Gedanken für Zwischendurch Teil 11

Es ist nichts vergangen, was in Dir weiter lebt! Es ist nichts vorbei, mit dem Du Dich nicht gefühlsmäßig auseinander gesetzt hast! Du kannst hunderttausend Neuanfänge machen, solange Du sie nur im Außen tust, sind es keine! © Emily-Star

Echte Neuanfänge beginnen im Inneren- nicht im Außen!

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Wie oft habe ich in meinem Leben schon die Worte gehört „Das ist Vergangenheit!“ oder „Das ist doch jetzt vorbei!“ Wirklich??? Ist es das???

Es mag vergangen sein, aber deshalb leider noch lange nicht vorbei! Denn absolut alles, was wir bisher erlebt haben, hat uns geprägt und zu dem Menschen gemacht, der wir heute sind. Beeinflußt uns, in unserem Denken, in unseren Gefühlen – in unserem ganzen Sein.

Es klingt so schön, all die Sätze vonwegen: „Du mußt nach vorne schauen, denn das Leben geht weiter.“ Nun, wäre ich ein Computer, hieße das für mich „format: c“ schreiben und meine Festplatte wäre gelöscht. Doch halt, nach meinen heutigen Erkenntnissen, (Hacker hatten diese wahrscheinlich schon Jahre vor mir ^^) gibt es gar kein wirkliches löschen, auf diese Art. Denn die Daten, können von speziellen Programmen, zurück geholt werden. Schade auch! Was bleibt also? Nur eines, überschreiben und das möglichst oft. Alte Dateien mit neuen ersetzen, bis die alten, unleserlich geworden sind. Klingt doch einfach, könnte man jetzt einwenden. Machen wir es genauso, mit unserem Leben. Einfach neue Erfahrungen sammeln, die negativen mit positiven ersetzen. Nur vergessen wir dabei eines: „Wir haben Gefühle und ein Computer nicht!“ Und doch, verhalten wir uns oft so. Wird von uns erwartet, einer zu sein. Erwartet man von sich selber, einer zu sein – noch schlimmer!

So passiert es dann häufig, daß wir sehr schnell mal Dinge, oder Menschen, oder Tiere, versuchen zu ersetzen. Ist zum Beispiel der alte Partner weg, dann sucht man sich halt schnell, einen neuen. Wie oft schon, haben wir das in unserem Leben, mitbekommen? Wenn wir Liebeskummer hatten, sind die Neuverkuppler oder zumindest die mit den „andere Mütter haben auch schöne Söhne oder Töchter“ Sprüchen recht schnell zur Stelle. Wir sollen uns doch, einfach schnell, jemand neuen suchen. Und wenn jemand gestorben ist, dann wird einem auch nur eine kurze Trauerphase vergönnt, insofern sie denn auch in Maaßen abläuft. Bloß nicht zu lange heulen, zu laut fluchen, immer schön optimistisch bleiben, sich zusammen reißen und schnell wieder nach vorne schauen. Ist etwas kaputt gegangen; egal ist doch nur etwas materielles, kauft man sich eben neu. Ist das geliebte Haustier verstorben; wozu gibt’ s so viele andere? Wir sollen uns mal nicht so haben! Das Leben geht schließlich weiter. Und das versuchen wir dann auch. Nur blöderweise gelingt uns das auf Dauer, nicht so gut. Irgendwann, kommt dann doch wieder der Tag, an dem der neue Partner, irgendwie wieder der Gleiche zu sein scheint; nur in einer äußerlich, anderen Verpackung. Und es kommen immer wieder, verdächtig ähnliche Probleme und Streitigkeiten auf, wie in der Beziehung zuvor. Und der geliebte verstorbene Mensch, will auch nicht einfach so, aus unseren Gedanken verschwinden. Ebenso wie das geliebte Tier, was immer wieder mal, mit dem letzten, verglichen wird.

Da versuchen wir also, nach vorne zu schauen, waren doch so tapfer mit unseren immer wieder Neuanfängen und all den vergeblichen Versuchen zu vergessen. Ich kenne das nur zu gut. Dieses sich selbst belügen. Diese irrige Hoffnung: Wenn ich erst da wohne, ein neues Tier habe, diese Pflanze besitze, dieses super tolle neue technische Gerät, diesen Urlaub, diesen Partner- dann wird endlich alles gut. Und ich habe immer wieder enttäuscht fest stellen müssen, daß nach der ersten Freude, die Erkenntnis hinterher kam, das war es nicht. Ich bin immer noch nicht glücklich. Ich kann mir kaufen, konsumieren was immer ich will, die Flucht nach vorne antreten – aber irgendwie finde ich doch keinen inneren Frieden. Das was ich da versuche zu vergessen, taucht immer wieder mal auf, ganz gleich wie vermeintlich groß der Schritt nach vorne, auch gewesen sein mag. Einfach so vergessen, habe ich versucht, so oft. Es kommt immer wieder. Manchmal bin ich auch traurig oder wütend, scheinbar ohne äußerlichen Grund. Reagiere überzogen, auf triviale Dinge, denen ich dann die Schuld für mein Befinden, zuschustern kann. Und komme überhaupt nicht auf die Idee, daß ich eigentlich, auf etwas oder jemand ganz anderen, sauer bin. Das mich etwas anderes traurig gemacht hat – früher einmal. Das sind dann die Momente, wo ich besonders tapfer, nach vorne geschaut habe. Die, in denen ich mich selbst belüge, oder gar nicht mehr weiß, wo meine Stimmungsschwankung auf einmal her kommt. Oder dieser Drang, etwas machen zu müssen, um mich wieder abzulenken. Oder aber, weil oftmals der Satz fiel: „Sitz nicht so faul rum!“ (Nur als Beispiel.) Aber komisch, wie kann das denn sein? Das war doch früher mal! Sagt doch jetzt keiner mehr zu mir! Ist doch Vergangenheit!

Tja, ist es wohl nicht, sonst würde mir dieser Satz, dieses Gefühl, ja nicht immer wieder in den Sinn kommen. Also einfach so vergessen? Geht nicht! Es ist nichts vergangen, was in Dir weiter lebt! Es ist nichts vorbei, mit dem Du Dich nicht gefühlsmäßig auseinander gesetzt hast! Du kannst hunderttausend Neuanfänge machen, solange Du sie nur im Außen tust, sind es keine!

Bildertext:

Es ist nichts vergangen, was in Dir weiter lebt!

Es ist nichts vorbei,
mit dem Du Dich nicht gefühlsmäßig auseinander gesetzt hast!

Du kannst hunderttausend Neuanfänge machen,
solange Du sie nur im Außen tust, sind es keine!

© Emily-Star

Wege der Selbstheilung Teil 5

Ganz gleich wie viel Geld Du hast. Was immer Du Dir auch kaufen magst und wie schick Du Dich kleidest... Inneren Frieden kannst Du Dir nicht kaufen, den mußt Du Dir erarbeiten! © Emily-Star

Echte Neuanfänge beginnen in Dir, nicht um Dich herum!

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Mein Vater bot mir an, für ungefähr zwei Jahre, in denen ich mein restliches Leben mit seiner Hilfe wieder in den Griff kriegen sollte, zu ihm in die Nähe zu ziehen. So suchte ich im Internet nach einer schönen Wohnung und gab ihm dann bescheid. Nachdem er sie für mich angeschaut hatte und für okay befand, flog ich zu ihm und wir machten Nägel mit Köpfen. Da mein Geld im Leben nicht für diese Wohnung gereicht hätte, bezahlte er sie mir. Einen Großteil der Möbel bekam ich von meiner Freundin mit den Worten geliehen, daß sie sie mir schenken würde, sobald ich zurück käme. Sie sagte, sie könne sie mir auch gleich schenken, aber sie möchte, daß ich wieder komme. Und das waren keine normalen Möbel, sondern wirklich wunderschöne antike Stücke, die sie mir aus ihrem Antiquitätengeschäft mitgab. Dieses Vertrauen und die Tatsache, daß sie mich wirklich gern hatte, ist bis heute etwas, was mich noch immer sprachlos macht. Denn das mich jemand wirklich gern haben könnte, wo ich mich doch selbst so überhaupt nicht liebenswert fand, war für mich schon immer schwer zu glauben gewesen. Aber es sprach ja klar und deutlich aus ihren Worten UND Taten! Den Rest, von dem was mir noch fehlte, kaufte mir dann mein Vater. Und so hatte ich plötzlich eine wunderschöne Wohnung mit meinem eigenem Garten. Zudem kaufte er mir sehr viele neue Kleidungsstücke und ich genoß das Gefühl, nach so langer Zeit etwas zu besitzen, was vor mir noch keiner getragen hatte.

Im ersten Jahr kam er dann auch wirklich mehrmals in der Woche vorbei, ging mit mir einkaufen oder etwas unternehmen. Parallel dazu half ich ehrenamtlich im Seniorenhaus und stellte dort zum ersten Mal fest, wie schön es ist gebraucht zu werden. Ich empfand dieses Jahr als absolut perfekt, wie im Traum sozusagen. Meine gesteckten Ziele erreichte ich nach und nach. Ich konnte meinen Haushalt führen, bekam Bestätigung von meinen Betreuten und sah zum ersten Mal wirklich so etwas wie Liebe bei meinem Vater. Und das nicht, weil er mir alles finanzierte, sondern weil er endlich in der Lage zu sein schien mir seine Gefühle zu zeigen. Meine Mom kam auch öfters zu Besuch und so verbrachten wir sogar manche Abende zu dritt. Ich hatte für ein Jahr meine Familie zurück und genoß dies auch in vollen Zügen.

Ich dachte, jetzt wo im Außen einfach alles stimmt, muß es automatisch im Inneren ja auch so sein. Zum ersten Mal seit so langer Zeit wußte niemand von meinen neuen Bekanntschaften, von meiner Vergangenheit und auch nichts über meine körperliche Erkrankung. Ich habe wirklich felsenfest geglaubt, daß wenn ich nicht mehr darüber rede und nachdenke, es auch nicht mehr wieder kommt. Doch leider war dem nicht so! Nach einem Jahr brach die Borreliose dann doch wieder aus. Sie lähmte meine Arme, Beine und Teile des Gesichts. Diese Symptome kamen und gingen und ich wußte nie wann. Da konnte ich eben noch laufen und ganz plötzlich wurde mein Bein taub. Oder ich hatte einen Teller in der Hand und konnte ihn auf einmal nicht mehr fest halten. Da ich kein Mitleid wollte und auch nicht als unfähig gelten die Senioren zu betreuen, meldete ich mich dort krank und sagte, daß ich eine besonders schwere Grippe hätte. Ich glaube meinen Vater überforderte das etwas. Das entnahm ich seinen Besuchen, die nun weniger wurden und emotional distanzierter verliefen.

Es ist das Eine, etwas zwar im Kopf zu wissen, aber das Andere es dann auf einmal wirklich hilflos mitansehen zu müssen. Denn auch wenn man weiß es kann passieren, hofft man trotzdem, daß es nie der Fall sein wird und verdrängt es. Wie früher als Kind, als wir die Augen zumachten und uns einbildeten; daß wenn wir nichts sehen, uns der Andere auch nicht sieht! Das alles machte mich nach und nach sehr depressiv und ich versank in Selbstmitleid. Sah mich geistig schon im Rollstuhl sitzen und ganz langsam sterben. Ich hatte materiell gesehen, alles was man sich nur wünschen konnte. Zumindest empfand ich das so. Und trotzdem war ich wieder krank und depressiv geworden. Ich hatte meine Weblogs gelöscht, mir eingeredet, daß positives denken und verdrängen einen neuen Menschen aus mir machen würde. Und doch hatte alles das nichts geholfen.

Der absolute Tiefpunkt war damit aber noch immer nicht erreicht. Der kam schließlich, als mein neuer Partner, die Beziehung abrupt beendete, weil ich ihm die perfekte Frau vorgespielt hatte, die ich aber nicht war. Denn ich hatte mich bemüht, ihn weder etwas von meinen Depressionen, noch von den Ausbrüchen der Borreliose spüren zu lassen. Da er sehr sensibel war, merkte er jedoch instinktiv, daß etwas nicht stimmt. Das ich nicht die Frau war, die ihr Leben so perfekt im Griff hatte, wie sie es gern gehabt hätte. Und als ich ihm dann letzten Endes doch von beidem erzählte, sagte er, daß er so etwas nicht braucht. Er hätte nicht seine letzte Beziehung hinter sich gelassen, um nun wieder eine mit Problemen zu führen. Er braucht seine Kraft für sich und hätte ich das von Anfang an gesagt, wäre es wohl auch gar nicht erst zu einer gekommen. Das war bitter, aber hatte auch etwas wirklich gutes. Denn dadurch wurde mir erst einmal klar, wie sehr ich versucht hatte ein Mensch zu sein, der ich gar nicht war. Ein Mensch, den man lieben und mögen konnte. Der ein Jahr lang versucht hatte, zuerst die perfekte Tochter und dann gleich im Anschluß die perfekte Partnerin zu sein. Der aber weder das Eine, noch das Andere jemals gewesen ist. Denn echte Neuanfänge beginnen nun mal nicht im Außen:

Bildertext:

ganz gleich wie viel Geld Du hast,
was immer Du Dir auch kaufen magst
und wie schick Du Dich kleidest…

inneren Frieden kannst Du Dir nicht kaufen,
den mußt Du Dir erarbeiten!

© Emily-Star

Und genau das war die Erkenntnis, die ich gebraucht hatte. Die, welche mir noch fehlte. Die letzte Illusion, die zerschlagen wurde. Die, so behaupte ich heute sogar- zerschlagen werden mußte! Damit ich endlich den Mut der Verzweiflung aufbrachte, um mich all den inneren Dämonen zu stellen, vor denen ich mein ganzes Leben weg gelaufen war.