor meiner Nase lag… Ein Schirm, nur leicht angedellt, aber funktionsfähig. Den hatte jemand aus der großen Touristengruppe vor mir, dort hin geschmissen, weil er ihn aufgrund des Knicks in der Optik, wohl nicht mehr wollte.

Es war dann auch nicht verwunderlich, daß mir etwas später zwei Deutsche aus einer der vorletzten Unterkünfte begegneten und mitteilten, daß gerade ein Gottesdienst in der Kirche nur 1 Minute von mir entfernt begann. Das wäre doch was für mich. (Sie selbst waren nicht gläubig.) Ich hastete hin und mußte heulen, weil ich das kurz zuvor noch gedacht hatte, wie schön es doch wäre mal wieder zur Messe zu gehen und nun war ich dort.

Das ist nur ein kleines Beispiel von all den kleinen und großen Wundern des Jakobswegs. Mir liefen die Tränen vor Glück.

Mein Jakobsweg – zehnter Tag von O Porriño nach Cesantes

Da ich glaubte, die schlimmsten Hüftschmerzen bereits hinter mir zu haben, nahm ich gar keine Schmerztablette, vor dem Schlafen. Umso furchtbarer war dann allerdings, mitten in der Nacht das Erwachen, als alle Schmerzmittel restlos aus dem Körper geschwemmt und die Schmerzen somit wieder da waren. Ich hatte mich verschätzt. Durch die ständige Einnahme, des Ibusprofens, hatte ich geglaubt, daß die Schmerzen weg wären. „Wie blöd, kann man nur sein?“, schimpfte ich innerlich mit mir und bekam Panik, daß ich meinen Rucksack tragen müßte. Ich hatte ihn nämlich nicht zum Transport angemeldet, weil ich ja von meiner Heilung überzeugt war. „Oh mein Gott, wenn ich den jetzt tragen muß. Wie soll ich das denn schaffen? Nein!“ Ich betete innerlich zu Gott, daß es am nächsten Tag, doch noch irgendwie möglich wäre, den trotzdem noch weg zu schicken. Und tatsächlich. Ein paar Sunden später, kam eine der netten Betreiberinnen des Hostels und rief den Transportservice an. Ich war positiv überrascht, daß es sogar nur noch 5 Euro kostete. Su und ich, die sich ebenfalls wieder, spontan fürs verschicken entschieden hatte, guckten ganz erstaunt. Die Mitarbeiterin lachte: „Was habt ihr bezahlt? 7 Euro? Da haben sie euch aber übers Ohr gehauen. Das kostet hier in Spanien immer nur 5 Euro, pro Etappe.“ Su und ich waren aber viel zu erleichtert, um uns darüber zu ärgern und beschlossen, gemeinsam zu frühstücken. Um die Ecke, gab es ein tolles Cafe und dort war es üblich, zu dem extrem günstigen Kaffee, noch gratis etwas Gebäck zu bekommen. Das wollten wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Denn so ein kostenloses Extra, gibt es in Deutschland, meines Wissens nicht. Und als wir dort saßen, setzte sich auch noch eine andere nette Pilgerinnen zu uns an den Tisch. Es war ein wirklich schöner und entspannter Morgen.

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Nach dem Frühstück, trennten sich unsere Wege erst mal wieder und ich war froh, daß es zwar total bewölkt, aber wenigstens nicht regnerisch war.

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Besonders amüsant fand ich dann dieses Straßenschild. Während bei uns vor Wildwechsel gewarnt wird, wurde hier vor Pilgern gewarnt. Ich finde es immer noch lustig und muß beim Anblick des Fotos, erneut grinsen:

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Ich war richtig froh, als es sich nach und nach etwas aufklarte. Es ist wirklich schöner, mit wenigstens einem Hauch von Sonnenschein zu pilgern. Als alles nur, grau in grau, zu sehen.

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Gegen 11 Uhr kam ich dann an dieser schönen Kirche in Mos an und ging hinein:

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Ich war beeindruckt von all den schönen Figuren und der Atmoshäre. Aber auch davon, wie viel man in einen so kleinen Raum packen kann. Wahnsinn. Teils wirkte die Kirche, wie so eine kleine Höhle mit einer großen Schatzkammer, voller kostbarer Figuren.

Als ich zu den ganzen Kerzen kam, spürte ich mir, das tiefe Bedürftnis, eine für meinen Vater zu entzünden. Ich hatte die ganze Zeit über an ihn denken müssen. Eigentlich jeden Tag. Versunken in guten, wie in traurigen Erinnerungen. Ein Teil von mir, vermißte ihn noch immer. Auch wenn er, diesen Kontakt ablehnte und mir nicht mal mehr auch nur eine Zeile schrieb. Dennoch ist da ein Teil, das innere Kind in mir, welches von ihm verlassen wurde und ihn trotzdem jeden einzelnen Tag vermißt. Ich habe ja in meinem letzten Beitrag davon berichtet. Ich hatte nur nicht erwähnt, daß es mein größter Schmerz war, von meinem Vater verlassen worden zu sein und nicht nicht der, von einem Mann, wie du vielleicht dachtest.

Auch wenn das bereits einmal passiert war. Aber der Schmerz darüber, ist lange verwunden. Der Schmerz zu meinem Vater hin, jedoch nicht.

Ich weiß, daß ich ihm nie genügen kann. Es gibt wohl nichts, was er nicht im praktischen Sinne, besser beherrscht als ich und sowas wie mit der Hüfte, wäre ihm gewiß nie passiert. Dafür ist er viel zu erfahren. Ich wußte all diese Dinge und doch hatte ich in meinem Herzen ganz stark das Bedürftnis, ein Zeichen der Liebe und Hoffnung zu setzen. Ich hatte das Gefühl zu spüren, daß er diese Kerze nötig hatte. Das irgend etwas in seinem Inneren traurig war. Vielleicht habe ich mir das auch nur eingebildet und es war meine eigene Traurigkeit, die ich auf ihn projiziert habe?

Ich machte für ihn, diese Kerze an und ich wollte, daß er das auch weiß. Das er es spürt oder wenigstens liest. Das hätte aber voraus gesetzt, daß er sich für meine Facebookeinträge interessiert. Geschweige denn, daß er sich überhaupt für mich interessiert. Heute weiß ich, daß er das wohl nicht getan hat und all dies nur meinem Wunschdenken entsprach. Trotzdem war es mir in diesem Augenblick wichtig und gab mir für einen kostbaren Moment, ein Stück weit inneren Frieden und eine innere Verbundenheit. Wenn auch nur in meinen (Wunsch-) Gedanken.

Als ich aus der Kirche hinaus trat, sah ich Su wieder, die mir einen tollen Ring präsentierte, den sie, in einem Tourishop gekauft hatte. Ich war begeistert und ging ebenfalls hinein. Ich hoffte nach wie vor, eine schöne Kette, mit einer kleinen silbernen Jakobsmuschel zu finden. Aber auch hier, war das nicht der Fall. Dafür kaufte ich mir, diesen schönen Ring. Innen drin steht Ultreia und außen sind abwechselnd, die Pfeile und Jakobsmuscheln zu sehen. Ultreia ist übrigens ein alter Pilgergruß, der aufmuntern und mutmachen soll. Er bedeutet so viel, wie „Vorwärts! Weiter!“

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Es gibt sogar ein deutsches Pilgerlied dazu. Hier ist der Text:

‚Ultreia‘ – Lied der Pilger am Jakobsweg Melodie und Worte: Jean-Claude BENAZET, F 1989 * deutscher Liedtext , 2017, Meinrad Schneckenleithner

1. An jedem Morgen, müssen wir weiter, am Morgen treibt es uns hinaus und Tag um Tag erklingt ein Lied so hell, ertönt der Ruf, von Compostelle!

Ref.: Ul – tre – i – a, Ul – tre – i – a, Su – sei – a, Deus ad – juva nos!

2. Der Weg verbindet ganz Europa, von weit im Osten, bis nach West, im Guten leben wir hier zusammen, es soll nichts kommen was uns trennt! Ref.:

3. Ein Weg auf Erden, ein Ruf des Glaubens, an Jesus Christ, den Menschensohn, so haben wir ein Bild vor Augen, Nur keine Angst – die Liebe lohnt! Ref.:

4. Zu Jakobs Grab sind schon viele gegangen, geführt von Sternen, Tag und Nacht, so geh’n auch wir den Weg zusammen. ans End‘ der Welt, nach Finisterre! Ref.:

Das ist ein wirklich schönes Lied und die Musik dazu, erinnert ans Mittelalter.

Irgendwann fiel mir an den Wegweisern auf, daß die letzten 100 km bereits überschritten waren und ich sah diesen kleinen Teddybär, an einen von ihnen gelehnt. Ich fragte mich, welchem Kind er wohl gehört hatte. Wie ich bereits schrieb, hinterlassen die Pilger, viele Dinge. Man kann nur erahnen, welche tiefere Bedutung dahinter steckt. Der Anblick des Teddybärs machte sowohl mich als Erwachsene, als auch mein inneres Kind sehr traurig und für einen Moment stand die Welt in mir still:

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Nachdem ich eine ganze Weile schweigend und in mich gekehrt, weiter gegangen war, kam ich an einen interessanten Platz, wo eine Statue, sofort meine Aufmerksamkeit erregte. Ich erkannte mich in ihr wieder. Wie oft ging es mir so, wie dieser Steinfigur und deshalb nahm ich einen Stein vom Boden auf und legte ihn der Figur, ebenfalls in den Arm. Besonders berührte mich, daß auch andere Pilger dieser Frau, bereits viele Steine in den Arm gelegt hatten. Schläge, seien sie nun seelisch oder körperlich verursachen Demütigung und unglaublichen Schmerz… wie viele Male, hatte ich das in meinem Leben schon erdulden müssen. Und es tröstete mich die Anteilnahme, in Form dieser kleinen Steine zu sehen.

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Im Anschluß folgte wieder eine schönen Strecke durch den Wald und das Beste war, daß immer mehr die Sonne durch kam.

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Nach dem Wegstück durch den Wald, wechselte wieder das Panorama und meine Laune hob sich:

Besonders, als ich in der nächsten Ortschaft, diese liebevolle Dekoration, von den Anwohnern, für die Pilger in Form dieser bepflanzten Wanderschuhe sah. Genauso wie umgekehrt, die Antwort der Pilger, durch die mit lauter Steinen, gefüllte Jakobsmuschel:

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Das sind alles so Kleinigkeiten, die dem Herzen gut tun, wenn man sie entdeckt.

Je näher es auf Redondela zuging, desto schöner fand ich die Landschaft. Ich liebe ja Weinreben, Berge und überhaupt die Natur. Es war so ein Balsam für meine Seele, all das um mich herum gehabt zu haben:

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Kurz vor Redondela, sah ich dann wieder eine dieser lustigen Figuren und bat den nächsten vorbei kommenden Pilger, um ein Foto:

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Es dauerte auch tatsächlich nicht mehr lange, bis ich in Redondela selbst ankam. Kurz nach dem Ortseingang, traf ich Su. Da unsere nächste Herberge etwas abgelegen war, hatte die Besitzerin angeboten, Su abzuholen, da sie sowieso in der Nähe zum einkaufen war. Su fragte, ob ich auch mit fahren wollte, aber ich lehnte dankend ab. Ich wollte mir lieber Redondela ansehen und würde schon irgendwie dahin finden. Schließlich hatte ich ja noch die Googlemapsapp auf meinem Handy.

Und es lohnte sich auch Redondela zu besichtigen. Ich fand es sogar sehr bedauerlich, nur so wenig Zeit dort verbringen zu können. Denn im Gegensatz zu O Porriño, war Redondela wirklich ein schönes Städtchen:

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Ich überlegte kurz, ob ich noch irgendwo etwas essen sollte, entschied mich, aufgrund der Preise, aber dagegen. Ich beschloß, einfach später etwas einzukaufen und lieber selbst zu kochen.

Durch meine Sightseeingtour, war ich etwas vom Weg abgekommen und schaltete Googlemaps ein. Was ich dabei aber nicht beachtet hatte, war, daß ich wohl die Version fürs Auto an hatte. So wußte ich auch erst gar nicht, warum die Autofahrer, auf der viel befahrenen Straße, ständig wie wild hupten. Irgendwann ging mir auf, daß ich da wahrscheinlich gar nicht laufen durfte. 🙈 Also überlegte ich fieberhaft, wie ich jetzt von dieser Straße wieder weg kommen könnte und kletterte runter zu einem kleinen Bach. Dank meiner Wanderstöcke, konnte ich diesen auch sehr gut überqueren. Nachdem ich mich ein wenig, durchs Gestrüpp gekämpft hatte, kam ich dann über Feldwege endlich nach Cesantes. Das war wirklich abenteuerlich. Besonders mit meiner Hüfte, die sich bei jedem Kletterversuch erneut beschwerte. Ich war richtig glücklich, als ich endlich in der Herberge ankam. Nachdem ich Su begrüßt hatte, stellte ich erstaunt fest, daß die Herberge ja kaum besucht war und ich somit freie Bettwahl hatte. Na das war mir ja auch noch nie passiert. Ich entschied mich für eine Liege, die direkt am Fenster stand und war begeistert! Das besonders Tolle aber war, daß an diesem Tag, nicht nur wenige Pilger da waren, sondern auch alle aus Deutschland kamen, was die Verständigung extrem leicht machte. Es kam auch recht schnell eine Stimmung, wie im Zeltlager auf. Wir verstanden uns alle auf Anhieb gut und unterhielten uns freudig.

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Nachdem ich geduscht hatte, lernte ich Ralf kennen. Dieser kam ebenfalls aus Deutschland, wohnte und half vorübergehend in der Herberge mit. Er war es dann auch, der mich endlich darüber aufklärte, warum sich meine Blasen, immer wieder füllten und wie ich dem Ein für Allemal ein Ende setzen konnte. Ich sollte Fäden, durch die Blasen ziehen und diese am besten über Nacht drin lassen. Dadurch konnten die Blasen richtig auslaufen und würden sich auch nicht mehr füllen.

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Und genau so war es dann auch. (Die Blasen füllten sich nicht mehr und heilten endlich aus.) Ich wünschte, daß hätte ich vorher schon gewußt. Es hätte mir unglaublich viel Leid erspart. Desweiteren erklärte er mir, daß meine Wanderschuhe, viel zu groß für meine Füße waren. Ich habe 38 1/2 und meine Wanderschuhe hatte Größe 41! 40 hätte locker ausgereicht. Also alles in allem, ein Desaster und kein Wunder, wenn ich Blasen an den Füßen hatte. Dazu noch die Wollsocken und nicht zu vergessen, daß ständige Einschmieren mit Hirschtalgcreme. Die Füße konnten ja gar nicht mehr abtrocknen. Ich hatte nämlich sogar noch vor jedem losgehen, meine Füße fleißig damit, eingeschmiert.

Als Fazit, hatte ich so ziemlich alles falsch gemacht, was man nur falsch machen kann. Innerlich schlug ich mir mit der flachen Hand vor den Kopf und schüttelte, über mich selbst, den Kopf.

Nachdem das Problem endlich geklärt war, fragte ich, wo es hier einen Supermarkt gäbe und die ernüchternde Antwort war, daß es in diesem Ort keinen gab. Ich ging vor die Tür, weil ich das irgendwie nicht glauben wollte. Lief eine Weile im Ort herum und tasächlich. Hier in Cesantes, gab es bis auf eine schöne Aussicht, irgendwie nichts.

Ich wollte jetzt aber auch nicht zurück nach Redondela laufen und kramte stattdessen in meinem Rucksack, um zu schauen, was ich noch an eßbaren da hatte. Sah nicht gut aus. Da ich wirklich Hunger hatte, machte mich das richtig traurig. Ich hätte zwar etwas zu Essen bestellen können. Das war mir aber mit 10 Euro? (genau weiß ichs nicht mehr) auch zu teuer. Also stellte ich mich deprimiert auf einen Diättag ein.

Nur etwas später, fragte mich eine der anderen Frauen aus Deutschland, ob ich etwas von ihrem Essen ab haben wollte, was sie sich bestellt hatte. Es war ihr zu viel und selbst ihre Mutter, die mit aß, konnte schon nicht mehr. Ich war so erleichtert und nahm das Essen dankbar entgegen. Und noch einen Augenblick später kam Su ebenfalls in die Küche und sagte, daß ich ihr unbedingt mit dem gekauften Essen helfen müßte, weil sie einfach zu viel geholt hatte und keine Lust, das alles Morgen wieder mit zu schleppen. Und auf einmal hatte ich mehr zu Essen, als ich essen konnte. Du kannst dir nicht vorstellen, wie glücklich ich war und ich dankte Gott dafür. Wieder ein Wunder. Ich hatte nichts gesagt, aber auf einmal hatte ich etwas zu essen. Solche Dinge, habe ich so geballt, noch nie erlebt. Für dich mag es ein Zufall gewesen sein. Aber für mich war es ein Wunder. Eins, von so vielen. Ich hatte Hunger, nichts zu essen und auf einmal, da hatte ich mehr, als ich überhaupt essen konnte. Das war so wunderbar und wieder einmal spürte ich, daß Gott mich niemals allein ließ. Wenn ich etwas auf dem Weg wirklich brauchte, habe ich es erhalten. Immer. Das ist ein Gefühl, was ich nicht beschreiben kann. Auch der Begriff Dankbarkeit, trifft es nicht mal im Ansatz!

Als ich etwas später am Abend, meine Bilder in meinen Facebookaccount hoch lud, sah ich auf einmal Ralf wieder. Dieser war bei Nachbarn zu Besuch gewesen und erstaunt, daß ich noch wach war. Ich hatte mich in die Küche zurück gezogen, damit die anderen nicht, durch das Licht meines Handydisplays, gestört wurden. Er setzte sich zu mir und wir unterhielten uns sehr lange. Ralf ist einer von den Menschen, zu dem ich sofort eine totale Sympathie empfand und nicht nur das. Es stellte sich heraus, daß er als Polizist gearbeitet und so auch mit Opfern von häuslicher Gewalt zu tun gehabt hatte. Das konnte kein Zufall sein, da ja genau das, das Thema ist, was mir besonders am Herzen liegt und worüber ich (auch künftig noch) aufklären will. Ich erzählte ihm, die Sicht des Opfers und warum es zum Beispiel oft keine Anzeige erstattet. Er hingegen, machte mich auf einige wichtige Punkte aufmerksam, die ich, sobald ich die „Befrei Dich!“ Videoreihe fortsetze, unbedingt als Information an die Opfer, weiter geben möchte. Aber auch darüber hinaus, waren das sehr schöne Gespräche. Ich weiß nicht, ob du das auch kennst? Du triffst jemanden und könntest dich stundenlang mit ihm unterhalten. Nicht aus Verliebtheit, sondern einfach aus einer totalen Sympathie heraus. Das ist wirklich etwas besonderes! (Wir haben übrigens noch immer Kontakt.)

Leider mußten wir das Gespräch irgendwann unterbrechen, da ich ja am nächsten Tag, wieder weiter laufen und wenigstens noch etwas Schlaf abbekommen wollte. Ich schrieb in mein Tagebuch:

5. Juni 2019

Es ist so unglaublich, was für Wunder auf meinem Weg passieren. Da gibt es so viele Sachen, die kann ich gar nicht alle aufzählen. Und das geht nicht nur mir so. Der Jakobsweg ist nicht einfach irgend eine Wanderstrecke. Er ist etwas ganz besonderes und obwohl ich ihn allein gehe, habe ich keine Angst, sondern fühle mich so beschützt, wie noch nie in meinem Leben. Egal was ich bisher brauchte, es kam immer irgendwie zu mir und wie gesagt, das ist nicht nur bei mir so.

Auch die Pilger, welche nicht gläubig sind, erleben Wunder. Man muß sie nur wahr nehmen und zu schätzen wissen. Ich bin so dankbar und glücklich, diesen Weg gegangen zu sein und noch zu Ende zu gehen. Der Jakobsweg hat etwas in mir verändert, was ich schwer beschreiben kann und doch da ist.

Die Kerze für meinen Vater habe ich angezündet, weil es mir ein Bedarf war. Es ist nicht, weil er tot ist, sondern, weil ich in mir das ganz starke Gefühl hatte, daß er es braucht und weil ich ihn liebe!

Im Übrigen wurde ich wieder bewundert, daß ich bisher trotz meiner Schmerzen nicht aufgegeben habe. Für mich war das selbstverständlich. Aber für andere wohl nicht. Das wiederum erstaunt mich total und ja, es freut mich auch sehr.

Mein Jakobsweg – neunter Tag von Tui nach O Porriño

Der Tag begann extrem regnerisch und da Su und ich unsere nächste Unterkunft bereits gebucht hatten, bestand auch absolut kein Grund zur Eile. Ich kramte noch meine Regenhose aus dem Rucksack und zog sie, samt der Regenacke über. Es war schon ein komisches Gefühl, so ganz ohne Regenschirm in den strömenden Regen zu gehen und vor allem nicht zu wissen, wann der aufhört. „Willkommen in Galicien!“, dachte ich da nur schmunzelnd. „Kaum da, schon fängt der Regen an!“ Das war auch der Grund, warum ich recht wenig Fotos machte. Denn mein Handy hat zwar eine super Kamera, aber regendicht, ist das leider nicht. So ganz ohne Fotos, konnte ich dann aber doch nicht auskommen und beeilte mich mit dem Knipsen:

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Camino Portugues - Tag 9-081233
Camino Portugues - Tag 9-084354
Camino Portugues - Tag 9-084424

Nach einem kleinen Stück, vorbei an der Autobahn; führte der Weg dann, in ein wunderschönes Waldstück, wo ich eine kurze Regenpause dazu nutzte, schnell etwas zu Essen. Auch hier, hatten wieder viele Pilger etwas von sich hinterlassen:

Camino Portugues - Tag 9-092111
Camino Portugues - Tag 9-092123

Lange währte die regenfreie Zeit aber nicht. Deshalb packte ich schnell alles ein und ging weiter. Leider stellte sich relativ schnell heraus, daß meine superteure Regenjacke alles war, nur nicht dicht! Teile der Jacke mit einer angeblichen Wassersäule von 20.000 Litern (das ist theoretisch extrem dicht), klebten jetzt naß an meinem Rücken. Na ganz toll! Ich war extrem frustriert und ärgerte mich. Irgendwann kam ich zu einem Cafe, wo ich auch Su wieder traf. Ich setzte mich zu ihr, bestellte einen Cafe und sah auf dem Weg zur Toilette, Regencapes für 8 Euro. Die sahen nicht sonderlich vertrauenserweckend aus, aber waren ja hoffentlich besser als nichts! Und so kaufte ich mir, das äußerst fragil aussehende Teil. Ob es dicht war, lies sich an diesem Tag aber nicht mehr heraus finden, denn natürlich hörte es, nachdem ich das Ding gekauft und mich wieder auf den Weg gemacht hatte, auf zu regnen. War ja klar. Aber immerhin, konnte ich so, diese süßen Tierfotos machen:

Camino Portugues - Tag 9-104052
Camino Portugues - Tag 9-104229

Kurz danach, kam ich wieder in ein wunderschönes Naturgebiet. Ich habe mal versucht, dieses während des Laufens zu filmen, um ein Gefühl davon zu vermitteln, wie schön es ist, dort hindurch zu pilgern:

Auch das Quaken der Frösche, überhaupt die ganze Strecke durch die Natur, war ein absoluter Traum:

Nach einer Weile kam ich dann an diesen Ort. Ich habe nicht nachgelesen, was das sein soll. Aber irgendwie wirkte es interessant:

Camino Portugues - Tag 9-111338

Etwas später jedoch, mußte ich richtig grinsen. Vor diesen zwei Schilder, hatte sich bereits eine kleine Traube Pilger versammelt und als ich genauer hinsah, wußte ich auch wieso:

Camino Portugues - Tag 9-111907

Einer der Pilger kramte aus seinem Rucksack, den Reiseführer und las ganz konzentriert darin. Nachdem er fertig war, verkündete er allen Umstehenden:

„Nach links, geht es durch die Natur. Aber der Weg dauert länger. Nach rechts, geht es durch ein Industrieviertel. Das geht schneller.“ Drei Mal darfst du raten, wofür sich alle (einschließlich mir) entschieden haben. Richtig, den Naturweg natürlich. Durchs Industrieviertel, wollte absolut keiner. Auch wenn der Weg kürzer war. Ich kannte zwar die Alternative des Industriewegs nicht, war aber im Anschluß sehr glücklich, über meine getroffene Wahl. Ganz besonders, als die Sonne, wieder richtig schön zum Vorschein kam:

Camino Portugues - Tag 9-112325
Camino Portugues - Tag 9-114528
Camino Portugues - Tag 9-112707
Camino Portugues - Tag 9-114831

Nach einer Weile kam ich zu einer Stelle, wo an einem Baum ein Spiegel hing. Das fand ich sehr interessant und fragte mich, warum der dort hing. Dieser Platz, lag abseits des Weges und war ein bißchen versteckt. Man konnte diesen Baum mit dem Spiegel, nicht sofort entdecken. Zumindest nicht, wenn man schnell ging. Ich hingegen, erblickte ihn sehr rasch und als ich näher hin kam, betrachtete ich mich darin. „Reflektion“, ging es mir durch den Kopf. „Wer bin ich, wie wirke ich? Um mich zu finden, muß ich suchen, genau hin sehen. Aufmerksam sein. Ich bin innerlich nicht immer da, wo man mich vermuten würde. Genau wie dieser Spiegel an dem Baum.“ Denn wie schon gesagt, die Stelle, war ein bißchen versteckt.

Ich sah Pilger an mir vorbei gehen und zwar ohne, daß sie mich, den Baum oder gar den Spiegel entdecken. Die Idee, war wirklich klasse. Willst du diesen Spiegel finden, dann mußt du eben besonders aufmerksam sein. Und wenn du ihn gefunden hast, beginnt schon die nächste Herausforderung. Denn nur, weil du in den Spiegel siehst, heißt das noch immer nicht, daß du dich auch wirklich erkannt hast. Aber du bist vielleicht auf einem guten Weg dorthin.

Nun, ich bin ja, den Jakobsweg NICHT gegangen, weil ich mich selbst finden wollte. Ich wußte genau wer ich war und zwar mit all meinen Stärken und Schwächen. Ich lächelte, doch war das Lächeln eigentlich echt? Oder war es nur eingeübt, automatisiert. So wie bei Fotos „Cheese!“ gesagt wird. Ich stellte fest, daß es unecht war. Warum?

Ich wußte wer ich war, also wo lag das Problem? Warum konnte ich trotzdem nicht mit dem Herzen lächeln? Genauso wie weinen? Wo waren alle meine Gefühle eigentlich? Was war da los? Was stimmte denn nicht mit mir? Ich haßte mich mit einem Mal und dann sah ich es. Das Problem. Ich wußte zwar wer ich war, aber ich konnte mich nicht annehmen. Fühlte mich immer minderwertig. Egal was ich machte, es reichte nie. Es war nie gut genug. Sei es künstlerisch oder auch in anderen Bereichen. Egal wo, immer war jemand besser und letzten Endes wurde ich verlassen. Weil ich nicht gut genug war. Weil ich schwach war. Weil ich krank war. Weil ich Fehler machte. Weil ich nicht perfekt war. Weil man mich nicht vorzeigen konnte. Weil ich keine Kinder haben konnte, ja nicht mal das. Weil ich einfach gar nichts im Leben erreicht habe. Weil alles, was ich aufgebaut habe, doch wieder abgerissen wurde. Ich bin nichts und ich habe nichts wirklich wichtiges zu geben. Geld am wenigsten. Und trotzdem will ich jemand sein, der geliebt werden kann. „Aber einen Menschen wie mich, kann man den überhaupt lieben?“

„Halte ich mich selbst eigentlich für liebenswert?“ „Nein!“, die Antwort war ganz einfach „Nein!“ Es reichte also nicht, mich selbst zu finden. Ich mußte lernen, mich selbst zu lieben. Nur dann, konnte ich wirklich etwas in meinem Leben verändern.

Heißt es nicht auch „Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst?“ Ich habe aber weder meinen Nächsten und erst recht nicht, mich selbst geliebt. „Überhaupt, was ist Selbstliebe? Was ist der Unterschied, zwischen Selbstliebe und Egoismus?“ Tief in Gedanken versunken, ging ich weiter. Wie sollte ich denn lernen, mich selbst zu lieben? Mich anzunehmen, ohne egoistisch zu sein? “ Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst!“ „Ja, ja… Sagt sich so leicht. Ist es aber nicht!“ Wie geht das denn? Geht das überhaupt? Ich hatte keine Ahnung und war absolut ratlos!

Camino Portugues - Tag 9-124436
Camino Portugues - Tag 9-124708

Irgendwann lenkten mich meine Blasen an den Füßen, von meinen Gedankengängen ab. Ich konnte nur noch humpeln und wußte, was jetzt wieder dran war. Schuhe ausziehen, Nadel desinfizieren und Blasen aufstechen. Es tat, wie immer, höllisch weh! Ich nahm eine der letzten 600 er Ibus und hoffte, daß sie schnell wirken würde. Eigentlich wollte ich mir die für die Nacht zum Schlafen aufbewahren, aber Laufen mußte ich ja auch noch irgendwie. Die Tablette nahm meine Schmerzen zwar nicht komplett weg, aber machte sie soweit erträglich, daß ich wieder einigermaßen normal laufen konnte. Zum Einen, was die Probleme in der Hüfte anging (von denen sich jetzt heraus gestellt hat, daß sie durch eine Schleimbeutelentzündung hervor gerufen wurden, die im Übrigen, immer noch nicht weg ist) und dann natürlich, die aufgestochenen Blasen. Ich verband meine Füße, so gut es eben ging und humpelte einfach weiter. Ich kannte die Prozedur nun schon in und auswendig. Ein bißchen warten, dann würde die Tablette wirken und ich könnte wieder besser Laufen. (Meine Wanderstöcke, waren mir dabei übrigens auch eine große Geh-Hilfe.) Das das Ganze, nicht ideal war, wußte ich natürlich. Aber ich wollte partout nicht aufgeben!

Das erzählte ich auch Barbara, einer sehr lieben Frau aus Amerika, die sich wunderte, daß ich zwar langsam humpelte, aber trotzdem, immer noch weiter ging. Ich sagte ihr voller Entschlossenheit, daß ich niemals aufgeben werde und beim Arzt rumheulen, könnte ich ja dann immer noch genug, wenn ich wieder Zuhause wäre. Sie sprach mir offen, ihre Bewunderung aus und das, freute mich total. Denn manchmal hatte ich schon ein schlechtes Gefühl, weil ich, im Gegensatz zu manch anderen, meinen schweren Rucksack, nicht mehr trug. Aber wenigstens, ging ich überhaupt noch.

Dann verabschiedeten wir uns wieder und ich war auch froh, endlich in O Porriño angekommen zu sein. Allerdings hatte Su mit ihrer Aussage „O Porriño ist nicht schön!“ Recht gehabt. O Porriño war auch in meinen Augen, absolut nicht schön! Von all den Orten, wo ich bisher war, empfand ich diesen, als den mit Abstand häßlichsten. Er paßte, nach all den tollen Orten und Landschaften, so gar nicht zum Idyll des Jakobsweg! Aber wenigstens, war das Hostel in Ordnung und ich fand die Idee mit den zuziehbaren Vorhängen, ganz toll. Da hatte ich zum ersten Mal wieder ein bißchen Privatsphäre:

Camino Portugues - Tag 9-160859

Nachdem ich meine Sachen zum Trocknen aufgehangen hatte, traf ich im Aufenthaltsraum das Pärchen aus Rubiães wieder. Sie sagten noch einmal, wie froh sie gewesen waren, daß ich ihnen gezeigt hatte, wo der Eingang zum „Supermarkt“ war. Sie hätten den, nämlich ohne mich, nicht gefunden. Anschließend fragten sie mich nach meiner Motivation, den Jakobsweg zu gehen. Ich antwortete ihnen, daß ich auf der Suche nach innerem Frieden, Vergebung, meinen Gefühlen und einem tieferen Kontakt zu Gott sei. Sie erzählten mir daraufhin, daß sie jeden Pilger, den sie trafen, nach seiner Motivation fragten und ich sei erst die Zweite, die auch aus religiösen Gründen heraus geht. Ich sagte ihnen, daß sie da noch ein paar Menschen mit hinzu nehmen könnten. Nämlich die Pilger aus der italienischen Gemeinde, welche ich getroffen hatte. Ganz so trostlos, sah es dann ja doch nicht aus. 😉 Ich weiß nicht, warum sie alle Pilger fragten, sie selbst konnten mir da auch keine wirkliche Antwort darauf geben. Ihre Motivation war touristisch. Ich dachte an die Worte des Herbergsvaters in Tamel und mußte grinsen:

„Selbst die Pilger, welche sich ja NUR die Natur angucken wollen, werden spätestens, wenn sie Zuhause sind merken, daß sich irgendetwas in ihnen verändert hat, was sie vorher gar nicht gedacht hätten! Das wissen sie nur noch nicht!“

Da ich mir aber trotzdem noch die Stadt ansehen und danach etwas essen gehen wollte, verabschiedete ich mich von den Beiden.

Besonders viele alte Bauwerke, die mich zum fotografieren gereizt hätten, sah ich leider nicht:

Camino Portugues - Tag 9-165812
Camino Portugues - Tag 9-170846

Also ging ich in die Kirche und war dort sehr beeindruckt, von dem schönen Lichteinfall. Dies war mir aber unmöglich, mit der Handykamera, einzufangen. Doch wie immer, versuchte ich es wenigstens. In der letzten Szene, (der Spiegelung von Jesus Grab), sieht man es ein bißchen auf dem Fußboden. Es war wirklich so schön anzusehen. Auf den Figuren, dem Fußboden… Schade, daß man es nicht so gut sehen kann. Dafür, bräuchte ich wahrscheinlich, eine richtige Kamera:

Dann faszinierte mich noch dieses Kirchenfenster, wegen der durchtrennten Fesseln. Denn gefesselt fühlte ich mich auch und zwar in vielerlei Hinsicht. Ich wünschte mir so sehr, daß auch meine inneren Fesseln, irgendwann durchtrennt werden können:

Camino Portugues - Tag 9-180945

Im Anschluß, deckte ich mich bei der Apotheke mit Pflastern in allen möglichen Variationen ein. Auch die 600 er Ibus versuchte ich zu bekommen, aber leider, waren die, wir auch hier in Deutschland, verschreibungspflichtig. „So ein Mist!“, fluchte ich leise vor mich hin. Also lies ich mir 400 er geben. Die halfen allerdings, wie sich später heraus stellte, überhaupt nicht und ich fragte mich, ob man mir Placebos angedreht hatte. Gut, daß ich das zu dem Zeitpunkt, aber noch nicht wußte. Sonst hätte es mir wahrscheinlich die Laune verhagelt!

Da sich auch hier kein Pilgermenü unter 8 Euro finden lies, bestellte ich eine günstige Pizza und amüsierte mich über dieses kleine Beilchen. Die Pizza war zwar geschmacklich nicht der Renner, aber sie machte wenigstens satt!

Camino Portugues - Tag 9-192246

Camino Portugues - Tag 9-192444

Als ich später zurück im Hostel war, schrieb ich in mein Tagebuch:

4. Juni 2019

Der heutige Tag fing sehr regnerisch an und leider war meine Regenjacke nicht dicht🤪Beim ersten Kaffee auf dem Weg habe ich mir dann für 8 Euro eine Mischung aus Poncho und Regenjacke gekauft. Ob der dicht ist, weiß ich noch nicht, denn natürlich hörte es danach auf zu regnen 🙈😂

Meine Blasen habe ich schon wieder ausgestochen und irgendwie nervt das langsam. Deshalb habe ich mich nicht nur mit Pflastern eingedeckt, sondern auch mit Ibus. Die sind hier besonders billig. Meine Hüfte fühlt sich auch wieder gut an, so daß ich ab Morgen den Rucksack wieder selber trage. Ich habe ihn drei Tage lang zu den Hostels schicken lassen. Das ist hier ein Service für 7 Euro, den vor allem ältere Leute in Anspruch nehmen oder auch welche, die vorübergehend Probleme haben. Ich denke aber, daß mein Hüftproblem erledigt ist und werde es Morgen einfach mal wieder probieren.

Die nächste Etappe geht doch etwas weiter, da es ein schöneres und günstigeres Hostel in einem anderen Ort gibt. Das macht aber nichts, dann ist die Etappe am Tag darauf, ja kürzer.

Mein Jakobsweg – achter Tag von Rubiães (Portugal) nach Tui (Spanien)

Da es nicht mehr so heiß war, sondern eher bewölkt, beschloß ich an diesem Tag etwas später los zu gehen. Ich war schon aus dem Tor der Unterkunft, da erblickte ich auf der Wäscheleine, noch einen weißen Slip von einer Pilgerin. Ich beschloß ihn mitzunehmen und hoffte, die entsprechende Frau noch auf dem Weg zu treffen. Wenn man wie die meisten, nämlich nur zwei, bis maximal drei Unterhosen bei hat, dann ist das ein ganz schöner Verlust. Da war es dann schon wieder ein bißchen blöd, daß fast alle weg waren. Aber ich war trotzdem optimistisch, die Frau noch zu finden. (Leider, fand ich sie aber nie. Die muß verdammt früh los gegangen sein, denn keiner der Pilgerinnen, die ich traf, gehörte er. Ein paar Spaßvögel, natürlich die Männer der befragten Frauen, meinten, ich solle ihn doch an den Rucksack hängen. Ja, ja… Ihr mich auch 😉 )

Nach nicht mal einer halben Stunde, kam ich dann zu dieser phantastischen Stelle, im Wald. Es war so entspannend, das Wasser plätschern zu hören und fast schon schade, daß ich nicht länger dort verweilen konnte:

Und kaum hatte ich meine Handykamera wieder weg gepackt, sah ich diesen wunderschönen Käfer und holte sie erneut hervor:

Camino Portugues - Tag 8-082900

Nicht unweit, kam ich wieder an eine der vielen Waschstellen, wo tatsächlich noch Wäsche gewaschen wird. Das finde ich so beeindruckend. Das erinnerte mich wieder an eine Zeit, wo ich mit meinem Exmann im Wald gewohnt hatte. Dort hatten wir Anfangs auch keine Waschmaschine gehabt und so, alles mit der Hand waschen müssen. Das war verdammt mühsam, besonders das spätere auswringen, was richtig in die Hände geht. Ich war so glücklich, als liebe Nachbarn uns dann eine Schleuder schenkten. Überhaupt habe ich in dieser Zeit viele Dinge zu schätzen gelernt, die ich vorher für selbstverständlich gehalten hatte. Aber das ist eine andere Geschichte.

Camino Portugues - Tag 8-085506

Etwas später traf ich eine Pilgergruppe aus Italien. Sie waren mit einigen Gemeindemitgliedern unterwegs und unglaublich nett. Das waren die ersten Personen, die ich traf, die (außer mir) auch aus religiösen Motiven unterwegs waren. Das hatte mich generell sehr erstaunt, da ein Pilger laut Definion, ja jemand ist, der aus religiösen Gründen eine „Wallfahrt“ unternimmt. Oder wie ein Priester in Santiago es erklärte: Ein Pilger ist jemand, der Gott sucht bzw. in Kontakt mit ihm treten will. Das heißt natürlich nicht, daß nicht jeder andere auch pilgern darf. Selbstverständlich! Ich war einfach nur total erstaunt darüber! Besonders, weil mich viele immer recht ungläubig ansahen, wenn ich sagte, daß ich an Gott glaube. „Echt???“, kam dann oft zurück. Das war schon etwas eigenartig für mich. Auf einer Pilgerrreise, erstaunte Blicke, für meinen Glauben zu erhalten. Ich gehe ja nun wirklich keinem damit auf den Geist, denn das hätte mir selbst, früher auch nicht gefallen. Es gab viele Jahre, wo ich den Kontakt zu Gott verloren hatte und wenn jemand nur das Wort Gott erwähnte, bin ich schreiend weg gelaufen. Ich war wirklich kein Kind von Traurigkeit, habe es so richtig krachen lassen. Wenn ich Gott um Vegebung bitte, dann hat das auch seine Gründe! Das kannst Du mir glauben. (Nur um einmal zu verdeutlichen, wie gut ich es verstehen kann, wenn jemand mit Gott nichts am Hut haben will. Ging mir ja selber mal so.) Aber, wenn man mich danach fragt, ja dann erzähle ich davon. Einfach weil ich erfahren habe, um wie viel leichter und schöner das Leben mit Gott für mich ist. Ich halte nichts von Angstmacherei. Selbstverständlich liebt Gott alle Menschen, auch wenn man nicht zur Kirche geht! Wenn man sich korrekt verhält, oder sich zumindest darum bemüht, ist alles gut. Denn Gott hat nichts mit Angst zu tun!

Camino Portugues - Tag 8-100015

Der Unterschied für mich persönlich vom „nur korrekt verhalten“ zu „Gott in mein Leben und Herz zu lassen“, ist jedoch, daß mein Glaube mir genau da Kraft und Frieden schenkt, wo ich vorher nur Leere und Schmerz hatte. Ich sehe meinen Glauben, als Bereicherung, nicht als Drangsalierung. Es ist schade, wenn manche, das so an Menschen weiter geben. Da ist es wirklich kein Wunder, daß so viele weg rennen. Aber das nur anbei.

Camino Portugues - Tag 8-092754

Zu dem Thema hatte mir der Herbergsvater in Tamel, übrigens, etwas sehr schönes gesagt: „Selbst die Pilger, welche sich ja NUR die Natur angucken wollen, werden spätestens, wenn sie Zuhause sind merken, daß sich irgendetwas in ihnen verändert hat, was sie vorher gar nicht gedacht hätten! Das wissen sie nur noch nicht!“

Camino Portugues - Tag 8-092515

Etwas später kam ich zu einem sehr schönen Cafe, wo ich diese italienische Pilgergruppe und auch Su wieder traf. Ich setzte mich zu Su an den Tisch und genoß meinen Kaffee. Ich hätte zwar auch gerne etwas zu Essen bestellt, hatte aber immer noch mit meinem Finanzchaos zu tun. Besonders, da ich fast kein Bargeld mehr hatte und erst wieder einen Bankautomaten finden mußte. Am Nebentisch, saß eine junge Frau, aus der italienischen Gemeinde. Sie hatte sich zwei Omlettes bestellt. Als sie ihren Teller bekam, fragte sie mich, ob ich etwas abhaben wollte und gab es mir dann. Das fand ich auch wieder so unglaublich schön. Ich hatte sie wirklich nicht danach gefragt. Das hat sie von sich aus gemacht. Im Anschluß ließ ich noch ein Foto von mir, vor den ganzen Wegweisern machen und dann ging es auch schon weiter. 135 km nur noch bis Santiago. Na wenn das nicht gut klang!

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Su und ich trafen immer wieder aufeinander und irgendwann gingen wir doch ein kurzes Stück zusammen. Sie setzte mir ihre kabellosen Kopfhörer auf und machte ein wunderschönes Lied an. Das werde ich glaube ich niemals vegessen. Wir gingen langsam nebeneinander her, damit die bluetooth Verbindung nicht abbrach und ich hörte über ihre tollen Kopfhörer, ein wunderschönes und sehr langes Instrumentalstück. Solche Musik hatte ich auch noch nie gehört und vor allem nicht, in dieser tollen Landschaft (Funkadelic- Maggot Brain). Es war einfach nur wunderbar. Und dann, sahen wir auf einmal, diesen weißen Pfau? Fasan? Ich habe keine Ahnung. Aber so ein schönes Tier, hatte ich noch nirgends gesehen. Su auch nicht. Leider, war er aufgrund dieser Gitterstäbe, sehr schlecht zu fotografieren. Aber ich versuchte mein Glück, trotzdem.

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Im Anschluß trennten wir uns wieder. Irgendwann kam ich dann endlich in Valenca an. Das bedeutete, es waren nur noch wenige Meter bis zur Brücke von Portugal nach Spanien.

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Kurz nach dem Ortseingang, kam ich zu einer wirklich alten Kirche. Die hatte schon einen gewissen Zauber. (Bis auf die Puppe? im blauen Sarg?, die fand ich ehrlich gesagt, doch etwas gruselig.) Aber trotzdem habe ich versucht, all das auf Video fest zu halten, was aber leider, auch nur bedingt möglich war:

Als ich etwas weiter kam, verlockte mich, dieser atemberaubende Ausblick von Valenca, hinüber nach Tui zu einem erneuten Video:

Schließlich raffte ich mich auf und ging durch dieses Tor, Richtung Brücke:

Camino Portugues - Tag 8-144152

Wieder traf ich auf Su. Wir hofften, noch in Portugal einen letzten Kaffee trinken zu können. Aber leider, hatte das einzige Cafe vor der Brücke, geschlossen. Also gingen wir so herüber. Die Brücke selbst, ist wirklich sehr hoch. Das kommt auf den Fotos glaube ich nicht so gut rüber:

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Camino Portugues - Tag 8-144840

Und dann war es endlich so weit. Wir waren in Spanien.

Camino Portugues - Tag 8-145415

Galacien- wow. Ich war so glücklich. Denn das bedeutete, daß die Hälfte, der Strecke bereits geschafft war. Ich hatte Freudentränen in den Augen. Das war ein so überwältigender Moment! Ab jetzt würde ich jeden Tag zwei Stempel im Pilgerausweis benötigen, um in Santiago, die Compostela erhalten zu können. (Die letzten 100 km) Jetzt in Spanien, kommt der Endspurt. Das ist so ein Glücksgefühl, was man nicht kaufen kann:

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Camino Portugues - Tag 8-145506
Camino Portugues - Tag 8-145529

Nach kurzer Zeit, kam dann auch Tui selbst, in Sicht:

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Camino Portugues - Tag 8-151535
Camino Portugues - Tag 8-151345
Camino Portugues - Tag 8-151644
Camino Portugues - Tag 8-151939

Besonders gefallen, haben mir die kleinen Gassen:

Camino Portugues - Tag 8-152414
Camino Portugues - Tag 8-153307

Und auch unsere Unterkunft, war erneut, ein absoluter Traum:

Camino Portugues - Tag 8-155439

Camino Portugues - Tag 8-212756

Ich hatte es zum Hostel geschafft und das, trotzdem alle meine Blasen nicht nur, wieder neu voll gelaufen waren, sondern sich auch noch eine Blutblase, direkt unter einer anderen gebildet hatte:

Camino Portugues - Tag 8-155417
Camino Portugues - Tag 8-180634

Die habe ich dann auch wieder ausgestochen und hoffte, daß nicht noch mehr der Art kämen. Etwas später, machten Su und ich uns auf, um etwas zu Essen. Da ich mittlerweile Geld vom Automaten geholt hatte, wollte ich mir heute zur Feier des Tages, doch mal ein etwas leckeres zu Essen gönnen. Wir waren ein bißchen platt, daß hier vor 20 Uhr gar nichts offen hat und da wir Hunger hatten, war das echt blöd. Aber das ist eben Spanien, nicht Deutschland 😉 Ich ging dann in die dortige Cathedrale, um sie zu besichtigen und mir einen Stempel, für meinen Pilgerausweis abzuholen. Allerdings habe ich dort ausnahmsweise, mal nicht fotografiert.

Als ich wieder heraus kam, sah ich, daß Su sich gut mit einem anderen Pilger unterhielt. Um sie nicht dabei zu stören, setzte ich mich schon an den Tisch. Etwas später, setzte sie sich zu mir und nach einer gefühlten Ewigkeit, konnten wir auch endlich etwas essen.

Als wir wieder zurück in der Unterkunft waren, betrachtete ich stolz, meine bisher erworbenen Stempel:

Camino Portugues - Tag 8-222242

Und weil ich so begeistert, von der schönen Unterkunft war, hinterließ ich auch einen Eintrag ins Gästebuch:

Camino Portugues - Tag 8-225918

Anschließend schrieb ich in mein Tagebuch:

3. Juni 2019

Heute taten meine Füße besonders weh und trotzdem ich die Blasen schon mehrfach aufgestochen habe, kommt immer wieder neue Flüssigkeit hinein. Ich weiß nicht, was ich falsch mache. Ich habe bereits einen Monat vorher die Schuhe eingelaufen, täglich mit Hirschtalgcreme die Füße behandelt und extra teure Wandersocken gekauft. Trotzdem nehmen die Blasen kein Ende. Habe mir dann eine Ibu eingepfiffen, damit ich trotzdem laufen kann.

Ansonsten aber bin ich sehr glücklich, schon so weit gekommen zu sein und habe mir die Etappen so gestreckt, daß ich am Montag zur Pilgermesse in Santiago einlaufen kann. Schade, daß die Kathedrale wegen Restaurierungsarbeiten (bis 2021) keine Messen mehr macht. Denn das gehört doch irgendwie als schöner Abschluß dazu. Ich muß mich noch erkundigen, wo diese stattdessen statt findet.

Jaaaa, jetzt bin ich in Spanien, die Uhr wurde wieder eine Stunde vorgestellt und das heißt, eine Stunde weniger Schlaf. Glücklicherweise ist es aber etwas kühler und so besser zu laufen. Durch das bereits gebuchte Bett im Hostel habe ich auch keinen Zeitdruck und kann so viel mehr genießen und an Eindrücken in mich aufnehmen.

Ich habe mittlerweile mit so vielen Menschen zu tun und das nicht nur über das Internet, es ist eine andere Welt und irgendwie schön. Natürlich laufe ich die meiste Zeit allein, aber manchmal spricht man kurz ein paar Worte und dann geht jeder wieder seinen Weg. Ich habe mit Menschen aus Amerika, Australien, Italien, Afrika und sogar Japan „gesprochen“. Besonders die Italiener, welche ich getroffen habe, sind extrem herzlich zu mir und das hat mich schon teilweise sehr berührt.

Aber auch die Hilfsbereitschaft untereinander ist unvergleichlich und mir in der Form und Intensität, noch nirgendwo begegnet. Das gibt mir ein bißchen den Glauben an das Gute im Menschen und im Leben zurück. Mir wird immer klarer, daß es vielleicht das ist, was mir Gott auf meinem Camino zeigen will. Weil es genau das ist, was wieder etwas Frieden in mein Herz bringt und diese unglaubliche Verbitterung und das extreme Mißtrauen in meiner Seele mildert.