Mein Jakobsweg – zwölfter Tag von Pontevedra nach Caldas de Reis

Da unsere nächste Unterkunft bereits gebucht war, teilten Su und ich, das gekaufte Essen vom Vortag, unter uns auf und verließen anschließend in aller Ruhe die Wohnung. Mein Schuhe, waren immer noch nicht ganz trocken. Aber es half ja nichts, da mußte ich jetzt eben durch. Dafür waren die restlichen Sachen, wieder einigermaßen getrocknet. Ich zog vorsichtshalber, meine Regensachen wieder über und hoffte, daß es heute nicht so stark regnen würde, wie am Vortag. Da ich wieder meinen Bröselkaffee, mit lauwarmen Leitungswasser getrunken hatte, verzichtete ich darauf in ein Cafe zu gehen und verließ gemütlichen Schrittes, Pontevedra.

Camino Portugues - Tag 12-090005
Camino Portugues - Tag 12-085956

Nachdem ich die Stadt verlassen hatte, erinnerte mich das Jakobsbild und etwas später, die Schrift auf der Mauer wieder daran, daß ich meinem Ziel immer näher kam und ich bekam eine Gänsehaut. Lange würde es nicht mehr dauern und ich war in Santiago. Allein der Gedanke, löste eine solche Vorfreude in mir aus, die ich mit keinem Wort, beschreiben kann!

Camino Portugues - Tag 12-092424
Camino Portugues - Tag 12-101516

Das Wetter hingegen, nervte mich total. Mal fing es an zu regnen und dann, wenn ich endlich wieder die volle Montur an hatte, hörte es plötzlich auf und wurde sehr warm. Es war ein ständiges an- und ausziehen, was meinem 8 Euro Regencape, gar nicht gefiel. Am Anfang, hatte ich nur Belüftungsschlitze, unter den Armen. Danach, kamen immer mehr Löcher hinzu. Wenn Du das Foto mal vergrößerst, siehst Du unter meinem Arm auf der rechten Seite im Achselbereich, bereits das erste große Loch. Ich versuchte es mit Humor zu sehen. Ich lachte sowohl über mein, sich auflösendes Regencape, als auch über meinen neuen Flirt, den das überhaupt nicht interessierte:

Camino Portugues - Tag 12-102729

Etwas später, sah ich dann diesen schönen Engel:

Camino Portugues - Tag 12-103726

Nach einer Weile, kam ich an einen der vielen Rastplätze für Pilger, wo Getränkeautomaten standen und man nicht nur gratis ein Klo benutzen durfte, sondern auch noch hätte duschen, können. Wer wollte, konnte etwas spenden, mußte es aber nicht. So etwas, habe ich bisher, ja noch nirgendwo gesehen. Bei uns zahlt man ja schon 50 cent für dreckige WCs und hier, konnte man sogar umsonst duschen! Das fand ich so toll, daß ich sogar ein Bild davon, gemacht habe:

Camino Portugues - Tag 12-105738

Da ich nicht duschen mußte, trank ich zur Unterstützung der Sache, stattdessen eine kalte Limo, aus dem Automaten und versuchte ein Foto von einer schneeweißen Katze, mit zwei verschiedenen Aufgenfarben zu machen. Das stellte sich, als gar nicht so einfach, heraus. Einem anderen Pilger, gelang dann ein schönes Bild. Ich fragte ihn, ob er mir das per bluetooth auf mein Handy schicken könnte. Aber er verneinte das, mit den Worten, das er das Foto verkaufen will. Okay…….

Also versuchte ich es weiter und er beobachtete mich dabei. Ich glaube, ich brauche nicht weiter zu erklären, wie unsympathisch, dieser Mensch mir wurde. Ich war froh, als ich es dann endlich geschafft hatte und präsentierte ihm aus Trotz das Ergebnis. Davon abgesehen, hatte er mir eh schon die ganze Zeit, auf mein Handy geschielt. „Hast es ja doch geschafft.“ meinte er überheblich. Ja, hatte ich! Als er mir dann noch oberlehrerhaft erklären wollte, daß ich die Augenpartie, ja noch ausschneiden könnte, habe ich ihm in dann Gedanken, ein paar nicht so freundliche Ausdrücke, an den Kopf geworfen… Für wen hielt der sich eigentlich? Ich war froh, als er weiter ging und ich lies ihm auch noch einen großzügigen Vorsprung. War besser, als irgendwann, doch noch mal ausversehen, „laut“ zu denken.

Camino Portugues - Tag 12-110928
Camino Portugues - Tag 12-111345

Im gleichen Ort, sah ich eine Werkstatt mit einem Vorhang aus Blechdosen. Das fand ich ja originell und war mir auf jeden Fall ein Foto wert. Was das hier an Pfand wäre- lool

Camino Portugues - Tag 12-113512

Und dann endlich, ging es wieder hinein, in die wunderschöne Natur. Vorbei an Bachläufen und kleinen Miniaturwasserfällen. Ein absoluter Traum zum Filmen, Fotografieren und Verweilen:

Camino Portugues - Tag 12-121620
Camino Portugues - Tag 12-120821

Da ich aber, noch eine lange Strecke vor mir hatte, konnte ich leider nicht allzu lange an den schönen Plätzen bleiben. Schließlich, war ich aufgrund meiner Hüftprobleme, eh schon extrem langsam. Nicht, daß mich das sonderlich gestört hätte, aber so hatte ich insgesamt nicht so viel Zeit, wie ich gerne an manchen Orten, verbracht hätte. Dafür beschloß ich dann aber, an diesem schönen Cafe anzuhalten und zur Abwechslung mal, einen heißen Kaffee, zu trinken.

Camino Portugues - Tag 12-125033
Camino Portugues - Tag 12-125006

Am Tisch gegenüber, saß eine junge Frau, mit einem älteren Mann. Es stellte sich heraus, daß es Vater und Tochter waren, die den Jakobsweg gemeinsam gingen. Sie lachten, waren glücklich und sprachen über die noch bevor stehenden Etappen. Wieder wurde ich traurig. Ich freute mich für die Beiden. Aber jedes Mal, wenn ich Eltern mit ihren erwachsenen Kindern den Jakobsweg gehen sah, versetzte es mir einen Stich und diese sah ich öfter. Ich versuchte, mich von dem Bild der Beiden loszumachen und auf etwas anderes zu konzentrieren.

Mein Regencape zum Beispiel. Bzw. das, was davon, noch übrig geblieben war. Ich riß mir ein ausreichend großes Stück davon ab, um mein Baguette als Regenschutz darin einzuwickeln und schmiß den Rest davon, in den Mülleimer. Dann stand ich auf und hoffte, daß sich für den Rest des Tages, der Sonnenschein durchsetzen würde. Glücklicherweise hielt sich das Wetter, bis auf ein paar ganz leichte Regenschauer, auch tatsächlich.

Weiter ging es, durch ein paar wirklich kleine Orte, mit nur vereinzelten Häusern; die aber dennoch, ihren ganz eigenen Charme, hatten. Besonders dieser tolle Bauerngarten, hatte es mir angetan:

Camino Portugues - Tag 12-140608

Und passend dazu, kam nur etwas später, dieses tolle Straßenschild:

Camino Portugues - Tag 12-142731

„Höre nie auf zu träumen!“ Wahre Worte und ich fragte mich auch sogleich, was meine Träume waren? Ich hatte Träume, bevor ich los ging. Waren es eigentlich noch immer dieselben? Ich stellte fest, daß ich keine Antwort mehr auf diese Frage hatte.

Ich hatte genau gewußt, was ich will. Nur wie ich es umsetzen könnte, war mir nicht klar. Aber mittlerweile, war so viel in mir passiert. Wollte ich jetzt immer noch dasselbe, was ich vor dem Jakobsweg gewollt hatte? Mein Traum war es stets, wieder im Spreewald zu wohnen. Das erste Gebiet, wo ich mich in meinem Leben, wirklich Zuhause gefühlt hatte. Auch wenn ich nicht gebürtig, von dort kam.

Bei meinem letzten Berlinurlaub, war ich wieder dort gewesen. Nach so vielen Jahren. Das Haus im Wald, was ich mit meinem Exmann bewohnt hatte, war nicht mehr dasselbe. Es war umgebaut und anschließend verlassen worden, weil die Baugenehmigung dafür gefehlt hat. Die Menschen, die früher in der Waldsiedlung gewohnt hatten, waren fast alle weg gezogen oder gestorben. Nur zwei alte Nachbarinnen, lebten noch dort. Sie erzählten mir, was in der Zwischenzeit alles geschehen war. Der ganze Ort, inklusive der Waldsiedlung, die etwas außerhalb lag, waren bis auf wenige Menschen verlassen. Es hat mir fast das Herz zerrissen. Aber komischerweise TROTZDEM nichts, an meinem Zuhausegefühl, geändert. Als ich aus dem Bus stieg, fühlte ich, ich war Zuhause und ich wußte, daß dieser Ort in meinem Herzen, immer mein Zuhause bleiben würde. Genauso spürte ich intensiv, daß ich irgendwann einmal, dorthin zurück kehren wollen würde.

Irgendwann… Irgendwie… Wenn es dort wieder so etwas, wie eine Infrastruktur gäbe. Das war mein Traum. Zurückgezogen leben, mitten im Wald. Wie früher. Mit nur wenigen Nachbarn, Ruhe und Frieden. Nicht im selben Haus, wie damals. Aber irgendwo dort, in der Nähe.

Doch wollte ich das NOCH IMMER? Hier auf dem Jakobsweg, hatte ich gemerkt, wie schön es sein kann, auch mal unter Menschen zu sein. Zumindest ab und zu. Ich würde nie ein Stadtmensch werden, das war klar. Aber ein totales Eremitendasein wie bisher? Bis an mein Lebensende? Hatte ich wirklich, immer noch denselben Traum? Ich war mir nicht mehr sicher und ging gedankenversunken weiter.

Schließlich kam ich zu diesem Straßenschild und dachte nur ganz erstaunt: „WOW!“ Über die Autobahn wären es nur noch 40km bis zum Ziel! 40!!!

Camino Portugues - Tag 12-150819

Ich bekam wieder eine Gänsehaut. Nur noch wenige Tage, dann war ich da. Mein Gott! Etwas später, zeigte dann der Wegweiser des Jakobswegs 50 km an und auch das, war einfach nur, ein Wahnsinnsgefühl! Ich konnte es nicht fassen. So weit gelaufen, trotz allem und schon bald war ich am Ziel…

Camino Portugues - Tag 12-151408

Und weiter ging es, durch wunderschönen Weinstöcke:

Camino Portugues - Tag 12-152108

Bis zu diesen süßen Eseln, denen ich ebenfalls eine Weile zusah:

Camino Portugues - Tag 12-155114

Dann kam wieder, ein liebevoll gestalteter Rastplatz, für Pilger. An diesem habe ich jedoch nichts getrunken, weil ich weiter wollte. Trotzdem fand ihn so schön gestaltet, daß ich davon mal zwei Fotos gemacht habe:

Camino Portugues - Tag 12-160535
Camino Portugues - Tag 12-160545

Nur etwas später, kam ein weiteres Stopschild, mit einem anderen Text:

Camino Portugues - Tag 12-162504

„Hör auf zu jammern und fang an glücklich zu sein!“ Prinzipiell nicht so einfach, aber in diesem Augenblick, konnte ich es. Schließlich war das Wetter besser, die Landschaft schön und es waren weniger als 50 km bis zum Ziel. Wenn das nicht glücklich machte, dann wußte ich es ja auch nicht! Und wie zur Belohnung, kam ich schließlich auch, in Caldas de Reis an. Als erstes, steuerte ich natürlich, die Unterkunft an. Su hatte mir von unterwegs, bereits eine whatsapp geschickt, daß das Hostel super wäre und ich mich schon mal freuen könnte. Tatsächlich. Hier gab es eine Küche, ein gemütliches Zimmer, zwei Bäder und auch genug Platz, um Wäsche aufzuhängen.

Allerdings, wollte der erst mal gefunden werden. Su sagte nur, beim Badfenster. Aber ich stand davor und sah einfach nichts. Irgendwann war ich so verzweifelt, daß ich es öffnete. „Ach nö…“, dachte ich mir nur. Da waren also, die Wäscheleinen. Ich schaute nach unten. Wir waren recht weit oben und es wäre echt blöd, wenn mir da was runter fiel. Also zog ich die Leine, immer schön langsam zu mir heran und kontrollierte jede Wäscheklammer, doppelt. Ich hatte nämlich keine Ahnung, wie ich in den Innenhof kommen könnte, falls mir doch ein Wäschestück nach unten flog. Ich war richtig erleichtert, als endlich alles hing.

Camino Portugues - Tag 12-172409
Camino Portugues - Tag 12-182405

Anschließend ging ich wieder in die Stadt, um nach etwas eßbarem Ausschau zu halten. Am Ortseingang hatte ich etwas, von einem günstigen Pilgermenü gelesen und machte mich, auf den nicht ganz unweiten, Weg. Immerhin, konnte ich mir so, noch mal die Naturlandschaft innerhalb des Ortes ansehen und war begeistert:

Camino Portugues - Tag 12-204505
Camino Portugues - Tag 12-204824
Camino Portugues - Tag 12-165611

Natürlich, wollte ich auch die Kirche, in Caldas de Reis besuchen und hatte wie am Tag zuvor Glück, daß der Gottesdienst kurz bevor stand. Das Beste daran war allerdings, daß es diesmal keine Orgelmusik, sondern Gitarrenmusik gab. Neben dem offiziellen Sänger, sang auch die ganze Gemeinde, Lied für Lied mit. Als dann zum Abschluß noch das Lied „blowing in the wind“ auf spanisch erklang, hatte ich nicht nur Gänsehaut, sondern auch Tränen in den Augen. So wunderschön war das! Ich war viel zu ergriffen, um das zu filmen. Außerdem wollte ich es erleben und spüren. Mit einer Kamera in der Hand, geht das nicht so gut! Aber ich machte dafür im Anschluß ein Foto. Rechts sind also der Gitarrenspieler, mit dem Hauptsänger zu sehen:

Camino Portugues - Tag 12-203358

Für diejenigen, welche das Lied nicht kennen, habe ich es, als ich wieder Zuhause war, mal nachgesungen. Egon hat mich dann dazu, auf seiner Gitarre begleitet. Zur Erinnerung, an diesen wundervollen Gottesdienst. Nein, natürlich nicht professionell oder gar auf spanisch. Die Sprache, beherrsche ich leider nicht. Aber dafür spontan und auf englisch:

Nachdem der Gottesdienst vorbei war, freute ich mich, endlich etwas essen zu können. Als ich mich bis zum Ortseingang, der auf einem Hügel lag, hoch gekämpft hatte; bestellte ich mir, das angepriesene Pilgermenü. Aber irgendwie war der Geschmack, doch extrem bescheiden und ich aß deshalb nur, das Allernötigste. Auf dem Rückweg freute mich innerlich bereits, auf die Reste meines Baguettes, das ich noch übrig hatte. Ich machte noch ein paar Fotos und genoß dabei, den schönen Abendspaziergang:

Camino Portugues - Tag 12-222225
Camino Portugues - Tag 12-221028
Camino Portugues - Tag 12-220942
Camino Portugues - Tag 12-222928

In der Unterkunft angekommen, begutachtete ich stolz, meinen Pilgerausweis:

Camino Portugues - Tag 12-074444

Dann las ich noch einmal meinen Tagebucheintrag durch, den ich in der Bar geschrieben hatte, während ich versuchte, mir das Pilgermenü herunter zu würgen:

7. Juni 2019

Der heutige Tag war echt anstrengend. Besonders am Anfang gab es einen ständigen Wechsel zwischen Regen und Sonne. Kaum hatte ich mein Regencape aus, weil es nicht mehr regnete und schnell heiß wurde, kam der Regen zurück und umgekehrt. Irgendwann hatte mein schwarzes 8 Euro Regencape, dann eine Achselbelüftung, dicht gefolgt von einzelnen Lüftungsschlitzen. Ja… Ich habe mir dann einen Teil abgerissen, was absolut keiner Anstrengung bedurfte und es so als Baguettetrockenhalter umfunktioniert. 😂😂😂

Jetzt sitze ich in einer Bar, mit recht beschiss… ähm bescheidenem Essen, aber schnellem wlan. Man muß ja immer das Gute im Schlechten suchen 😜

Es war wunderbar, durch die ganze Weinreben zu laufen. Landschaftlich, mit eines meiner absoluten Highlights, auf dem Jakobsweg.

Ich hatte das Glück, wieder ein Gottesdienst abpassen zu können und diesmal gab es dazu Gitarrenmusik. Das Lied „blowing in the wind“ auf spanisch, von der Gemeinde gesungen. Was soll ich sagen? Gänsehaut pur und mir liefen wieder die Tränen. Einfach schön!

Morgen habe ich einen Gewaltmarsch von 30 km vor mir, sofern mir nicht vorher die Füße abfallen. Das ist aber meine eigene Schuld, da ich bei der Buchung meiner Unterkunft nicht bemerkt habe, wie weit sie von meinem ursprünglichen Ziel „Padrón“ entfernt ist. Das war der kleine Zusatz „bei Padrón…“ 🙈🤣🙈 Aber als kleiner Trost, check in ist bis 21 Uhr und es liegt eh auf dem Weg. Dafür sind die letzten 2 Etappen dann auch extrem chillig!

Jetzt werde ich mich gleich ins Bett schleppen und wahrscheinlich Komaschlaf halten.

Ps: Und so verboten rum rennen, kann man auch nur hier als Pilger. Stört absolut keinen! Ich war sogar so in der Kirche.

Alle meine Sachen sind auf der Wäscheleine und die Schuhe zieht jeder aus, damit die Füße Luft kriegen. 😂😂😂

Camino Portugues - Tag 12-215722

Mein Jakobsweg – elfter Tag von Cesantes nach Pontevedra

Kurz bevor ich mich auf den Weg machte, unterhielt ich mich noch einmal mit Ralf und fragte ihn, ob er den Kontakt aufrechterhalten möchte. Zu meiner Freude bejahte er das und wir tauschten die Nummern aus. Dann machten wir noch ein Foto von einander und ich lachte innerlich, als ich sah, daß er genau wie ich auch, seine Brille, vor dem fotografieren abnahm. Eine lustige Gemeinsamkeit. Danach nahm ich mir, einer inneren Eingebung folgend, aus der Grabbelkiste, noch einen roten Regenponcho mit, da ich meinem jüngst gekauften, irgendwie immer noch nicht über den Weg traute. Das war die zweite Herberge, wo ich so eine Kiste, mit zurück gelassenen Dingen der Pilger sah. Aber gut, ich war ja auch, seit Ponte de Lima nicht mehr in offiziellen Herbergen gewesen. Dies war zwar auch keine offizielle Herberge, aber trotzdem stellten sie so eine Kiste zur Verfügung, was mich freute. Zum Schluß, schrieb ich noch einen Gästebucheintrag, verabschiedete mich bei Ralf und machte mich auf den Weg (Dieser schrieb mir übrigens gestern, daß es in Cesantes, doch einen Supermarkt gibt. Ich hatte ihn nur nicht gefunden. Ich kann von daher auch keinen Tip geben, wo der ist. Aber es gibt ihn.):

Camino Portugues - Tag 10-090826

Nach ein paar Minuten, ging es erst mal anständig bergauf. Vor mir sah ich ein Pilgerpaar, die von ihrem Fahrrad gestiegen waren und schoben. Ich wäre das auch nicht hoch gefahren! So quälten wir uns gemeinsam die Anhöhe hoch und das bei mir, mit nur einer Tasse Kaffee, im Blut. Danach war ich auf jeden Fall sowas von wach und japste, wie die anderen beiden, vor mich hin. Oben angekommen, sah ich dann eine ganze Muschelwand, beschrieben mit unterschiedlichsten Gedanken und Wünschen. Sogar seine Schuhe, hatte jemand zurück gelassen!

Camino Portugues Tag 11
Camino Portugues Tag 11

Zwei der Muscheln, hatten mich extrem berührt. Ein Mann hatte jeweils eine Muschel für seine Frau und eine für seinen Sohn geschrieben. Nachdem ich gestern die Kerze für meinen Vater angezündet hatte, berührte mich das natürlich besonders stark und ich wurde wieder traurig. Wie gesegnet Frau und Sohn doch waren, so sehr geliebt zu werden:

Camino Portugues Tag 11

Anschließend ging es weiter durch den Wald:

bis zu einer tollen Aussicht, über einen See:

Camino Portugues Tag 11

Als ich im nächsten Ort ankam, beschloß ich, nach meinen Blasen zu sehen und eventuell die Fäden heraus zu ziehen. In dem Augenblick kamen zwei Frauen vorbei, die Krankenschwestern waren und schüttelten den Kopf, als ich ein neues Pflaster, auf meinen noch immer vor sich hin suppenden Zeh, kleben wollte . Dann holten sie aus ihrem Rucksack eine Kompresse und Klebeband und befestigten es damit, auf der Wunde. Auch das war, wie sich hinterher heraus stellte, die richtige Entscheidung. Schließlich drückten sie mir noch ein Blasenpflaster in die Hand und zeigten auf eine Stelle am Fuß, die noch gar keine Blase hatte. Sie sagten, da würde die Nächste kommen, wenn ich das nicht sofort abklebte und gingen weiter. Ich bedankte mich bei Ihnen und Gott, daß er mir die beiden im rechten Augenblick vorbei geschickt hatte. Von all den Pilgern, in dem Augenblick, auf zwei Krankenschwestern zu treffen, war schon extrem unwahrscheinlich und doch waren sie auf einmal da. Da ich mir aber nicht vorstellen konnte, daß an der angedeuteten Stelle wirklich eine Blase kommen würde, steckte ich das Pflaster erst einmal ein, um es mir für den Notfall aufzusparen. Ich hatte mich zwar mit Pflastern eingedeckt. Aber nur mit den billigsten und die beiden hatten mir ein richtig teures Blasenpflaster geschenkt. Das wollte ich in dem Augenblick nicht verschwenden. Wie sich später jedoch heraus stellte, behielten sie Recht und ich bekam genau an der prophezeiten Stelle, tatsächlich eine Blase. Ich war sprachlos. Ich schwor mir dann, zukünftig auf einen solchen Rat zu hören, wenn ich noch einmal einen bekommen sollte. Bevor ich den Ort verließ, an dem ich meine Füße versorgt hatte, freute ich mich auch hier wieder, die kleinen Pilgerandenken zu sehen:

Camino Portugues Tag 11

Nach einer Weile kam ich immer näher, an den See heran. Es war wirklich schade, daß es so düster war, sonst hätten die Videos und Fotos ganz sicher noch viel schöner gewirkt. Aber so ist es auf dem Jakobsweg, wie auch im Leben generell. Man muß es nehmen, wie es kommt und dann eben das Beste draus machen:

Camino Portugues Tag 11
Camino Portugues Tag 11
Camino Portugues Tag 11

Anschließend ging es durch kleine Gassen wieder nach oben und etwas später, auch aus dem Dorf. Als dann große Steine kamen, auf denen es abwärts in den Wald ging, habe ich erneut versucht, während des Laufens zu filmen; um einen intensiveren Eindruck, vom Weg zu vermitteln. Da es ja anfangs bergab und später über unebenen Boden ging, war die ruhige Kameraführung allerdings, nicht ganz so einfach.:

Etwas später, kam ich zu einem langen Drahtzaun, an dem überall von Hand gefertigte Kreuze aus den herumliegenden Ästen, befestigt waren. So etwas hatte ich ja noch nie gesehen. Ich nahm an, daß die Pilger, im Gedenken an ihre Verstorbenen diese hinterlassen hatten:

Nachdem ich fertig war mit filmen, kam noch einmal ein anderer Zaun mit neuen Kreuzen und so befestigte ich dann auch ich im Gedenken, an meine verstorbenen Großeltern und zwei andere liebe Frauen, die ich an den Krebs verloren hatte, ein Kreuz am Zaun:

Camino Portugues Tag 11

Doch zuvor traf ich Barbara auf diesem schönen Wegstück links wieder:

Camino Portugues Tag 11

Sie erkundigte sich nach meinem Empfinden und sprach erneut ihre Bewunderung aus. Sie sagte, daß sie ihren Mädels, bereits von mir erzählt hatte. Ich wußte zwar nicht, wer das war, freute mich aber darüber. Sie sagte, sie könne gar nicht glauben, wie (emotional) stark ich sei und wie viel Gottvertrauen ich hätte. Auch sie hatte mich gefragt, ob ich keine Angst hätte, den Weg allein zu laufen. Das verneinte ich und sagte ihr, daß ich ja schließlich den Jakobsweg gehe und Gott immer bei mir ist. Was soll mir denn da passieren? Wenn ich irgendwo sicher bin, dann doch hier. Und das empfand und meinte ich auch so. Sie staunte, holte ihr Handy heraus und machte ein Foto von uns. Sie sagte, da sie mich jetzt schon zum zweiten Mal gesehen hatte, mußte sie unbedingt ein Foto von uns Beiden machen. Ich machte im Anschluß, dasselbe mit meinem Handy. Da ich aber nicht weiß, ob ihr eine Veröffentlichung dieses Bildes hier recht wäre, werde ich es auch nicht abbilden. Anschließend trennten wir uns wieder.

Wieder im Wald, sah ich dann diese interessanten Figuren und stellte mich für ein Foto hinter sie:

Camino Portugues Tag 11
Camino Portugues Tag 11

Nach dieser Pilgerfigur, mit den angemalten Schuhen (gelb für Santiago de Compostela und blau für Fatima als Ziel), ging es weiter durch den Wald:

Camino Portugues Tag 11
Camino Portugues Tag 11

Aber schon nach kurzer Zeit, wurde es sehr windig und fing an zu regnen:

Also kramte ich nach dem Video, mein 8 Euro Regencape aus dem Rucksack und fragte lachend eine vorbei kommende Pilgerin, ob sie mal ein Bild, von mir in diesem schicken Teil machen könnte. Ich sah aus wie ein schwarzer Luftballon. Noch ein bißchen mehr Wind und ich würde wahrscheinlich abheben:

Camino Portugues Tag 11
Camino Portugues Tag 11

Vorsichtshalber, verpackte ich meine Technik, doch noch mal in Zippbeuteln. Sicher ist sicher! Und dann fing es auch tatsächlich, richtig an, zu schütten. Ich war so erleichtert, als ich eine offene Kapelle fand, in die sich auch schon eine andere Pilgerin geflüchtet hatte. Das Regencape schien zwar dicht zu sein. Allerdings, hatte es vorne nur ein paar Druckknöpfe und durch den Wind, kam der Regen durch die Lücken. Gut, daß ich mein Handy in dem Zipbeutel hatte. Ich stellte meine Stöcke ab und stempelte meinen Pilgerausweis. (In vielen Geschäften, Kapellen oder auch Herbergen, kann man sich den Stempel selber geben. Ist ja auch eigentlich wurscht, wer den gibt. Denn da ist da!) Leider tropfte aber etwas Wasser von meiner Kleidung, auf meine vorherigen Stempel, was ich sehr schade fand, da sie deshalb leicht verliefen. Ich versuchte die Wasserflecken weg zu tupfen und steckte anschließend, den Ausweis wieder in meine Tasche. Jetzt erst fiel mir auf, wie mystisch diese Kapelle, so ganz ohne elektrisches Licht, nur von Kerzenschein erleuchtet, eigentlich wirkte. Das Unwetter draußen, verstärkte den Eindruck natürlich noch. Auch das versuchte ich in einem Video einzufangen:

Die Pilgerin und ich beschlossen, den Regenguß abzuwarten, der sich ja gleich, bestimmt wieder geben würde.

Camino Portugues Tag 11

Aber irgendwie verbesserte sich nichts. Dann kam mit einem Mal die Gruppe, der Amerikanerinnen vorbei gelaufen, die mir in Rubiães, das Desinfektionsmittel geschenkt hatten. Ich rief ihnen zu, daß sie in die Kapelle kommen sollten, wenn sie einen Stempel haben wollten. Natürlich wollten sie und ich zeigte ihnen, wo er war. Während dessen nahm das Unwetter draußen, immer mehr zu und nach einem Blick auf meine Wetterapp, zeigte sich, daß abwarten nichts bringen würde. Als ich mit Entsetzen fest stellte, wie das Regenwasser auf der Sraße, sich zu immer größeren Fützen ansammelte, wußte ich, daß wir alle weiter gehen sollten. Die Pilgerin, die ich bei meiner Ankunft getroffen hatte, machte sich sofort auf den Weg. Kurz bevor auch die Amerikanerinnen und ich gehen wollten, schaute ich, einer inneren Eingebung folgend, noch mal auf mein Handy. Gott sei Dank! Denn da ich whatsapp Nachrichten, grundsätzlich auf lautlos stelle, hätte ich die wichtige Nachricht von Su sonst verpaßt. Sie warnte mich eindringlich vor dem Complementario. Da ich bisher keinen Reiseführer gelesen hatte, wußte ich natürlich erst mal nicht, was das sein sollte. Ich fragte die Amerikanerinnen und diese hatten, den Reiseführer, gelesen. Sie erzählten mir, daß dies eine Abzweigung nach Pontevedra sei, die noch kommen würde. Das ist im Prinzip, ein wunderschöner Naturweg, aber nur bei gutem Wetter. Su erzählte mir später, daß sie mit einer Gruppe unterwegs war, die alle bis zu den Knien im Schlamm und Wasser steckten. Die Flüsse waren über die Ufer getreten und sie versuchten sich da durch zu kämpfen, um da raus zu kommen. Ich besprach mich mit den Amerikanerinnen und fragte sie, ob sie wüßten, wo der Complementario genau sei. Sie meinten, das sei eine Abzweigung, die wohl kurz bevor stand. Und noch heute, bekomme ich eine totale Gänsehaut, wenn ich daran zurück denke. Da der Regen nun schon waagerecht zu kommen schien und überall hin peitsche, zog ich meinen roten Poncho, zusätzlich über. Gemeinsam gingen wir hinaus und versuchten uns zu beeilen. Die kleinen Rinnsaale an der Seite der Sraße, waren bereits über die Ufer getreten und es war das erste Mal, daß ich Angst bekam. Sowas kannte ich nur aus dem Fernsehen. Von überall kam das Wasser und ich versuchte mich innerlich zu beruhigen. Dann sah ich, was Su meinte. Wieder zwei verschiedene Wegweiser, wo einer sichtbar in die Natur führte und der andere, nur langweilig an der Straße lang. Ohne Sus Warnung, hätten wir alle, den Naturweg genommen. Nur durch ihre Warnung und eine innere Stimme, die mir sagte, noch mal auf mein Handy zu sehen, wurden wir vor diesem Desaster bewahrt. Dieses Mal, beschloß ich bei den anderen zu bleiben, da wir als Gruppe, die besseren Chancen hatten, hier durch zu kommen. Wir hielten unsere Ponchos fest, die flatterten, wie kleine Fähnchen im Wind und versuchten uns gemeinsam durch hohe Pfützen, Sturm und vorbei an herunter kommenden Wassermassen, zu kämpfen. Wenn dieser Weg an der Straße, schon so schlimm aussah, dann wollten wir gar nicht erst wissen, was uns auf dem Naturweg, gedroht hätte. Und immer, wenn die Angst durchkommen wollte, betete ich innerlich zu Gott und versuchte mir immer wieder zu sagen, daß er uns doch nicht die Warnung geschickt hätte, um uns hier verunglücken zu lassen. Irgendwann sahen wir ein Polizeiauto, durch die Wassermassen auf uns zu fahren und waren erleichtert, als wir sahen, daß der Polizist kurz nach uns Ausschau hielt. Als er sah, daß alles in Ordnung war, fuhr er weiter. Wahrscheinlich auf der Suche nach einzelnen Pilgern, die nicht mehr weiter kamen. Wir hatten großes Glück, denn kurz danach, kam Pontevedra in Sicht. Ich war so unglaublich dankbar und erleichtert, daß ich laut schrie und im Regen tanzte. Wir waren hier durch gekommen. Alle. Heile. Danke Gott! Ein Mann, der sich bei einem Gebäude untergestellt hatte, guckte mich befremdlich an und ich lachte noch lauter. Was der jetzt dachte, war mir wirklich, zum ersten Mal in meinem Leben, scheißegal! Ich war nur noch glücklich und dankbar. Genauso wie die Amerikanerinnen. Der Mann muß echt gedacht haben, daß wir alle einen an der Waffel haben. Getreu dem Motto. „Die spinnen, die Pilger!“ Ich lachte nur, am meisten über mich selbst. Ich hielt mein Gesicht in den strömenden Regen und war so glücklich!

In der Stadt trennten wir uns dann, da sie woanders als ich, übernachteten.

Als ich die Pension betrat, die nichts anderes, als eine große Wohnung war; wo nicht nur die Besitzerin, als auch, deren riesige Familie wohnten, staunte ich über die Einrichtung. Ich hatten den Eindruck, als würde ich in eine andere Zeit eintreten.

Als erstes jedoch, zog ich alle nassen Sachen aus und hängte sie, an die Gaderobe. Die Schuhe stellte ich, auf das überall bereit gestellte Zeitungspapier und war froh, daß die Besitzerin, eine Standheizung, angemacht hatte. Als ich die Zimmertür öffnete, mußte ich kurz lachen. Ich hatte noch nie in meinem Leben, ein rautenförmiges Zimmer gesehen. Auf dem Foto, kommt das leider nicht so gut rüber.

Camino Portugues Tag 11

Ich bedankte mich nochmal bei Su und sah ihr beim Schuhe Fönen zu. Nachdem ich geduscht und mir trockene Kleidung angezogen hatte, machte ich noch ein paar Bilder von der Wohnung und konnte mir das Grinsen, immer noch nicht verkneifen:

Camino Portugues Tag 11
Camino Portugues Tag 11

Da der Regen komplett aufgehört und ich Hunger hatte, machte ich mich auf den Weg in die Stadt. Damit meine Regensachen wenigstens eine Chance zu trocknen hatten, lies ich sie da. Aber natürlich kam, was kommen mußte. Es fing, ganz plözlich an, erneut zu regnen. Eigentlich hätte ich mir das ja denken können und ich seuftze. Doch bevor es richtig los ging , sah ich plötzlich am Boden und zwar direkt vor meinen Füßen, einen Regenschirm. Das ist jetzt wirklich kein Witz! Da hatte jemand, wahrscheinlich aus der großen Touristengruppe, die vor mir her gegangen war, einen Schirm hin geschmissen. Gut, er war ein bißchen verbogen und verbeult. Aber, funktionierte wenigstens noch. Ich war unglaublich berührt und dachte mir nur, das glaubt Dir kein Mensch! Drei Wunder, an einem Tag. Für die meisten Menschen wahrscheinlich, ein Zufall. Nein, drei Zufälle. Aber für mich, sind und bleiben es drei WUNDER.

1: Die zwei Krankenschwestern zur rechten Zeit

2: Sus Warnung und die innere Eingebung, nochmal auf mein Handy zu sehen, damit ich sie rechtzeitig bekommen konnte

3: Der Schirm. Es fängt an zu regnen und vor meinen Füßen, liegt ein zwar zerdellter, aber funktionierender Regenschirm.

Das war so wundervoll für mich! Daraufhin machte ich ein paar Bilder und Videos von der Innenstadt und freut mich nach dem Regenguß, wieder über die ab und zu durchkommende Sonne:

Camino Portugues Tag 11
Camino Portugues Tag 11

Camino Portugues Tag 11
Camino Portugues Tag 11
Camino Portugues Tag 11
Camino Portugues Tag 11
Camino Portugues Tag 11
Camino Portugues Tag 11

Das Kloster und die Kirche fand ich sehr schön und weil ich so eine Dankbarkeit empfand, hätte ich gerne eine Messe miterlebt. Aber leider gab es zu dieser Zeit, wohl keine. Also ging ich noch ein bißchen durch die Straßen und schaute, wo ich günstig etwas zu Essen bekommen könnte. Ich ging eine ganze Weile und kam irgendwann, wieder kurz vor der Kirche an. Mit einem Mal, winkte mir das deutsche Pärchen zu, welches ich schon in Rubiães getroffen und ihnen den Weg zum „Supermarkt“ gezeigt hatte; sowie in O Porriño, wo sie mich nach meinen Beweggründen für den Jakobsweg gefragt hatten. Ich ging erfreut zu ihnen und sie erzählten mir, daß sie gerade in der Kirche waren, um diese zu besichtigen. Aber dann, hatte wohl, sowas wie ein Gottesdienst angefangen, da sind sie wieder gegangen. Da sie sich aber, noch daran erinnerten, daß ich gläubig sei, wäre das doch sicher was für mich. Ich fragte sie, wann das war und sie sagten, gerade eben. Ich bedankte mich und rannte aufgeregt zur Kirche, von der ich nur wenige Meter entfernt war. Ich hatte sogar noch mehr Glück, denn es war nur das Ave Maria und die eigentliche Messe, hatte noch gar nicht angefangen.

Im Anschluß, ging ich in einen Supermarkt und deckte mich mit Lebensmitteln ein. Da Su mir, am Abend zuvor so viel von ihrem Essen geschenkt hatte, kaufte ich für uns Beide, genügend Vorrat für den nächsten Tag und staunte nicht schlecht, als Su mir dann sagte, daß sie ebenfalls wieder etwas für uns gekauft hatte. Jetzt hatten wir wirklich viel zu Essen! Als ich merkte, daß meine Schuhe einfach nicht trocknen wollten, schnappte ich mir ebenfalls den Fön und versuchte meine Schuhe trocken zu kriegen. Denn mit nassen Wanderschuhen zu laufen, war absolut nicht schön! Ich guckte ganz schön blöd aus der Wäsche, als der dann einfach ausging. „Überhitzt“, sagte Su. „Du darfst den nicht in den Schuh rein halten. Der Fön ist alt! Der geht dann aus.“ Ooops dachte ich. Nach einer Weile, ging er glücklicherweise, trotzdem wieder an und ich versuchte erneut mein Bestes. Bevor wir schlafen gingen, konnten wir nicht umhin, uns noch über das rautenförmige Zimmer, schlapp zu lachen.

Danach schrieb ich in mein Tagebuch:

6. Juni 2019

Dieser Tag war extrem verregnet, um das mal ganz gelinde auszudrücken. Jetzt wußte ich zum ersten Mal, weshalb ich das ganze Regenzeug eigentlich mitgeschleppt hatte und nicht nur das. Da ja, meine Regenjacke nicht dicht war, hatte ich mir ein Regencape gekauft, von dem ich erst mal nicht wußte, ob das auch wirklich dicht ist. Deshalb hatte ich mir noch (einer inneren Eingebung folgend) einen knallroten Poncho aus der Grabbelkiste mitgenommen. In manchen Herbergen oder Hostels, lassen Pilger ihre Sachen für andere zurück.

Und dann fing es auch an zu regnen, erst nur ganz langsam und dann immer mehr. Das schwarze Regencape erwies sich auch als dicht, nur konnte man es vorne nicht so gut schließen. Also habe ich mir den Poncho drüber gezogen, denn der Regen peitsche von allen Seiten. Kurz bevor ich vor der Wahl zwischen 2 verschiedenen Wegen stand, bekam ich eine whatsapp von Su, daß ich eine der beiden Wegvarianten auf gar keinen Fall gehen soll, weil sie bei dem Wetter gefährlich ist. Sie war gerade mit einer Gruppe dort und standest knietief im Wasser und Schlamm. Es gab kein Durchkommen. Dieser Weg wäre übrigens genau der gewesen, den ich genommen hätte; da der Naturweg bekanntlich schöner, als der an der Hauptverkehrsstraße ist.

Also entschied ich mich natürlich, für den ungefährlicheren Weg. Das Wasser sammelte sich aber auch hier schon in riesigen Fützen und die kleinen Wasserläufe an der Seite, begannen über zu treten. Die Sicht war schlecht und jetzt wußte ich auch, wofür der rote Poncho da war. Nämlich damit ich von den Autofahrern gut gesehen werde.

Als ich später in unserer Unterkunft ankam, hörte es dann auf zu regnen und ich ging in die Stadt. Aber ohne das ganze Regengedöns. Dann plötzlich fing es wieder an und es ist unglaublich, was direkt vor meiner Nase lag… Ein Schirm, nur leicht angedellt, aber funktionsfähig. Den hatte jemand aus der großen Touristengruppe vor mir, dort hin geschmissen, weil er ihn aufgrund des Knicks in der Optik, wohl nicht mehr wollte.

Es war dann auch nicht verwunderlich, daß mir etwas später zwei Deutsche aus einer der vorletzten Unterkünfte begegneten und mitteilten, daß gerade ein Gottesdienst in der Kirche nur 1 Minute von mir entfernt begann. Das wäre doch was für mich. (Sie selbst waren nicht gläubig.) Ich hastete hin und mußte heulen, weil ich das kurz zuvor noch gedacht hatte, wie schön es doch wäre mal wieder zur Messe zu gehen und nun war ich dort.

Das ist nur ein kleines Beispiel von all den kleinen und großen Wundern des Jakobswegs. Mir liefen die Tränen vor Glück.