Wege der Selbstheilung Teil 2

Messe Dich mit Deinen eigenen Maßstäben, nicht mit denen der Anderen. Denn Du bist nun mal nicht „die Anderen“! © Emily-Star

Über Tablettensucht und wie ich sie besiegte

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Als erstes setzte ich von einem Tag auf den anderen die Antidepressiva „Dauermedikation“ ab. Das war kein leichtes Unterfangen, da mein Körper sich im Laufe der Jahre an die Wirkstoffe gewöhnt hatte und sie ihm nun fehlten. Angeblich sollte es ja gar keine Entzugserscheinungen geben, aber nach sieben Jahren, die ich dieses Medikament mittlerweile genommen hatte, kamen natürlich trotzdem reichlich. Dazu zählten unter anderem Schlaflosigkeit, Hitzewellen und der vorübergehende Verlust des Gleichgewichtssinns. Das hieß dann in der Praxis auf allen vieren durch die Wohnung zu kriechen und mich, wenn ich dann mal versuchte mich aufzurichten, sehr gut an Möbeln fest zu halten. Das dauerte ca. eine Woche. Aber dann wurde es endlich besser und es begann sich alles nach und nach zu normalisieren.

Später habe ich von einem (anderen) Arzt, als dem, der mir immer die Tabletten verschrieben hatte erfahren, daß das eigenmächtige abrupte absetzen ziemlich leichtsinnig und auch gefährlich gewesen ist. Und dann noch ohne ärztliche Aufsicht. Ich konterte daraufhin, daß mir ja mal gesagt worden war, daß es keine Entzugserscheinungen geben würde. Er meinte, ja das hätte man damals gedacht, aber heute wüßte man es besser. Na ganz toll, so viel also zu Langzeitstudien BEVOR! ein Medikament frei gegeben wird. Die Langzeitstudie waren dann wohl all jene, wie auch ich gewesen, die das Medikament dummerweise zu lange genommen hatten. Denn heute steht in der Packungsbeilage, daß man diese Arznei in keinem Fall länger als zwei Jahre nehmen soll. Warum stand das da damals nicht? Ebenso wie die Tatsache, daß es die Zahnsubstanz zerstört. Es hat sehr viel Zeit und Geld gekostet, meine Zähne wieder herstellen zu lassen… Ich war wirklich wütend und fühlte mich ein bißchen als Versuchskaninchen missbraucht. Ich schwor mir, so etwas nie wieder zu nehmen. Doch das war in der Praxis gar nicht so leicht umzusetzen. Wer einmal versucht hat mit dem rauchen aufzuhören oder durch eine Diät bestimmte Dinge, die er liebt einfach nicht mehr essen darf, der versteht gewiß, wovon ich da rede. Die ersten paar Tage laufen noch ganz gut, die Vorsätze sind alle frisch- aber dann kommt er auf einmal doch, der Moment der „Schwäche“ Den wo man denkt, „Jetzt eine Zigarette!“ oder „Jetzt eine Schokolade, oh ich habe so einen Heißhunger drauf!“ Und dann beim „Nein!“ zu bleiben, ist verdammt schwierig und erfordert sehr viel Selbstdisziplin! Denn natürlich hatte auch ich diese Momente, wo ich zwar wußte, wie schädlich diese Tabletten sind, ich mir ihre betäubende Wirkung jedoch zurück wünschte.

Da stand ich nun, am Ausgangspunkt angekommen. Mit den gleichen Schwierigkeiten konfrontiert, wie zu der Zeit, als mir dieses „Betäubungsmittel“ angeboten wurde. Ich stand da und begriff langsam, daß ich nicht geheilt war und viel kostbare Zeit einfach verschwendet hatte. Verschwendet an eine Illusion. Es war gar nichts geklärt, nichts geheilt. 7 Jahre im Dämmerzustand einfach an mir vorbei gezogen. Ich konnte immer noch nicht weinen und mein Bedürfnis mich wieder zu verletzen wurde genau dadurch immer größer. Ich hatte mir keinen Plan gemacht, keine Hilfe geholt für die Zeit danach. Aber einfach aufgeben? Nach all dem? Nein das wollte ich auch wieder nicht! Und irgendwie war es ja doch auch schön, wieder etwas zu fühlen. Also beschloss ich für mich, einfach mal etwas anderes auszuprobieren, mich anderes zu verhalten, als sonst. Ich schloß einen inneren Kompromiss ab. Jedes Mal, wenn meine Gefühle wieder heftig werden, körperlich aktiv zu werden. Da ich damals noch tanzen konnte, war das dann auch der Tanz. Die Gefühle wollten heraus, also versuchte ich ganz bewußt sie einmal durch etwas anderes, als das Altbekannte frei zu lassen. Und wenn ich merkte, daß es wirklich nicht half (und auch nur dann), nahm ich meine „Notfalltabletten“, die ich noch besaß. Die Wirkung bestand darin, daß sie mich vollkommen schachmatt setzten.

Denn ich stellte fest, daß wenn ich erst einmal eine Nacht darüber schlief, es mir am nächsten Tag für gewöhnlich besser ging. Das war zwar immer noch nicht das „non plus ultra“, aber TROTZDEM eine kleine Verbesserung. Und das ist wichtig! Die kleinen Verbesserungen zu schätzen. Denn von sich zu erwarten von heute auf morgen alles wieder im Griff zu haben, kann nur schief gehen. Der erste Schritt meiner Selbstheilung lag also erst einmal darin, mir meine Lage einzugestehen und mir selbst die Zeit zu geben, die ich dafür brauche, sie ganz langsam in meinem eigenen Tempo zu verbessern. Daher kam dann auch die Erkenntnis, wie wichtig es ist, zu sehen was man schon geschafft hat und dies zu würdigen. Wenn man das erst einmal verinnerlicht hat, daß man sich mit seinen eigenen Maßstäben messen sollte und nicht mit denen der Anderen, beginnt schon die erste kleine positive Veränderung in einem selbst. Ich sagte mir also: „Ich habe schon den Entzug vom Dauermedikament geschafft und endlich meine Gefühle zurück. Ich habe eine neue Möglichkeit aufgetan mit meinen heftigen Gefühlen umzugehen. Für den absoluten Notfall habe ich zwar etwas da, aber ich versuche trotzdem mal, ob es auch ohne diese Krücke geht. Und jedes Mal, wenn ich sie nicht brauche, wenn ich es ohne sie schaffe – ist ein Erfolg! Und sollte ich sie doch brauchen, ist das auch in Ordnung! Immerhin habe ich mich dann aber nicht selbst verletzt und vielleicht schaffe ich es ja beim nächsten Mal sogar ohne!“ Und mit genau dieser Einstellung schaffte ich es dann tatsächlich auch, sie immer seltener zu brauchen. Hätte ich mir jetzt gesagt: „Du hast ja immer noch diese Krücke, wie erbärmlich!“ Dann hätte ich meine ersten kleinen Erfolge selbst nieder gemacht und die Motivation weitere kleine Erfolge zu erzielen, wäre gewiß nicht so hoch gewesen.

Wenn man versucht ein „Problem“ in den Griff zu kriegen, dann darf man sich auf gar keinen Fall mit Menschen messen, die das Problem nie hatten. Gar nicht kennen. Da kann man nur verlieren.

Jemand der reich ist, wird nie verstehen wie sich ein Armer fühlt.
Jemand der essen kann was er will ohne zuzunehmen,
wird nie verstehen wie es ist, wenn man eine Diät macht.
Jemand der nie ernsthaft krank war, kann nicht verstehen wie es ist krank zu sein.

Wir sind alle einzigartig, haben unsere eigene Geschichte und deshalb unseren eigenen Weg!
Und wie meiner weiter ging, schreibe ich in Teil 3.

Bildertext:

Messe Dich mit Deinen eigenen Maßstäben,
nicht mit denen der Anderen.
Denn Du bist nun mal nicht „die Anderen“!

© Emily-Star