Mein Jakobsweg – siebter Tag von Ponte de Lima nach Rubiães

Als ich am nächsten Morgen durch meinen Handywecker erwachte, holte ich leise meinen kleinen Rucksack aus dem Zimmer und machte mir einen Kaffee in der Küche. Das Gute an meinem großen Rucksack war, daß man das Oberteil abmachen und in einen kleinen Tagesrucksack umfunktionieren konnte. Dort fummelte ich während ich meinen Kaffee trank, meine Trinkblase, etwas Proviant, Regenjacke und mein Erste Hilfe Set hinein. Besonders das Erste Hilfe Set, was ich für am Unwichtigsten gehalten hatte, entpuppte sich auf dem Weg, als eines meiner meist genutzten Untensilien. Es dauerte auch gar nicht lange, als ich Su sah. Etwas später verließen wir beide die Wohnung. Ich wartete einen kurzen Augenblick, damit Su vorgehen konnte und freute mich so gut in der Zeit zu sein. Noch nicht mal 7 Uhr und schon unterwegs. Das war super. Meine Hüfte tat immer noch weh und von den Blasen, die sich jeden Tag neu füllten, will ich mal gar nicht reden. Aber wenigstens hatte ich den Rucksack nicht mehr auf, der von oben noch zusätzlich gedrückt hätte. Mir war immer noch extrem mulmig bei dem Gedanken, diesen einfach irgendwo abgegeben zu haben und betete inständig, daß er wirklich in meiner nächsten Unterkunft sein würde, wenn ich dort ankam. Da ich aber nichts an meinen Ängsten ändern konnte, versuchte ich meinen Fokus mehr auf das zu verlagern, was ich um mich herum sah:

Camino Portugues-065311
Camino Portugues-070044
Camino Portugues-070031

Und das war ja wirklich wundervoll. Ständig wechselte sich innerhalb kürzester Wegabschnitte, das Panorama. Angefangen von diesem verwunschenem Platz am Wasser:

über den ersten Vorgeschmack, auf den später folgenden Berg:

bis hin zu diesen Weinbergen:

und anschließend, kam ich zu kleinen Wasserfällen im Wald:

Gegenüber von diesem Platz, hatten wieder Pilger Steine und andere Kleinigkeiten von sich hinterlassen. Besonders beschäftigt hat mich dieser Spruch eines Pilgers:

Camino Portugues-090745

„Wirst Du mich so nehmen, wie ich bin?“ Das letzte Wort, konnte ich leider nicht entziffern. Wen hat die Person wohl gemeint? Gott oder einen geliebten Menschen?

Ich hatte mich davon angesprochen gefühlt und stellte mir dieselbe Frage, wie derjenige, der diesen Stein beschrieben hatte. Ich stellte die Frage an Gott:

„Gott, wirst du mich so nehmen, wie ich bin? Mit all meinen Verfehlungen und Schwächen? Mit der Tatsache, daß ich nichts im Leben erreicht habe? Das ich große Fehler gemacht, meine Seele verkauft und früher in meiner Jugend, sogar noch meinen Körper (Ja das auch noch!)?

Kannst du mir vergeben, daß ich mein Leben komplett vor die Wand gesetzt habe? Das ich anderen Menschen weh getan und mich selbst auch nicht liebevoll behandelt habe?

Wenn mein eigener Vater mich schon nicht lieben kann, weil ich seinem Bild nicht entspreche. Wie sehr entspreche ich dann erst Deinem nicht, Gott?

Du siehst doch noch viel mehr, als er? Du weißt alles, mehr als je ein Mensch je über mich erfahren wird. Denn Du kennst mich wirklich! Vor allem meine Schattenseiten, meine Schwächen… Kannst Du mich trotzdem lieben?

Kannst du mir vergeben? Kannst du mir helfen, ein besserer Mensch zu werden und mein Leben zu ändern? Kannst du mich so nehmen, wie ich heute bin, weil ich mich nicht so schnell so verändern kann, wie ich es gerne würde? Bleibst Du trotz meiner Unzulänglichkeit bei mir?

Wirst Du mich nehmen, so wie ich bin?“

Camino Portugues-091053

Wie als Antwort, kam ich mit einem Mal an diese kleine Kapelle und nachdem ich meine Sachen kurz abgelegt und einen Pilger um ein Foto von mir gebeten hatte,

Camino Portugues-093631
Camino Portugues-093622

ging ich hinein und setzte mich für eine Weile. Auch hier hatten Pilger wieder viele Gegenstände hinterlassen.

Camino Portugues-093200
Camino Portugues-093146

Hier dachte ich intensiv über meine Fragen nach. (Gott hat mir übrigens geantwortet. Immer wieder und mit jedem Mal deutlicher. Auf seine Art. Aber dazu komme ich noch 😉 )

Danach ging es weiter und ich traf auch Su wieder.

Camino Portugues-095949

Besonders überrascht waren wir, die Musik eines Dorffestes, über diese Entfernung hinweg, hören zu können. Ich konnte die genaue Herkunft nicht ausmachen. Trotzdem schwappte immer wieder etwas zu uns herüber. Das war ähnlich, wie zu dem Zeitpunkt, wo ich im Fluß stand. Nur, daß es diesmal meine Laune hob. Andere Pilger, die ich traf, mußten ebenfalls grinsen und freuten sich über die Beschallung. Su meinte dazu nur ganz trocken: „Keine Ahnung, was da los ist, vielleicht beschallen die ja, ihre Weinberge!“ (Damit die Trauben besser wachsen.) Das fand ich so lustig, daß ich eine ganze Weile laut lachen mußte. Obwohl sie schon wieder weiter gelaufen war:

Besonders schön fand ich dann auch folgenden Wegabschnitt:

Camino Portugues-100813
Camino Portugues-102722

Und nach diesem wunderschönen Wegstück

kam er dann. Der Anstieg des Berges. Aber da dieser durch den schattigen Wald führte, empfand ich ihn längst nicht so anstrengend, wie den Aufstieg nach Tamel. Die Hitze macht da wirklich etwas aus. Es macht einen Unterschied, ob man in der prallen Sonne, oder im kühlen Schatten einen Berg hoch läuft. Wahnsinn! Ich war unglaublich happy, als ich oben war, da ich wußte, daß jetzt der anstrengendste Teil des ganzen portugiesischen Jakobsweges, geschafft war:

Camino Portugues-112018

Camino Portugues-114528

Und die Aussicht war natürlich auch superklasse:

Anschließend ging es angenehm bergab und dank der Stöcke, war ich (für meine Probleme) sogar recht gut dabei. Wenn man diese richtig benutzt, kann man viel Druck von den Knien weg nehmen. Besonders bergab und auch berghoch, habe ich mich dank der Armarbeit, einfacher getan als es ohne, der Fall gewesen wäre. Man zieht sich praktisch mit einem Teil seiner Armkraft nach oben. Das ist doppelt so schnell und einfach. Ich bin wirklich so froh, diese Stöcke mit genommen zu haben. Wenn mir alles weh tat. Aber meine Knie, habe ich fast nie gemerkt und da habe ich nachweislich Probleme! Ich kann Dir das wirklich nur ans Herz legen, wenn Du gesundheitliche Einschränkungen in den Knien hast. Nimm Dir Wanderstöcke mit. Wichtig: Keine Nordic Walking Stöcke, sondern WANDERSTÖCKE! Auf die kann man sich mit seinem gesamten Gewicht stützen. Die sind wirklich stabil. Das würden die dünnen Nordic Walking Stöcke, wahrscheinlich nicht aushalten. Dafür sind sie ja auch nicht ausgelegt.

Etwas später kam ich wieder an einem Ort vorbei, wo Pilger etwas von sich hinterlassen hatten.

Camino Portugues-121320
Camino Portugues-121334

Besonders schön fand ich folgendes Kärtchen:

Camino Portugues-121346
Camino Portugues-121400

Nach einer Weile kam ich endlich in Rubiães an und war richtig froh, als ich im Eingangsbereich unserer gebuchten Unterkunft, Sus und meinen Rucksack stehen sah. Du kannst Dir nicht vorstellen, wie verdammt erleichtert ich war. Die Unterkunft selbst, war die schönste, auf dem ganzen Weg. So etwas Tolles, hatte ich ja auch noch nicht gesehen. Sie hat den Namen Ninho für Nest, zu Recht. Ein absoluter Traum!

Etwas später sah ich mich im Ort um und erfuhr, daß es auch hier über 10 Euro kostete, ein Pilgermenü zu essen. Also blieb nur noch eins, den Supermarkt des Ortes zu finden. Das bereitete aber ein paar Probleme, da dieser irgendwo in einer Gastwirtschaft versteckt war. Nur die Männer, welche davor saßen, klärten mich darüber auf, daß ich hinein gehen müßte. Da wurde dann auch erst einmal das Licht angemacht und ich sah, daß es kein Supermarkt war, sondern lediglich ein paar Lebensmittel, hinter dem Verkaufstresen gab. Egal wie ich es drehte und wendete, es gab zwar Nudeln, aber nichts, um eine Soße zu machen. Die Auswahl war… na ja… ich sag mal, extrem bescheiden. Ich kaufte mir daraufhin eine Wurst und setzte mich auf eine Schaukel vor dem Laden, um diese zu essen. Neben mir spielte die kleine Tochter, der Ladenbesitzerin, was irgendwie schön war. Etwas später sah ich zwei weitere Pilger, auf der Suche nach dem Supermarkt und hätte fast laut los gelacht. Ich rief ihnen zu, wo sie rein müßten und grinste im Kreis, als ich sie dann mit Wasserflaschen wieder heraus kommen sah. Später erzählten sie mir, daß ich für sie ein sehr inspirierendes Bild abgegeben hätte, wie ich so auf der Schaukel saß. Und sie mir sehr dankbar waren, für den Tip. Ich sah darin jetzt nichts besonderes, freute mich aber trotzdem 😉

Auf dem Rückweg zur Unterkunft, sah ich dann all diese Tiere friedlich zusammen leben:

Camino Portugues-161759

Und hier noch noch einmal ein Blick auf Rubiães. Da dürfte klar sein, warum der Supermarkt nicht soooo riesengroß war 😉

Da ich immer noch Hunger hatte, beschloß ich zu der offiziellen Pilgerherberge zu gehen, da sich gegenüber von dieser, ein kleiner Kiosk mit einem Cafe befand. Dieser hatte dann sogar nach meinem Gefühl, mehr Lebensmittel im Angebot, als der Supermarkt. Ich kaufte den Proviant für den nächsten Tag und aß noch einen kleinen Teller Gemüsesuppe. Der machte nicht unbedingt satt, aber war halt entsprechend günstig. Als ich dort so saß, begutachtete ich frustriert meine Blasen an den Füßen, die schon wieder voll gelaufen waren. Jeden Tag stach ich sie aus und jeden Tag, füllten sie sich neu. Nicht nur das, es kamen immer noch Neue hinzu. Meine kummervolle Mine, beim betrachten der Blasen, beobachteten ein paar Pilgerinnen am Nebentisch und drückten mir eine Flasche Desinfektionsmittel in die Hand. Das hatte ich zwar auch immer benutzt, aber vielleicht zu wenig. Ich sagte, daß ich ihnen den Rest wieder bringen würde, wenn ich die Blasen erneut ausgestochen hatte. Sie kamen aus Amerika und winkten ab mit den Worten: „If you need it, take it!“ Wir unterhielten uns eine Weile. Ich erzählte ihnen von meinem Hüftproblem und das ich deshalb den Rucksack abgegeben hatte. Das wiederum hörte ein anderer Pilger, hielt mir 600 er Ibus hin und sagte: „Nimm dir so viele du brauchst.“ Endlich hatte ich etwas stärkeres für meine Hüfte. Ein weiterer verabschiedete sich kurz und kam dann mit 2 Blasenpflastern zurück. Diese selbstlose Hilfsbereitschaft, berührte mich wieder in meinem Herzen und entschädigte mich für all meine körperlichen Beschwerden.

Am Abend lag ich wieder zufrieden in meinem Bett und war erleichtert, dieses Tief vom vergangenen Tag, überwunden zu haben. Ich schrieb in mein Tagebuch:

2. Juni 2019

Ich bin froh, daß ich den Berg heute geschafft habe und in diesem wirklich schönen Hostel, mitten in einem kleinen Dorf, untergekommen bin. Das Wetter war heute viel gemäßigter, was das Laufen angenehmer gemacht hat.

Mittlerweile weiß ich auch, was ich nächstes Mal anders packen würde. Zum Beispiel, daß die hochangepriesenen Merinowolleshirts, für so einen Rucksack Unsinn sind und normale Funktionskleidung besser geeignet ist. Ich hatte relativ schnell Löcher in meinem Shirt. Glücklicherweise gab es in einer Herberge ein Hemd, was jemand anderes abgegeben hatte. (Viele Pilger trennen sich unterwegs von vielen Dingen, die sie nicht brauchen und ihnen zu schwer zum tragen sind.) Auch das Argument, daß man Merinowolle 1-2 Wochen anhaben kann, ist bei den schwitzigen Temperaturen, Unsinn. Jeder ist naßgeschwitzt und das erste was jeder tut, wenn er die Unterkunft erreicht hat, ist, sofort zu duschen und seine Sachen mit der Hand zu waschen, damit sie noch trocknen können. Was brauche ich da Merinozeug, nur weil man es länger anhaben kann? Keiner hat hier sein Zeug lange an! Hätte ich das vorher gewußt, hätte ich mir viel Geld sparen können.

Na ja, so hat also alles einen gewissen Rhythmus hier, samt dem abendlichen Rucksack packen. Meine Hüfte merke ich immer noch, aber es wird etwas besser. Alles in allem ein schöner Tag und Morgen geht es auf nach Spanien.

Mein Jakobsweg – sechster Tag Ruhetag in Ponte de Lima

Egal wie ich mich auch versuchte hinzulegen. Meine Hüfte tat unglaublich weh. Ich drehte mich auf die Seite, den Bauch, den Rücken. Versuchte etwas weiches unterzulegen. Doch nichts half. Irgendwann setzte ich mich auf und nahm eine Schmerztablette. Die war aber ebenfalls zu schwach. Wenn ich saß, dann ging es. Aber liegen konnte ich nicht. Ich war so unglaublich müde, aber der Schmerz, lies mich einfach nicht schlafen. Sowas habe ich in der Art noch nie erlebt. Es war furchtbar und ich konnte auch nicht verstehen, wieso diese Schmerzen erst im Ruhezustand so schlimm waren. Irgendwann sah ich die Sonne aufgehen und wußte, daß ich mit 48 Stunden ohne Schlaf und den Schmerzen, keinen Berg hochgehen kann. Ich sah die anderen langsam erwachen, ihre Sachen packen und wurde tieftraurig. Es war klar, daß ich eine Pause machen mußte, aber innerlich sträubte sich alles dagegen. Ich hatte schon so viel geschafft, war so gut in der Zeit und jetzt kam mir meine Hüfte in die Quere. Überhaupt Hüftschmerzen… Das hört man so bei älteren Leuten… Oder aber welchen, die es mit der Arbeit übertreiben… Aber ich? Ich war doch nur etwas gelaufen. Klar, es war anstrengend. Aber so schlimm, meiner Meinung nach, ja nun auch wieder nicht. Egal wie ich es in meinem Kopf, aber auch drehte und wendete. Ich kam um einen Tag Pause, wohl trotzdem nicht herum. Also packte ich meine Sachen und setzte mich erst einmal traurig in ein naheliegendes Cafe. Nochmal konnte ich hier, in der öffentlichen Pilgerherberge, nicht schlafen. Also mußte ich mich als allererstes, um eine Unterkunft für die Nacht, bemühen. Ich entsann mich meiner Facebookgruppe und fragte dort, ob jemand eine gute und vor allem günstige Unterkunft in Ponte de Lima kannte. Etwas später meldete sich „Su“ bei mir und schrieb, daß sie noch ein Bett in einer gemieteten Wohnung frei hätten und auch alle einen Tag pausierten wollten. Allerdings schliefen die anderen noch und sie mußte warten, bis diese wach sein, um sie zu fragen, ob das okay wäre. Ich trank in Ruhe meinen Kaffee aus und freute mich über ein Kuchenstück, was mir der Cafebesitzer gab. Erst wollte ich es gar nicht nehmen. Dachte mir dann aber, komm, wird schon nicht so teuer sein. Gönn es dir einfach mal. Als ich dann zahlen wollte, stellte ich fest, daß das ein Gechenk zum Probieren war. Ich freute mich darüber und noch mehr, als Su mir schrieb, daß wir uns in der Stadt treffen könnten und sie mich, erst einmal mit in die Wohnung nehmen würde. Die anderen schliefen zwar immer noch, aber dann könnten wir dort in Ruhe auf deren Erwachen warten und einen Kaffee trinken.

Nach kurzer Zeit kam Su dann zum vereinbarten Treffpunkt und wir gingen zusammen zur Wohnung. Als etwas später die beiden anderen Frauen erwachten, hatte ich ihr Einverständnis und freute mich sehr darüber. Ich bezahlte 15 Euro an die Vermieterin für das Bett. Es war zwar teuer für mich, aber ich hoffte, hier endlich mal schlafen zu können. Kurze Zeit später blieb mir allerdings der Mund offen stehen, als meine Mitbewohnerin (nicht Su) aus unserem gemeinsamen Zweibettzimmer mir sagte, daß sie auch mein Handtuch in Beschlag genommen hatte und nicht im Traum daran dachte, es mir zu geben. „Na ganz toll“, dachte ich nur, „wärst du mal doch woanders hin gegangen. Jetzt hast du so eine Zicke auf dem Zimmer und das auch noch für 15 Euro!“ Su zeigte mir dann aber, daß es sehr wohl noch andere Handtücher gab.

Etwas später erählte Su mir von der Möglichkeit, das Gepäck zu verschicken. Gepäck verschicken? Wie sollte das denn gehen? Und war das nicht geschummelt? Ich bekam ein ganz schlechtes Gefühl, als sie sagte, daß wir unsere Rucksäcke an einem bestimmten Ort abstellen und das Geld für den Transport in einen dazugehörigen Briefumschlag packen sollten. Das klang für mich total dubios. Auf den Briefumschlag selbst, kam dann der Name und die Adresse der nächsten Unterkunft hin. Also hieß das, daß ich erneut eine teure Unterkunft buchen mußte. Glücklicherweise hatte sich Su im voraus über alle Etappen informiert und reservierte für uns beide per Telefon, ein Bett. Da sie spanisch sprechen kann, was auch in Portugal verstanden wird, sparte uns das etwas Geld. Denn persönlich anzurufen, ist manchmal günstiger, als über ein Portal zu buchen. Ich schreibe bewußt manchmal. Ich habe es auch schon erlebt, daß die Preise gleich waren.

Für mich aber mit meiner knappen Berechung, fielen jetzt viel mehr Kosten an, als geplant. Einmal der Transport für den Rucksack mit 7 Euro und das Hostel. Denn in die öffentlichen Herbergen, wird der Rucksack nicht geliefert. Na ganz klasse, dachte ich. Das war so nicht geplant! Auf der anderen Seite, spürte ich aber, daß ich den Rucksack nicht mehr tragen konnte. Die Schmerzen waren so schlimm, daß mir schon das normale Laufen, auch ohne den Rucksack, sehr weh tat. Meine komplette Planung, sowohl finanziell, als auch generell, geriet ins Wanken. Ich versuchte als allererstes, den Dispotkredit bei meiner Bank zu erhöhen. Denn ohne den, ging gar nichts. Glücklicherweise, funktionierte das sogar noch am selben Tag. Das freute und deprimierte mich gleichermaßen. Denn das Geld ist ja nicht geschenkt, sondern muß mit (für mich) hohen Zinsen, auch wieder abbezahlt werden. Die Alternative, wäre dann aber, nur noch der Abbruch des Weges, gewesen. Und das kam schon mal überhaupt nicht in Frage. Ich wußte ganz genau, ich würde diesen Weg zu Ende gehen und wenn ich ihn bis nach Santiago kriechen muß! Trotzdem war ich ziemlich niedergeschlagen, um das mal gelinde auszudrücken. Denn ich ahnte bereits, daß das keine einmalige Angelegenheit mit dem Transport und der gebuchten Unterkunft werden würde. Denn so schnell, ist die Hüfte, leider nicht mal eben wieder ausgeheilt. Auch wenn ich versuchte, mir das einzureden.

Etwas später wollte ich mir noch etwas von der Stadt ansehen:

Camino Portugues-171627
Camino Portugues-171624
Camino Portugues-164851

Da ich aber nur schlecht laufen konnte, legte ich mich schließlich an den Fluß und hoffte, wenigstens etwas entspannen zu können. Immerhin, hatte ich über 48 Stunden nicht mehr geschlafen! Da ein Fest in der Stadt war, schwappte hin und wieder etwas Musik zu mir herüber. Das klang irgendwie mystisch. Kann ich gar nicht beschreiben. Wie Wellen mit verzerrter Musik, in so einem Gruselfilm. Ich ging schließlich ins Wasser, um meine Hüfte zu kühlen. Das half ein wenig. Und während ich im Wasser stand, fühlte ich mich mit einem Mal einsam, verlassen und traurig. Irgendwann ging ich in die Kirche, weil ich mir davon Besserung versprach. Es dauerte auch nicht lange und ich lies dort meinen Tränen freien Lauf. Ich fühlte mich wie ein Versager, hatte jetzt noch mehr Schulden am Hals (denn nichts anderes ist ein Dispokredit mit monatlich 10 Euro allein an Zinsen!), wußte nicht, ob diese Rucksacksache, auch wirklich eine gute Idee war und vermißte die Pilger aus der Tamelgruppe, die alle schon weiter gezogen waren.

Camino Portugues-170009
Camino Portugues-165724
Camino Portugues-165714

Etwas später fragten mich Su, ob ich mit ihr und den Frauen aus der Wohnung, etwas essen gehen wollte. Ich verzichtete auch hier, aus finanziellen Gründen, darauf. Nicht noch mal 10 Euro ausgeben. Denn das sogenante Pilgermenü für 5 -6 Euro, habe ich nur am Anfang des Weges gesehen. Je näher man nach Spanien kommt, umso teurer wird es. Auch hier ein Berechnungsfehler meinerseits. Ich hatte mich darauf verlassen, daß es überall günstige Pilgermenüs für 5-6 Euro geben würde. Gab es vielleicht auch mal. Das war aber wohl Jahre her. Hier kosteten die Menüs schon zwischen 8 und 10 Euro!

Nachdem Su vom Essen zurück kam, brachten wir unsere Rucksäcke in die betreffende Wohnung. Ich starb innerlich tausend Tode, weil ich nicht wußte, ob ich meinen Rucksack nochmal wieder sehen würde. Zu allem Übel, teilte mir meine Zimmernachbarin noch mit, daß sie im komplett Dunklen schlafen will und das ist etwas, was bei mir Panik verursacht. Denn ich habe oft furchtbare Alpträume und brauche deshalb wenigstens etwas Licht, wenn ich aus diesen erwache. Einfach um zu realisieren, daß es nur ein Alptraum war. Sie lies aber nicht mit sich diskutieren und meinte, sie wäre schließlich zuerst in dem Zimmer gewesen. Also schmiß ich mir nicht nur zwei Schmerztabletten, sondern auch noch eine Schlaftablette ein, um sowohl die Schmerzen, als auch meine wachsende Panik ignorieren zu können. Ich hatte einfach keine Energie mehr, mich herum zu streiten. Das war sicher auch feige. Ich hasse Auseinadersetzungen. In sowas bin ich nicht gut. Noch nicht. Ich ärgere mich dann hinterher, über meine Feigheit und hoffe, irgendwann mal etwas mutiger zu werden und mich auch, solchen Menschen gegenüber zu behaupten. Aber das sagt sich alles so leicht. Wie ich in meinen „Befrei Dich!“ Videos ja schon mal erzählt habee, wurde ich nicht gerade zu einer selbstbewußten Frau erzogen. Sondern zu jemand, der nicht zu widersprechen hat. Und das mal eben so ablegen, geht nicht.

Ich schrieb etwas optimistischer, als ich mich in Wahrheit fühlte, in mein Tagebuch:

1.Juni 2019

Nachdem ich über 48 Stunden nicht geschlafen habe, meine Hüften so weh taten, daß ich nicht mehr liegen konnte, habe ich schweren Herzens einen Ruhetag einlegen müssen. Letzten Endes war die Entscheidung richtig, denn nun geht es mir wieder besser und es kann morgen weiter gehen. Das soll die schwierigste Etappe sein, weil es einen Berg hinauf geht. Ich freue mich darauf, morgen weiter zu gehen!

Mein Jakobsweg – fünfter Tag von Tamel nach Ponte de Lima

Nachdem ich mich immer wieder hin und her gewälzt hatte, weil ich vor lauter Hitze nicht schlafen konnte, beschloß ich um 5 Uhr, mich leise nach unten in den Aufenthaltsraum zu schleichen. Dort stand nämlich ein Kaffeeautomat, der zu meinem Entsetzen, nur eine Pfütze Kaffee heraus gab. Also steckte ich noch einmal Geld hinein, um wenigstens meinen Becher voll zu kriegen. ^^

Ich hatte zwar fast gar nicht geschlafen, war aber trotzdem hellwach und dachte mir, daß es eigentlich nicht verkehrt wäre, heute mal früher los zu gehen. Schließlich würde es wieder sehr heiß werden und da war es einfach besser, wenn ich noch ein paar km im Morgengrauen zurück legen könnte. Nachdem ich meinen Kaffee ausgetrunken hatte, holte ich leise meine Sachen aus dem Schlafsaal und packte im Anschluß meinen Rucksack im Aufenthaltsraum.

Das hat etwas mit Respekt vor den anderen zu tun. Nicht jeder hält sich daran, es gibt auch ein paar Konsorten, die ihr Zeug, samt Rascheltüten, direkt im Schlafsaal packen. Denen ist es dann egal, daß andere vielleicht nicht, wie sie selbst, um 5 Uhr aufstehen wollen. Aber das scheint wohl leider auch mit zum Pilgern dazu zu gehören. 😉

Als ich fast fertig war, sah ich auch schon andere, die schnell zur Tür hinaus eilten. Ganz so eilig, hatte ich es dann doch nicht. Wenn ich eins nicht ab kann, dann ist das nämlich Streß am Morgen! Also lies ich die ganz Eiligen mal vorlaufen und machte mich nachdem der erste Schwung von Pilgern weg war, schließlich selbst auf den Weg.

Camino Portugues-070001
Camino Portugues-070052
Camino Portugues-070101

Es hat schon etwas, in der Frühe los zu gehen. Zumal ich für gewöhnlich, einen ganz anderen Tagesablauf habe. Ich bin nämlich eher ein Nachtmensch, der die Stille genießt und dafür aber bis Mittags schläft. Da ich Rente bekomme, kann ich das auch tun. Aber ich gebe zu, daß ich selbst damit nicht immer so glücklich bin.

Jetzt auf diesem Jakobsweg hingegen, war alles anders als sonst und hatte deshalb seinen ganz eigenen Zauber für mich. Die Sonne aufgehen zu sehen, das war schon etwas schönes! Und dann noch, durch diese wunderbare Natur zu wandern, unbeschreiblich.

Camino Portugues-073635

Die ersten 5 km kam ich sehr zügig voran, doch irgendwann kam der Punkt, wo die Sonne immer mehr an Energie gewann. Je heißer es wurde, desto langsamer wurde ich. Bestimmt um die Hälfte. Und es war noch gar nicht Mittag, als ich mich bereits immer wieder, in irgendwelche Schattenecken zwängte, um mich kurz auszuruhen.

Camino Portugues-080615
Camino Portugues-081102
Camino Portugues-083756

Irgendwann fiel mir auf, daß ich ja gar nichts zu Essen bei hatte. Darauf achtete ich eigentlich immer sehr. Aber in Tamel gab es kein Geschäft und der Herbergsvater war auch nicht da gewesen, um etwas aus dem Kühlschrank zu verkaufen. Mist, das hatte ich total verbockt. Hätte ich mal am Abend zuvor noch etwas geholt. Ich ärgerte mich über mich selbst, da ich schon gemerkt hatte, wie wichtig kleine Mahlzeiten, bei körperlicher Anstrengung sind. Nach einer Weile, bekam ich leichte Panikzustände und heulte Gott wieder mal die Ohren voll. Denn egal, wo ich auch herging, Es kam einfach kein Geschäft, um etwas zu kaufen. (Der Arme, was der sich alles während der Reise schon am Gejammer, von mir anhören mußte! 😉) Dann plötzlich, sah ich auf einmal das:

Camino Portugues-084113

Jede Menge selbst gebackene Muffins und andere Sachen, für nur einen Euro. Das war wirklich günstig. Da war nicht nur ein Muffin in der Tüte, sondern wirklich viele! Ich war unglaublich erleichtert und dankbar. Auch dieses Gefühl kann ich nicht mit Worten wieder geben!

Camino Portugues-092749

Etwas später, kam ich dann in ein kleines Örtchen und sah dort eine Wasserquelle. Da tauchte ich erst einmal meinen Kopf unter. Das war schon toll. Mein Hitzkopf, im angenehm kalten Wasser! 😂 Danach setzte ich mich, im Schatten der Kirche, auf eine Mauer und genoß die Ruhe.

Nach und nach, sah ich dann die Pilger aus Tamel auf mich zu kommen. Ich zeigte auf den Brunnen und einige von ihnen, nutzten ebenfalls die Gelegenheit, um sich etwas abzukühlen.

Es ist wirklich interessant. Egal wie schnell oder langsam man ist. Irgendwann, macht jeder eine Pause und in diesen überholt man entweder diejenigen, die vor einem waren oder umgekehrt. Ich habe mich immer total gefreut, wenn ich wieder Pilger gesehen habe. Auch hier ist es so, daß zwar jeder für sich geht (manche auch zusammen), aber es trotzdem eine große Gruppe ist. Eine Gemeinschaft. Ein unsichtbares Band von Menschen, die sich nicht kennen, aber doch miteinander verbunden sind. Es ist ein tolles Gefühl. Man geht zwar allein, aber ist doch nie allein. Es dauert nicht lange, dann kommt immer wieder jemand. Das ist auch etwas, was mir Sicherheit gegeben hat. Ich wußte genau, egal was wäre. In spätestens 3-5 Minuten, ist der nächste Pilger bereits da. Und irgendwann kommt auch der Punkt, da fängt man an, sich an die anderen zu gewöhnen. Sich zu freuen, wenn man sie sieht. Sie zu mögen. Aber auch hier fällt es mir schwer, diese speziellen Erlebnisse angemessen in Worte zu kleiden. Das muß man selbst erleben, um zu wissen, was ich meine.

Während man pilgert ist es, als wäre man Teil einer großen Familie. Und dabei spielt es keine Rolle welche Herkunft, Mentalität oder Sprache man hat. Das ist ein Zusammengehörigkeitsgefühl, was ich in der Form, noch nie erlebt habe. Etwas ganz besonderes und man duzt sich auch. Noch ein Zeichen, der Verbundenheit und Nähe zueinander. Ich habe mich darüber auch mit einigen Pilgern unterhalten, die das genauso empfanden wie ich. Ob es das gemeinsame Leiden ist, was so zusammenschweißt? Ich weiß es nicht. Vielleicht ist es auch einfach etwas, was sich nicht in Worte fassen läßt. Weil es größer ist, als jedes Wort, daß wir Menschen haben.

Nach dieser schönen Pause, raffte ich mich schweren Herzens wieder auf und quälte mich durch die Mittagshitze. Irgendwann merkte ich aber wieder meine Blasen an den Füßen und wurde immer langsamer, bis ich nur noch vor mich hin humpelte. Ich war richtig glücklich, als ich in ein Waldstück kam, was wenigstens etwas Schatten spendete. Nach einer Weile glaubte ich meinen Augen nicht zu trauen. Dort waren Engelstrompeten in Baumform und Callas ohne Ende. Es sah aus, wie in einem Märchenwald. Ich traf auf ein Pilgerpaar, die ebenfalls ganz verzaubert davon waren. Ich sagte zu ihnen, daß es sei wie in einem Märchenwald und jetzt eigentlich nur noch Schneewittchen fehlt. Da machte die Frau ein Foto von mir und meinte: „Jetzt ist das Schneewittchen auch da!“ Das fand ich lustig und wir lachten gemeinsam. Danach gingen sie weiter und ich genoß noch eine Weile diesen wunderschönen Anblick. Dieser Teil, war für mich der schönste auf meinem Jakobsweg. Ich habe versucht das zu filmen, aber so richtig, geben auch die Videos, diesen Zauber nicht wieder:

Schweren Herzens humpelte ich schließlich auch weiter und fragte mich, wie ich mit den Schmerzen und in der langsamen Geschwindigkeit, jemals in Ponte de Lima ankommen soll. Da blieb eigentlich nur noch eins. Die Blasen, welche mich am Gehen hinderten, aufzustechen. Und auch hier, wie durch ein Wunder, kam mit einem Mal, dieser wunderschöne Platz mit einem kleinen Bach.

Camino Portugues-125232

Sein Wasser war so kalt, daß meine Füße beim reinhalten, recht schnell betäubt waren. Und so, konnte ich die Blasen im Anschluß mit meiner Nähnadel, relativ schmerzfrei aufstechen!

Als ich alles verarztet hatte, zog ich meine Schuhe wieder an und machte mich erneut auf den Weg. Es war zwar noch immer elendig heiß, aber die wundervolle Aussicht, entschädigte mich sehr schnell für das Schwitzen:

Etwas später sah ich diesen schönen Baum, wo Pilger etwas von sich zurück gelassen hatten. Wahrscheinlich mit einem Gebet oder Wunsch verbunden:

Camino Portugues-134046
Camino Portugues-134146
Camino Portugues-134118

Auch hier wieder ein sehr schöner Platz, angelegt von Anwohnern für uns Pilger zum Rasten:

Camino Portugues-134618

Und an diesem Fluß wird Wäsche gewaschen:

Camino Portugues-154514

Ich war richtig glücklich, als ich irgendwann die Kaskaden von Ponte de Lima sah:

Und habe wahrscheinlich wieder mal ganz sparsam geguckt, weil ich mich fragte, woher diese Musik kam. Etwas später fand ich es heraus. Und zwar sind in den Straßenlaternen, Lautsprecher angebracht. Das ist schon ein sehr seltsames Gefühl, wenn man in die Stadt rein läuft und dann diese Art von Musik hört. Ich kam mir vor, wie in einen Film oder auch eine andere Zeit versetzt.

Camino Portugues-161645
Camino Portugues-161820

Total erleichtert, kam ich irgendwann in der Pilgerherberge an und war überrascht, wie groß, das Haus war. Zu meinem Pech, bekam ich hier ein Bett, unter dem extrem warmen Dach zugewiesen!

Camino Portugues-164201

Als ich den riesigen Raum betrat, sprach mich ein mir bekanntes Pärchen aus der Tamelgruppe an und sagten: „Wir haben gerade über dich gesprochen und uns gefragt, ob alles in Ordnung mit dir ist und du noch kommst.“ Das fand ich irgendwie schön und berührte mich. Zu wissen, daß sich zwei Menschen Gedanken machten, ob alles mit mir in Ordnung war. Das überhaupt jemand „Fremdes“ über mich nachdachte! Ich war immer einer der letzten Pilger, die in einer Unterkunft ankam. Das lag zum Einen an meinen Blasen und der Langsamkeit. Und zum Anderen, daß ich immer wieder viele Bilder, Videos und vor allem Pausen gemacht habe. Nicht nur, weil ich nicht so sportlich bin, sondern, weil ich all das Schöne, auch auf mich wirken lassen wollte. Es richtig wahr nehmen. Schließlich hatte ich nur 2 1/2 Wochen und wußte nicht, ob und wann ich jemals nochmal so etwas machen könnte. (Denn nun habe ich einen Dispokredit am Hals und der ist, bei meiner kleinen Rente nebst Grundsicherung, nicht mal eben abbezahlt. Klar möchte ich gerne den Camino France gehen, aber wahrscheinlich wird sich realistisch betrachtet, die Jahreszahl aus finanziellen Gründen, dann doch extrem nach hinten verschieben.) Das alles waren also Gründe, weshalb ich sehr langsam lief und umso überraschter war ich, daß sich zwei Menschen mit denen ich eigentlich nichts zu tun hatte, darüber Gedanken machten. Das hätte denen ja auch egal sein können, was hatten sie denn mit mir zu tun? Es war ihnen aber anscheinend nicht egal und auch diese Erkenntnis, hat mich wieder sehr berührt!

Was mein Schlafproblem anging, so sah ich, daß der riesige Raum einen schmalen Balkon hatte und deshalb beschlossen eine andere Pilgerin und ich, einfach unsere Isomatten auf den Balkon zu quetschen und dort zu schlafen.

Camino Portugues-212257
Camino Portugues-212243
Camino Portugues-212305

Nachdem ich aus finanziellen Gründen, nur eine Gemüsesuppe gegessen hatte, war ich ziemlich müde und freute mich schon, auf mein provisorisches Bett auf dem Balkon. Von unten klang noch Musik eines Festes zu mir herauf und ich muß ehrlich sagen, so einen schönen Ausblick, hatte ich wirklich selten in meinem Leben:

Nachdem ich auch das noch eine Weile auf mich wirken ließ und mich über die angenehm frische Luft freute, schrieb ich in mein Tagebuch:

31. Mai 2019

Der heutige Tag hat mich extrem gefordert, aber mir auch Orte gezeigt, die so schön sind, wie ich sie noch nie gesehen habe. Ich bin trotz der Schmerzen, immer wieder ergriffen von all der Schönheit um mich herum und den liebevollen Menschen. Und jedes Mal bin ich so unglaublich glücklich, wenn ich es trotz all der Blasen, Schmerzen in Hüfte und auch Knien trotzdem geschafft habe. Jetzt habe ich meine Isomatte raus geholt und schlafe mit einer anderen Frau auf dem Balkon. Nicht noch eine schlaflose Nacht. Die Aussicht ist doch der absolute Hammer! Morgen geht es ans schwierigste Stück der ganzen Strecke. Einen Berg hoch, wo auch schon andere Pilger wohl sehr geschnauft haben.

Mich motiviert auch, wenn ich anderen begegne, die dasselbe Ziel haben. Das sind alles innere Erlebnisse, die ich nicht mit Worten beschreiben kann!